Mittwoch, 28. März 2018 von Gudrun Stoll

Leitfaden für Kompetenz

Hand aufs Herz: Wenn es ganz schnell gehen muss beim Versenden von Mails oder Whats App Nachrichten, nimmt man es mit der Rechtschreibung oder dem Komma am richtigen Platz nicht so genau. Nun sollte man nicht jedem Politiker das Wort reden. Aber Kultusministerin Susanne Eisenmann hat vollkommen recht, wenn sie Wert auf eine korrekte Orthografie und Interpunktion legt. So viel Zeit müsse auch beim Verfassen einer SMS sein, wird die CDU-Politikerin zitiert.

Die 53-Jährige verordnet nun den Schulen im Ländle einen Leitfaden. Wohlgemerkt für Lehrer. Im Blick hat sie dabei die Pädagogen, die kein Deutschstudium absolviert haben, die Grundregeln der deutschen Rechtschreibung und Grammatik aber auch in ihren Fächern beherrschen sollten. Denn die Kenntnisse der Schüler lassen schwer zu wünschen übrig. Laut einer Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen erreicht rund ein Fünftel der Schüler nicht einmal den Mindeststandard einer ordentlichen Orthografie.

Seit es das Internet gibt, kann jeder seine Meinung in die Welt hinausposaunen, ohne dass ihn jemand aufhält oder auf sprachliche Defizite hinweist. Aber der Schlagabtausch in den sozialen Netzwerken trägt gewiss nicht die alleinige Schuld an der um sich greifenden Verrohung von Sprache und Umgangsformen. Der Vorstoß der Ministerin, die Schule in den Fokus zu rücken als jenen Ort, der gutes und richtiges Deutsch vermitteln muss, ist gewiss kein Fehlgriff. Auch wenn der Geschäftsführer der Lehrergewerkschaft GEW bereits von falschen Prioritäten spricht, da jeder Lehrer die Rechtschreibung beherrsche. Quod esset demonstrandum: Was zu beweisen wäre, um es mit den Lateinern zu sagen.

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Samstag, 17. März 2018 von Gudrun Stoll

Vorfahrt für gute Bildung

Na endlich. Nach fast einem halben Jahr hat Deutschland eine neue Bundesregierung. Die Kanzlerin und ihr Kabinett sind vereidigt. Nicht nur die Kollegen der Regenbogenpresse fanden Gefallen am Outfit von Julia Klöckner und Franziska Giffey, die bei ihrer Ernennung zur Ministerin das gleiche Kostüm trugen. Ein Zufall, den beide Frauen mit Humor nahmen – und das Königsblau stand ihnen, ganz nebenbei bemerkt, auch gut zu Gesicht. Doch im Alltag dürfte es künftig weniger um Mode gehen, sondern darum, dass die Politiker die drängenden Aufgaben anpacken. Und wahrnehmen, was die Bürger beschäftigt.

Einer aktuellen Umfrage der „Welt“ und des Meinungsforschungsinstituts Emnid zufolge, steht die Flüchtlingskrise dabei nicht an erster Stelle. Besonders wichtig finden 92 Prozent der Befragten eine bessere Ausstattung von Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten. Knapp 70 Prozent nennen als weitere wichtige Aufgabenfelder die Lösung des Dieselproblems, den Ausbau des schnellen Internets und die Sicherung der Grenzen gegen illegale Zuwanderung. An diesen Antworten gibt's wenig zu deuteln. Den Bürgern steht der Sinn nicht nach Luxus oder Luftschlössern. Sie erwarten von der Politik (und den Fahrzeugbauern) gute Bildungsstandards, saubere Autos, feinstaubfreie Städte und klare Kante in Fragen der Sicherheit. Warten wir ab, ob's die GroKo hinkriegt. Immerhin gehen 44 Prozent der Deutschen davon aus, dass die neue Regierung eher gute Arbeit machen wird. Hoffentlich ohne parteipolitisches Gezänke, Polarisierung und Schaufensterdebatten, die das Volk wirklich leid hat.

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Mittwoch, 7. März 2018 von Gudrun Stoll

„Frau, schmeiß Hirn ra!“

Die schwäbischen Geschichten, die der Degerlocher Schriftsteller Gerhard Raff 1985 unter dem Titel „Herr, schmeiß Hirn ra!“ veröffentlicht hat, stehen bis heute als Preziose in meiner Büchersammlung. Immer, wenn Politiker/Innen unnötige Ideen in die Welt setzen, denke ich an dieses flehende Stoßgebet gen Himmel, die Menschen mögen doch ihre kleinen grauen Zellen besser nutzen. Als ob es in diesen unruhigen und unguten Zeiten nicht genug Probleme zu lösen gäbe, bricht die Gleichstellungsbeauftragte des Familienministeriums eine Diskussion um den Text der Nationalhymne vom Zaun. Der Begriff Vaterland sei nicht mehr zeitgemäß, das brüderliche Streben mit Herz und Hand nicht gendertauglich. Geht es nach dem Willen der Sozialdemokratin Kristin Rose-Möhring, singen wir künftig lieber vom Heimatland, nach dessen Freiheit wir couragiert mit Herz und Hand streben.

