Freitag, 29. September 2017 von Rosalinde Conzelmann

Zwang entschleunigt!

Erst ein Klack, dann ein Pffffffttttt – das war am Mittwochmorgen das unfreiwillige Entschleunigungssignal für mich. Der Reifen war platt. Ein tiefer Schlitz teilte den Gummi. Mein Auto hoppelte nach meinem Termin in Rosenfeld noch auf einen Parkplatz, wo ich erst einmal ganz tief durchatmete. Dann schoss es mir durch den Kopf, das Wort, das ich bislang in meinem langen Dasein als Autofahrerin verdrängt hatte. Reifenwechsel. Hä? Nö. Stattdessen: Hilfe holen. Der Chef meiner Autowerkstatt war dann in zehn Minuten da. Gemeinsam suchten und entdeckten wir das Notrad, von dessen Existenz ich bis dato nichts gewusst hatte, auf der Unterseite des Wagens. Ruckzuck wechselte der Fachmann den Reifen. Es folgte eine weitere Premiere: eine Zuckelfahrt mit dem Notrad. Erstaunlicherweise war ich nicht die langsamste Autofahrerin an diesem Morgen. Auch einer mit Notrad? Daheim angekommen, zog ich meine Gartenhandschuhe an, wuchtete meine vier Winterreifen ins Auto und zuckelte zurück in die Werkstatt. Tiefenentspannt wartete ich dann, bis alle vier Räder montiert waren. Noch einmal durchschnaufen und dann mit Vollgas zurück in den hektischen Redaktionsalltag. Ach ja, Ursache für das Malheur war wohl eine scharfe Treppenstufe, die ich beim Wegfahren nicht gesehen hatte.

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Mittwoch, 23. August 2017 von Rosalinde Conzelmann

Nah an den Menschen

Fahrradfahren hält nicht nur fit und macht Spaß, es fördert auch das Miteinander über Sprachbarrieren hinweg. In unserem Urlaubsort Dolcedo in Ligurien haben wir eine Lieblingstour; wir nennen sie die Hausrunde. Die Strecke führt durch malerische Örtchen und ist bei den heißen Temperaturen leicht zu bewältigen. Auch dieses Jahr sind wir die Runde gefahren und haben gleich zwei nette Begegnungen erlebt – auf dem Dorfplatz in Vasia. Beim ersten Mal saßen wir auf einer Steinbank, als uns ein alter Mann, der einen Korb frisch geernteter Tomaten in den Händen hielt, freundlich begrüßte und uns lächelnd zwei der roten Früchte reichte. Ich spreche kein Italienisch, entnahm aber seinen Worten, dass die Tomaten biologisch sind. Wir bedankten uns in seiner Landessprache und verspeisten die Wegzehrung noch an Ort und Stelle. Ein anderes Mal wurde ich von einem Italiener aus einer Gruppe von Rennradfahrern, die am Brünnlein vor der Kirche ihre Flaschen füllten, auf mein Mountainbike angesprochen. Auf Englisch plauderten wir eine Weile – und schafften es den Bogen vom Radfahren zum philosophischen Thema, wie vergänglich doch unser von Pflichten bestimmtes Leben ist.

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Freitag, 21. Juli 2017 von Rosalinde Conzelmann

