Mittwoch, 14. Oktober 2009 von Rosalinde Conzelmann

„Satte Models“

Wenn das keine gute Nachrichten sind: Brigitte, die Mutter aller Frauenzeitschriften, bildet zukünftig in ihrem Magazin keine Models mehr ab, die wie Hungerhaken aussehen. „Neue Models braucht das Land“ lautet die Devise – „satt sollen sie sein, nicht hungrig.“ Böse Zungen behaupten, dass es Brigitte nur darum geht, die sinkende Auflagezahl zu stoppen und wieder mehr Leserinnen zu gewinnen. Das mag sein, aber es wird trotzdem ein positives Zeichen gesetzt. Ich auf jeden Fall bin gespannt auf die neuen Brigitte-Models, die keine Gardemaße haben und ganz normale Frauen mit Rundungen und kleinen Pölsterchen sind. Die ersten Reaktionen auf die PR-Kampagne waren gut. Denn ein Großteil der Leserinnen mit Kleidergröße 38 und größer hat die magersüchtigen Blondchen, die mit ihren dünnen Ärmchen und flachen Hintern in Größe 34 gesteckt werden, eh satt. Denn das ist nicht die Realität. Das heißt nicht, dass ich Rubensfiguren attraktiv finde. Denn zu viel Leibesfülle ist nicht immer gesund.

Schlank ist schön, ja. Aber nicht um jeden Preis! Ich will Mode, die ich tragen kann und die zu mir passt. Und ich finde es super, wenn sie von Frauen präsentiert wird, die auch meine Größe gerne tragen!

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Mittwoch, 30. September 2009 von Rosalinde Conzelmann

Der Wahlsonntag und seine Titel

Welche Wonnen und Freuden der Wahlsonntag der schreibenden Zunft beschert hat, lässt sich wunderbar an den Titeln der Montagsausgaben ausmachen. Die Macher von Bild haben wieder einmal bewiesen, dass ihnen die Krone fürs Überschriftenmachen gebührt. So kann's wirklich keine Zeitung. „Guido! Merkel hat 'nen Neuen“ titelt das Massenblatt, darunter sind eine strahlende Kanzlerin und ein grinsender Westerwelle abgebildet. Man erinnere sich, bei der Papstwahl titelte das Springerblatt: „Wir sind Papst.“ Kurz und bündig fasst die Rheinische Post das Wahlergebnis zusammen: „Schwarz-Gelb!“ – auch nicht schlecht und die „taz“ macht ihrer Exotenstellung im deutschen Blätterwald mit der Schlagzeile „Im Namen des Volkes: Vier Jahre“ wieder einmal alle Ehre. Die Hamburger Morgenpost verlangt ihren Lesern Fantasie ab bei der Headline „Wie Guido wird Deutschland?“ Das Wort Guido gelb unterlegt. Na ja. Die seriösen großen Tageszeitungen bleiben ihrer Linie treu: Nüchtern stellt die Frankfurter Allgemeine am Montag fest: „Union und FDP können regieren“. Die Berliner Zeitung entscheidet sich für eine „sportliche Variante“: „Schwarz-Gelb am Ziel - SPD im freien Fall.“ Ja und die Berliner Morgenpost greift in die Dichterkiste: „Westerwelle triumphiert– Merkel regiert“. So schön kann texten sein.

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Dienstag, 18. August 2009 von Rosalinde Conzelmann

Das wär was für die Zeitung

Vor einigen Tagen hat sich eine alte Freundin von mir per E-Mail gemeldet. Aufgrund unserer unterschiedlichen Lebenslinien ist der Kontakt eingeschlafen. Sie ist jedoch eine treue ZAK-Leserin und schrieb mir, dass sie unsere Tagebücher immer sehr gerne liest. Sie ist ebenso wie ich eine Katzenfreundin. In meinem jüngsten Tagebuch über das Sommerloch und die Tiergeschichten ist ihr gleich eine eigene Geschichte eingefallen, „die eigentlich in die Zeitung gehört“, wie ihre Schwiegermutter nach dem glücklichen Ausgang festgestellt hat. Ich will die Geschichte nun weitergeben, denn sie zeigt, dass auch in der Tierwelt das Glück eine entscheidende Rolle spielen kann. Als meine Freundin eines Abend nach Hause kam, wurde sie von ihrem Kater Marsi nicht wie üblich empfangen. Auch am nächsten Tag tauchte er nicht auf und die Suchaktion der ganzen Familie blieb erfolglos. „Überall haben wir nach ihm gesucht, selbst beim Walken habe ich nach ihm gerufen“, so ihre Worte. Nach vier Wochen war eine Nachricht der Katzenhilfe auf ihrem Anrufbeantworter. Marsi war gefunden worden und aufgrund der Tätowierung konnte auch sein Besitzer festgestellt werden. Wie sich herausstellte, war Marsi nur sechs Häuser weiter eingesperrt gewesen, in einem Keller. Die Bewohner hatten es nicht bemerkt. Erst als eine Nachbarin sie fragte, ob sie sich eine Katze angeschafft hätten, schauten sie nach und entdeckten das abgemagerte Tier. In seinem Verlies hatte der Kater kein Licht, nix zum Fressen, aber etwas Grundwasser. „Das war wohl seine Rettung“, ist sich meine Freundin sicher, die nun einen „Glückskater“ im Hause hat und seine Rückkehr „wie ein Fest gefeiert hat.“

