Donnerstag, 25. Januar 2018 von Gudrun Stoll

Alles nur Kokolores

Ein Kilo Konfetti kostet im Internet 3,99 Euro. Da muss man doch einfach zugreifen. Aber wie lange die bunten Papierschnipsel bei den Umzügen noch auf die Zuschauer hinabregnen, steht in den Sternen. Das Land hat für den Stuttgarter Umzug ein Konfettiverbot erlassen. Weil der Weg über den Platz vor dem Neuen Schloss führt und das Land die Reinigungskosten scheut. Die Karnevalisten wollen sich ans Dekret halten, aber es hagelt in der Landeshauptstadt auch Hohn und Spott für den humorlosen Erlass.

Kein Feuerwerk an Silvester, kein Konfetti zur Fasnet – was kommt als nächstes? Ein Maulkorb für frech vom Leder ziehende Büttenredner? Oder gar ein Schunkelverbot? Vielleicht schafft man auch noch den Humor ab. Obwohl: Einer waschechten schwäbischen Hausfrau würde beim derzeitigen Anblick der Ebinger Innenstadt das Lachen vergehen. Der vom Regen aufgeweichte Konfettiregen des närrischen Sonntagsumzugs klebt seit Tagen so fest wie Uhu in den Fugen der Pflastersteine, heftet sich an die Schuhe der Passanten und zieht eine zähe Spur durch alle Einkaufsgeschäfte. Wie gut, dass zum Karneval auch der Kehraus gehört. Ein Freudenfest für Fasnetsmuffel. Nicht nur in Stuttgart als einer Hochburg der Kehrwoche. Nein, dieses Kulturgut halten alle Alt-Württemberger in Ehren.

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Donnerstag, 11. Januar 2018 von Gudrun Stoll

Moderne Zeiten im Cockpit

Ein neues Auto war fällig. Der Abschied vom alten Vehikel fiel nach fast 18 Jahren nicht leicht. Aber der Lauf der Zeit ist nun mal nicht aufzuhalten. Am Kaffeetisch erzählte ich von meinem neuen Begleiter auf vier Rädern. Die Frage kam prompt: Was hat er denn für eine Farbe? Bevor ich überhaupt antworten konnte, tönte es im sonoren Bass neben mir: Typisch, so eine Frage kann nur eine Frau stellen. Wie aus der Pistole geschossen folgte das -typisch männliche- Nachhaken nach PS und Getriebe. Nun, ich hatte die Daten tatsächlich parat und erzählte auch von den neuesten Errungenschaften, die mein Autocockpit zu bieten hat. Es kommuniziert mit meinem Handy und wenn ich Musik hören will, schließe ich einen Stick oder MP3-Player an die USB-Schnittstelle an. Klingt gut, nicht? Schade nur, dass ich in dieser Beziehung total altmodisch bin. Ich lade keine Musik aus dem Internet aufs Handy, nutze auch keinen MP3-Player. Aber CD-Player im Auto sind mittlerweile total out und werden nur noch auf ausdrücklichen Wunsch eingebaut. Schade ist's um die schöne CD-Sammlung mit Pop, Rock, Klassik und so manches Hörbuch. Doch zum Glück kommt das gute alte Radio nicht aus der Mode, das nicht nur alle Zeitläufte übersteht, sondern auch moderne Errungenschaften benutzerfreundlich umsetzt. Den glasklaren Empfang meines Digitalradios mit den eingeblendeten Infos zu Musiktiteln und Interpreten möchte ich nicht mehr missen.

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Freitag, 29. Dezember 2017 von Gudrun Stoll

Punktsieg für das Album

Nachkarren gilt nicht. Das TV-Weihnachtsprogramm ist bereits Geschichte und bot vor allem Wiederholungen und Musikshows in Überlänge. Jenseits von Aschenbrödel, Kaiserin Sisi und Quotenkönigin Helene Fischer punktet das ZDF seit Jahren mit einer Sendung, die ich mir nie entgehen lasse. Die Rede ist vom Album, das regelmäßig am Zweiten Weihnachtsfeiertag im Vorabendprogramm läuft und in 60 Minuten an die prägenden Ereignisse der vergangenen zwölf Monate erinnert. Knappe und intelligente Kommentare und bewegende Bilder rufen das Jahresgeschehen in Erinnerung - und aus 2017 bleiben vor allem Anschläge, Ausschreitungen, verheerende Stürme und eine unsichere weltpolitische Gemengelage im Gedächtnis haften. Zu meinem großen Erstaunen kommt diese jährliche Rückschau bei einem breiten Publikum sehr gut an. Das Album 2017 haben 3,71 Millionen Zuschauer verfolgt. Im Quotencheck entspricht das einem Marktanteil von 13,6 Prozent. Wie schön, dass nicht nur Unterhaltung punktet.

