Freitag, 21. Juli 2017 von Rosalinde Conzelmann

Rettet die Vorgärten

Unter diesem Motto hat der Bundesverband Garten- und Landschaftsbau (BGL) im Januar eine Kampagne gestartet. Der Grund dafür sind die zahlreichen Steingärten, die derzeit wie Unkraut aus dem Boden schießen. Ich kann mich dem Appell voll anschließen. Ich verstehe ja noch durchaus, dass Steingärten eine pflegeleichte Alternative für alle Gartenbesitzer sind, denen die Arbeit über den Kopf wächst, weil sie älter sind oder der Garten sehr groß ist. Keinesfalls aber kann ich mich in jene hineinfühlen, die in ihrem Vorgärtlein bunten Kieselsteinen gegenüber blühenden Schönheiten den Vorzug geben. Der BGL weist in seiner Initiative darauf hin, dass der Vorgarten heute in Zeiten des Klimawandels weitaus mehr Aufgaben hat als nur eine optische Visitenkarte zu sein: Er ist Teil des öffentlichen Grünraums in der Straße und damit Spiel- und Naturerfahrungsraum für Kinder, Lebensraum für Tiere und Pflanzen und – technisch betrachtet – Versickerungsfläche für Regenwasser. Es muss ja nicht alles piccobello sein, liebe Leute. Mir persönlich ist ein naturnaher, leicht verwilderter Garten allemal lieber als eine blitzblanke Kiesfläche. Die Bienen und Schmetterlinge nehmen es auch nicht so genau. Hauptsache grün.

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Samstag, 24. Juni 2017 von Rosalinde Conzelmann

Lebensabend im Süden

Einen würdigen Lebensabend erleben – am liebsten im Kreise der Familie wohlumsorgt, das wünscht sich jeder. Leider sieht die Realität anders aus und steht vielfach für ein einsames Leben in einer Pflegeeinrichtung. Geht aber auch anders. Bei unserem jüngsten Urlaub auf der Sonneninsel Mallorca saßen wir gemütlich in einem Lokal in Artà. Direkt neben uns saßen fünf ältere Damen auf Plastikstühlen direkt vor der Haustüre einer kleinen Stadtwohnung. Alle waren fein gekleidet, trugen Mallorcaperlen, unterhielten sich und beobachteten aufmerksam das Treiben auf der Promenade. Auf meinen staunenden Blick meinte die Bedienung lächelnd: „Every day, they are every day here“ – also jeden Tag sitzen die älteren Frauen, vermutlich Witwen, in den Abendstunden an diesem belebten Platz. Gegen 21 Uhr sind sie aufgestanden, hakten sich ein und steuerten die nächste Eisdiele an, um sich ein Betthupferle zu holen. Gemeinsam haben sie dann die Stühle in die Diele geräumt und sich mit einem Wangenkuss voneinander verabschiedet. Alle sahen fröhlich und zufrieden aus. Dieses südlich-sonnige Altersmodell kennt keine Einsamkeit.

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Mittwoch, 21. Juni 2017 von Rosalinde Conzelmann

Die Lichter gehen aus

Gestern Mittag, 12.30 Uhr: Ich will gerade nach dem Salatkopf greifen, als es bling macht und auf einen Schlag zappenduster wird. Alle Lichter sind ausgegangen, es herrscht Endzeitstimmung im E-Center. Die Kunden schauen sich verwundert an. Wohl dem, der sein Handy dabei hat und sich so orientieren kann. „Ich weise Ihnen gerne den Weg“, bittet eine junge Frau einem älteren Ehepaar ihre Hilfe an und leuchtet über deren Einkaufswagen hinweg. Ein älterer Herr hat es sich auf einem Stuhl bequem gemacht und meint nur trocken: „Das ist wie bei der Bundesbahn.“ Er macht sich wenig Hoffnung, das es noch klappt mit dem frischen Fisch, nimmt es aber gelassen. Nach ein paar Minuten gehen an der Decke die Notleuchten an. Die beiden besetzten Kassen, die seltsam blau in der Dunkelheit leuchten, weisen den durch die Gänge irrenden Kunden den Weg aus dem merkwürdig stillen Supermarkt. Sie funktionieren trotz Stromausfall, wer möchte, kann sogar mit der Bankkarte zahlen. Ich suche und finde auch ohne Handy noch schnell das Katzenfutter und eile zur Kasse. Draußen stehen nun zwei Mitarbeiter und bitten neue Kunden, draußen zu bleiben, während die letzten ins Licht huschen. Ich suche nach diesem Einkaufserlebnis der ganz anderen Art das nächste Geschäft auf. Es ist laut und hell.

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Mittwoch, 31. Mai 2017 von Rosalinde Conzelmann

Ein besonderes Völkchen

Weltcup in Albstadt, das sind zahlreiche Paradiesvögel auf einem Haufen. Mountainbiker aus aller Welt, die der Provinz einen Hauch von großer weiter Sportwelt geben. Und dabei schlagen sich die Albstädter als Gastgeber ganz wacker. Richtig klasse. Und überhaupt nicht provinziell. Und wenn's dann doch mal mit der Verständigung hapert, etwa bei der Bedienung der Waschmaschine, dann drücken die hilfsbereiten Helfer die Knöpfe eben selbst. Berührungsängste? Gleich Null. Da kommt es dann auch vor, dass die Hallenkraft in der Lutherschule, den einen oder anderen Mountainbiker aus China oder den Staaten freundlich darauf hinweisen muss, dass er gerne die Dusche benutzen darf, sein Rädle aber draußen bleiben muss. Natürlich mit dem Hinweis, dass es nicht wegkommt. „Wir passen darauf auf.“ Oder der Streckenposten ein freundliches thank you und ein strahlendes Lächeln erntet, wenn er die Athleten durchlässt. Oder die netten Damen beim Truchtelfinger Turnverein um die Wette strahlen, weil ihre Maultaschen über den Schellenkönig gelobt werden und sie in der größten Hektik Ruhe bewahren. Albstadts größtes Pfund sind in solchen Tagen die Menschen, die bereit sind, freiwillig über mehrere Tage an- und zuzupacken – und dies alles mit einem Lächeln auf dem Lippen.

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Samstag, 20. Mai 2017 von Rosalinde Conzelmann

Piepmatzfamilie mit Dickkopf

Schon zum zweiten Mal haben sich Mama und Papa Rotkehlchen unseren Holzschopf zum Nestbau ausgesucht. Das freut uns natürlich. Auch wenn sie dabei ordentlich Dreck machen. Und weil die beiden sich für ihren Hausbau einen glatten Holzbalken in zwei Meter Höhe ausgesucht haben, hat mein Mann ihnen eine schöne Stütze aus Ästen gebaut. Also eine stabile und sichere Kinderstube. Das dachten wir. Aber die Piepmätze hatten andere Pläne und ihren Architekten abgelehnt. Sie haben das geschützte Nest einfach verlassen und neu gebaut: exakt zehn Zentimeter daneben. Jetzt sitzt Mama auf den Eiern und wir hoffen, dass ihr Häusle so stabil ist, dass es nicht vom Balken rutscht. Wir haben schon einen Plan B. Das Pärchen soll ungestört brüten. Sobald die Jungen geschlüpft sind, wird mein Mann eine Stütze anbringen. Quasi ein Balkon, über den sich die eigenwilligen Piepmätze hoffentlich freuen.

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