Dienstag, 26. Januar 2010 von Rosalinde Conzelmann

Dieser Januar!

Es gibt Monate, auf die ich locker verzichten könnte. Der Januar gehört dazu. Nicht weil wir jetzt endlich mal einen richtigen Winter haben. Nein, weil im Januar mein Kontostand rapide abnimmt. Als erstes flattert die Autoversicherung ins Haus. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Alle wollen Geld von mir: Die Halbjahresrechnungen für die Gebäudebrand- die Haftpflicht- die Glas- und die Hausratversicherung sind ebenfalls fällig. Und die Gewerkschaft hat ihren Obulus auch schon abgebucht. Ganz kluge Köpfchen haben natürlich vorgesorgt, denn es ist ja alle Jahre dasselbe Spiel. Schön, wenn das hinhaut. Bei mir klappt es aber nicht! Ganz klasse ist es dann, wenn ich alles bezahlt habe und mich zufrieden zurücklehne. Geschafft! Pustekuchen. Ein paar Tage später liegt die Abrechnung für Strom und Wasser im Briefkasten. Das ist dann die Krönung des Januars. Dieses Mal habe ich Glück gehabt. 15 Euro Nachzahlung. Vielleicht reicht es dann doch noch zum Schnäppchenkauf im Januar!

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Mittwoch, 23. Dezember 2009 von Rosalinde Conzelmann

Der Zauber hält nicht lange

Es ist derzeit schon eine besondere Zeit. Zwischen Negativschlagzeilen wie der Kundusaffäre, neuen Entlassungswellen und Hiobsbotschaften aus der Finanz- und Wirtschaftswelt oder erschreckenden Details aus dem Eislinger Mordprozess, hören wir in diesen Tagen immer wieder auch andere, Mut machende Worte wie Herzenssache, Spendenwelle, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Es ist dieser besondere Zauber der Weihnachtszeit, der sich über die Menschen wie ein Netz legt und vor der Kälte, dem Egoismus und der Unmenschlichkeit unserer Gesellschaft schützt. Es ist die Zeit, in der die Menschen ihr eigenes Schicksal genauer betrachten. Und sie erkennen, wie wichtig es ist, wenn man gesund ist, wie schön es ist, wenn man mit lieben Menschen Weihnachten feiern darf und wie beruhigend es ist, wenn man nicht um seinen Arbeitsplatz fürchten muss. Diese Gedanken machen die Menschen weicher und versöhnlicher, lassen sie auch an diejenigen denken, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Schade nur, dass dieser „Weihnachtszauber“ meistens schon vorüber ist, bevor die ersten Silvesterraketen das neue Jahr einläuten.

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Samstag, 5. Dezember 2009 von Rosalinde Conzelmann

Davor zieh' ich meinen Hut

„Ich zieh' meinen Hut vor diesem Vater, der acht Jahre für das gemeinsame Sorgerecht seiner Tochter gekämpft hat. Wer schon einmal mit der Justiz zu tun gehabt hat, weiß nur zu gut, dass es starker Nerven und eines langen Atems bedarf, wenn man sich sein Recht erstreiten muss. Und das Wort Gerechtigkeit bekommt im Gerichtssaal oftmals eine ganz andere Bedeutung. Wie sagt doch schon der Volksmund: „Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei.“ Horst Zauneggers Ausharren und Dranbleiben haben die Richter des Europäischen Gerichtshofes nun belohnt. Sein Lauf durch die Gerichtsinstanzen hat für den Vater einer unehelichen Tochter ein glückliches Ende gefunden – vorläufig. Denn bis zum Ziel, der Gesetzesänderung in Deutschland, werden wieder Jahre vergehen. Dann ist seine Tochter erwachsen und Zauneggers „Pionierleistung“ kommt für ihn persönlich zu spät. Seine Tochter kann trotzdem stolz auf ihren Vater sein, denn er hat den Weg frei gemacht für eine gerechte und vor allem menschliche Lösung. Zumindest auf dem Papier. Die Wirklichkeit wird sicherlich in vielen Fällen die alte bleiben, denn ein Vater hat nur dann eine Chance, seine von ihm getrennt lebenden Kinder zu sehen, wenn die Mutter es will. Aber das ist eine andere, leider traurige Geschichte, die unsere Gerichte Tag für Tag weiter beschäftigen wird.

