Samstag, 25. August 2018 von Gudrun Stoll

Nicht nur eine Frage des Alters

Im Panoptikum auf der Hamburger Reeperbahn steht seit wenigen Tagen eine neue Wachsfigur von Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit typischer Raute, aber auch ihren Marionettenfalten, die in jüngster Zeit ausgeprägter geworden sind. Die Kanzlerin altert. Wie ein jeder Mensch. Die stete Präsenz auf der Bühne der Weltpolitik hat Spuren hinterlassen. Nun gehört Merkel nicht zu den Frauen, die zum Ausbügeln der Falten zum Schönheitschirurgen rennen oder Botox tanken. Aber charmant ist die öffentliche Darstellung ihres Alterungsprozesses nicht - erinnert sei an die ausgeprägte Eitelkeit von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der den Streit um seine angeblich gefärbten Schläfen bis vors Bundesverwaltungsgericht (!) trug. Die Kanzlerin weiß sich wenigstens in guter Gesellschaft: Die Ehre, ein zweites Mal in Deutschlands ältestem Wachsfigurenkabinett verewigt zu werden, wurde außer ihr bisher nur Helmut Schmidt zuteil.

Ab wann ein Mensch zu alt ist, um noch Auto zu fahren, diskutieren unsere Leser eifrig in den sozialen Medien, nachdem der Landkreis diese Woche quasi eine Prämie in Form eines Jahresabos für Bus und Bahn in Aussicht stellt, wenn Senioren ihren Führerschein freiwillig abgeben. Nun macht das Alter allein noch lange keinen schlechten Fahrer – trotz spektakulärer und schlimmer Unfälle. Und es wäre gewiss eine Überlegung wert, dem Beispiel einiger EU-Länder zu folgen, in denen die Leistungsfähigkeit von Senioren am Steuer regelmäßig getestet wird. Aber ab wann ist man zu alt zum Autofahren? Diese Frage lassen Landratsamt und Kreisseniorenrat offen. Wie Senioren problemlos und schnell mit dem Bus zum Einkaufsmarkt oder zum Arzt in die Stadt kommen, ebenso. Schade.

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Dienstag, 21. August 2018 von Gudrun Stoll

Ein Lob mit Gschmäckle

Um mit falschen Vorstellung aufzuräumen: Wenn sich Bundesminister zu einer Sommertour anmelden, ist das weder für die Gastgeber noch für die Presse ein Termin, der mit großem Vergnügen verbunden ist. Für Ursula von der Leyen gilt als Verteidigungsministerin Sicherheitsstufe 1. Sie genießt Personenschutz rund um die Uhr und ist nur in gepanzerten Autos unterwegs. In der Albkaserne konnte sich der Gast aus Berlin relativ frei bewegen, aber ein schützender Abstand blieb. Die Pressevertreter nahmen es gelassen hin, dass ein auf Sprengstoff trainierter Spürhund Kamerarucksäcke und Taschen beschnupperte.

Zündstoff im übertragenen Sinne bot die Sommervisite der Ministerin nicht. Das Resümee: Viel Aufwand für die Außenwirkung, jede Menge Medienvertreter auf der Jagd nach dem perfekten Bild, keine Zeit für bohrende Fragen, keine sensationellen Neuigkeiten. Dass in den Standort Stetten zig Millionen Euro investiert werden, ist hinlänglich bekannt. Einzig die Gästeliste gab Anlass zu Verwunderung. Wohlgemerkt aus lokaler Sicht. Stettens Bürgermeister und die Sigmaringer Landrätin durften am Gespräch hinter verschlossenen Türen teilnehmen. Plus der Bundestagsabgeordnete, der eh über die gesamte Visite im Windschatten der Ministerin und CDU-Parteikollegin segelte.

Diese Drei heimsten auch das ausdrückliche Lob von der Leyens für Gemeinden und Landkreise ein, welche die Bundeswehr schätzen und tragen. Auf der benachbarten, zur Visite nicht geladenen Zollernalb wird man's zur Kenntnis nehmen. Je nach Gemütslage verwundert, perplex oder fassungslos.

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Freitag, 27. Juli 2018 von Gudrun Stoll

Das ist des Pudels Kern

Die Welt ist ein Tollhaus, ein Krise jagt die nächste. Und doch gibt es immer wieder Momente, die einen glücklich und froh stimmen. Um auf des Pudels Kern zu kommen: Die Polizei in Baiersbronn hat wohl zum ersten Mal seit Menschengedenken mit einem Foto nach einem Hund gefahndet. Der Vierbeiner hat weder einem unangenehmen Zeitgenossen in die Waden gebissen noch an einen Laternenpfahl gepinkelt.

