Samstag, 17. September 2016 von Rosalinde Conzelmann

Es fehlt was . . .

Als wir vor einem Vierteljahrhundert in Heselwangen unser Haus mitten im Dorfkern nur wenige Meter von der Kirche entfernt, bezogen haben, gab es die ersten Monate schlaflose Nächte, weil ich jede volle Stunde vom bis dato ungewohnten Glockengeläut aufgewacht bin. Aber der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier und schon nach kurzer Zeit, habe ich das Läuten nicht mehr bewusst wahr genommen. Im Gegenteil, ich habe die Kirchturmuhr gerne schlagen gehört. Vor allem aber war sie mir über all die Jahre tagsüber ein treuer Begleiter, denn ich konnte von meinem Garten aus auf die Zeiger blicken und freute mich über meine „Freiluftuhr“. Seit meiner Rückkehr aus dem Urlaub ist alles anders: Bekannterweise ist die Glocke nach einem Brand in der Kirche verstummt. Wenn sich mein Blick – was er gewohnheitsmäßig immer noch mehrfach täglich macht – gen Kirchturm richtet, stehen die Zeiger auf zehn vor zwölf. Immer. Und zur vollen Stunde herrscht Stille. Was andere freuen würde, irritiert mich, denn mir fehlt unsere Kirchturmglocke. Ich kann es kaum erwarten, bis sie wieder Teil unseres Alltags ist.

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Dienstag, 30. August 2016 von Rosalinde Conzelmann

Kein Grund zur Panik, oder?

Der Aufruf der Bundesregierung, sich für den Katastrophenfall jedweder Art einen Vorrat anzulegen, hat meinen Mann und mich auch beschäftigt. Erst haben wir darüber gelacht, dann aber doch so unsere Gedanken dazu gesponnen. Und dabei mussten wir feststellen, dass wir schlechte Karten hätten im Falle einer Katastrophe. Konserven? Wenn's hochkommt, habe ich drei Dosen gehackte Tomaten und zwei Dosen Eierravioli im Küchenschrank stehen. Da sieht's beim Katzenfutter besser aus, unsere Miezen kämen also über die Runden. Außerdem bliebe ihnen ja noch die Mäusejagd. Mineralwasser? Okay, die Empfehlung von 28 Flaschen sind kein Problem, allerdings trinke ich bei diesem Wetter auch mal drei Liter am Tag. Heizöl? Der Tank ist derzeit halb voll. Spielt aber keine Rolle, denn die Heizung wäre ja tot ohne Strom. Dennoch müssten wir nicht frieren, Feuerholz für den Kaminofen ist noch rund ums Haus gestapelt. Aber ohne Heizung kein Duschwasser, aber wenigstens ne Kochstelle: unser Grill, die Gasflasche ist noch voll. Kartoffeln und Gemüse? Fehlanzeige. Beides schrumpelt bei mir nach ein paar Tagen zusammen mangels richtigem Lagerplatz.

Aber man kann doch auch mit Rotwein, Bier und Schokolade zehn Tage überleben, oder? Denn das geht bei uns nicht aus. Ach ja, meine Kiste mit den Kerzen ist ebenfalls immer gut gefüllt – alle Größen, alle Farben. Zehn romantische Tage bei Kerzenschein, einem lodernden Kaminfeuer und einem guten Tröpfchen – diese Vorstellung hat uns beruhigt schlafen gehen lassen. Um davor – wieder ganz ernst – festzustellen, dass wir hoffen, dass der Ernstfall nie eintreten wird.

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Mittwoch, 24. August 2016 von Rosalinde Conzelmann

Ein wahrlich hoher Preis

Die Olympiade in Rio ist vorbei. Eine wenig rühmliche Veranstaltung mit vielen Macken, die ihrem hohen Anspruch nicht gerecht wurde und für Debatten sorgte. Stichworte: Sicherheitspolitik, Doping, Korruption, geringes Zuschauerinteresse. Für die Mountainbikerin Sabine Spitz wurde Rio zur persönlichen Schicksalsfrage. Mit ihren 44 Jahren hat die sympathische Sportlerin aus dem Schwarzwald den Zenit in dieser kräftezehrenden, zwischenzeitlich von jungen, wilden Talenten beherrschenden Sportart überschritten, hält sich aber immer noch tapfer an der Weltspitze. Die Olympiasiegerin von 2008 wollte in Rio ihre persönlichen Olympiageschichte mit insgesamt fünf Teilnahmen erfolgreich abschließen. Es wurde ihre schlechteste Platzierung, und dennoch sprach die Sportlerin von einem versöhnlichen Abschluss. Ein Abschluss, für den sie einen hohen Preis bezahlt hat. Denn die Radsportlerin schlug den Rat ihrer Ärzte in den Wind und startete mit einem kaputten Knie. Noch vor Rio hatte sie sich das tote Gewebe im entzündeten Knie herausschneiden lassen, um die Heilung zu beschleunigen. Ob's genützt hat, wissen wir nicht. Auf alle Fälle hat die Sportlerin, die für ihren Kampfgeist bekannt ist, auch ihr letztes, qualvolles Olympiarennen bis zum Schluss durchgestanden. Das ist bemerkenswert und zollt mir großen Respekt ab. Dennoch kommen mir auch Zweifel, ob es sich wirklich gelohnt hat, für dieses Ziel die Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Zumal die „Grand Dame“ des Radsports in ihrer Sportlerkarriere alles erreicht hat und sich und ihren Fans eigentlich nichts mehr beweisen muss.

