Mittwoch, 10. April 2013 von Karl-Otto Müller

Sture Bayern, sture Justitia!

Hand aufs Herz, liebe Münchner Richter, könnte es sein, dass Ihnen da ein ganz derber Fehler unterlaufen ist? Jetzt wollen Sie nicht zurück. Sind Sie allen Ernstes davon ausgegangen, dass türkische Medien, die heute hinter jedem Brand eines von ihren Landsleuten bewohnten Hauses einen fremdenfeindlichen Anschlag wittern, ausgerechnet beim Jahrhundertprozess gegen NSU-Mitglieder Desinteresse zeigen würden? Natürlich kränkte es mich sehr, als gerade auch türkische Kollegen nach der Brandkatastrophe in Backnang Sachverständige aus der Schweiz forderten und damit ihr Misstrauen gegenüber deutscher Ermittlungsarbeit zum Ausdruck brachten. Dennoch verstehe, wer wolle, dass hier ein doch eher willkürlich definiertes Anmeldeverfahren über alle Diplomatie gestellt werden soll. Bei allem Respekt vor Justitia, bleibt hier nur Kopfschütteln, ob so viel bayrischer Sturheit, selbst das versöhnliche Angebot deutscher Journalisten abzulehnen, die ihren türkischen Kollegen ihre Plätze im Gerichtssaal überlassen wollten. Aber nicht nur mir bereitet dies Unbehagen.

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Dienstag, 23. Oktober 2012 von Karl-Otto Müller

Das Auto zum abgewöhnen

TÜBINGEN, sie ist die Stadt großer Geister. Eine Auto-Stadt wollte sie nie sein.

WOLLEN SIE SICH das Autofahren abgewöhnen? Ein Tag in Tübingen bietet beste Gelegenheit dazu. Selbst ein friedlicher Herbstsonntag, an dem das Verkehrsaufkommen noch recht verhalten ist. „Mit der Kirche ums Dorf“ mutet die Runde an, mit der uns das Leitsystem der Tübinger Verkehrsplaner durch die Stadt führt – jeder Versuch, eine kürzere Verbindung von A nach B zu finden, mündet unweigerlich in Sackgassen oder Einbahnstraßen. Freie Parkflächen zu finden, gleicht dem Hoffen auf rettende Inseln in stürmischer See. Einmal in der Ferne ausgemacht, sind sie reserviert, sauteuer oder von Drahtesel-Herden blockiert.

MANCHER TÜBINGER indes scheint nicht weniger Auto-begeistert als sein Nachbar auf der Alb – verständlich, dass er die freie Fahrt auf südlicher B 27 nutzt, seinen „Pferdestärken“ endlich mal wieder die Sporen zu geben.

NACHVOLLZIEHBAR auch, dass Tübingens OB Boris Palmer seine Idee einer Citymaut am Sonntag schnell wieder verwarf, zur Freude seiner Innenstadthändler und in der Gewissheit, dass solche Maut auch nicht mehr verhindern kann, als Tübingens Straßenplaner ausbremsen. Na denn, gute Fahrt!

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Samstag, 10. September 2011 von Karl-Otto Müller

Der Hass eines Menschen?

„Mutti, Mutti, es ist Krieg“, erinnerte sich gestern eine Radiohörerin an die Worte ihrer damals siebzehnjährigen Tochter. Dienstagnachmittag, bewölkt. Es wäre ein ganz normaler Tag gewesen. Der 11. September 2001.

Spontan meldete sich die Radiohörerin gestern zu dem Aufruf des Moderators: „Wie haben Sie diesen Tag erlebt?“.

Jeder von uns könnte spontan seine Geschichte erzählen. Wo er an diesem Dienstag vor zehn Jahren war. Was er gerade getan hat. Wie ihn diese Nachricht erreicht hat. Es ist an diesem zehnten Jahrestag auch nicht das erste Mal, dass mir diese Situation und diese Bilder vor Augen treten.

Auch meine erste Reaktion war: „Das ist der dritte Weltkrieg.“ Es war Angst. Und das ist es heute noch. Ich glaube, wir haben diesen 11. September bis heute nicht verarbeitet. Wir werden ihn womöglich niemals verarbeiten. Ganz egal, wer dieses Szenario angerichtet hat, sein Hass ist mit menschlicher Vorstellungskraft nicht nachzuvollziehen.

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Freitag, 4. Februar 2011 von Karl-Otto Müller

Die Sehnsucht nach Sonne

Das Wetter, ein dankbares Thema. An dem sich vor allem kein Streit entzünden kann. Weil bekanntermaßen keiner was dran drehen kann – drum nehmen wir's, wie's kommt.

Sensibilisiert ist man hierzulande aber doch, wenn's ums Wetter geht. Jäh abgewürgt hatte Justitia im vergangenen Jahr die leidige Diskussion um den Marketing-Wert schlagzeilen-starker Minus-Rekorde auf der Zollernalb. Sachliche Einigung mündete schließlich im Abbau der Messstation.

Weil er sich auch wettermäßig nicht länger ein X für ein U vormachen lassen wollte, reagierte gestern sensibel und prompt Albstadts Oberbürgermeister Jürgen Gneveckow auf die ärgerliche Falschmeldung im SWR-Wetterbericht: Von wegen „Albstadt bewölkt“, ließ der OB bei den Radioleuten intervenieren: „bewölkt wäre übertrieben, die Sonne scheint über Albstadt, teilweise sieht man den blauen Himmel“.

Jawoll, das Glas ist halb voll . . .

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Dienstag, 14. September 2010 von Karl-Otto Müller

Malheur und allererste Sahne

Kennen Sie das? Eine wichtige Begegnung. Und die Angst davor, auch nur ein falsches Wort zu platzieren. Kennen Sie auch die Momente danach, wenn man die Begegnung in Gedanken noch einmal Revue passieren läßt. Und die Gesprächsfetzen wie die vierte Wiederholung einer drittklassigen Dokusoap vor ihren Augen und Ohren ablaufen. Erst recht, wenn diese wenigen Sätze von Tausend Ohren aufgeschnappt wurden, beispielsweise auf der Bühne vor 800 Albstädter Jazzfans.

Oje, wenn sich die Kuh einmal aufs Eis wagt – wenn der das einsame Abseits seiner Stube gewohnte Schreiber auf die Bühne muss. Und wenn es auch bloß als Pausenfüller für den Umbau ist.

Alle geballte Konzentration, die vor allem Lampenfieber und Nervosität im Zaume halten soll, ist dahin, wenn dann die dominante Technik ihren Alleingang antritt. Wenn Instrumente den Bühnenraum mit Zirpen, Jodeln, Dudeln oder Kreischen ausfüllen und sie damit nicht nur Deine eigenen Worte regelrecht verschlingen, sondern Dich auch die der ebenso charmanten wie routinierten Moderatorin akustisch regelrecht verfehlen.

Gekrönt und nicht besser wird dieses Malheur durch die allseitige Bestätigung aus Publikumsreihen, dass vor der Bühne tatsächlich jedes Wörtchen kristallklar zu vernehmen gewesen sei. Eben dank einer perfekten Bühnentechnik.

Da bleiben dann nur noch die allenfalls tröstenden Worte von Moderatorin Stefanie Anhalt, dass die Leute doch eh wegen des fetzigen Jazz' gekommen seien, und nicht . . .

Der aber war auch in diesem Jahr allererste Sahne.

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