Mittwoch, 17. Januar 2018 von Rosalinde Conzelmann

Suchen Sie was anderes!

Es ist jedes Jahr dasselbe Spiel mit den guten Vorsätzen. Derzeit bekomme ich es mehrfach wöchentlich hautnah zu spüren. Das Fitnessstudio, in dem ich trainiere, wird geradezu überrannt von Vorsatzwütigen, die alle gesünder leben und Pfunde verlieren wollen. Da heißt es in Stoßzeiten Schlange stehen an den Geräten und geduldig sein. Das ärgert mich natürlich, gleichzeitig bin ich gechillt, denn – auch das ist jedes Jahr dasselbe Spiel – in ein paar Monaten ist alles wieder wie es war und der Großteil der Powersportler ist von der Bildfläche verschwunden. Sind deshalb gute Vorsätze schädlich? Nein, meinte irgendein Professor jüngst im Radio. Scheitern sei nicht schlimm, wenn mann oder frau schlau damit umgehe. „Suchen Sie einfach etwas anderes, was zu Ihnen passt“, lautete sein Ratschlag für alle Aufgeber. Na also, doch lieber Walken in der freien Natur als Fitnessstudio oder einfach ein gutes Buch lesen. Ich wünsche allen viel Erfolg bei ihrer Kursänderung und freue mich über „Luft“ beim Trainieren.

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Dienstag, 12. Dezember 2017 von Rosalinde Conzelmann

Entzauberte Stille

Der Zauber der stillen Tage – diesen Satz lese ich gerade öfter. Die stillen Tage, die uns auf Christi Geburt vorbereiten sollen. Die Adventszeit. Leider mache ich die Erfahrung, dass die stillen Tage gar nicht still sind. Vielleicht liegt es an meinem Beruf, denn hier herrscht in den letzten Tagen des Jahres vor allem eines: Hektik pur. Jeder Musikverein lädt noch zu seinem Jahreskonzert, jede Stadt hat einen Weihnachtsmarkt und die Verwaltungen wollen alle noch im alten Jahr den Haushalt einbringen. So hetzen ich und meine Kollegen von Termin zu Termin. Besinnlich wird es allenfalls, wenn bei einem Pressetermin ein Nikolaus auf dem Platz steht oder Bredle zum Kaffee gereicht werden. Schade eigentlich. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die (Weihnachts-) Stille, die uns allen so gut täte, längst entzaubert ist.

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Samstag, 25. November 2017 von Rosalinde Conzelmann

Glühwein im Winterfrühling

Ich mag die Adventszeit, liebe es, Haus und Garten zu dekorieren und freue mich immer auch auf die ersten Weihnachtsmärkte. Nachdem sich in der vorvergangenen Woche der erste Frost auf die verblühten Stauden gelegt hatte und wir an den ersten kalten Abenden vorm wärmenden Kaminfeuer saßen, bekam ich Lust auf Weihnachten, hatte aber keine Zeit, die Kisten auszupacken.

Die kleinen geschmückten Tannenbäume haben ihren Platz am Fenster aber schon bekommen. Und jetzt, wo der erste Advent vor der Tür steht, ist die Luft raus. Ist aber auch nicht verwunderlich. Wer will schon bei 18 Grad Mistelzweige und Tannenreisig drapieren? Da gehört einfach Kälte und Schnee dazu.

Ich werde trotzdem den wunderschönen Geislinger Adventsmarkt besuchen, dort

selbstgemachte Bredle kaufen, den ersten Glühwein trinken und mir Lust auf Weihnachten holen. Und wer weiß, vielleicht ist Frau Holle ja gnädig und schüttelt ihr Kissen heute über der Sonnenstadt aus. Angekündigt hat sie es ja schon. Und ich stürze mich auf meine Kisten.

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Mittwoch, 18. Oktober 2017 von Rosalinde Conzelmann

Gartenpracht ohne Ende

Der Oktober neigt sich dem Ende zu und mein Garten ist noch nicht winterfest. Das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Aber ich bringe es einfach nicht übers Herz, Tabula rasa zu machen, weil ein Großteil der Stauden, wie Salbei und Phlox zum zweiten Mal erblüht ist. Sogar meine Erdbeeren machen einen zweiten Anlauf und tragen nochmals Früchte. Ebenso wenig geht den Geranien die Luft aus, auch wenn sie ein bisschen mitgenommen aussehen. Und meine Kräuter locken mit ihrem Duft immer noch Insekten an. Anstatt eines Kahlschnittes heißt es jetzt halt noch täglich gießen. Aber das macht mir in diesem Fall Spaß. Von mir aus kann Väterchen Frost noch eine Weile warten. Denn an Heidekraut und Gräsern kann ich mich noch den ganzen Winter sattsehen.

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Samstag, 14. Oktober 2017 von Rosalinde Conzelmann

Ein bunter Glückskasten

Erinnern Sie sich noch? An die bunten sperrigen Kisten, die noch in den 1990er-Jahren nahezu in allen Pubs und Kneipen standen und auf Knopfdruck losheulten, um die aktuellen Charthits rauf- und runterzuspielen. Ja, ich spreche von der guten alten Jukebox, mit der ich jüngst ein wunderschönes Erlebnis hatte. Wir waren bei Bekannten eingeladen, um gemeinsam zu schlemmen, sehr guten Wein zu trinken, viel zu lachen, dazwischen auch zu diskutieren und – irgendwann zu tanzen. Wo? Im Wohnzimmer. Denn dort steht eine Jukebox, bestückt mit jenen Hits, die mich daran erinnerten, wie meine Jugend geklungen hat. Und auch ein bisschen daran – ich gebe es ja zu – dass die Zeit so schnell vergangen ist und ich nun zur Gruppe der Best Ager gehöre. Ist schönfärberisch, klingt aber besser als 50 plus. Das ist so realistisch, so unschön. Egal, in diesen Stunden mit Michael Holm, Frank Sinatra, den Les Humphries Singer und Terry Jacks (von ihm ist der legendäre Song Seasons in den Sun) war ich wieder 20 – ebenso wie meine Freunde, die den besonderen Zauber des Abends auch spürten. Danke, liebe Jukebox. Und: Danke liebe Freundin, dass Du das gute Erbstück deines Bruders für uns alle gerettet hast.

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