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Dienstag, 26. Juli 2016 von Rosalinde Conzelmann

Urlaubsmodelle

Die Sommerferien sind nicht mehr weit und die Vorfreude auf erholsame Urlaubstage steigt. Dabei gibt es ja ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie der ideale Urlaub auszusehen hat. Es gibt jene Zeitgenossen, für die es das größte Glück ist, zwei Wochen nichts zu tun, als an den Strand zu liegen und sich in einem Vier-Sterne-Hotel verwöhnen zu lassen. Andere suchen die körperliche Herausforderung und sind nur im Sportdress anzutreffen. Gemäß dem Motto, je kaputter, desto glückseliger. Und dann gibt es noch die Urlauber, die daheim bleiben und ihre Heimat erkunden und ansonsten einfach nichts tun. Ich habe eine Freundin, die diese Modell gewählt hat. Am letzten Arbeitstag hat sie noch die ganze Wäsche gewaschen und den Kühlschrank gefüllt. Die kommenden zwei Wochen werden sie und ihre Familie außer Ausflüge machen, faulenzen, essen gehen und bei schlechtem Wetter saunieren, keinen Finger krumm machen. Halt Urlaub machen!!! Ich finde das klasse, wäre für mich aber unvorstellbar. Faul im Garten liegen und wegschauen, wenn das Unkraut wuchert? Die Wäschetrommel überquellen lassen? Nur das Nötigste in der Küche machen? In den Tag hineinleben, sich erholen, während es einem in den Finger juckt, weil man den Schrank auch mal ausräumen wollte. Geht gar nicht. Ich muss weg von meinen Pflichten, um Ruhe und Erholung zu finden.

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Dienstag, 12. Juli 2016 von Rosalinde Conzelmann

Note eins!

Der Albstädter Bikemarathon ist jedes Jahr ein Erlebnis, sei es vor (gefühlt) langer Zeit, als ich ihn noch selbst gefahren bin oder sei es als Streckenposten. Dieses Amt haben mein Mann und ich seit zehn Jahren inne, nachdem wir von der strapaziösen Fahrerseite auf die (in der Regel) ruhigere Helferseite gewechselt sind. Glücklicherweise gab es am Samstag an unseren Posten keine größeren Unfälle. Eine Fahrerin stürzte über den Lenker, rappelte sich trotz Schürfwunden und blutendem Knie aber auf. Später habe ich sie kurz vor knapp freudestrahlend durchs Ziel fahren sehen. Hut ab. Das gibt eine glatte Eins fürs Durchhalten. Eine glatte Eins bekommt aber auch Zuschauer Karl von mir. Der stand mit uns, nachdem wir unseren Posten dichtgemacht hatten, in Laufen an einer Treppe. Dort mussten die erschöpften Radhelden ihre Fahrräder hochtragen. Karl, so hieß der Radsportfan, wie ich heraushören konnte – „du bischt aber auch überall“ – zauberte ihnen ein Lächeln ins Gesicht. „Ihr seid die Besten“, feuerte er sie an. Oder: „Jetzt kommen die Schönsten“. Dazwischen entschlüpfte ihm immer wieder ein „Jawohl, jawohl“ mit gleichzeitigem Klatschen. Karl, dafür gibt es ebenfalls eine glatte Eins. So viel Sportsgeist ist nicht zu toppen. Dagegen bekommen die Fahrer der schweren Geländewagen, die das Rennen anführen, nur eine Vier. Ihr Staub-aufwirbelndes-aufs Gaspedaldrücken hätte nicht sein müssen. Ich weiß, das macht halt schon Spaß, bei so viel PS unterm Hintern. Eine vier gibt es zudem für die Nörgler, weil die Straßen gesperrt sind. So viel Sportsgeist sollte einmal im Jahr sein.

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