Timmi ist am Samstag nach dem Öffnen der Haustür einfach seinem 82-jährigen Frauchen entwischt. Sie hatte ihn erst zwei Tage zuvor für ihren vor kurzem verstorbenen Hund bei sich aufgenommen. Die Suche nach dem sechs Jahre alten Pudel blieb erfolglos, in ihrer Not wandte sich die Seniorin schließlich an die Polizei. Diese erwies sich als Freund und Helfer und schrieb Timmi samt Foto zur Fahndung aus. Und siehe da: Wunder gibt es immer wieder. Der braungelockte Vierbeiner hatte irgendwann genug vom Herumstreunen und schloss sich mit feiner Nase am Mittwoch einer Wandergruppe an, die eine Gaststätte ansteuerte. Da Zeitungsleser einfach mehr wissen, wurde der Pudelmann anhand des Fahndungsfotos sofort erkannt. Timmi ist mittlerweile wieder zu Hause. Ende gut, alles gut.

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Mittwoch, 25. Juli 2018 von Gudrun Stoll

Wo geht's denn hin?

Sind die Koffer schon gepackt? Baden-Württemberg startet am Donnerstag in die Schulferien. Als vorletztes Bundesland. Wohin es die Schwaben zieht, hat das Online-Reisebüro „Ab in den Urlaub“ aus den bereits gebuchten Reisen ausgewertet. Wenn es um die schönsten Tage im Jahr geht, lassen sich die Menschen ihre Urlaubspläne weder vom Fußballdebakel, der Rassismusdebatte, den peinlichen Herren aus dem DFB-Elfenbeinturm noch vom Alleinherrscher am Bosporus vermiesen: Ganz oben auf der Liste der Ziele steht die türkische Riviera. Dorthin zieht es 15,8 Prozent der Reisenden.

Obwohl die Mallorquiner die Invasion der Touristen und deren Feierexesse gründlich satt haben, belegt die Baleareninsel im Sommer 2018 Platz zwei auf der Beliebtheitsskala.

Gerne verbringen die Badener und Württemberger den Sommer auch in den ägyptischen Badeorten am Roten Meer oder fliegen auf eine der zahlreichen griechischen Inseln. Auf Korfu oder Kreta, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, gelten Touristen nicht als lästige Plage. Die Einheimischen schreiben Gastfreundschaft und Freundlichkeit groß.

Ein Klassiker bleibt Italien. Und wer gerne zu Hause ausspannt, braucht sich nicht zu verstecken: Auch das Ländle ist „besonders“. Und man muss nicht mal Hochdeutsch können.

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Mittwoch, 18. Juli 2018 von Gudrun Stoll

Bruno in der Postmoderne

Um Himmels Willen nein: Ich will im Juli nicht in weihnachtliche Themen abschweifen. Man kann ja froh sein über jeden sonnigen und warmen Tag, der Lust macht auf Freibad, Freizeit und die bald beginnenden Ferien. Aber bis der letzte Schultag endlich naht und auch in den Firmen und Handwerksbetrieben die Arbeit für kurze Zeit ruht, heißt die Parole: Mindestens einmal am Tag ganz langsam bis Zehn zählen, den Stress wegatmen und die Gehirnzellen mal kurz durchlüften. Kurz vor der Sommerpause herrscht eine Hektik und Terminfülle, wie man sie aus den so gern als besinnlich verbrämten Tagen kennt, bis sich am 24. Dezember das letzte Türchen am Adventskalender öffnet – womit wir wieder beim Thema wären. . .

Gemeinderäte und Kreistag packen in ihre letzten Sitzungen vor der Sommerpause eine Themenfülle, die jegliches Maß sprengt. Der Veranstaltungskalender fürs anstehende Wochenende ist angehäuft mit Events, die ausreichen würden für ein Monatsprogramm. Dann folgt die Saure-Gurken-Zeit, früher ein Fall für Nessie, Problembär Bruno oder Kaiman Sammy. Heute stopfen Selfies und aufgepeppte Onlinenachrichten die scheinbare Langeweile des Sommerlochs.

Schade, denn wir gönnen uns auch in der Sommerfrische keine Ruhe mehr. Dabei hätten wir diese Zeit der Reflexion über diese irre gewordene Welt und ihre aus dem Ruder laufenden Politiker bitter nötig.

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