Donnerstag, 19. Oktober 2017 von Gudrun Stoll

Fahr mal wieder Bus

Während meiner Schulzeit bin ich täglich Bus gefahren. Am Triebel, der uns Pennäler aus dem Talgang in Realschule und Gymnasium gebracht hat, hängen bis heute nostalgische Erinnerungen. Mit dem Einstieg in den Beruf war es aus und vorbei mit dem täglichen Fußmarsch zur Haltestelle. Wer unregelmäßige Arbeitszeiten hat, ist auf dem Land schlichtweg auf ein Auto angewiesen. Die Reparatur meines fahrbaren Untersatzes brachte mich dieser Tage zurück in den Kreis der Pendler. Eine ungewohnte, wenn auch erkenntnisreiche Erfahrungen. Die Verbindungen sind während der Albstädter Kernzeiten gut, die Busse modern, gepflegt und stark ausgelastet. Die in sich gekehrten Jugendlichen schreiben Facebook-Nachrichten an ihre Freunde und docken mit Ohrstöpseln an die Musikkanäle ihrer Handys an. Die älteren Semester hingegen, in der Regel auf dem Weg ins Büro oder zum Arzttermin in der Ebinger City, halten gerne ein Schwätzle, wenn überraschend Bekannte zusteigen. Am Abend sieht die Welt anders aus. Außerhalb der Stoßzeiten fahren die Busse in längeren Taktzeiten, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass die Zahl der Fahrgäste deutlich sinkt. Gerade mal mit einem weiteren Passagier stieg ich an der Endstation aus. Der Heimweg führte durch dunkle und menschenleere Straßen. Mein Fazit: In der Großstadt ist ein Leben ohne Auto gewiss möglich, auf der Alb allerdings kein Dauerzustand.

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Donnerstag, 12. Oktober 2017 von Gudrun Stoll

Sie sind wieder da

Fragen Sie mich bloß nicht nach dem Stand der Bundesliga. Mein Wissen ums samstägliche Fußballvergnügen beschränkt sich auf den Tabellenstand des VfB Stuttgart und das Abschneiden des ewigen Meisters Bayern München. Ich erwache in der Regel erst kurz vor Welt- und Europameisterschaften aus meiner Fußball-Lethargie. Nun bin ich Feuer und Flamme. Natürlich für unsere Nationalelf, die so traumwandlerisch sicher durch die Qualifikation marschiert ist, dass es einem fast schon unheimlich werden kann. Der Druck, den Weltmeistertitel zu verteidigen, ist enorm. Zumal Bundestrainer Joachim Löw auf den besten Kader an Spielern und Talenten seiner Amtszeit zurückgreifen kann. „Außer uns kann niemand etwas verlieren“, hat er neulich in ein Mikrofon gesagt. Ein wahres Wort.

Zu den Gewinnern zählt schon vor dem ersten Anpfiff der WM 2018 in Russland eine Mannschaft, die seit der Europameisterschaft vor zwei Jahren in aller Munde ist. Island hat sich erstmals für die WM qualifiziert. Wie schön. Die ganze Nation ist aus dem Häuschen, seit die Mannschaft im Spiel gegen den Kosovo das Ticket gelöst hat. Die symphatischen -sons sind wieder da. Mit ihrer unbändigen Spielfreude und dem durch Mark und Bein gehenden Siegesruf „Huh“. Ich drücke dem Wikingerschiff jetzt schon ganz fest die Daumen.

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Samstag, 9. September 2017 von Gudrun Stoll

Bin ich ein Mensch?

Keine Angst. Dieser existenziellen Frage folgt kein tiefschürfender philosophischer Diskurs über das Sein. Mein Computer hat mir diese Denkaufgabe gestellt, als ich auf dem bequemen elektronischen Postweg meine Briefwahlunterlagen bestellen wollte. Bei der Landtagswahl vor einem Jahr ging das flugs: Wahlbezirksnummer und Wählernummer eingeben, Adresse hinzufügen, absenden, fertig.

