Dienstag, 17. Januar 2017 von Daniel Seeburger

Die Mär vom kranken Mann

Ich bin ein Mann und schon deshalb gesundheitlich vorbelastet. Ich sage nur Männerschnupfen und bei meinen Geschlechtsgenossen bimmeln alle Alarmglocken. Wenn Frauen bei Schnupfen höchstens die Haare zurückwerfen und dem garstigen Gerotze todesmutig die Stirn bieten, sind wir Männer aus einem anderen Holz geschnitzt. Ja, Männerschnupfen geht uns an die Substanz. Die verstopfte Nase, womöglich noch in Verbindung mit einem bellenden Husten, kratzender Heiserkeit und, ganz schlimm, Halsweh bringen uns an den Rand dessen, was wir aushalten können. Nasentropfen, Lutschpastillen, Mentholsalben für die Brust, Spitzwegerichtee und Ingwereinläufe – damit werden zwar kaum die Symptome bekämpft, dafür umso mehr auf den Mitleidseffekt gesetzt. Etwas verwundert hat mich nun allerdings eine Mitteilung der Kaufmännischen Krankenkasse. Die wollten es nämlich mal genau wissen, wie das ist mit dem Männerschnupfen und kamen zu einem interessanten Ergebnis. Die Kasse verglich unter ihren Versicherten die Krankschreibungen wegen Erkältungen im Zeitraum von Dezember 2015 und März 2016. Danach blieben 59 338 Frauen wegen Erkältungskrankheiten zu Hause. Aber nur 36 044 Männer. Ich muss sagen, ich bin verblüfft. Und falls es jemanden interessiert, ich inhaliere jetzt einen Thymianauszug. Denn mir geht's sooo schlecht.

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Donnerstag, 12. Januar 2017 von Daniel Seeburger

Wenn Trump zwitschert

Ich habe einen neuen Bekannten, der mich fast täglich kontaktiert. Wenn sich Donald Trump meldet, pfeift mein Smartphone. Zugegeben, ich bin nicht der einzige, der von ihm angepfiffen wird. Beim Kurznachrichtendienst Twitter, das heißt so viel wie Zwitschern, hat der zukünftige amerikanische Präsident knapp 20 Millionen sogenannte Follower. Das sind Menschen, die ihm in diesem sozialen Medium folgen und deshalb seine Nachrichten bekommen. Und die dürfen nicht mehr als 140 Zeichen haben. In Deutschland ist Twitter lange nicht so populär wie in englischsprachigen Ländern. Rund 3,8 Millionen Menschen nutzen bei uns den Kurznachrichtendienst. Facebook hat demgegenüber rund 28 Millionen Nutzer in Deutschland. Dabei entwickelt sich Twitter zumindest in den USA immer mehr zum Politikinstrument. Wenn Trump zwitschert, zittern nicht nur Autoindustrie oder Geheimdienste. Manchmal kann man sich aber auch ganz schön blamieren, wenn man so dahinzwitschert. Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch beispielsweise. Sie lobte kürzlich, dass das Brandenburger Tor nach dem IS-Anschlag in Jerusalem in den Farben der israelischen Flagge angestrahlt wurde und zwitscherte dann: „Wann war noch mal die Gedenkanstrahlung in schwarz-rot-gold für die deutschen Terror-Opfer in der Bundeshauptstadt? WANN?“ Die Antwort kam prompt: Am 20. Dezember.

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Samstag, 24. Dezember 2016 von Daniel Seeburger

