Freitag, 31. März 2017 von Rosalinde Conzelmann

Das stinkt zum Himmel

Alle Schotten dicht – so lautete am Dienstagabend die Ansage im Hause Conzelmann. Der Grund dafür war kein netter. Ein durchdringender, widerlicher Geruch, der von außen durch die offenen Fenster ins Innere zog, hatte sich in allen Räumen verteilt. So stinkt nur Gülle. Die Wäsche, die ich zum Trocknen raushängen wollte, kam auf den Ständer in der Waschküche; in Küche und Bad zündete ich Duftlampen an, um den Gestank wenigstens ein bisschen zu überdecken. Meine Nachfrage beim Landratsamt am nächsten Tag hat dann ergeben, dass das Gülleausbringen derzeit nicht verboten ist. Nur in der Zeit vom 1. November bis zum 31. Januar dürfen auf Ackerland, und vom 15. November bis zum 31. Januar auf Grünland keine flüssigen Wirtschaftsdünger ausgebracht werden. Und geregnet hat es auch nicht. Ebenso wenig war der Boden überschwemmt, schneebedeckt oder gefroren – was alles sonst Stoppsignale für die Landwirte wären. Am nächsten Tag war der Gestank und der Ärger darüber wieder verflogen. Auf eine Wiederholung lege ich allerdings keinen Wert.

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Donnerstag, 16. März 2017 von Rosalinde Conzelmann

Rot, prall, aber bäähh

Ich liebe Tomaten. Und kaufe sie deshalb das ganze Jahr über und bin immer auf der Suche nach Tomaten, die so lecker schmecken, wie sie aussehen: Prall, leuchtend rot und zum Reinbeißen. Die im Mund zergehen, nach Sonne riechen und mich an den Urlaub in Italien erinnern. Leider kommt die Ernüchterung meist nach dem ersten Bissen: Ein Großteil der Früchte schmeckt fad, wässrig und einfach nach Nichts. Im schlimmsten Fall steigt mir der Geruch von Dünger in die Nase, irgendwie denkt man an ein Chemielabor. Was mein Gaumen schon lange weiß, haben nun Forscher an der Universität Valencia herausgefunden: Die moderne Tomate hat mit der alten Frucht nichts mehr gemein. Der Grund dafür: Die Gene haben sich verändert und damit auch der Geschmack. Die Wissenschaftler haben 400 Sorten untersucht und die Laboruntersuchungen haben bestätigt, dass im Laufe der Zeit tatsächlich Gene verloren gegangen sind. Jetzt also ist wissenschaftlich untermauert, was meine Geschmacksnerven schon lange wissen. Deshalb kaufe ich meine Tomaten, wenn es irgendwie geht, auf dem Markt. Dort gibt's die alten Sorten, die einfach mmmmhhhhhh schmecken.

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Donnerstag, 9. März 2017 von Rosalinde Conzelmann

Gedanken zum Warten

Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, wie viele Formen des Wartens es eigentlich gibt? Es gibt ein schönes Warten wie als Kind auf das Christkind oder als Teenager auf den Moment der Volljährigkeit oder als Eltern auf die Geburt eines Kindes. Dann gibt es ein trauriges Warten, das meist mit Abschiednehmen einhergeht, beispielsweise am Krankenbett eines geliebten Menschen, der den Tod erwartet. Das sehnsüchtige, auch süße Warten lässt uns leuchten und strahlen, denn es ist meist den Liebenden vorbehalten und oft nur von kurzer Dauer. Auf das angespannte Warten würden wir gerne verzichten, es macht uns nervös und zehrt an uns. Wie die Stille im Gerichtssaal vor dem Richterspruch oder die Minuten, bevor der Arzt die Diagnose mitteilt oder die Zeit vor der Bekanntgabe eines wichtigen Prüfungsergebnisses. Auch wenn wir wollten, könnten wir nicht aufhören zu warten. Ebenso wenig können wir die Zeit anhalten oder die Minuten wie bei einer Uhr einfach vor stellen. Das Warten ist unser Lebensbegleiter und Auslöser von unbändiger Freude bis hin zum tiefsten Leid.

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Mittwoch, 1. März 2017 von Rosalinde Conzelmann

Da heißt es stark sein

Mein Gärtnerherz muss gerade schwere Zeiten durchmachen. Schuld daran sind die ersten schönen Tage, die Lust auf Frühling machen. Am liebsten würde ich das unansehnlich gewordene Heidekraut und das welke Efeu aus den Blumenkästen verbannen und Tulpen, Hyazinthen und die ersten Topfrosen einpflanzen. Es bitzelt mich auch, den Oliven- und den Zitronenbaum, die in ihrem Winterquartier den Großteil der Blätter abgeworfen haben, wieder auf die Terrasse zu verfrachten. Mein (grünes) Herz sagt ja, die Vernunft nein. Die Eisheiligen sind es, die mir meine Gärtnerlaune verderben. Sie werden erst im Mai erwartet. Ich weiß nicht, ob ich das so lange aushalten kann. Aber die andere Variante: Töpfe rein, Töpfe raus, je nach Wetterlage, tut meinem Rücken auch nicht gut. Also greift Plan C – die Frühlingsblüher kommen ins Haus – exakt so lange, bis die Sonne wieder lacht und ich lospflanze. Und die Eisheiligen? Die können mir den Buckel runterrutschen.

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Samstag, 4. Februar 2017 von Rosalinde Conzelmann

Wahre Helden sind rot getigert

Eigentlich wollte ich ja über den Film Bob, der Streuner nichts schreiben, weil ich ja schon ein Tagebuch über das Buch geschrieben habe. Das ist aber Schnee von gestern und alle, die Katzen nicht mögen, können jetzt ja noch aussteigen. Dass man Hunde dressieren kann, weiß man ja. Es gibt ja genug vierbeinige Filmstars. Aber Dreharbeiten mit einer Katze, das habe ich mir schwierig vorgestellt. Also haben die Macher einfach den echten Bob als Hauptdarsteller genommen. Jener rot getigerte Kater, der in London gemeinsam mit seinem Herrchen James Bowen zu einer Berühmtheit geworden ist. Dank Bob hat es Bowen geschafft, seinem alten Leben als Junkie den Rücken zu kehren. Der Film zeigt diese wahre Geschichte in wunderschönen Bildern. Er zeigt aber auch die einsame Welt eines einst Süchtigen, die Qualen des Entzugs. Vor allem aber führt uns der Film vor Augen, dass Bob nicht nur ein eigensinniger Kater ist, der die Herzen der Menschen berührt, sondern auch ein Filmstar. Regisseur Roger Spottiswoode, der auch den Bond „Der Morgen stirbt nie“ gedreht hat, hat halt einen Blick für wahre Helden. My name is Bob – Bob, der Streuner.

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