Freitag, 29. Dezember 2017 von Gudrun Stoll

Punktsieg für das Album

Nachkarren gilt nicht. Das TV-Weihnachtsprogramm ist bereits Geschichte und bot vor allem Wiederholungen und Musikshows in Überlänge. Jenseits von Aschenbrödel, Kaiserin Sisi und Quotenkönigin Helene Fischer punktet das ZDF seit Jahren mit einer Sendung, die ich mir nie entgehen lasse. Die Rede ist vom Album, das regelmäßig am Zweiten Weihnachtsfeiertag im Vorabendprogramm läuft und in 60 Minuten an die prägenden Ereignisse der vergangenen zwölf Monate erinnert. Knappe und intelligente Kommentare und bewegende Bilder rufen das Jahresgeschehen in Erinnerung - und aus 2017 bleiben vor allem Anschläge, Ausschreitungen, verheerende Stürme und eine unsichere weltpolitische Gemengelage im Gedächtnis haften. Zu meinem großen Erstaunen kommt diese jährliche Rückschau bei einem breiten Publikum sehr gut an. Das Album 2017 haben 3,71 Millionen Zuschauer verfolgt. Im Quotencheck entspricht das einem Marktanteil von 13,6 Prozent. Wie schön, dass nicht nur Unterhaltung punktet.

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Samstag, 9. Dezember 2017 von Gudrun Stoll

Aus der Zeit gefallen

Es gibt derzeit Wichtigeres, als auf die Uhr zu schauen – die Zollernalb muss sich in Stellung bringen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Klare Kante zeigen. Denn mit schöner Landschaft allein lässt sich auf Dauer Zukunft nicht gestalten.

Als Gebot der Stunde muss daher auch der Kreistag erkennen, dass Sitzungen, die am späte Nachmittag beginnen, nicht mehr zeitgemäß sind: 17 Uhr galt über Jahrzehnte hinweg als feste Regel, seit Mai wird erst ab 18 Uhr debattiert und abgestimmt. Der Landrat fügte sich da dem mehrheitlichen Wunsch des Parlaments. In heutigen Zeiten ein Luxus, den sich kein anderes Plenum weit und breit leistet. Die Tübinger starten um 14 Uhr, in Freudenstadt, Reutlingen und im Schwarzwald-Baar-Kreis eröffnen die Landräte die Sitzungen um 15 Uhr, je nach Umfang der Tagesordnung bittet Sigmaringen zwischen 14 und 16 Uhr an den runden Tisch.

Kreisräte sind keine Berufspolitiker. Aber mehr als fünf bis sechs Sitzungen pro Jahr - der Neujahrsempfang fällt ob seines Charakters als geselliger Treff in eine andere Kategorie – stehen für die Vollversammlung nicht an. Sich einen halben Tag Zeit zu nehmen fürs (freiwillige) Ehrenamt dürfte sowohl für Bürgermeister und Beamte wie auch für Juristen, Lehrer, Ärzte und Freiberufler machbar und planbar sein, zumal die Termine lange im Voraus bekannt sind.

Am Montag wird der Kreistag ab 18 Uhr über Klinikstandort, Haushalt und die künftige Struktur der Berufsschulen beraten. Ein Ding der Unmöglichkeit – auch für Journalisten, die fundiert berichten möchten. Auf Dauer wird sich die Zollernalb Feierabendpolitik nicht mehr leisten können. Wer zu spät kommt, den holt die Realität ein.

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Donnerstag, 30. November 2017 von Gudrun Stoll

Einkauf ohne Kater

Noch vor einer Woche hätte ich mit dem Begriff „Black Friday“ den historischen Börsenkrach des Jahres 1929 an der Wallstreet und die daraus resultierende Weltwirtschaftskrise in Verbindung gebracht. Doch der Mensch lernt nie aus. Wer in modernen Zeiten vom „Black Friday“ spricht, meint die aus den USA übergeschwappte Schnäppchenjagd. Dort läutet der Tag nach Thanksgiving traditionell das Weihnachtsgeschäft ein, sorgt beim Einzelhandel für volle Kassen und - daher rührt wohl auch der Name - für schwarze Zahlen. Während die Amerikaner tatsächlich auf Einkaufstour gehen und die Warenhäuser stürmen, läuft das Geschäft in Deutschland vorwiegend online. Der schwarze Freitag ist längst in eine ganze Woche gemündet und beschert vor allem den Onlinehändlern Milliardenumsätze.