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Samstag, 9. Dezember 2017 von Gudrun Stoll

Aus der Zeit gefallen

Es gibt derzeit Wichtigeres, als auf die Uhr zu schauen – die Zollernalb muss sich in Stellung bringen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Klare Kante zeigen. Denn mit schöner Landschaft allein lässt sich auf Dauer Zukunft nicht gestalten.

Als Gebot der Stunde muss daher auch der Kreistag erkennen, dass Sitzungen, die am späte Nachmittag beginnen, nicht mehr zeitgemäß sind: 17 Uhr galt über Jahrzehnte hinweg als feste Regel, seit Mai wird erst ab 18 Uhr debattiert und abgestimmt. Der Landrat fügte sich da dem mehrheitlichen Wunsch des Parlaments. In heutigen Zeiten ein Luxus, den sich kein anderes Plenum weit und breit leistet. Die Tübinger starten um 14 Uhr, in Freudenstadt, Reutlingen und im Schwarzwald-Baar-Kreis eröffnen die Landräte die Sitzungen um 15 Uhr, je nach Umfang der Tagesordnung bittet Sigmaringen zwischen 14 und 16 Uhr an den runden Tisch.

Kreisräte sind keine Berufspolitiker. Aber mehr als fünf bis sechs Sitzungen pro Jahr - der Neujahrsempfang fällt ob seines Charakters als geselliger Treff in eine andere Kategorie – stehen für die Vollversammlung nicht an. Sich einen halben Tag Zeit zu nehmen fürs (freiwillige) Ehrenamt dürfte sowohl für Bürgermeister und Beamte wie auch für Juristen, Lehrer, Ärzte und Freiberufler machbar und planbar sein, zumal die Termine lange im Voraus bekannt sind.

Am Montag wird der Kreistag ab 18 Uhr über Klinikstandort, Haushalt und die künftige Struktur der Berufsschulen beraten. Ein Ding der Unmöglichkeit – auch für Journalisten, die fundiert berichten möchten. Auf Dauer wird sich die Zollernalb Feierabendpolitik nicht mehr leisten können. Wer zu spät kommt, den holt die Realität ein.

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Donnerstag, 30. November 2017 von Gudrun Stoll

Einkauf ohne Kater

Noch vor einer Woche hätte ich mit dem Begriff „Black Friday“ den historischen Börsenkrach des Jahres 1929 an der Wallstreet und die daraus resultierende Weltwirtschaftskrise in Verbindung gebracht. Doch der Mensch lernt nie aus. Wer in modernen Zeiten vom „Black Friday“ spricht, meint die aus den USA übergeschwappte Schnäppchenjagd. Dort läutet der Tag nach Thanksgiving traditionell das Weihnachtsgeschäft ein, sorgt beim Einzelhandel für volle Kassen und - daher rührt wohl auch der Name - für schwarze Zahlen. Während die Amerikaner tatsächlich auf Einkaufstour gehen und die Warenhäuser stürmen, läuft das Geschäft in Deutschland vorwiegend online. Der schwarze Freitag ist längst in eine ganze Woche gemündet und beschert vor allem den Onlinehändlern Milliardenumsätze.

Ich kaufe lieber vor Ort ein, da ich einen Fernseher oder eine Waschmaschine gerne in Augenschein nehme und eine Kamera in der Hand halten möchte, bevor ich mein Geld ausgebe. Und solange ich mich gegen den Trend stemmen kann, bezahle ich auch keine Rechnung über Online-Bezahldienste. Trotz aller Vorbehalte habe ich zugeschlagen. Mein Handy und auch die Radiosender hielten mich fast stündlich auf dem Laufenden über die aktuellen Sonderangebote. Also habe ich einen E-Book-Reader für die nächste Urlaubsreise erstanden. Nicht im Internet, sondern über den Buchhändler in meinem Ort. Da bin ich mir schon treu geblieben.

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