Samstag, 24. April 2010 von Karl-Otto Müller

Wenn das Ei gescheiter ist . . .

Klar glauben wir alle nur der Statistik, die wir selbst „gefälscht“ haben . . . Aber ohne Zahlenmaterial, ohne Fakten können wir erst gar keine Statistik erstellen. Deshalb benötigen Journalisten für ihre Berichterstattung, für ihre Information der Öffentlichkeit Zahlen und Fakten, die oft nur unsere Behörden in Händen haben. Es ist schon mehr als eine Grundsatzfrage, auf die die Stuttgarter Verwaltungsrichter in dieser Woche Antwort gaben: Das Magazin „Focus“ war gezwungen, die gewünschten Auskünfte über Schuldaten (wohlgemerkt allgemeiner Natur, ohne Persönlichkeitsrechte zu verletzen!) gerichtlich einzuklagen. Natürlich sahen die Journalisten die Auskunftspflicht durch das Kultusministerium – wie im Landespressegesetz festgeschrieben – verletzt. Zurecht, wie die Stuttgarter Richter entschieden. Wie auch wir meinen.

Doch Kultusministerin Marion Schick gibt sich damit nicht zufrieden, sie legt gar Berufung gegen das Urteil ein. Weil solche Schulstatistiken, wie es sie in anderen Bundesländern längst gibt, weh tun könnten. Wem?

Vorsicht, scheint hier nicht die Bürokratie aus ihrer Rolle der Exekutiven in die der ihr ganz bestimmt niemals zugedachten Rolle der Legislativen schlüpfen zu wollen? Warum meinen heute die Urenkel der Väter unserer Gesetzgebung (auch des Landespressegesetze), dieses Werk in Frage stellen zu müssen? Als Schwabe befällt einen geradezu wieder die Furcht davor, wenn auf einmal das Ei gescheiter ist als die Henne . . .

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Dienstag, 16. März 2010 von Karl-Otto Müller

Teatime mit „Aldi“

Es soll Zeitgenossen geben, die am Samstagnachmittag sehnlichst den bunten Stapel lockender Angebote aller möglicher Discounter, Drogerien und Supermärkte erwarten. Bei Tee und frischem Kuchen studieren Haushaltsvorstand samt Familie gemeinsam die Offerten für die kommende Woche. Zumindest stellen sich dies die Autoren der farbenprächtigen Lektüre so vor. Einkaufslisten würden erstellt, Versorgungsgänge geplant – weil sich wohl erst nach Prospektstudium so richtig Geld sparen ließe.

Im direkten Vergleich, wie er ansonsten nur mit viel Fußweg möglich wäre, können wir preissensiblen Konsumenten bequem in der warmen Stube „kiloweise Tiefstpreise und Rabatte“ vergleichen. Dann erst wissen wir, wo die Butter am günstigsten ist, wo in der kommenden Woche das Wasser im Angebot ist. Natürlich wissen wir längst: Ausgenommen Tiernahrung!

Doch mag das Faltblatt-Studium am Samstagnachmittag noch so intensiv gewesen sein, am Montag passiert's: Im einen Falle reicht noch nicht einmal das Sputen zur Ladenöffnung, um noch eines jener günstigen Batterieladegerät abzustauben – 9.05 Uhr: Ausverkauft! So ein Laden! Und im anderen Falle ist es kaum besser: Die Spitzen-Bohrmaschine, ein Schnäppchen. Aber – wo war die nochmal zu kriegen. Baumarkt 1: Fehlanzeige! Baumarkt 2: „Hatten wir noch nie!“ – Oder hatten wir das Angebot beim Lebensmitteldiscounter gelesen, die heute in Heimwerker, morgen mit Doktor-Uniformen und übermorgen mit Angelruten werben? Oder gar in einem der Drogeriemärkte?

Ein wahrer Verbraucher-Spaß!

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Samstag, 16. Januar 2010 von Karl-Otto Müller

RTL bestätigt

Eigentlich sollte man es nicht tun: Während des Mittagessens die Glotze anknipsen. Aber gestern tat's gut: Ausgerechnet die privaten TV-Macher von RTL bestätigten uns als lokale Zeitungsmacher. Mit Tanja, alleinerziehender Mutter mit zwei Söhnen, begaben sich die Fernsehleute auf Wohnungssuche: Eine Anzeige an der Laterne, eine Anzeige in der überregionalen Zeitung, eine im Internet und eine im Lokalblatt.

