Donnerstag, 22. Oktober 2009 von Rosalinde Conzelmann

Ein mutiger Schritt

Es ist unfassbar, dass in unserer zivilisierten Welt jeden Tag weltweit noch immer 6000 Mädchen einem schrecklichen Ritual unterzogen werden: Der Beschneidung. Die Verstümmelung der weiblichen Genitalien, die vor allem in den arabischen und nordafrikanischen Staaten durchgeführt wird, ist ein brutaler Akt der Unterwerfung von Frauen und entbehrt jeglicher Menschlichkeit.

Es gibt keine medizinische oder ethische Begründung für diese barbarische, blutige Tortur, die im Laufe der Jahrhundert schon unzähligen Frauen das Leben gekostet hat. Es sind von Männer diktierte Mythen, die die Reinheit als Grund vorschieben. Dabei geht es um nichts anderes als Macht, Unterdrückung und Vorherrschaft in Ehe und Partnerschaft. Besonders grausam ist die Vorstellung, dass Mütter, die selbst diese Qualen erleben mussten, ihre Töchter zur „Schlachtbank“ führen, weil es die Tradition verlangt.

Umso bewundernswerter und mutig sind Menschen, die sich gegen diese Tradition auflehnen. Das somalische Model Waris Dirie, bekannt durch ihr Buch „Wüstenblume“, wurde mit fünf Jahren beschnitten und leidet trotz mehrerer Operationen noch heute seelisch und körperlich an den Folgen der Verstümmelung. Als UNO-Sonderbotschafterin gegen die Beschneidung reist sie durch die ganze Welt und erzählt ihre Geschichte, die nun auch verfilmt wurde.

Es ist sicherlich auch ihr Verdienst, dass der baden-württembergische Justizminister Ulrich Goll ganz aktuell die Beschneidung von Frauen unter Strafe stellen will. Bleibt zu hoffen, dass dieses Gesetz ganz schnell alle Hürden nimmt und verabschiedet wird. Denn die verzweifelten, nicht enden wollenden Schreie des kleinen Nomadenmädchens im totenstillen Kinosaal klingen mir noch immer nach.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 14. Oktober 2009 von Rosalinde Conzelmann

„Satte Models“

Wenn das keine gute Nachrichten sind: Brigitte, die Mutter aller Frauenzeitschriften, bildet zukünftig in ihrem Magazin keine Models mehr ab, die wie Hungerhaken aussehen. „Neue Models braucht das Land“ lautet die Devise – „satt sollen sie sein, nicht hungrig.“ Böse Zungen behaupten, dass es Brigitte nur darum geht, die sinkende Auflagezahl zu stoppen und wieder mehr Leserinnen zu gewinnen. Das mag sein, aber es wird trotzdem ein positives Zeichen gesetzt. Ich auf jeden Fall bin gespannt auf die neuen Brigitte-Models, die keine Gardemaße haben und ganz normale Frauen mit Rundungen und kleinen Pölsterchen sind. Die ersten Reaktionen auf die PR-Kampagne waren gut. Denn ein Großteil der Leserinnen mit Kleidergröße 38 und größer hat die magersüchtigen Blondchen, die mit ihren dünnen Ärmchen und flachen Hintern in Größe 34 gesteckt werden, eh satt. Denn das ist nicht die Realität. Das heißt nicht, dass ich Rubensfiguren attraktiv finde. Denn zu viel Leibesfülle ist nicht immer gesund.

Schlank ist schön, ja. Aber nicht um jeden Preis! Ich will Mode, die ich tragen kann und die zu mir passt. Und ich finde es super, wenn sie von Frauen präsentiert wird, die auch meine Größe gerne tragen!

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 30. September 2009 von Rosalinde Conzelmann

Der Wahlsonntag und seine Titel

Welche Wonnen und Freuden der Wahlsonntag der schreibenden Zunft beschert hat, lässt sich wunderbar an den Titeln der Montagsausgaben ausmachen. Die Macher von Bild haben wieder einmal bewiesen, dass ihnen die Krone fürs Überschriftenmachen gebührt. So kann's wirklich keine Zeitung. „Guido! Merkel hat 'nen Neuen“ titelt das Massenblatt, darunter sind eine strahlende Kanzlerin und ein grinsender Westerwelle abgebildet. Man erinnere sich, bei der Papstwahl titelte das Springerblatt: „Wir sind Papst.“ Kurz und bündig fasst die Rheinische Post das Wahlergebnis zusammen: „Schwarz-Gelb!“ – auch nicht schlecht und die „taz“ macht ihrer Exotenstellung im deutschen Blätterwald mit der Schlagzeile „Im Namen des Volkes: Vier Jahre“ wieder einmal alle Ehre. Die Hamburger Morgenpost verlangt ihren Lesern Fantasie ab bei der Headline „Wie Guido wird Deutschland?“ Das Wort Guido gelb unterlegt. Na ja. Die seriösen großen Tageszeitungen bleiben ihrer Linie treu: Nüchtern stellt die Frankfurter Allgemeine am Montag fest: „Union und FDP können regieren“. Die Berliner Zeitung entscheidet sich für eine „sportliche Variante“: „Schwarz-Gelb am Ziel - SPD im freien Fall.“ Ja und die Berliner Morgenpost greift in die Dichterkiste: „Westerwelle triumphiert– Merkel regiert“. So schön kann texten sein.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Dienstag, 18. August 2009 von Rosalinde Conzelmann