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Donnerstag, 30. Juli 2009 von Rosalinde Conzelmann

Wir warten...

Nach Wochen mit übervollem Terminkalender sehnen wir es herbei: das Sommerloch. Die Kommunalwahlen haben uns dieses Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn noch hetzen wir von einer Verpflichtung oder Verabschiedung zur anderen. Die Vorfreude auf die nächsten ruhigen Wochen steigt aber merklich an. Dann beginnt die „Saure-Gurken-Zeit“ und das Warten auf ein sommerliches Tierdrama. Können Sie sich noch erinnern? Es ist acht Jahre her, als Kuno, ein 30 Kilogramm schwerer Waller in den Staaten für Schlagzeilen sorgte und die Zeitungsseiten füllte. Kuno ging dann doch ins Fangnetz und über seinen Mageninhalt wurde geschwiegen. Vor 15 Jahren stopfte ein echtes Krokodil, das in einem deutschen Badesee gesichtet wurde, das Sommerloch: Sammy, ein Minikaiman, drang sogar bis in die Tagesthemen vor. Der „Sammy-Spuk“ war nach einer Woche vorbei. Sammy hat das Ganze gut überstanden. Er lebt heute in einem Tierpark. Ein Schicksal, das Bruno, dem Braunbär, der im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet streunte, leider nicht vergönnt war. Seine kulinarische Vorliebe für Schafe kostete ihn schließlich das Leben. Er starb im Kugelhagel von drei Jägern, Tierschützer sprachen von einer „Tragödie“und halten Bruno in Ehren. Das ist jetzt schon drei Jahre her. Ich finde es ist mal wieder Zeit für eine richtig schöne tierische Sommerloch-Geschichte. Vielleicht büxt ja „Bo“, der kleine wuschelige Familienhund der neuen amerikanischen Präsidentenfamilie, aus. Das wäre an Dramatik sicher kaum zu überbieten!

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Mittwoch, 22. Juli 2009 von Rosalinde Conzelmann

Wenn's hilft...!

Ich bin von Natur aus ein friedsamer, tierliebender Mensch. Das Wetter der vergangenen Wochen aber macht mich regelmäßig in den Abendstunden fuchsteufelswild. Ich fühle mich zuweilen wie das „HB-Männchen“, das gleich in die Luft geht. Nein, ich schreibe nicht über das Wetter. Gartenfreunde ahnen es, es geht um die schleimige, gefräßige Horde, die mit Einbruch der Dunkelheit über meine Dahlien und Petunien herfällt. Auch Schnittlauch und Salbei tragen die schleimigen Spuren und bieten ein trostloses Bild. Keine Frage, dass dieses Thema unter Gartenbesitzern (neben dem Wetter) derzeit das Thema Nr. 1 ist. Doch ich habe mit den „Brutalo-Methoden“ mancher Zeitgenosse meine Probleme. Ich greife weder zur Gartenschere noch zu Salzlösungen, um das schleimige Problem in meinem Blumengarten zu lösen. Beim Geburtstag meiner Schwägerin bekam ich den ultimativen Tipp: Einsammeln, die Plastiktüte fest verschnüren und über Nacht einfrieren – ein sanfter Tod ist den Plagegeistern so gewiss, die am nächsten Tod in der Biotonne „beerdigt“ werden. In meiner Familie ruft diese Lösung nicht nur Begeisterung hervor, aber ich passe schon auf, dass Pizza und „Schneckentütchen“ nicht in einem Fach liegen. Allemal besser, als in der Nacht mit einer Stirnlampe auf dem behelmten Kopf im Garten zu liegen, um den Schnecken aufzulauern und sie im hohem Bogen auf die Bundesstraße zu werfen. Das ist jetzt kein Witz, hat mir der Beobachter dieser schaurigen Szene versichert.

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