Mittwoch, 28. Februar 2018 von Gudrun Stoll

Fluchen macht schlau

Hand aufs Herz: Wann haben Sie zum letzten Mal aus vollem Herzen geflucht ? Wer behauptet, diese Art Gefühlsregung sei ihm völlig fremd, der flunkert ein wenig. Fluchen gehört ins menschliche Verhaltensrepertoire. Es gibt tatsächlich wissenschaftliche Untersuchungen, die ergründen, warum Mensch mit Kraftausdrücken um sich werfen und wie sich die Flüche regional und kulturell unterscheiden.

Ich jedenfalls habe mich gestern saumäßig geärgert, als ich am frühen Vormittag nach einem Arztbesuch zur Parkbox in der Ebinger Innenstadt eilte. Ein Zeitgenosse hatte sich, obwohl es ausreichend Platz gab, mit seinem Vehikel so eng an mein Auto geschmiegt, dass ich kaum noch die Fahrertüre öffnen, geschweige denn ans Ausparken denken konnte. Der heilige Zorn brach sich Bahn in einer schwäbischen Schimpftirade, die einen Nachbarn aufhorchen ließ und ihm ein trockenes „Ha no“ entlockte. Die unbürokratische Hilfe eines netten Passanten, der mich in Zentimeterarbeit und ohne jeden Kratzer im Blech aus dem Engpass lotste, hat mich wieder geerdet.

Fluchen macht schlau, tröstete mich ein Kollege, als ich vom etwas holprigen Start in den Tag erzählte. Und tatsächlich fand ich im Internet Berichte über wissenschaftliche Untersuchungen, wonach Psychologen und Sprachwissenschaftler davon überzeugt sind, dass Menschen, die viele Schimpfwörter kennen, einen breiteren Wortschatz und eine höhere Sprachkompetenz haben, als diejenigen, die sich vornehm zurückhalten. Da der Schwabe im Schimpfen und Fluchen ganz in seinem Element ist und auf einen schier unerschöpflichen Vorrat an Worten zurückgreifen kann, gilt er sogar als besonders kreativ und schlau. „Ha no“. Aber übertreiben sollten wir's nicht.

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Donnerstag, 22. Februar 2018 von Gudrun Stoll

Das Ende des Wurstzipfels

Olympische Spiele haben für mich längst jenen Glanz verloren, den ich in den Jugendjahren noch mit dem Satz „Dabei sein ist alles“ verbunden habe. Wer glaubt heute noch an Spiele ohne Doping oder an die Mär, bei der Vergabe des alle vier Jahr anstehenden Großevents gehe es um etwas anderes als Geld und Profit? Dennoch schaue ich immer noch gerne zu, wenn unsere Sportler top Leistungen zeigen, Medaillen erringen oder zu tragischen Helden werden. Doch wer kann sich schon ganze Nächte um die Ohren schlagen oder Urlaub nehmen, um live bei den Wettkämpfen in Südkorea mitzufiebern? Man muss ja froh sein, dass ARD und ZDF im Poker um die Übertragungsrechte eine Sublizenz ergattert, besser gesagt, für viel Geld erkauft haben. Wer tagsüber allerdings keine Gelegenheit hat, Olympia zu schauen, dem bleibt auch am Abend das Nachsehen. Österreich und die Schweiz bieten ihren Bürgern jeden Abend nach der Tagesschau eine Zusammenfassung der Höhepunkte. Danach sucht man bei den öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland vergeblich. Tagesthemen und Heute Journal sind zu später Stunde der an kurzer Kette gehaltene Rettungsanker. Das ist ärgerlich, denn wir bezahlen ja schließlich das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

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Freitag, 9. Februar 2018 von Gudrun Stoll

Heidanei, was für Zeiten

Ha so ebbes, ums auf gut Schwäbisch zu sagen: Vor lautet Trubel kommt man ja fast nicht zum Verschnaufen. Erst kommen die GroKos in Berlin endlich zu Potte, kriegen einen Vertrag zustande, verteilen erste Posten – und wenn's kein weiteres politisches Erdbeben gibt, zieht ins Kabinett der Baureihe Merkel 4.0 gar eine waschechte Zollernälblerin ein. Respekt.

