Mittwoch, 15. Juli 2009 von Gudrun Stoll

Jetzt gehört alles mir. . .

Seit gestern gehen die Uhren anders. Nein, es geht nicht um die Wetterkapriolen, die durchaus Anlass geben, an die Einführung einersaisonalen Regenzeit zu denken. Seit gestern arbeiten Sie und ich in die eigen Tasche. Exakt um 8. 42 Uhr hat sich der Staat aus Ihrem und meinem Geldbeutel verabschiedet. Steuer- und Abgabeschuld sind für dieses Jahr beglichen. Rein rechnerisch. Denn auch im August und den Folgemonaten gibt es Lohn und Gehalt nicht brutto ausbezahlt. Schön wär's.

Der Bund der Steuerzahler hat den sogenannten Steuerzahlergedenktag symbolisch ausgerufen. Um die Höhe der Abgabenlast für Bürger und Betriebe bewusst zu machen. Die errechnete Quote liegt im Jahr 2009 bei 53,3 Prozent. Mehr als ein halbes Jahr haben wir also nur für Steuern und Sozialversicherungen gearbeitet. Da soll noch ein Politiker sagen, es reiche immer noch nicht.

Im Jahr 2008 waren wir etwas besser dran. Da kam die „Zeitenwende“ schon sechs Tage früher, am 8. Juli. In der Zehn-Jahres-Rückschau ist es aber immer Juni noch viel öfter Juli geworden, bis das hart erarbeitete Geld nur noch uns gehört hat. Wie gesagt rein rechnerisch. Beim Googeln habe ich gelesen, dass es den Österreichern nicht viel besser geht - auch sie schaffen in der Regel bis Mitte Juni für den Staat. Die Schweizer hingegen haben ihren Obolus im Normalfall schon Mitte April entrichtet. Könnte unser Bundesfinanzminister nicht mal nachfragen, wie das geht anstatt nur über schwarze Konten zu stänkern ? Er würde gewiss Sympathiepunkte sammeln. Auf beiden Seiten.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Dienstag, 30. Juni 2009 von Gudrun Stoll

Lockruf der Wildnis

Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Nachrichten täglich in einer Redaktion eingehen. Es gilt zu sortieren und zu werten. Für den Leser. Denn was in seiner Gemeinde und im Kreis passiert, hat Vorrang. Manchmal geschehen aber auch in der Nachbarschaft Dinge, die müssen ganz einfach ins Blatt. Wie jene Nachricht, die gestern die Tuttlinger Polizei ins E-Mail-Postfach legte.

Da hat, man will's kaum glauben, gestern Nachmittag eine ausgewachsene Elefantenkuh Appetit auf eine frische Mahlzeit bekommen. Während sich die Leute vom Zirkus auf den Aufbau des Zeltes konzentrierten, machte sich die Elefantendame aus dem Staub, überquerte die B 311 und ließ sich die frischen grünen Blätter junger Bäume schmecken. Verständlich, dass nicht wenige Autofahrer einen gehörigen Schreck bekamen und die Polizei ausrückte, um den Dickhäuer einzufangen. Ausgerechnet noch die Leitkuh, deren Tun von der restlichen Herde neugierig verfolgt wurde. Alles ging gut - die Zirkusleute holten die ausgebüchste Dame zurück in ihr Quartier. Sollten Sie, liebe Leser, gestern im Verkehrsfunk vor einem Elefanten gewarnt worden sein - es war keine Ente.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 25. Juni 2009 von Gudrun Stoll

Schulterschluss!

Was hätte gestern nicht alles passieren können auf der Fahrt der Regionalbahn über Albstadt und Balingen nach Tübingen. Was, wenn das Feuer während der Fahrt ausgebrochen wäre ? Was, wenn nicht alle Fahrgäste rechtzeitig den sicheren Bahnsteig erreicht hätten ? Es gab keine Verletzten, keine Toten. Das ist die gute, die wichtigste Nachricht.

Es mag Zufall sein, dass im Umweltausschuss des Kreistages am Montag erneut die Deutsche Bahn Anlass zu Diskussionen gab, Mängel im Service der Regionalzüge beanstandet wurden, auf technische Störungen aufmerksam gemacht wurde.

Schmorbrand im Motorraum - es mag ein Zufall sein. Aber Kreisräte, Landtagsabgeordnete und Landrat sind es nun den Bürgern im Zollernalbkreis und den zahlreichen Pendlern schuldig, von Bahn und Land klipp und klar Aufklärung zu fordern über den technischen Zustand der Züge, die täglich auf der Zollernbahn verkehren. Über Parteigrenzen hinweg und im Schulterschluss.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 19. Juni 2009 von Gudrun Stoll

Nachteulen ticken anders

Sozialwissenschaftler und Marktforscher befragen regelmäßig eine bestimmte Anzahl von Leuten, um systematische Informationen über deren Meinung, Wissen und Verhaltensweisen zu gewinnen.

So erfuhren wir gestern aus den Medien, dass die Deutschen Frühaufsteher sind und die meisten am Abend schon vor 23 Uhr zu Bett gehen. Was wunder - es gibt in Europa kaum ein anderes Land, in dem Schulkinder schon in aller Herrgottsfrüh aus den Federn geholt werden. Wer um Sechs zur Schicht antritt oder lange Wege zum Arbeitsplatz hat, muss sich ebenfalls diesem äußeren Rhythmus unserer Leistungsgesellschaft anpassen. Egal, ob ausgeprägter Morgenmuffel, Langschläfer oder Nachteule.

Was die Schlafgewohnheiten angeht, fallen Journalisten aus dem Raster: Vor 23 Uhr geht bei uns kaum ein Kollege ins Bett. Mitternacht ist die Richtgröße, das ergab gestern eine spontane Umfrage in der Redaktion. Das hat Gründe. Abendtermine gehören selbstverständlich zum Job. Nach Konzertbesuch oder Gemeinderatssitzung muss man einfach noch eine Weile abschalten. Zumindest kommt einem das Fernsehen entgegen - viele gute Filme laufen erst im Spätprogramm. Ob wir früh aufstehen, hängt vom Familienstand ab. Wer Kinder hat, stellt den Wecker auf sechs Uhr. Die anderen genießen ein kleines Privileg, das zum Berufsstand gehört. Der Tag in der Zeitungsredaktion beginnt etwas später als in Handwerk und Industrie. Also gönnen wir uns noch eine kleine Runde Schlaf und wappnen uns für einen Arbeitstag, von dem man im voraus nie so ganz weiß, wann er endet.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.