Damit gibt sich die Stadt Albstadt im Wahljahr 2017 nicht mehr zufrieden. Bevor ich überhaupt meine Daten eingeben konnte, musste ich nachweisen, dass ich ein Mensch und kein Roboter bin! Wer unterwegs ist im weltweiten Datennetz, kennt die verzerrten Buchstaben- und Zahlenfolgen, die man abtippen muss, bevor sich auf dem Computerbildschirm eine Seite öffnet. Diese Captchas (was für ein Unwort) sollen gegen Zugriffe feindlicher Roboterprogramme schützen. Ob sie's auch können? Erst dieser Tage haben Hacker des Chaos Computer Clubs Sicherheitslücken in der Software zur Bundestagswahl aufgedeckt. Die amtlichen Wahlleiter üben sich in Schadensbegrenzung und versprechen korrekte Ergebnisse.

Die Stadt Albstadt gab sich in ihrem Sicherheitscheck - dieser läuft über die unersättlich Informationen sammelnde Suchmaschine Google - mit meiner Existenz als Mensch erst zufrieden, nachdem ich in einem zweiten Schritt mit Erfolg noch zwei Bilderpuzzles (!) gelöst hatte. So viel ist sicher: Bei der nächsten Wahl beantrage ich die Briefwahlunterlagen wieder auf dem Rathaus. Von Mensch zu Mensch. Sollte ihn bis dahin nicht ein Roboter ersetzt haben.

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Freitag, 1. September 2017 von Gudrun Stoll

Wer passt zu mir?

Vor jeder Wahl klicke ich mich durch die Fragen im Wahl-O-Mat. Bei der Bundestagswahl 2013 haben ihn 13,3 Millionen Menschen genutzt. Mich treibt die Neugier an, welche 38 Thesen die Bundeszentrale für politische Bildung als wichtigste Themen aus den Wahlprogrammen der Parteien herausfiltert und als Fragen präsentiert. Der Nutzer kann zustimmen, ablehnen oder eine neutrale Haltung einnehmen. Das geht recht fix und zum Schluss bekommt man das Ergebnis in Prozentzahlen präsentiert und kann seine eigenen Standpunkte mit den Positionen der Parteien vergleichen. Die Bandbreite reicht von der Obergrenze für Flüchtlinge über die Impflicht für Kinder bis zur Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Jedes Mal bin ich verblüfft, was unterm Strich rauskommt: Ich tauge nicht als hundertprozentiger Anhänger einer einzigen Partei und stimme bei einigen Themen sogar mit politischen Lagern überein, die ich im Leben nie unterstützen würde. Wer also zu mir passt, bedarf weiterer gründlicher Überlegungen. Ohne interaktive Hilfe aus dem Internet.

Da schaut man sich am besten auch das Spitzenpersonal und die Kandidaten im eigenen Wahlkreis an. Wem ich meine Stimme gebe, ist letztendlich auch eine Frage der Sympathie. Dabei kann der Wahl-O-Mat nicht helfen. Aber es lohnt wirklich, ihn mal zu starten. Schon der Überraschungsmomente wegen, die er parat hält.

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Mittwoch, 16. August 2017 von Gudrun Stoll

Unverhofftes Gärtnerglück

Als ich dieses Jahr Jungpflanzen für das Hochbeet im Garten einkaufte, fiel der Blick auf Gurkensetzlinge. Ob die in unseren Höhenlagen tatsächlich im Freien gedeihen, wagte ich kaum zu hoffen. Dennoch wanderten vier Stecklinge in den Einkaufskorb. Mehr aus Neugier denn aus Überzeugung, dass sie tatsächlich Ertrag abwerfen würden. Fachliteratur zu Rate zu ziehen, ließ ich lieber sein. Mein grüner Daumen ist nicht sonderlich ausgeprägt und ich habe mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass auch meine Zimmerpflanzen am besten gedeihen, je weniger ich sie behüte und bemuttere. Also kamen die Setzlinge ins Freibeet, wurden bewässert und ansonsten in Ruhe gelassen. Ob's am Wetter liegt oder an den geheimnisvollen Wachstumskräften, die einem fachmännisch angelegten und mit Ästen, Laub, Kompost und Erde geschichteten Hochbeet inne wohnen, konnte ich bislang nicht ergründen. Die Gurkensetzlinge müssen sich jedenfalls pudelwohl gefühlt haben in der Nachbarschaft von Salatköpfen und Zucchini. Täglich kann ich wahre Prachtexemplare von Schlangengurken und Vespergurken in Hülle und Fülle ernten. Diese schmecken obendrein so gut, dass bei mir Massenware aus dem Discounter nicht mehr auf den Tisch kommt.

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