Rettet die Vorgärten

Unter diesem Motto hat der Bundesverband Garten- und Landschaftsbau (BGL) im Januar eine Kampagne gestartet. Der Grund dafür sind die zahlreichen Steingärten, die derzeit wie Unkraut aus dem Boden schießen. Ich kann mich dem Appell voll anschließen. Ich verstehe ja noch durchaus, dass Steingärten eine pflegeleichte Alternative für alle Gartenbesitzer sind, denen die Arbeit über den Kopf wächst, weil sie älter sind oder der Garten sehr groß ist. Keinesfalls aber kann ich mich in jene hineinfühlen, die in ihrem Vorgärtlein bunten Kieselsteinen gegenüber blühenden Schönheiten den Vorzug geben. Der BGL weist in seiner Initiative darauf hin, dass der Vorgarten heute in Zeiten des Klimawandels weitaus mehr Aufgaben hat als nur eine optische Visitenkarte zu sein: Er ist Teil des öffentlichen Grünraums in der Straße und damit Spiel- und Naturerfahrungsraum für Kinder, Lebensraum für Tiere und Pflanzen und – technisch betrachtet – Versickerungsfläche für Regenwasser. Es muss ja nicht alles piccobello sein, liebe Leute. Mir persönlich ist ein naturnaher, leicht verwilderter Garten allemal lieber als eine blitzblanke Kiesfläche. Die Bienen und Schmetterlinge nehmen es auch nicht so genau. Hauptsache grün.

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Samstag, 24. Juni 2017 von Rosalinde Conzelmann

Lebensabend im Süden

Einen würdigen Lebensabend erleben – am liebsten im Kreise der Familie wohlumsorgt, das wünscht sich jeder. Leider sieht die Realität anders aus und steht vielfach für ein einsames Leben in einer Pflegeeinrichtung. Geht aber auch anders. Bei unserem jüngsten Urlaub auf der Sonneninsel Mallorca saßen wir gemütlich in einem Lokal in Artà. Direkt neben uns saßen fünf ältere Damen auf Plastikstühlen direkt vor der Haustüre einer kleinen Stadtwohnung. Alle waren fein gekleidet, trugen Mallorcaperlen, unterhielten sich und beobachteten aufmerksam das Treiben auf der Promenade. Auf meinen staunenden Blick meinte die Bedienung lächelnd: „Every day, they are every day here“ – also jeden Tag sitzen die älteren Frauen, vermutlich Witwen, in den Abendstunden an diesem belebten Platz. Gegen 21 Uhr sind sie aufgestanden, hakten sich ein und steuerten die nächste Eisdiele an, um sich ein Betthupferle zu holen. Gemeinsam haben sie dann die Stühle in die Diele geräumt und sich mit einem Wangenkuss voneinander verabschiedet. Alle sahen fröhlich und zufrieden aus. Dieses südlich-sonnige Altersmodell kennt keine Einsamkeit.

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Mittwoch, 21. Juni 2017 von Rosalinde Conzelmann

Die Lichter gehen aus

Gestern Mittag, 12.30 Uhr: Ich will gerade nach dem Salatkopf greifen, als es bling macht und auf einen Schlag zappenduster wird. Alle Lichter sind ausgegangen, es herrscht Endzeitstimmung im E-Center. Die Kunden schauen sich verwundert an. Wohl dem, der sein Handy dabei hat und sich so orientieren kann. „Ich weise Ihnen gerne den Weg“, bittet eine junge Frau einem älteren Ehepaar ihre Hilfe an und leuchtet über deren Einkaufswagen hinweg. Ein älterer Herr hat es sich auf einem Stuhl bequem gemacht und meint nur trocken: „Das ist wie bei der Bundesbahn.“ Er macht sich wenig Hoffnung, das es noch klappt mit dem frischen Fisch, nimmt es aber gelassen. Nach ein paar Minuten gehen an der Decke die Notleuchten an. Die beiden besetzten Kassen, die seltsam blau in der Dunkelheit leuchten, weisen den durch die Gänge irrenden Kunden den Weg aus dem merkwürdig stillen Supermarkt. Sie funktionieren trotz Stromausfall, wer möchte, kann sogar mit der Bankkarte zahlen. Ich suche und finde auch ohne Handy noch schnell das Katzenfutter und eile zur Kasse. Draußen stehen nun zwei Mitarbeiter und bitten neue Kunden, draußen zu bleiben, während die letzten ins Licht huschen. Ich suche nach diesem Einkaufserlebnis der ganz anderen Art das nächste Geschäft auf. Es ist laut und hell.

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