Samstag, 28. April 2018 von Gudrun Stoll

Selten so geschmunzelt

Tübingen sorgt dieser Tage mit eigenem Geld für ordentlich Furore. Der violette 0-Euro-Schein ist auf dem gleichen Papier wie echte Geldnoten gedruckt und zeigt das Motiv der Neckarfront. Die Rückseite zieren bekannte Bauwerke wie der Eiffelturm oder das Brandenburger Tor. Sammler machen bereits Jagd auf das Souvenir, das natürlich nicht zum Nulltarif zu haben ist. Aber die Auflage von 5000 Stück lässt den Wert über die Jahre steigen. Da sind drei Euro wirklich gut angelegt.

Der zweite Streich ist einem Anonymus aus Reutlingen gelungen, der in der Nähe eines Gymnasiums ein Schild aufgehängt hat, das im In- und Ausland Aufmerksamkeit erregt. Das dreieckige Schild mit rotem Rand warnt vor „Smombies“. Noch nie etwas von dieser Spezies gehört? Das ist nicht weiter schlimm, aber gesehen hat schon jeder die jungen Frauen und Männer, die wie hypnotisiert auf ihr Smartphone starren, während sie die Straße überqueren. Für den professionell wirkenden Gag gab es haufenweise Lob fürs Reutlinger Stadtmarketing. Doch aus dem Rathaus kommt die Idee nicht. Und dummerweise darf das „Smombie“-Schild auch nicht hängen bleiben. Die Straßenverkehrsordnung kennt da kein Pardon. Schade, denn besser lässt sich das aus den Begriffen Smartphone und Zombie gebildete Kunstwort „Smombie“ grafisch nicht umsetzen. Und der Erfinder hat wirklich kein Bußgeld für seine Ordnungswidrigkeit verdient, sondern einen Orden.

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Mittwoch, 25. April 2018 von Gudrun Stoll

Glückshormone und Pollenflug

Herz, was begehrst du mehr? Der nasskalte und lange Winter ist endlich überstanden. Die Sonne weckt die Lebensgeister. Körper und Seele erwachen aus dem Ruhemodus. Das Wochenende konnten selbst die Älbler bis in die Abendstunden auf der Terrasse ausklingen lassen. Der launische April kann auch ganz anders: Es gab schon Jahre, da lag um diese Zeit noch eine zentimeterhohe Schneeschicht im Garten.

Doch erfreuen wir uns lieber an den warmen Sonnenstrahlen und den Glückshormonen, die der Körper durch die stärkere Lichteinstrahlung im Frühjahr ausschüttet. Die ersten Cabrios sind unterwegs, die Mountainbiker quälen sich über Kuppen, durch Kurven und Kehren, um Kondition zu tanken für die Sportevents des Sommers.

Auch die Natur schlägt Purzelbäume. Fröhliches Vogelgezwitscher läutet jeden neuen Morgen ein, die Blumen setzen auf Wiesen und in Beeten bunte Tupfer. Sträucher und Bäume treiben ihre Blüten aus, entfalten eine regelrechte Farbexplosion in strahlendem Weiß, zartem Rosa und kräftigem Purpur.

Nix wie raus, lautet die Devise. Nur zwei Wermutstropfen mischen sich in die Aufbruchstimmung: Wo Pollen fliegen, gedeiht auch der Heuschnupfen. Und selten noch habe ich erlebt, dass Blütenstaub so zäh auf der Windschutzscheibe des Autos klebt wie in diesem Jahr.

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Donnerstag, 19. April 2018 von Gudrun Stoll

Quoten im Alltagstest

W ie steht's um die Gleichberechtigung? Die Politik macht gerade eine Rolle rückwärts: Im neuen Bundestag ist der Frauenanteil so niedrig wie seit knapp 20 Jahren nicht mehr. Er liegt bei 30,9 Prozent. In Baden-Württemberg haben vor wenigen Tagen die CDU-Bezirksverbände ihre Kandidaten für die Europawahl 2019 aufgestellt. Die vier aussichtsreichsten Plätze der Landesliste besetzen Männer. Erst auf Platz fünf, der kein sicheres Mandat garantiert, folgt eine Frau . Wie es die anderen Parteien mit dem Fokus auf Frauen halten – wir werden es erfahren, sobald nominiert wird.

