Mittwoch, 21. Juni 2017 von Rosalinde Conzelmann

Die Lichter gehen aus

Gestern Mittag, 12.30 Uhr: Ich will gerade nach dem Salatkopf greifen, als es bling macht und auf einen Schlag zappenduster wird. Alle Lichter sind ausgegangen, es herrscht Endzeitstimmung im E-Center. Die Kunden schauen sich verwundert an. Wohl dem, der sein Handy dabei hat und sich so orientieren kann. „Ich weise Ihnen gerne den Weg“, bittet eine junge Frau einem älteren Ehepaar ihre Hilfe an und leuchtet über deren Einkaufswagen hinweg. Ein älterer Herr hat es sich auf einem Stuhl bequem gemacht und meint nur trocken: „Das ist wie bei der Bundesbahn.“ Er macht sich wenig Hoffnung, das es noch klappt mit dem frischen Fisch, nimmt es aber gelassen. Nach ein paar Minuten gehen an der Decke die Notleuchten an. Die beiden besetzten Kassen, die seltsam blau in der Dunkelheit leuchten, weisen den durch die Gänge irrenden Kunden den Weg aus dem merkwürdig stillen Supermarkt. Sie funktionieren trotz Stromausfall, wer möchte, kann sogar mit der Bankkarte zahlen. Ich suche und finde auch ohne Handy noch schnell das Katzenfutter und eile zur Kasse. Draußen stehen nun zwei Mitarbeiter und bitten neue Kunden, draußen zu bleiben, während die letzten ins Licht huschen. Ich suche nach diesem Einkaufserlebnis der ganz anderen Art das nächste Geschäft auf. Es ist laut und hell.

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Mittwoch, 31. Mai 2017 von Rosalinde Conzelmann

Ein besonderes Völkchen

Weltcup in Albstadt, das sind zahlreiche Paradiesvögel auf einem Haufen. Mountainbiker aus aller Welt, die der Provinz einen Hauch von großer weiter Sportwelt geben. Und dabei schlagen sich die Albstädter als Gastgeber ganz wacker. Richtig klasse. Und überhaupt nicht provinziell. Und wenn's dann doch mal mit der Verständigung hapert, etwa bei der Bedienung der Waschmaschine, dann drücken die hilfsbereiten Helfer die Knöpfe eben selbst. Berührungsängste? Gleich Null. Da kommt es dann auch vor, dass die Hallenkraft in der Lutherschule, den einen oder anderen Mountainbiker aus China oder den Staaten freundlich darauf hinweisen muss, dass er gerne die Dusche benutzen darf, sein Rädle aber draußen bleiben muss. Natürlich mit dem Hinweis, dass es nicht wegkommt. „Wir passen darauf auf.“ Oder der Streckenposten ein freundliches thank you und ein strahlendes Lächeln erntet, wenn er die Athleten durchlässt. Oder die netten Damen beim Truchtelfinger Turnverein um die Wette strahlen, weil ihre Maultaschen über den Schellenkönig gelobt werden und sie in der größten Hektik Ruhe bewahren. Albstadts größtes Pfund sind in solchen Tagen die Menschen, die bereit sind, freiwillig über mehrere Tage an- und zuzupacken – und dies alles mit einem Lächeln auf dem Lippen.

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Samstag, 20. Mai 2017 von Rosalinde Conzelmann

Piepmatzfamilie mit Dickkopf

Schon zum zweiten Mal haben sich Mama und Papa Rotkehlchen unseren Holzschopf zum Nestbau ausgesucht. Das freut uns natürlich. Auch wenn sie dabei ordentlich Dreck machen. Und weil die beiden sich für ihren Hausbau einen glatten Holzbalken in zwei Meter Höhe ausgesucht haben, hat mein Mann ihnen eine schöne Stütze aus Ästen gebaut. Also eine stabile und sichere Kinderstube. Das dachten wir. Aber die Piepmätze hatten andere Pläne und ihren Architekten abgelehnt. Sie haben das geschützte Nest einfach verlassen und neu gebaut: exakt zehn Zentimeter daneben. Jetzt sitzt Mama auf den Eiern und wir hoffen, dass ihr Häusle so stabil ist, dass es nicht vom Balken rutscht. Wir haben schon einen Plan B. Das Pärchen soll ungestört brüten. Sobald die Jungen geschlüpft sind, wird mein Mann eine Stütze anbringen. Quasi ein Balkon, über den sich die eigenwilligen Piepmätze hoffentlich freuen.

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Samstag, 29. April 2017 von Rosalinde Conzelmann

Ins Gesicht geschrieben

Das Gesicht der Menschen offenbart zuweilen einen Blick in ihre Seele. Da gibt es Menschen, denen steht das Glück förmlich ins Gesicht geschrieben. Es ist eine Freude, sie anzuschauen. Es wirkt ansteckend. Ihre Augen leuchten, meist haben sie noch ein bezauberndes Lächeln auf den Lippen. Kürzlich blickte ich beim Einkaufen in ein solches Gesicht. Es war ein kleiner Junge, der während er genussvoll im Sitz des Einkaufswagen ein Saitenwürstchen mampfte, mit seiner Oma flirtete – mit Händen und Füßen. Die beiden hatten nur Augen füreinander. Der kleine Kerl war bezaubernd und strahlte dieses Glück aus. Ich musste immer wieder hinschauen. Und dann blicke ich immer wieder in Gesichter, die mich traurig machen, weil so viel Unzufriedenheit, Teilnahmslosigkeit oder auch Wut darin zu lesen sind. Sie signalisieren ihrem Gegenüber ein „Stopp“, es ist wie eine unsichtbare Mauer. Manchmal hilft einfach ein Lächeln und die Mauer bröckelt. Während bei den Glücklichen auf ein kleines Lächeln ein ganzes Bündel folgt. Man muss halt hinschauen.

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Samstag, 15. April 2017 von Rosalinde Conzelmann

Erinnerung an Ostern

Ostern steht vor der Tür und natürlich gibt es für die Kinder Geschenke. Der Patensohn meines Mannes ist acht Jahre alt. Als wir seine Mama fragten, was er sich wünscht beziehungsweise was er brauchen kann, kam als erste Reaktion ein Oh je. Der Kleine hat ja alles. Die Geschenkeliste ist verteilt. Gemäß dem Motto: Größer, schöner, teurer! Natürlich ist ihr dann noch etwas eingefallen. Ich habe mich nur gewundert und zurückerinnert. Für mich und meine Geschwister war Ostern immer etwas Besonderes und wir haben uns auf die kleinen Nester mit Süßigkeiten riesig gefreut. Und wenn dann noch von der Dote ein neues Kleid für meine Barbie oder ein Federballspiel und für meinen Bruder ein Spielzeug im Nestchen lag, waren wir selig. Von wegen Fahrräder, Uhren, die neuesten In-Klamotten, teure Schuhe oder gut gefüllte Umschläge. Gut, das ist jetzt 40 Jahre her und die Zeiten ändern sich. Die Frage, welche „Variante“ die bessere ist, kann sich jeder selbst beantworten. Für mich ist Ostern als das Fest der Familie mit Nestersuche, ausschlafen, wandern, spielen und Ausflüge machen in schönster Erinnerung geblieben. Ach ja, einmal gab es Rollschuhe. Das war ein Heidenspaß.

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