Samstag, 14. Oktober 2017 von Rosalinde Conzelmann

Ein bunter Glückskasten

Erinnern Sie sich noch? An die bunten sperrigen Kisten, die noch in den 1990er-Jahren nahezu in allen Pubs und Kneipen standen und auf Knopfdruck losheulten, um die aktuellen Charthits rauf- und runterzuspielen. Ja, ich spreche von der guten alten Jukebox, mit der ich jüngst ein wunderschönes Erlebnis hatte. Wir waren bei Bekannten eingeladen, um gemeinsam zu schlemmen, sehr guten Wein zu trinken, viel zu lachen, dazwischen auch zu diskutieren und – irgendwann zu tanzen. Wo? Im Wohnzimmer. Denn dort steht eine Jukebox, bestückt mit jenen Hits, die mich daran erinnerten, wie meine Jugend geklungen hat. Und auch ein bisschen daran – ich gebe es ja zu – dass die Zeit so schnell vergangen ist und ich nun zur Gruppe der Best Ager gehöre. Ist schönfärberisch, klingt aber besser als 50 plus. Das ist so realistisch, so unschön. Egal, in diesen Stunden mit Michael Holm, Frank Sinatra, den Les Humphries Singer und Terry Jacks (von ihm ist der legendäre Song Seasons in den Sun) war ich wieder 20 – ebenso wie meine Freunde, die den besonderen Zauber des Abends auch spürten. Danke, liebe Jukebox. Und: Danke liebe Freundin, dass Du das gute Erbstück deines Bruders für uns alle gerettet hast.

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Freitag, 29. September 2017 von Rosalinde Conzelmann

Zwang entschleunigt!

Erst ein Klack, dann ein Pffffffttttt – das war am Mittwochmorgen das unfreiwillige Entschleunigungssignal für mich. Der Reifen war platt. Ein tiefer Schlitz teilte den Gummi. Mein Auto hoppelte nach meinem Termin in Rosenfeld noch auf einen Parkplatz, wo ich erst einmal ganz tief durchatmete. Dann schoss es mir durch den Kopf, das Wort, das ich bislang in meinem langen Dasein als Autofahrerin verdrängt hatte. Reifenwechsel. Hä? Nö. Stattdessen: Hilfe holen. Der Chef meiner Autowerkstatt war dann in zehn Minuten da. Gemeinsam suchten und entdeckten wir das Notrad, von dessen Existenz ich bis dato nichts gewusst hatte, auf der Unterseite des Wagens. Ruckzuck wechselte der Fachmann den Reifen. Es folgte eine weitere Premiere: eine Zuckelfahrt mit dem Notrad. Erstaunlicherweise war ich nicht die langsamste Autofahrerin an diesem Morgen. Auch einer mit Notrad? Daheim angekommen, zog ich meine Gartenhandschuhe an, wuchtete meine vier Winterreifen ins Auto und zuckelte zurück in die Werkstatt. Tiefenentspannt wartete ich dann, bis alle vier Räder montiert waren. Noch einmal durchschnaufen und dann mit Vollgas zurück in den hektischen Redaktionsalltag. Ach ja, Ursache für das Malheur war wohl eine scharfe Treppenstufe, die ich beim Wegfahren nicht gesehen hatte.

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Mittwoch, 23. August 2017 von Rosalinde Conzelmann

Nah an den Menschen

Fahrradfahren hält nicht nur fit und macht Spaß, es fördert auch das Miteinander über Sprachbarrieren hinweg. In unserem Urlaubsort Dolcedo in Ligurien haben wir eine Lieblingstour; wir nennen sie die Hausrunde. Die Strecke führt durch malerische Örtchen und ist bei den heißen Temperaturen leicht zu bewältigen. Auch dieses Jahr sind wir die Runde gefahren und haben gleich zwei nette Begegnungen erlebt – auf dem Dorfplatz in Vasia. Beim ersten Mal saßen wir auf einer Steinbank, als uns ein alter Mann, der einen Korb frisch geernteter Tomaten in den Händen hielt, freundlich begrüßte und uns lächelnd zwei der roten Früchte reichte. Ich spreche kein Italienisch, entnahm aber seinen Worten, dass die Tomaten biologisch sind. Wir bedankten uns in seiner Landessprache und verspeisten die Wegzehrung noch an Ort und Stelle. Ein anderes Mal wurde ich von einem Italiener aus einer Gruppe von Rennradfahrern, die am Brünnlein vor der Kirche ihre Flaschen füllten, auf mein Mountainbike angesprochen. Auf Englisch plauderten wir eine Weile – und schafften es den Bogen vom Radfahren zum philosophischen Thema, wie vergänglich doch unser von Pflichten bestimmtes Leben ist.

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Freitag, 21. Juli 2017 von Rosalinde Conzelmann

Rettet die Vorgärten

Unter diesem Motto hat der Bundesverband Garten- und Landschaftsbau (BGL) im Januar eine Kampagne gestartet. Der Grund dafür sind die zahlreichen Steingärten, die derzeit wie Unkraut aus dem Boden schießen. Ich kann mich dem Appell voll anschließen. Ich verstehe ja noch durchaus, dass Steingärten eine pflegeleichte Alternative für alle Gartenbesitzer sind, denen die Arbeit über den Kopf wächst, weil sie älter sind oder der Garten sehr groß ist. Keinesfalls aber kann ich mich in jene hineinfühlen, die in ihrem Vorgärtlein bunten Kieselsteinen gegenüber blühenden Schönheiten den Vorzug geben. Der BGL weist in seiner Initiative darauf hin, dass der Vorgarten heute in Zeiten des Klimawandels weitaus mehr Aufgaben hat als nur eine optische Visitenkarte zu sein: Er ist Teil des öffentlichen Grünraums in der Straße und damit Spiel- und Naturerfahrungsraum für Kinder, Lebensraum für Tiere und Pflanzen und – technisch betrachtet – Versickerungsfläche für Regenwasser. Es muss ja nicht alles piccobello sein, liebe Leute. Mir persönlich ist ein naturnaher, leicht verwilderter Garten allemal lieber als eine blitzblanke Kiesfläche. Die Bienen und Schmetterlinge nehmen es auch nicht so genau. Hauptsache grün.

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Samstag, 24. Juni 2017 von Rosalinde Conzelmann

Lebensabend im Süden

Einen würdigen Lebensabend erleben – am liebsten im Kreise der Familie wohlumsorgt, das wünscht sich jeder. Leider sieht die Realität anders aus und steht vielfach für ein einsames Leben in einer Pflegeeinrichtung. Geht aber auch anders. Bei unserem jüngsten Urlaub auf der Sonneninsel Mallorca saßen wir gemütlich in einem Lokal in Artà. Direkt neben uns saßen fünf ältere Damen auf Plastikstühlen direkt vor der Haustüre einer kleinen Stadtwohnung. Alle waren fein gekleidet, trugen Mallorcaperlen, unterhielten sich und beobachteten aufmerksam das Treiben auf der Promenade. Auf meinen staunenden Blick meinte die Bedienung lächelnd: „Every day, they are every day here“ – also jeden Tag sitzen die älteren Frauen, vermutlich Witwen, in den Abendstunden an diesem belebten Platz. Gegen 21 Uhr sind sie aufgestanden, hakten sich ein und steuerten die nächste Eisdiele an, um sich ein Betthupferle zu holen. Gemeinsam haben sie dann die Stühle in die Diele geräumt und sich mit einem Wangenkuss voneinander verabschiedet. Alle sahen fröhlich und zufrieden aus. Dieses südlich-sonnige Altersmodell kennt keine Einsamkeit.

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