Weihnachten im August

Weihnachten ist nicht nur im Dezember. Als ich im August 1994 die amerikanischen Südstaaten besuchte, warf ich im Bundesstaat Georgia einen Blick in einen Weihnachtsmarkt. In dem riesigen Geschäft konnte man Plastikbäume und Kugeln in allen Farben und Mustern, Krippen, Hirten, Engel und Räucherstäbchen kaufen. Das Einkaufszentrum war auf gefühlte zehn Grad heruntergekühlt, im Hintergrund dudelten „White Christmas“ und „Silent night“. Draußen riss es mir angesichts der 30 Grad Temperaturunterschied beinahe die Beine weg. Im März 1996 besuchte ich das Heilige Land, und da stand natürlich auch die Geburtsgrotte in der Geburtskirche in Bethlehem auf dem Programm. Da soll Jesus zur Welt gekommen sein. Wir waren nicht die einzigen, die an diesem Tag zugegen waren. Schon die Fahrt von Jerusalem in die Westbank war stressig und wir wurden mehrmals streng kontrolliert. Vor der Geburtskirche dann eine endlos lange Menschenschlange. An und in der Geburtsgrotte ein Geschiebe und Gedränge, Geschimpfe und Geplärre. Singen war verboten, trotzdem stimmten Gruppen immer wieder Weihnachtslieder an – und hielten dadurch den ganzen Verkehr auf. Nein, Weihnachten im März, am Ort der echten Heiligen Nacht war auch nicht das Gelbe vom Ei. Deshalb: das einzig wahre Weihnachten ist für mich Heiligabend. In Ruhe. An vertrauten Orten.

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Dienstag, 13. Dezember 2016 von Daniel Seeburger

Auf der Eispiste

Kurz nach 10.30 Uhr kam am Sonntag die rettende Nachricht. Die Seeburgers waren mit dem Auto unterwegs nach Beuron, als hinter Nusplingen die Whatsapp-Nachricht des ZOLLERN-ALB-KURIERS ankam und mich meine Frau auf das Blitzeis aufmerksam machte. „Aber hier doch nicht!“, sagte ich und trat zum Beweis auf die Bremse. Ich konnte den Wagen gerade noch stabilisieren, so glatt war es. Im Schneckentempo ging es weiter. Die Steigung hinter Bärenthal wurde für mein Auto mit Heckantrieb zu einer echten Herausforderung. Schließlich warteten wir in einer kleinen Parkbucht auf den Streudienst, der natürlich nicht kam – logisch eigentlich, es war ja zu glatt. Nach einer halbstündigen Wartezeit entschloss ich mich zu einer waghalsigen Wende auf der Straße, bei der mein Wagen einige Meter seitwärts auf der vereisten Piste abrutschte, bevor er wieder in die Spur kam. Nun ging es im Schritttempo zurück nach Bärenthal. Verfolgt von einem Autofahrer, der so dicht auffuhr, dass ich im Rückspiegel die roten Wutäderchen im Weiß seiner Augen sah. Ich war ihm zu langsam. Wieder machte ich eine kleine Pause an einer Parkbucht und ließ ihn ziehen. In der nächsten Kurve verabschiedete er sich beinahe von der Straße und wurde bedeutend langsamer. Nach unserem dreistündigen Ausflug auf der Eispiste kehrten wir erschöpft nach Hause zurück. Wir hatten ein Riesenglück gehabt.

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Samstag, 3. Dezember 2016 von Daniel Seeburger

Ohne Besinnung

Der Advent ist die Zeit der Besinnung. Doch wenn wir ehrlich sind, ist fast jeder Tag bis Heiligabend mit Terminen zugepflastert. Weihnachtsfeiern, Christbaum finden, Geschenke raussuchen und kaufen, das Festmahl für die Feiertage organisieren, Einladungen verschicken, und, und, und. Selbst besinnliche Konzerte und Veranstaltungen in der Adventszeit bringen uns nicht mehr in den Ruhemodus zurück. Dabei ist der Advent eine Zeit des Wartens, der Vorbereitung, der Hoffnung. Durch die zunehmende Säkularisierung unserer Gesellschaft wird der ursprüngliche Sinn der Adventszeit in ihr Gegenteil verkehrt. Wenn wir aber mit religiösen Begriffen wie Erwartung, Verheißung oder Ankunft des Herrn nichts mehr anfangen können, ist die ganze Adventszeit nur noch eine Anhäufung von leeren Traditionen und Ritualen – ohne Inhalte. Wir kleistern die Ruhe mit Trubel zu, ersetzen die Stille durch Lärm und wundern uns schließlich, weshalb unser Besinnen in Adventsstress mündest. Mein Vorschlag: Wenigsten einen kompletten Tag im Advent das Handy ausschalten, den Fernseher wegschließen und das Notebook im Auto vergessen. Einfach versuchen, zur Ruhe zu kommen. Vielleicht erwachen wir dann sogar aus unserer Besinnungslosigkeit.

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