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Freitag, 27. November 2009 von Rosalinde Conzelmann

St. Nikolaus im Blumenbeet

Ich habe mich dieses Jahr von der alljährlichen Winterhysterie anstecken lassen und meine Winterreifen Anfang November montiert. Und nun das: Seit Tagen weht mir ein laues Frühlingslüftchen um die Ohren, das eher zum Cabriofahren als zum Glühweintrinken einlädt. Schon schön, wenn man in der Mittagspause kurz vor dem ersten Advent ein kleines Sonnenbad nehmen kann, aber irgendwie auch verrückt. Beim Gang durch den Garten habe ich nämlich entdeckt, dass meine vor wenigen Wochen eingesetzten Blumenzwiebeln schon anfangen zu treiben: Kleine, grüne Halme recken sich in die Höhe. Ob die das überstehen, wenn der erste Schnee kommt?

Auch mein Holznikolaus, die goldenen Sterne und die kleinen eisernen Rentiere stehen irgendwie verloren im Garten zwischen den kahl gefegten Büschen. Soll ich alles wieder reinholen? Nein! Schließlich haben wir Winter und am Sonntag ist der erste Advent. Ich hoffe nur, dass meine Weihnachtsdekoration demnächst weiße Gesellschaft bekommt und ich die Winterreifen noch brauchen werde. Und ein Glühwein schmeckt erst dann so richtig lecker, wenn die Füße kalt sind und Schneeflocken vom Himmel fallen. Ich habe jetzt noch die Hoffnung, dass Sankt Nikolaus es richten wird.

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Donnerstag, 22. Oktober 2009 von Rosalinde Conzelmann

Ein mutiger Schritt

Es ist unfassbar, dass in unserer zivilisierten Welt jeden Tag weltweit noch immer 6000 Mädchen einem schrecklichen Ritual unterzogen werden: Der Beschneidung. Die Verstümmelung der weiblichen Genitalien, die vor allem in den arabischen und nordafrikanischen Staaten durchgeführt wird, ist ein brutaler Akt der Unterwerfung von Frauen und entbehrt jeglicher Menschlichkeit.

Es gibt keine medizinische oder ethische Begründung für diese barbarische, blutige Tortur, die im Laufe der Jahrhundert schon unzähligen Frauen das Leben gekostet hat. Es sind von Männer diktierte Mythen, die die Reinheit als Grund vorschieben. Dabei geht es um nichts anderes als Macht, Unterdrückung und Vorherrschaft in Ehe und Partnerschaft. Besonders grausam ist die Vorstellung, dass Mütter, die selbst diese Qualen erleben mussten, ihre Töchter zur „Schlachtbank“ führen, weil es die Tradition verlangt.

Umso bewundernswerter und mutig sind Menschen, die sich gegen diese Tradition auflehnen. Das somalische Model Waris Dirie, bekannt durch ihr Buch „Wüstenblume“, wurde mit fünf Jahren beschnitten und leidet trotz mehrerer Operationen noch heute seelisch und körperlich an den Folgen der Verstümmelung. Als UNO-Sonderbotschafterin gegen die Beschneidung reist sie durch die ganze Welt und erzählt ihre Geschichte, die nun auch verfilmt wurde.

Es ist sicherlich auch ihr Verdienst, dass der baden-württembergische Justizminister Ulrich Goll ganz aktuell die Beschneidung von Frauen unter Strafe stellen will. Bleibt zu hoffen, dass dieses Gesetz ganz schnell alle Hürden nimmt und verabschiedet wird. Denn die verzweifelten, nicht enden wollenden Schreie des kleinen Nomadenmädchens im totenstillen Kinosaal klingen mir noch immer nach.

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