Donnerstag, 29. März 2018 von Daniel Seeburger

Als Totti bei mir im Bach lag

Als ich neulich nach der Schneeschmelze zum Bach hinter meinem Haus ging, dachte ich im ersten Augenblick, der ehemalige italienische Nationalspieler Francesco Totti wäre auf meinem Pachtgrundstück ertrunken. Nun habe ich ja schon viel entdeckt in diesem Bächlein, das eigentlich nur nach starken Regenfällen rauscht und spätestens nach drei Wochen Sonnenschein aus Wassermangel kläglich eingeht. Seltsame Dinge treiben da manchmal der Schlichem zu, die in einem Bach nichts verloren haben. Ich habe schon Plastikrohre rausgezogen, einen Hammer, Dachziegel oder Blumentöpfe. Und das, obwohl der nächste Baumarkt mindestens 15 Kilometer entfernt ist. Aber ein italienischer Nationalspieler? Ich gebe zu, ich war etwas verunsichert. Bis ich merkte, dass sich eine Eternitplatte in den Schulterbereich des azurblauen Trikots geschoben hatte und es aufblähte. Gottseidank, dachte ich, doch nicht Totti, sondern nur sein Trikot. Der Name der Fußballlegende prangte in großen Lettern auf dem Rücken des Dress. Verblüfft war ich doch. Denn Totti, der Zeit seines Lebens für den AS Rom auflief, spielte letztmals 2007 in der Squadra Azzura. In jener Mannschaft, die bei der WM 2006 Klinsis Buben im Halbfinale alt aussehen ließ. Ich hatte also ein echt antikes Leibchen aus dem Bach gezogen. Falls ein Fan von Totti dieses bemerkenswerte Utensil vermissen sollte, darf er sich gerne bei mir melden. Die Eternitplatte gibt's gratis dazu.

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Samstag, 30. September 2017 von Daniel Seeburger

Lehren aus dieser Wahl

In Dotternhausen war Anfang der Woche die Aufregung groß, als ein Bürger das Bundestagswahlergebnis angefochten hatte. Auslöser war ein Briefkastenschlüssel. Aus Unachtsamkeit hatte die Gemeindeverwaltung diesen über mehrere Wochen stecken lassen. Jeder Besucher hätte den Kasten problemlos öffnen und die sich darin befindenden Wahlscheine mitnehmen können. Das Kreiswahlamt hat schließlich eine Manipulation ausgeschlossen, obwohl von den 378 ausgegebenen Wahlscheinen nur 372 wieder zurück an die Gemeinde gegangen sind. Dass nicht alle Wahlscheine, die ausgegeben werden, bei der Wahl wieder zurückkommen, käme auch in anderen Gemeinden vor, argumentiert das Kreiswahlamt. Ein Geschmäckle bleibt dennoch, letzte Zweifel können nicht ausgeräumt werden. In diesem Jahr beobachteten erstmals Vertreter der OSZE die Bundestagswahl. Dabei beklagte laut ARD die Schweizer Abgeordnete und Mitglied der OSZE-Gruppe Margret Kiener Nellen, dass beispielsweise die angelieferten und übrig gebliebenen Stimmzettel in den Wahllokalen nicht registriert würden – für die OSZE eine Grund zur Beanstandung, weil es die Möglichkeit zur Manipulation eröffne. Das heißt nicht, dass bei der Bundestagswahl manipuliert worden ist. Es zeigt aber, dass Manipulationen auch bei uns möglich sind. Um dieses Problem schon im Vorfeld zu minimieren, müssen Gemeindeverwaltungen und Wahlhelfer umfassend vorbereitet sein. Damit so etwas wie in Dotternhausen nicht mehr passiert.