Eine verkehrte Welt begegnet uns im Alltag. Am Wochenende wurde in Bitz der Bewegungspass als kreisweites Pilotprojekt vorgestellt. Bei der Premiere glänzten die Frauen mit einer Quote von 100 Prozent. Lehrerinnen, Erzieherinnen und Übungsleiterinnen der Turnvereine haben sich weitergebildet, um Kindern die Freude an Sport und Bewegung zu vermitteln. Damit diese gesund aufwachsen. Doch wir benötigen auch Männer, die außerhalb der Familie mitmischen in der Erziehung. Vor allem Jungs brauchen männliche, zeitgemäße Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Wenn man so will, Förderväter. Die gesellschaftspolitische Aufgabe, den Mädchen bessere Chancen in Schule und Beruf zu verschaffen, ist längst in Angriff genommen. Sie schreiben bessere Schulnoten, machen häufiger Abitur und stoßen längst auch in Domänen vor, die vor Jahren noch ein Tabu waren. Mittlerweile 123 der insgesamt 691 Jungfeuerwehrleute im Zollernalbkreis sind weiblich. Im Nachbarkreis Sigmaringen liegt die Zahl bei 150 Mädchen und 550 Jungs.

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Mittwoch, 28. März 2018 von Gudrun Stoll

Leitfaden für Kompetenz

Hand aufs Herz: Wenn es ganz schnell gehen muss beim Versenden von Mails oder Whats App Nachrichten, nimmt man es mit der Rechtschreibung oder dem Komma am richtigen Platz nicht so genau. Nun sollte man nicht jedem Politiker das Wort reden. Aber Kultusministerin Susanne Eisenmann hat vollkommen recht, wenn sie Wert auf eine korrekte Orthografie und Interpunktion legt. So viel Zeit müsse auch beim Verfassen einer SMS sein, wird die CDU-Politikerin zitiert.

Die 53-Jährige verordnet nun den Schulen im Ländle einen Leitfaden. Wohlgemerkt für Lehrer. Im Blick hat sie dabei die Pädagogen, die kein Deutschstudium absolviert haben, die Grundregeln der deutschen Rechtschreibung und Grammatik aber auch in ihren Fächern beherrschen sollten. Denn die Kenntnisse der Schüler lassen schwer zu wünschen übrig. Laut einer Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen erreicht rund ein Fünftel der Schüler nicht einmal den Mindeststandard einer ordentlichen Orthografie.

Seit es das Internet gibt, kann jeder seine Meinung in die Welt hinausposaunen, ohne dass ihn jemand aufhält oder auf sprachliche Defizite hinweist. Aber der Schlagabtausch in den sozialen Netzwerken trägt gewiss nicht die alleinige Schuld an der um sich greifenden Verrohung von Sprache und Umgangsformen. Der Vorstoß der Ministerin, die Schule in den Fokus zu rücken als jenen Ort, der gutes und richtiges Deutsch vermitteln muss, ist gewiss kein Fehlgriff. Auch wenn der Geschäftsführer der Lehrergewerkschaft GEW bereits von falschen Prioritäten spricht, da jeder Lehrer die Rechtschreibung beherrsche. Quod esset demonstrandum: Was zu beweisen wäre, um es mit den Lateinern zu sagen.

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Samstag, 17. März 2018 von Gudrun Stoll

Vorfahrt für gute Bildung

Na endlich. Nach fast einem halben Jahr hat Deutschland eine neue Bundesregierung. Die Kanzlerin und ihr Kabinett sind vereidigt. Nicht nur die Kollegen der Regenbogenpresse fanden Gefallen am Outfit von Julia Klöckner und Franziska Giffey, die bei ihrer Ernennung zur Ministerin das gleiche Kostüm trugen. Ein Zufall, den beide Frauen mit Humor nahmen – und das Königsblau stand ihnen, ganz nebenbei bemerkt, auch gut zu Gesicht. Doch im Alltag dürfte es künftig weniger um Mode gehen, sondern darum, dass die Politiker die drängenden Aufgaben anpacken. Und wahrnehmen, was die Bürger beschäftigt.

Einer aktuellen Umfrage der „Welt“ und des Meinungsforschungsinstituts Emnid zufolge, steht die Flüchtlingskrise dabei nicht an erster Stelle. Besonders wichtig finden 92 Prozent der Befragten eine bessere Ausstattung von Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten. Knapp 70 Prozent nennen als weitere wichtige Aufgabenfelder die Lösung des Dieselproblems, den Ausbau des schnellen Internets und die Sicherung der Grenzen gegen illegale Zuwanderung. An diesen Antworten gibt's wenig zu deuteln. Den Bürgern steht der Sinn nicht nach Luxus oder Luftschlössern. Sie erwarten von der Politik (und den Fahrzeugbauern) gute Bildungsstandards, saubere Autos, feinstaubfreie Städte und klare Kante in Fragen der Sicherheit. Warten wir ab, ob's die GroKo hinkriegt. Immerhin gehen 44 Prozent der Deutschen davon aus, dass die neue Regierung eher gute Arbeit machen wird. Hoffentlich ohne parteipolitisches Gezänke, Polarisierung und Schaufensterdebatten, die das Volk wirklich leid hat.

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