Donnerstag, 25. Februar 2010 von Rosalinde Conzelmann

Unglaublich!

Ungläubig habe ich die Meldung meiner Ulmer Kollegin gelesen, dass der Chef der „Treberhilfe Berlin“ einen Maserati als Dienstwagen fährt. Meine erste Reaktion: „Das schlägt dem Fass den Boden auf.“ Die „Treberhilfe“ ist ein gemeinnütziges Unternehmen, das über 250 Obdachlose betreut. Es ist eine Frage des Anstandes und der Moral, diese heimatlosen Menschen nicht auf diese Art und Weise zu brüskieren. Herr Ehlert ist sich keiner Schuld bewusst. Das sei doch alles nur Provokation, winkt er halbherzig ab. Da hat er ja recht, das ist Provokation. In meinen Augen steht dahinter eine menschenverachtende und dekadente Haltung. Diese passt gut in unsere heutige Gesellschaft, in der sich Banker Millionenprovisionen zuschaufeln und Disketten mit Steuersündern „meistbietend“ verscherbelt werden, während Hartz IV-Empfänger ein menschenwürdiges Leben einklagen müssen. Gratulation Herr Ehlert zu ihrer sozialen Einstellung! Das ist so, wie wenn ein Firmenchef Entlassungen ausspricht und sich am selben Tag einen Porsche bestellt.

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Mittwoch, 17. Februar 2010 von Rosalinde Conzelmann

Scheinwelt!

Nichts Schöneres, als ein Glas Wein bei Kerzenschein oder ein Vollbad, während eine Duftkerze flackert. Deshalb geht mein Kerzenvorrat auch nie aus. Inspirationen gibt es ja genügend, auch im Fernsehen. Da räkelt sich dann die Filmschönheit im Traumbad, unzählige Kerzen tauchen das mit Marmor getäfelte Luxusambiente in warmes, schummriges Licht. Selbst der Wannenrand und der Boden wird nicht ausgespart... Wow! Das ist Romantik pur, die aber nur in der Filmwelt existiert. Denn dieses Kerzenmeer gibt vor allem eins: Ne Sauerei und Wachsflecken auf der Badewanne. Schön, wenn man eine Putzfrau hat. Und um Himmelswillen kein Fenster aufmachen, sonst fängt das flauschige Badetuch noch Feuer. Aber das ist Hollywood. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die Superschönen morgens aus dem Bett steigen wie aus dem Ei gepellt. Keine Knitterfalte im Gesicht, die Frisur perfekt, ein Lächeln auf dem Gesicht. Taufrisch! Also ich sehe morgens nach dem Aufstehen anders aus. Aber es kann mir ja egal sein, solange mich der Mann an meiner Seite nach dem unromantischen Weckersignal mit verschlafenem Blick, verwuschelten Haaren und einem Gähnen anblickt. Das ist die Realität – Augen zu, wer weiterträumen will.

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Scheinwelt Film - Gedicht

Filme sind die schönen kurzweiligen Lügen,
Die uns mit eigenen Wünschen betrügen.
Unbeschreiblich scheint die Dramatik ihrer Peripherie,
Unvergleichlich ihre melodisch umrahmte Harmonie.
Es schmerzt mein Herz vor so viel Perfektion,
Und versinken will ich in dieser Dimension,
Ich fühle jed‘ einzge ergreifende Emotion.
Doch dann endet auch diese Exkursion,
und ich stelle ernüchtert fest:
Wieder alles nur Illusion.

Michael Hutter am 26.12.2012 10:19:06

Dienstag, 26. Januar 2010 von Rosalinde Conzelmann

Dieser Januar!