Um Himmels Willen. Sind das Sorgen nach der monatelangen Hängepartie, für das Vater-Mutter-Heimat-Land überhaupt eine Regierung zu finden. Ich gehöre nicht zur Generation der 68er. Aber in den 70er Jahren wäre in meiner Altersklasse niemand auf die Idee gekommen, eine Flagge im Garten zu hissen oder den Text der Nationalhymne mitzusingen. Und um der Wahrheit genüge zu tun: Die Deutschen haben den etwas lässigeren Umgang mit Schwarz-Rot-Gold nicht von der Politik gelernt. Da musste schon ein Wunder geschehen, das den Namen Fußball-WM 2006 trägt.

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Mittwoch, 28. Februar 2018 von Gudrun Stoll

Fluchen macht schlau

Hand aufs Herz: Wann haben Sie zum letzten Mal aus vollem Herzen geflucht ? Wer behauptet, diese Art Gefühlsregung sei ihm völlig fremd, der flunkert ein wenig. Fluchen gehört ins menschliche Verhaltensrepertoire. Es gibt tatsächlich wissenschaftliche Untersuchungen, die ergründen, warum Mensch mit Kraftausdrücken um sich werfen und wie sich die Flüche regional und kulturell unterscheiden.

Ich jedenfalls habe mich gestern saumäßig geärgert, als ich am frühen Vormittag nach einem Arztbesuch zur Parkbox in der Ebinger Innenstadt eilte. Ein Zeitgenosse hatte sich, obwohl es ausreichend Platz gab, mit seinem Vehikel so eng an mein Auto geschmiegt, dass ich kaum noch die Fahrertüre öffnen, geschweige denn ans Ausparken denken konnte. Der heilige Zorn brach sich Bahn in einer schwäbischen Schimpftirade, die einen Nachbarn aufhorchen ließ und ihm ein trockenes „Ha no“ entlockte. Die unbürokratische Hilfe eines netten Passanten, der mich in Zentimeterarbeit und ohne jeden Kratzer im Blech aus dem Engpass lotste, hat mich wieder geerdet.

Fluchen macht schlau, tröstete mich ein Kollege, als ich vom etwas holprigen Start in den Tag erzählte. Und tatsächlich fand ich im Internet Berichte über wissenschaftliche Untersuchungen, wonach Psychologen und Sprachwissenschaftler davon überzeugt sind, dass Menschen, die viele Schimpfwörter kennen, einen breiteren Wortschatz und eine höhere Sprachkompetenz haben, als diejenigen, die sich vornehm zurückhalten. Da der Schwabe im Schimpfen und Fluchen ganz in seinem Element ist und auf einen schier unerschöpflichen Vorrat an Worten zurückgreifen kann, gilt er sogar als besonders kreativ und schlau. „Ha no“. Aber übertreiben sollten wir's nicht.

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Donnerstag, 22. Februar 2018 von Gudrun Stoll

Das Ende des Wurstzipfels

Olympische Spiele haben für mich längst jenen Glanz verloren, den ich in den Jugendjahren noch mit dem Satz „Dabei sein ist alles“ verbunden habe. Wer glaubt heute noch an Spiele ohne Doping oder an die Mär, bei der Vergabe des alle vier Jahr anstehenden Großevents gehe es um etwas anderes als Geld und Profit? Dennoch schaue ich immer noch gerne zu, wenn unsere Sportler top Leistungen zeigen, Medaillen erringen oder zu tragischen Helden werden. Doch wer kann sich schon ganze Nächte um die Ohren schlagen oder Urlaub nehmen, um live bei den Wettkämpfen in Südkorea mitzufiebern? Man muss ja froh sein, dass ARD und ZDF im Poker um die Übertragungsrechte eine Sublizenz ergattert, besser gesagt, für viel Geld erkauft haben. Wer tagsüber allerdings keine Gelegenheit hat, Olympia zu schauen, dem bleibt auch am Abend das Nachsehen. Österreich und die Schweiz bieten ihren Bürgern jeden Abend nach der Tagesschau eine Zusammenfassung der Höhepunkte. Danach sucht man bei den öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland vergeblich. Tagesthemen und Heute Journal sind zu später Stunde der an kurzer Kette gehaltene Rettungsanker. Das ist ärgerlich, denn wir bezahlen ja schließlich das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

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