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Samstag, 16. September 2017 von Daniel Seeburger

Geprüfte Versprechen

Nie sind die Versprechen der Parteien konkreter, als vor der Bundestagswahl. Da sollen Steuern gesenkt, Familien entlastet oder Straßen gebaut werden. Nur selten allerdings werden die vollmundigen Ankündigungen im Falle eines Wahlsiegs auch komplett umgesetzt. Da hört man dann das Argument des Finanzierungsvorbehalts. Soll heißen, man würde ja gerne, kann aber nicht, weil das Geld fehlt. Und daran ist natürlich immer die Vorgängerregierung schuld.Wäre es nicht schön, wenn die Wahlversprechen schon vor der Wahl auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden könnten? Ja, das ist möglich. Nur nicht bei uns. In den Niederlanden aber allemal. Dort prüft das Forschungsinstitut Centraalplanbureau (CPB) die Wahlprogramme der im Parlament vertretenen Parteien. Kann das so umgesetzt werden? Klappt das mit der Finanzierung? Oder ist das alles nur heiße Luft, die da in die politische Arena geblasen wird? Neu ist das übrigens nicht. Bereits seit 31 Jahren lassen die niederländischen Parteien ihre Wahlprogramme vom CPB untersuchen. Stimmen die Berechnungen der Parteien nicht, haben sie die Möglichkeit, ihr Wahlprogramm zu modifizieren. Und zwar im Vorfeld der Veröffentlichung. Damit bleibt den Parteien eine Blamage erspart. Gleichzeitig können die Wähler davon ausgehen, dass die Wahlversprechen auch umsetzbar sind. Verpflichtend ist die Prüfung allerdings nicht. Bei den vergangenen Wahlen haben es drei Parteien vorgezogen, die Hilfe der CPB nicht in Anspruch zu nehmen – darunter die rechtspopulistische „Partei für die Freiheit“ von Geert Wilders.

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Dienstag, 12. September 2017 von Daniel Seeburger

Authentizität statt Lasagne

Wir sollen am 24. September einen neuen Bundestag wählen und wir wollen das auch. Wen aber wählen wir da überhaupt? In Zeiten von Bildbearbeitungsprogrammen strahlt da nicht immer derjenige vom Plakat, der mich dann auch im Parlament vertritt. Wenigstens äußerlich. Denn wenn sich spätestens mit 40 die ersten Fältchen und Falten im Gesicht zeigen, scheinen die Abgeordneten einer anderen Spezies anzugehören. Oder sie spritzen sich kübelweise Botox unter die Gesichtshaut. Mir kommt das immer so vor, wie die Fotos von prachtvoll-leckerer Lasagne, die die Verpackungen von Junkfood aus der Tiefkühltruhe schmücken. Das Wasser, das einem im Munde zusammenläuft angesichts dieser visuellen Köstlichkeit, trocknet sofort wieder aus, wenn man das kümmerlich-matschige Endprodukt aus der Mikrowelle nimmt. Nun will ich unsere Politiker keineswegs mit Tiefkühllasagne vergleichen. Doch sollte gerade in der Politik darauf geachtet werden, dass es diesen Lasagneeffekt gar nicht gibt. Das heißt, man will Abgeordnete wählen, die authentisch sind und sich authentisch geben. Und da gehören nun mal Falten dazu.

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Freitag, 4. August 2017 von Daniel Seeburger

Trumps Commedia

Man sollte sich eigentlich über die Namen von Mitbürgern nicht lustig machen. Bei Anthony Scaramucci werfe ich allerdings meine gute Kinderstube über Bord. Denn angesichts der Tatsache, dass Scaramucci gerade mal zehn Tage lang Kommunikationsdirektor von Donald Trump war und in dieser Zeit für mehr Furore sorgte, als Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls in 22 Jahren, sollte auch etwas Spott erlaubt sein. Vor allem dann, wenn jemand als Tiger losspringt und in Rekordzeit als Bettvorleger endet. Ich musste bei der Ernennung von Scaramucci gleich an die italienische Commedia dell'arte denken. Unter diesem Begriff versteht man den traditionelle Zusammenschluss von italienischen Jahrmarktskünstlern im 16. Jahrhundert. Daraus entwickelte sich mit der Zeit eine eigene Kunstform. Hier tauchten beispielsweise erstmals der Harlekin oder der Bajazzo auf. Oder eben Scaramuccia, das klassische Großmaul, der Aufschneider und Angeber. Als Anthony Scaramucci am vierten Tag seiner Amtszeit sagte: „Ich fühle mich geehrt und bin gesegnet, hier zu sein.“, da wusste ich, dass der Scaramuccia der Commedia dell'arte und Kommunikationsdirektor Scaramucci nicht nur namentlich, sondern auch gedanklich ziemlich eng beieinander liegen.

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