Ich kaufe lieber vor Ort ein, da ich einen Fernseher oder eine Waschmaschine gerne in Augenschein nehme und eine Kamera in der Hand halten möchte, bevor ich mein Geld ausgebe. Und solange ich mich gegen den Trend stemmen kann, bezahle ich auch keine Rechnung über Online-Bezahldienste. Trotz aller Vorbehalte habe ich zugeschlagen. Mein Handy und auch die Radiosender hielten mich fast stündlich auf dem Laufenden über die aktuellen Sonderangebote. Also habe ich einen E-Book-Reader für die nächste Urlaubsreise erstanden. Nicht im Internet, sondern über den Buchhändler in meinem Ort. Da bin ich mir schon treu geblieben.

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Dienstag, 21. November 2017 von Gudrun Stoll

Tiefe Kluft ist spürbar

Umfragen auf der Straße gehören nicht zum dankbarsten Geschäft eines Redakteurs. Es mag sein, dass die Bewohner in den Großstädten auskunftsfreudiger sind als die Menschen auf dem Land. In der Provinz gehen die Uhren halt etwas anders. Der Schwabe bruddelt zwar gerne, er diktiert seine Gedanken aber nicht zuvorderst in den Schreibblock und das Mikrofon von Journalisten. Stimmen einzufangen zum Scheitern der Jamaika-Koalition entpuppte sich gestern daher als schwieriges Unterfangen. Bei vielen jüngeren Leuten scheint das Interesse an Politik nicht sehr ausgeprägt zu sein. Andere scheuen sich, ihre Meinung öffentlich zu sagen, um nicht als radikal zu gelten. Aber sie sind stocksauer auf Politik und Politiker.

Das verwundert in einem Land, im dem die Steuereinnahmen sprudeln und ein Großteil der Menschen gut leben kann. Aber auch auf der Alb schaut man bangen Blickes in die Zukunft. Das Schlagwort von der Altersarmut weckt diffuse Ängste, die Globalisierung wird als Bedrohung für Arbeitsplatz und Wohlstand empfunden. „Man wird nicht mehr gehört“, schimpft ein Mann. Er meint damit Otto Normalverbraucher, der täglich zur Arbeit geht, seine Steuern bezahlt und nicht mehr versteht, was in der Politik abgeht. Auf der Straße ist diese tiefe Kluft spürbar.

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Donnerstag, 16. November 2017 von Gudrun Stoll

Da wiehert Fury fröhlich

Wie es wohl um die Finanzen der knapp 9900 Einwohner zählenden Stadt Mengen steht? Der Gemeinderat jedenfalls hat nach weiteren Geldquellen gesucht und mit der Einführung der Pferdesteuer geliebäugelt. Mengen hätte Geschichte geschrieben als erste Stadt im Land, die eine solche Steuer erhebt. Aber das Thema ist wieder vom Tisch. Der Bürgermeister zeigte sich von der Idee wenig begeistert, fürchtete ums Image der Stadt. Außerdem sei die Erhebung der Steuer viel zu kompliziert. Für jährlich 13 000 Euro oder ein paar Cent mehr lohne der Aufwand nicht.

Lassie & Co. sind durchaus lukrativer. Meßstetten nimmt pro Jahr rund 58 000 Euro an Hundesteuer ein, die Stadt Albstadt rechnet für das Jahr 2018 mit stattlichen 195 000 Euro. Die

Hundesteuer spült also ordentlich Geld in die Kassen der Kommunen, im Jahr 2013 sollen es bundesweit 299 Millionen Euro gewesen sein. Welcher Kämmerer mag auf eine solche Einnahmequelle freiwillig verzichten? Die Steuer soll außerdem dafür sorgen, die Zahl der Hunde zu begrenzen und die Haltung der besonders hoch besteuerten Kampfhunde im Rahmen zu halten.

Über den Hundehaufen auf dem Gehsteig oder Spazierweg stolpert man eher als über einen selten auf den Asphalt fallenden „Roßbolla“, der überdies gute Dienste als Dünger erfüllt. Ob die Luxussteuer für Hunde dennoch längst aus der Zeit gefallen scheint, darüber lässt sich so trefflich streiten wie über die Frage, warum der Staat bei Katzen die Hand nicht aufhält.

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