Freitag, 24. November 2017 von Holger Much

Horst ist ganz schön sauer

Er ist ein unregelmäßiger, aber stets gern gesehener Gast bei uns im Garten: Horst, das Eichhörnchen. Vermutlich gibt es Horst gar nicht im Singular. Denn vermutlich handelt es sich bei Horst um mehrere Horste, wir vermuten drei. Dennoch freuen wir uns immer, wenn er oder sie – vielleicht ist Horst ja ein Mädchen – in der Birke im Garten herumturnt: „Horst ist da!“

Nicht ganz so beliebt wie bei meiner Frau und mir ist Horst allerdings bei Amsel, Fink und Star und Co. Denn das Kerlchen mit dem buschigen Schwanz liebt Vogelfutter über alles. Es ist erstaunlich, welche Mengen an Sonnenblumenkernen und gehackten Nüssen Horst in kurzer Zeit in sich hineinstopfen kann. Man kann richtig zusehen, wie sein weißbeflaumtes Bäuchlein beim hektischen Futtern rund und prall wird.

Doch in den letzten Tagen hatten wir Besuch, eine Lesung bei den Literaturtagen, noch mehr Besuch und allerlei angenehme, doch zeitraubende Dinge um die Ohren. Keine Zeit, den Futtervorrat zu befüllen. Und so kam es, wie es kommen musste: Gestern besuchte Horst seine gewohnten Nuts-to-go-Vogelhäuschen. Und er fand – nichts. Wütend machte das enttäuschte Eichhorn seinem Unmut schnatternd Luft und verschwand schimpfend durch die Hecke. Wir hoffen nun, ihn nicht gänzlich verloren zu haben. Denn Liebe geht eben auch bei Eichhörnchen durch den Magen.

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Dienstag, 14. November 2017 von Holger Much

Ein bisschen Knigge im Alltag

Manchmal könnte es so einfach sein: Ein kleines Lächeln, ein angedeutetes „Danke“ für Gefälligkeiten im Alltag, und die Welt sähe viel freundlicher aus. So wie jüngst der Herr, dem ich, als wir beide gleichzeitig auf den Eingang einer Apotheke zueilten, freundlich den Vortritt ließ und sogar die Türe aufhielt. Statt einer freundlichen Reaktion erntete ich nur einen ausdruckslosen Blick. Genauso jüngst im Supermarkt: Ein kleines „Dankeschön“, ein Nicken wenigstens, wenn man vorgelassen wird, weil man etwas weniger Waren im Wagen hat? Von wegen.

Am schlimmsten ist es im Straßenverkehr. Hier äußert sich Gedankenlosigkeit und Ichbezogenheit nicht nur im Rasen, sondern auch darin, dass immer weniger Leute blinken. Es wird erwartet, dass die anderen Verkehrsteilnehmer für einen mit aufpassen. So ein kleines bisschen altmodischer Knigge aus Überzeugung – ach wie schön wäre das.

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Samstag, 11. November 2017 von Holger Much

Zu alt für Rock 'n' Roll?

Laut war es oftmals, so oft ich meiner größten platonischen Liebe nach ging, die, ganz nach John Miles, natürlich die Musik ist. Nichts Schöneres, als auf ein Konzert zu gehen, dort die Minuten voller Versprechungen vor dem Auftritt zu genießen, um sich dann ganz fallen zu lassen in die Magie von Klang, Melodie und überbordendem Gefühl. Und dazu gehört natürlich auch eine gewisse Dezibelzahl.

Bei den Stranglers fuhr mir, ich weiß es noch wie heute, ein majestätischer Bass bis tief in den Magen, die Pogues zu ihren besten Zeiten waren lauter als manche Metalband und auch gestrenge Jungs der so genannten neuen Deutschen Härte wie Oomph!, Rammstein oder Eisbrecher musizierten stets mit der Eleganz einer Dampfwalze in voller Fahrt.

Als ich jüngst dem Konzert eines befreundeten Herrn lauschte und die Band sehr zur Freude der Besucher so richtig Gas gab, musste ich jedoch mit Schrecken feststellen, dass mir so etwas einfach nicht mehr leicht fällt. Erstens streikt vom langen Stehen der Rücken, zweitens strengt mich die extreme Dauerberschallung mittlerweile an, auch wenn mir die Musik sehr gefällt. Ich brauche immer mehr stille Inseln, in denen auch mal ohne Stecker fein musiziert wird. Das erschreckt mich. Bin ich mittlerweile zu alt für Rock 'n' Roll?

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Samstag, 26. August 2017 von Holger Much

Im mir arbeitet das Sofa-Gen

Kennen Sie die Gen-Variante DRD4-7R? Diese besondere Mutation des für den Dopaminhaushalt zuständigen DRD4-Gens, das auch als Entdecker-Gen apostrophiert und bekannt wurde? Mehrere Untersuchungen legen einen Zusammenhang nahe zwischen diesem speziellen Element in unserem Erbgut sowie der Neugier und der Liebe zu Veränderung, Bewegung und Risiken. Rund 20 Prozent der Menschheit trägt dieses Entdecker-Gen offenbar in sich, das es einem leicht macht, neue Horizonte zu erobern.

Dazu, so denke ich mir, gehören sicher die Flugkünstler der Royal Jordanian Falcons. Wenn ich mir so ansehe, was diese Teufelskerle so an Stunts in der Luft hinlegen, bleibt mir die Spucke weg. Und ich spüre deutlich: ich trage dieses Gen nicht in mir. Eher das Sofa-Gen.

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Donnerstag, 24. August 2017 von Holger Much

Eigentlich ist Herbst schön

Im Prinzip mag ich den Herbst ja ganz gern. Nein, wenn ich genauer darüber nachdenke, dann mag ich den Herbst sogar wirklich sehr gern. Ich mag die goldene Sonne, die alles in ein milde stimmendes, sanftes Licht taucht. Ich mag das raschelnde, duftende bunte Laub und herbstliche Genüsse wie Zwiebelkuchen mit Suser. Und die geheimnisvollen Nebel, die in dieser Jahreszeit aus den Wiesen steigen und über den Flusstälern hängen, mag ich ganz besonders, sogar die leise Melancholie der Herbstabende.

Dennoch begegne ich dieser Jahreszeit mit Zurückhaltung und erwische mich selbst dabei, mich zu bemühen, den Herbst nicht zu sehr zu mögen. Denn was mich am ihm stört: Ihm folgt der Winter nach mit seiner Kälte, Nässe und Dunkelheit – und mit Schnee. Das trübt die Freude. Natürlich ist erst August. Doch schon am 22. September ist Tag-und-Nacht-Gleiche. Und wer den Wald betrachtet, sieht, dass sich die Blätter bereits verfärben und die Kastanien reifen. Die dritte Jahreszeit winkt schon am Horizont. Doch dieses Jahr habe ich mir fest vorgenommen, sie zu genießen. Denn eigentlich mag ich den Herbst recht gern.

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