Kaum sind die Nachrichten von der Spree in alle Welt gelinkt, getwittert und gepostet, nimmt uns der Auselige mit Weiberfasnet, Rathaussturm und Ritterschlag in Besitz. Auch die Fasnetsmuffel. Zu deren Trost sei angemerkt: Die Tage der Narretei sind gezählt. Doch im fastnächtlichen Tohuwabohu ist fast untergegangen, dass uns eine neue Zeitrechnung blüht. Das Europäische Parlament stimmt darüber ab, ob die Sommerzeit wieder abgeschafft wird. In diesem Jahr werden wir noch krampfhaft überlegen müssen, ob am Tag der Umstellung der Zeiger eine Stunde vorgestellt wird oder uns 60 Minuten Zeit geschenkt werden.

Das könnte sich ändern, wenn die EU-Richtlinie zur Sommerzeit gestrichen wird, denn sie hat ihr Ziel verfehlt: Energie lässt sich nicht einsparen. Und es dauert gefühlt eine schiere Ewigkeit, bis Mensch und Tier den veränderten Rhythmus verdaut haben. Heidanei, staunt der Schwabe: Es gibt Augenblicke, da geht auch den Bürokraten in der EU ein Licht auf.

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Donnerstag, 1. Februar 2018 von Gudrun Stoll

Kabale und Karneval

Was treibt mich um in diesen Tagen ? Um mit ganz Alltäglichem zum beginnen: Das Wetter, das hoffentlich seine schlimmsten Kapriolen geschlagen hat. Das Dschungelcamp? Ich bekenne, dass ich geschaut und mich über die Zickereien, Peinlichkeiten und Ekelprüfungen im Camp der Selbstdarsteller amüsiert habe. Für eine kleine Weile. Doch als Alternative zum drögen Dschungelalltag taugt die durch alle Kanäle schwappende Fernsehfasnet nicht. Die Riege erstklassiger Büttenredner ist klein und reicht bei weitem nicht aus, um das Publikum vor dem Fernseher über drei Stunden bei Laune zu halten. Meine Hoffnungen ruhen auf der Franken-Fasnet aus Veitshöchheim, die am Freitag live übertragen wird und dem bayerischen Fernsehen Jahr für Jahr Spitzenquoten beschert.

Was mich bei Laune hält, sind die karnevalistischen Einlagen nach Gutsherrenart, präzise gesagt das politische Kasperletheater, das zwei hochrangige Regierungsmitglieder der Landes-CDU derzeit aufführen. Ja, ja, gemeint sind natürlich Strobl und Reinhart, deren parteiinterner Machtkampf sogar die Grundfesten des Koalitionsvertrags erschüttert. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Oder gar weiterdenkt und den närrischen Faden weiterspinnt. Bis auf des Heubergs Höhen. Dort hält der Narr seinen Spiegel gen Stuttgart und fragt ihn nach dem ungelösten Rätsel um die Vergabe des Polizeischulen. Und das gläserne Orakel in des Eulenspiegels Hand antwortet: Kabale.

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Donnerstag, 25. Januar 2018 von Gudrun Stoll

Alles nur Kokolores

Ein Kilo Konfetti kostet im Internet 3,99 Euro. Da muss man doch einfach zugreifen. Aber wie lange die bunten Papierschnipsel bei den Umzügen noch auf die Zuschauer hinabregnen, steht in den Sternen. Das Land hat für den Stuttgarter Umzug ein Konfettiverbot erlassen. Weil der Weg über den Platz vor dem Neuen Schloss führt und das Land die Reinigungskosten scheut. Die Karnevalisten wollen sich ans Dekret halten, aber es hagelt in der Landeshauptstadt auch Hohn und Spott für den humorlosen Erlass.

Kein Feuerwerk an Silvester, kein Konfetti zur Fasnet – was kommt als nächstes? Ein Maulkorb für frech vom Leder ziehende Büttenredner? Oder gar ein Schunkelverbot? Vielleicht schafft man auch noch den Humor ab. Obwohl: Einer waschechten schwäbischen Hausfrau würde beim derzeitigen Anblick der Ebinger Innenstadt das Lachen vergehen. Der vom Regen aufgeweichte Konfettiregen des närrischen Sonntagsumzugs klebt seit Tagen so fest wie Uhu in den Fugen der Pflastersteine, heftet sich an die Schuhe der Passanten und zieht eine zähe Spur durch alle Einkaufsgeschäfte. Wie gut, dass zum Karneval auch der Kehraus gehört. Ein Freudenfest für Fasnetsmuffel. Nicht nur in Stuttgart als einer Hochburg der Kehrwoche. Nein, dieses Kulturgut halten alle Alt-Württemberger in Ehren.

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