Das wär was für die Zeitung

Vor einigen Tagen hat sich eine alte Freundin von mir per E-Mail gemeldet. Aufgrund unserer unterschiedlichen Lebenslinien ist der Kontakt eingeschlafen. Sie ist jedoch eine treue ZAK-Leserin und schrieb mir, dass sie unsere Tagebücher immer sehr gerne liest. Sie ist ebenso wie ich eine Katzenfreundin. In meinem jüngsten Tagebuch über das Sommerloch und die Tiergeschichten ist ihr gleich eine eigene Geschichte eingefallen, „die eigentlich in die Zeitung gehört“, wie ihre Schwiegermutter nach dem glücklichen Ausgang festgestellt hat. Ich will die Geschichte nun weitergeben, denn sie zeigt, dass auch in der Tierwelt das Glück eine entscheidende Rolle spielen kann. Als meine Freundin eines Abend nach Hause kam, wurde sie von ihrem Kater Marsi nicht wie üblich empfangen. Auch am nächsten Tag tauchte er nicht auf und die Suchaktion der ganzen Familie blieb erfolglos. „Überall haben wir nach ihm gesucht, selbst beim Walken habe ich nach ihm gerufen“, so ihre Worte. Nach vier Wochen war eine Nachricht der Katzenhilfe auf ihrem Anrufbeantworter. Marsi war gefunden worden und aufgrund der Tätowierung konnte auch sein Besitzer festgestellt werden. Wie sich herausstellte, war Marsi nur sechs Häuser weiter eingesperrt gewesen, in einem Keller. Die Bewohner hatten es nicht bemerkt. Erst als eine Nachbarin sie fragte, ob sie sich eine Katze angeschafft hätten, schauten sie nach und entdeckten das abgemagerte Tier. In seinem Verlies hatte der Kater kein Licht, nix zum Fressen, aber etwas Grundwasser. „Das war wohl seine Rettung“, ist sich meine Freundin sicher, die nun einen „Glückskater“ im Hause hat und seine Rückkehr „wie ein Fest gefeiert hat.“

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 30. Juli 2009 von Rosalinde Conzelmann

Wir warten...

Nach Wochen mit übervollem Terminkalender sehnen wir es herbei: das Sommerloch. Die Kommunalwahlen haben uns dieses Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn noch hetzen wir von einer Verpflichtung oder Verabschiedung zur anderen. Die Vorfreude auf die nächsten ruhigen Wochen steigt aber merklich an. Dann beginnt die „Saure-Gurken-Zeit“ und das Warten auf ein sommerliches Tierdrama. Können Sie sich noch erinnern? Es ist acht Jahre her, als Kuno, ein 30 Kilogramm schwerer Waller in den Staaten für Schlagzeilen sorgte und die Zeitungsseiten füllte. Kuno ging dann doch ins Fangnetz und über seinen Mageninhalt wurde geschwiegen. Vor 15 Jahren stopfte ein echtes Krokodil, das in einem deutschen Badesee gesichtet wurde, das Sommerloch: Sammy, ein Minikaiman, drang sogar bis in die Tagesthemen vor. Der „Sammy-Spuk“ war nach einer Woche vorbei. Sammy hat das Ganze gut überstanden. Er lebt heute in einem Tierpark. Ein Schicksal, das Bruno, dem Braunbär, der im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet streunte, leider nicht vergönnt war. Seine kulinarische Vorliebe für Schafe kostete ihn schließlich das Leben. Er starb im Kugelhagel von drei Jägern, Tierschützer sprachen von einer „Tragödie“und halten Bruno in Ehren. Das ist jetzt schon drei Jahre her. Ich finde es ist mal wieder Zeit für eine richtig schöne tierische Sommerloch-Geschichte. Vielleicht büxt ja „Bo“, der kleine wuschelige Familienhund der neuen amerikanischen Präsidentenfamilie, aus. Das wäre an Dramatik sicher kaum zu überbieten!

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.