Wir wollen es nicht zu spannend machen, Sie können sich das Ergebnis denken, sonst wären wir wohl still gewesen.

Uns und jeden treuen Lokalzeitungsleser aber bestätigt es: Keine Resonanz auf die Laterne, keine auf die große Überregionale, ein einziges Angebot per Internet – allerdings unbrauchbar, aber sage und schreibe 22 Wohnungsofferten über die Lokalzeitung, vor allem passende. Danke, RTL

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Dienstag, 29. September 2009 von Karl-Otto Müller

Der Journalist ist nur Mensch

Wahlen gehören zum Job. Der Journalist wählt – und wartet. Auf den Wahlausgang. Und mehr noch auf die kompletten Ergebnisse, auf die Reaktionen der Kandidaten und in den Parteien. Neutral und objektiv soll er in eine Übersicht packen, was sich an diesem herrlichen Wahlsonntag im Ländle abgespielt hat. Ganz egal, ob er sich selbst zu den Gewinnern oder Verlierern zählen darf. Dabei ist der Journalist doch auch nur Mensch, muss aber an dieser Stelle Neutrum sein – mehr denn je.

Es ist gar nicht mal so einfach, Enttäuschung oder Freude zu unterdrücken. Die passenden Worte für jedes Lager zu finden. Und dies an einem Abend, an dem es vor allem darum geht, Tausend Zahlen im wahrsten Sinne des Wortes mit oder ohne Excel „auf die Reihe zu bekommen“.

Professionalität bewiesen am Sonntag einmal mehr unsere ZAK-Kollegen und Kolleginnen. Ab 18 Uhr standen sie mit „Gewehr bei Fuß“. Sammelten alles ein, was nur ansatzweise nach „Wahl 2009“ roch. Und mussten im Laufe des Abends aufs Neue feststellen, dass alle wochenlangen Vorbereitungen, Datenaustausch-Aktionen, Fakten-Abgleich-Gespräche, mit einem Male Makulatur sein können, wenn Computerexperten an Programmoptimierungen arbeiten. Und mit einem Male zeigen sich die wahren Könner ihres Fachs in der effizienten Improvisation zu später Stunde.

Wieder einmal gut gegangen, dürfen sich alle Beteiligten tagsdarauf angesichts des Werks beglückwünschen. Es hätte alles schlimmer kommen können. Aber da stehen wir in diesen stürmischen Tagen ja nicht allein . . .

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Donnerstag, 27. August 2009 von Karl-Otto Müller

Zimmer frei!

Es ist der erste Schritt eines jungen Menschen hinaus in die weite Welt. Wohnungssuche in der Großstadt. „Vo dr Alb ra“ ins mondäne Stuttgart. Der erste Schock: die Mietpreise. 300 Euro für ein bescheidenes Studentenzimmer. 15 Euro pro Quadratmeter. Kalt. 75 Euro betrug der monatliche Abschlag der Vormieterin für die Nachspeicherheizung.

Der zweite Schock: Wir sind nicht allein. Zwei Dutzend Bewerber sammeln sich zum genannten Besichtigungstermin um 20.30 Uhr vor einer Haustüre im begehrten Stuttgarter Westen. Eine unwirkliche Szenerie. Punkt 20.30 Uhr werden die Bewerber in die Lokalität geladen: Drei Stockwerke nach oben, mit jeder Stufe steigen Pulsschlag und Wärmegrade. Unterm Dach ist's heiß.

Aber die Wohnung gefällt. Kein einziger macht kehrt.

Bewehrt mit Stift und Block mustert die gestrenge Vermieterin die Kandidaten, fühlt ihnen auf den Zahn und noch bevor sie sich entscheidet, wem sie den wertvollen Wohnraum überlassen möchte, klärt sie die jungen Menschen vor allem darüber auf, was in der Landeshaupt unter der „schwäbischen Kehrwoche“ zu verstehen ist. Einer kommt zum Zuge, aber wo die Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt so gravierend größer ist als das Angebot, da treffen sich mindestens 23 von ihnen morgen wieder – vor neuer Wohnungstüre, vor neuer Vermieterin , zur selben Prozedur.

Die leidvolle Hürde vor urbanem Leben in der Großstadt – und der Moment, da wir unsere beschauliche Provinz mit ausgewogenen Verhältnissen besonders schätzen.

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