Freitag, 2. März 2018 von Rosalinde Conzelmann

Ein Herz für Stinker

Danke, liebe Autoindustrie! Da habt ihr mir ein schönes Ei gelegt. Als ich vor acht Jahren meinen Diesel gekauft habe, war ich davon überzeugt, dass ich die Umwelt schone. Von wegen. Jetzt gehöre ich zur Stinkerfraktion, bin eine Umweltsünderin und mein Auto ist nichts mehr wert. Und dabei hat es mich in den vergangenen acht Jahren stets zuverlässig begleitet wie kein anderes Auto zuvor. Nur vorgestern hat es wegen der Eiseskälte kurz schlapp gemacht. Es geht nicht nur um den Wertverlust, der natürlich sehr weh tut; es geht schlichtweg um Vertrauen, das verloren gegangen ist. Wie es nun weitergehen wird, weiß ja derzeit keiner. Aus diesem Grund verfalle ich nicht in Panik und werde meine „Dreckschleuder“ vorerst weiter fahren. Auch weil ich nicht einfach mal ein paar zehntausend Euro aus dem Ärmel schütteln kann, um ein neues, „sauberes“ Auto zu kaufen und die Prämie zu kassieren. Liebe Politiker, vielleicht solltet ihr einmal dran denken, dass es ganz viele Menschen gibt, die sich ihr Leben lang keinen Neuwagen leisten können und trotzdem nicht pauschal als Umweltsünder abgestempelt werden wollen.

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Dienstag, 20. Februar 2018 von Rosalinde Conzelmann

Mit Mieze nachts on Tour

Diese Fragen treiben jeden Katzenbesitzer um, der seine Mieze rauslässt. Wo hat der Stubentiger sein Revier? Wie weit sind seine Wege? Wo nur treibt er sich tagelang rum, wenn er wie vom Erdboden verschwunden ist? Dieser Tage gab es Antworten in einer interessanten Reportage, in der Katzenfreunde ihre Lieblinge mit einem GPS-Sender ausstatten ließen. Dabei kam Erstaunliches zu Tage. Kater Felix beispielsweise, ein sieben Kilogramm unkastriertes Schwergewicht, überquert regelmäßig nachts eine Schnellstraße. Er sitzt dann am Straßenrand und wartet bis kein Auto mehr kommt. Erst dann überquert er die gefährliche Trasse. Wilhelmine, eine gescheckte Diva, bevorzugt nicht Mäuse anstatt ihres Dosenfutters, wie ihre Familie vermutet. Nein, sie hat ein zweites Zuhause, wo ihr Edleres kredenzt wird. Der Besuch von Wilhelmines Frauchen war den „Adoptiveltern“dann richtig peinlich. Wilhelmine hat das Ganze eher kalt gelassen. Bis zu fünf Kilometern legen die Miezen bei ihrer nächtlichen Tour zurück. Dabei meiden sie den Kontakt zu Wildkatzen. Mal sehen, ob wir unsere roten Tiger Oskar und Fritz auch mal mit einem GPS-Sender ausstatten. Obwohl, im Grunde genommen, will ich gar nicht so genau wissen, wo die beiden sich bei ihren Streifzügen rumtreiben. Hauptsache, sie finden jederzeit den Weg nach Hause zurück.

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Dienstag, 13. Februar 2018 von Rosalinde Conzelmann

Nicht ohne mein Handy

Popstars wie Alicia Keys und Guns N' Roses lassen seit Neuestem die Telefone ihrer Konzertbesucher versiegeln, weil es ihnen zu blöd ist, in Handys anstatt in leuchtende Fanaugen zu blicken und sie keinen Bock auf stümperhafte Videos haben, die dann in Facebook die Runde machen. Also ich finde, das mit dem Wegsperren ist eine richtig gute Idee. Denn mich nervt es als Zuhörer, wenn mein Konzertnachbar ständig das Handy zückt oder durch die Gegend schwingt. Irgendwie geht da der ganze Konzertgenuss flöten. Zu meiner Zeit kämpfte man sich bis vor zur Bühne und war glückselig, wenn man zweieinhalb Stunden lang Blickkontakt zu seinem Star hatte und dessen Show miterlebte. Keine Ablenkung, einfach nur Abtanzen und Feiern. Im schlimmsten Fall taten einem die Füße und der Rücken vom Stehen weh. Heute schmerzen die Arme vom langen Handy in die Höhehalten. Und mich nervt es auch, wenn ich selbst – in meinem Job als Reporterin Tagesgeschäft – zum Handy greifen muss. Weil man sich nur auf eine Sache richtig konzentrieren kann und ich mich als Störfaktor fühle. Obgleich das natürlich Blödsinn ist, weil es zwischenzeitlich ja so ist, dass der ohne Handy ein Exot ist. Mal sehen, wie sich die ganze Geschichte entwickelt. Ich bin dabei, wenn meine privaten Konzertbesuche wieder handyfrei werden.

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Mittwoch, 17. Januar 2018 von Rosalinde Conzelmann

Suchen Sie was anderes!

Es ist jedes Jahr dasselbe Spiel mit den guten Vorsätzen. Derzeit bekomme ich es mehrfach wöchentlich hautnah zu spüren. Das Fitnessstudio, in dem ich trainiere, wird geradezu überrannt von Vorsatzwütigen, die alle gesünder leben und Pfunde verlieren wollen. Da heißt es in Stoßzeiten Schlange stehen an den Geräten und geduldig sein. Das ärgert mich natürlich, gleichzeitig bin ich gechillt, denn – auch das ist jedes Jahr dasselbe Spiel – in ein paar Monaten ist alles wieder wie es war und der Großteil der Powersportler ist von der Bildfläche verschwunden. Sind deshalb gute Vorsätze schädlich? Nein, meinte irgendein Professor jüngst im Radio. Scheitern sei nicht schlimm, wenn mann oder frau schlau damit umgehe. „Suchen Sie einfach etwas anderes, was zu Ihnen passt“, lautete sein Ratschlag für alle Aufgeber. Na also, doch lieber Walken in der freien Natur als Fitnessstudio oder einfach ein gutes Buch lesen. Ich wünsche allen viel Erfolg bei ihrer Kursänderung und freue mich über „Luft“ beim Trainieren.

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Dienstag, 12. Dezember 2017 von Rosalinde Conzelmann

Entzauberte Stille

Der Zauber der stillen Tage – diesen Satz lese ich gerade öfter. Die stillen Tage, die uns auf Christi Geburt vorbereiten sollen. Die Adventszeit. Leider mache ich die Erfahrung, dass die stillen Tage gar nicht still sind. Vielleicht liegt es an meinem Beruf, denn hier herrscht in den letzten Tagen des Jahres vor allem eines: Hektik pur. Jeder Musikverein lädt noch zu seinem Jahreskonzert, jede Stadt hat einen Weihnachtsmarkt und die Verwaltungen wollen alle noch im alten Jahr den Haushalt einbringen. So hetzen ich und meine Kollegen von Termin zu Termin. Besinnlich wird es allenfalls, wenn bei einem Pressetermin ein Nikolaus auf dem Platz steht oder Bredle zum Kaffee gereicht werden. Schade eigentlich. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die (Weihnachts-) Stille, die uns allen so gut täte, längst entzaubert ist.

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