Donnerstag, 2. November 2017 von Gudrun Stoll

Goldrichtige Entscheidung

Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass der Bäcker am Sonntag frische Brötchen backt. Ich persönlich habe auch gar nichts gegen zwei verkaufsoffene Sonntage im Jahr einzuwenden. Nun fällt in diesem Jahr auch Heiligabend auf einen Sonntag und eine Sonderregelung erlaubt Geschäften, die Lebensmittel verkaufen, am 24. Dezember von 10 bis 14 Uhr zu öffnen. Eine gute Nachricht für Kunden, die in letzter Minute noch die Zutaten fürs Festmenü besorgen. Ein Horrorvorstellung für jeden Mitarbeiter an Kasse oder Bedientheke. Die Tage vor dem Fest sind schließlich nervenaufreibend genug – und dann auch noch Sonntagsarbeit an Heilig Abend. . .

Muss nicht sein, sagen die Manager von Aldi, Rewe und Penny. Diese drei großen Discounter werden, so stand es in Stern und Focus zu lesen, ihre Türen an Heiligabend nicht öffnen. Sie verzichten auf Umsatz, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Familien oder im Kreis der Freunde stressfrei Weihnachten feiern können. Eine gute Entscheidung, für die man Wirtschaftsbosse auch mal loben darf.

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Mittwoch, 25. Oktober 2017 von Gudrun Stoll

Ungemütliche Gedankenspiele

Flohmärkte gehören zu jenen Orten, die ich seit Jahren gerne besuche. So manches lohnende Schnäppchen habe ich im wilden Sammelsurium schon gefunden. Leer gehe ich nie nach Hause. Mindestens ein Buch steckt immer in der Tasche. Als Krimifan griff ich vor kurzem zu einem Taschenbuch, von dem ich mir zunächst gar nicht so viel erwartete, obwohl der Klappentext Spannung pur versprach.

Kaum waren die ersten Seiten gelesen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Rede ist von „Blackout“, einem 2012 erschienenen Thriller. Der Wiener Autor Marc Elsberg entwirft darin das Szenario eines flächendeckenden Zusammenbruchs der Stromversorgung in weiten Teilen Europas. Ursache ist keine Naturkatastrophe, sondern ein gezielter Angriff von politisch motivierten Hackern auf sensible Punkte der Stromversorgung. Mit fatalen Folgen: Atomkraftwerke spielen verrückt, Nahrung wird knapp, Seuchen brechen aus, die Menschheit steht kurz vor dem Bürgerkrieg. Reine Fiktion? Von wegen. Elsberg erhielt für seinen gut recherchierten Roman die Auszeichnung „Wissensbuch des Jahres 2012“, Fachleute attestierten ihm Realitätsnähe und den Leser packt das Grauen vor dem, was tatsächlich möglich wäre, wenn ein Stromausfall für längere Zeit den Alltag lahmlegt. Im Trödel lagern manchmal wirklich Schätze. Und lesen lohnt sich bekanntlich immer.

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Donnerstag, 19. Oktober 2017 von Gudrun Stoll

Fahr mal wieder Bus

Während meiner Schulzeit bin ich täglich Bus gefahren. Am Triebel, der uns Pennäler aus dem Talgang in Realschule und Gymnasium gebracht hat, hängen bis heute nostalgische Erinnerungen. Mit dem Einstieg in den Beruf war es aus und vorbei mit dem täglichen Fußmarsch zur Haltestelle. Wer unregelmäßige Arbeitszeiten hat, ist auf dem Land schlichtweg auf ein Auto angewiesen. Die Reparatur meines fahrbaren Untersatzes brachte mich dieser Tage zurück in den Kreis der Pendler. Eine ungewohnte, wenn auch erkenntnisreiche Erfahrungen. Die Verbindungen sind während der Albstädter Kernzeiten gut, die Busse modern, gepflegt und stark ausgelastet. Die in sich gekehrten Jugendlichen schreiben Facebook-Nachrichten an ihre Freunde und docken mit Ohrstöpseln an die Musikkanäle ihrer Handys an. Die älteren Semester hingegen, in der Regel auf dem Weg ins Büro oder zum Arzttermin in der Ebinger City, halten gerne ein Schwätzle, wenn überraschend Bekannte zusteigen. Am Abend sieht die Welt anders aus. Außerhalb der Stoßzeiten fahren die Busse in längeren Taktzeiten, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass die Zahl der Fahrgäste deutlich sinkt. Gerade mal mit einem weiteren Passagier stieg ich an der Endstation aus. Der Heimweg führte durch dunkle und menschenleere Straßen. Mein Fazit: In der Großstadt ist ein Leben ohne Auto gewiss möglich, auf der Alb allerdings kein Dauerzustand.