Es gibt Monate, auf die ich locker verzichten könnte. Der Januar gehört dazu. Nicht weil wir jetzt endlich mal einen richtigen Winter haben. Nein, weil im Januar mein Kontostand rapide abnimmt. Als erstes flattert die Autoversicherung ins Haus. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Alle wollen Geld von mir: Die Halbjahresrechnungen für die Gebäudebrand- die Haftpflicht- die Glas- und die Hausratversicherung sind ebenfalls fällig. Und die Gewerkschaft hat ihren Obulus auch schon abgebucht. Ganz kluge Köpfchen haben natürlich vorgesorgt, denn es ist ja alle Jahre dasselbe Spiel. Schön, wenn das hinhaut. Bei mir klappt es aber nicht! Ganz klasse ist es dann, wenn ich alles bezahlt habe und mich zufrieden zurücklehne. Geschafft! Pustekuchen. Ein paar Tage später liegt die Abrechnung für Strom und Wasser im Briefkasten. Das ist dann die Krönung des Januars. Dieses Mal habe ich Glück gehabt. 15 Euro Nachzahlung. Vielleicht reicht es dann doch noch zum Schnäppchenkauf im Januar!

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Mittwoch, 23. Dezember 2009 von Rosalinde Conzelmann

Der Zauber hält nicht lange

Es ist derzeit schon eine besondere Zeit. Zwischen Negativschlagzeilen wie der Kundusaffäre, neuen Entlassungswellen und Hiobsbotschaften aus der Finanz- und Wirtschaftswelt oder erschreckenden Details aus dem Eislinger Mordprozess, hören wir in diesen Tagen immer wieder auch andere, Mut machende Worte wie Herzenssache, Spendenwelle, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Es ist dieser besondere Zauber der Weihnachtszeit, der sich über die Menschen wie ein Netz legt und vor der Kälte, dem Egoismus und der Unmenschlichkeit unserer Gesellschaft schützt. Es ist die Zeit, in der die Menschen ihr eigenes Schicksal genauer betrachten. Und sie erkennen, wie wichtig es ist, wenn man gesund ist, wie schön es ist, wenn man mit lieben Menschen Weihnachten feiern darf und wie beruhigend es ist, wenn man nicht um seinen Arbeitsplatz fürchten muss. Diese Gedanken machen die Menschen weicher und versöhnlicher, lassen sie auch an diejenigen denken, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Schade nur, dass dieser „Weihnachtszauber“ meistens schon vorüber ist, bevor die ersten Silvesterraketen das neue Jahr einläuten.

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Samstag, 5. Dezember 2009 von Rosalinde Conzelmann

Davor zieh' ich meinen Hut

„Ich zieh' meinen Hut vor diesem Vater, der acht Jahre für das gemeinsame Sorgerecht seiner Tochter gekämpft hat. Wer schon einmal mit der Justiz zu tun gehabt hat, weiß nur zu gut, dass es starker Nerven und eines langen Atems bedarf, wenn man sich sein Recht erstreiten muss. Und das Wort Gerechtigkeit bekommt im Gerichtssaal oftmals eine ganz andere Bedeutung. Wie sagt doch schon der Volksmund: „Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei.“ Horst Zauneggers Ausharren und Dranbleiben haben die Richter des Europäischen Gerichtshofes nun belohnt. Sein Lauf durch die Gerichtsinstanzen hat für den Vater einer unehelichen Tochter ein glückliches Ende gefunden – vorläufig. Denn bis zum Ziel, der Gesetzesänderung in Deutschland, werden wieder Jahre vergehen. Dann ist seine Tochter erwachsen und Zauneggers „Pionierleistung“ kommt für ihn persönlich zu spät. Seine Tochter kann trotzdem stolz auf ihren Vater sein, denn er hat den Weg frei gemacht für eine gerechte und vor allem menschliche Lösung. Zumindest auf dem Papier. Die Wirklichkeit wird sicherlich in vielen Fällen die alte bleiben, denn ein Vater hat nur dann eine Chance, seine von ihm getrennt lebenden Kinder zu sehen, wenn die Mutter es will. Aber das ist eine andere, leider traurige Geschichte, die unsere Gerichte Tag für Tag weiter beschäftigen wird.

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