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Donnerstag, 12. Oktober 2017 von Gudrun Stoll

Sie sind wieder da

Fragen Sie mich bloß nicht nach dem Stand der Bundesliga. Mein Wissen ums samstägliche Fußballvergnügen beschränkt sich auf den Tabellenstand des VfB Stuttgart und das Abschneiden des ewigen Meisters Bayern München. Ich erwache in der Regel erst kurz vor Welt- und Europameisterschaften aus meiner Fußball-Lethargie. Nun bin ich Feuer und Flamme. Natürlich für unsere Nationalelf, die so traumwandlerisch sicher durch die Qualifikation marschiert ist, dass es einem fast schon unheimlich werden kann. Der Druck, den Weltmeistertitel zu verteidigen, ist enorm. Zumal Bundestrainer Joachim Löw auf den besten Kader an Spielern und Talenten seiner Amtszeit zurückgreifen kann. „Außer uns kann niemand etwas verlieren“, hat er neulich in ein Mikrofon gesagt. Ein wahres Wort.

Zu den Gewinnern zählt schon vor dem ersten Anpfiff der WM 2018 in Russland eine Mannschaft, die seit der Europameisterschaft vor zwei Jahren in aller Munde ist. Island hat sich erstmals für die WM qualifiziert. Wie schön. Die ganze Nation ist aus dem Häuschen, seit die Mannschaft im Spiel gegen den Kosovo das Ticket gelöst hat. Die symphatischen -sons sind wieder da. Mit ihrer unbändigen Spielfreude und dem durch Mark und Bein gehenden Siegesruf „Huh“. Ich drücke dem Wikingerschiff jetzt schon ganz fest die Daumen.

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Samstag, 9. September 2017 von Gudrun Stoll

Bin ich ein Mensch?

Keine Angst. Dieser existenziellen Frage folgt kein tiefschürfender philosophischer Diskurs über das Sein. Mein Computer hat mir diese Denkaufgabe gestellt, als ich auf dem bequemen elektronischen Postweg meine Briefwahlunterlagen bestellen wollte. Bei der Landtagswahl vor einem Jahr ging das flugs: Wahlbezirksnummer und Wählernummer eingeben, Adresse hinzufügen, absenden, fertig.

Damit gibt sich die Stadt Albstadt im Wahljahr 2017 nicht mehr zufrieden. Bevor ich überhaupt meine Daten eingeben konnte, musste ich nachweisen, dass ich ein Mensch und kein Roboter bin! Wer unterwegs ist im weltweiten Datennetz, kennt die verzerrten Buchstaben- und Zahlenfolgen, die man abtippen muss, bevor sich auf dem Computerbildschirm eine Seite öffnet. Diese Captchas (was für ein Unwort) sollen gegen Zugriffe feindlicher Roboterprogramme schützen. Ob sie's auch können? Erst dieser Tage haben Hacker des Chaos Computer Clubs Sicherheitslücken in der Software zur Bundestagswahl aufgedeckt. Die amtlichen Wahlleiter üben sich in Schadensbegrenzung und versprechen korrekte Ergebnisse.

Die Stadt Albstadt gab sich in ihrem Sicherheitscheck - dieser läuft über die unersättlich Informationen sammelnde Suchmaschine Google - mit meiner Existenz als Mensch erst zufrieden, nachdem ich in einem zweiten Schritt mit Erfolg noch zwei Bilderpuzzles (!) gelöst hatte. So viel ist sicher: Bei der nächsten Wahl beantrage ich die Briefwahlunterlagen wieder auf dem Rathaus. Von Mensch zu Mensch. Sollte ihn bis dahin nicht ein Roboter ersetzt haben.

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