Samstag, 13. Januar 2018 von Holger Much

Wenn Coolness Angst macht

Es gibt sie, die absolut coolen Autofahrer und natürlich auch Autofahrerinnen. Jene nonchalanten Zeitgenossen beiderlei Geschlechts, die die unangestrengte Virtuosität ihrer Lebensführung stets und ständig demonstrativ unter Beweis stellen. Und ich bewundere diese selbstbewussten, in sich ruhenden Menschen ungemein, das gebe ich zu.

Nur in manchen Situationen äußert sich diese Coolness auf eine Art, die mir, pardon, auf die Nerven geht und schlichtweg Angst macht. Beispielsweise im Straßenverkehr. Denn hier kann ein kurz vielleicht zu cooles Verhalten nicht nur das eigene Wohlergehen, sondern auch das der Mitmenschen in Mitleidenschaft ziehen.

Das entspannt zur Schau getragene Nichtblinken in Kreisverkehren meine ich heute gar nicht einmal, darüber habe ich mich früher schon ausgelassen. Es geht um eine andere Unsitte. Jene nämlich, mit gefühlt ungebremster Höchstgeschwindigkeit auf eine Querstraße mit Vorfahrt zuzubrettern, um dann direkt an der Einmündung, die Kühlerhaube schon leicht über dem Halte-strich, kräftig in die Eisen zu steigen und mit schaukelnder Karre, aber betont unbeteiligt schauend anzuhalten. Das Ganze hat Ähnlichkeit mit dem Raumschiff Enterprise, das – fupp – plötzlich aus dem Hyperraum auftaucht. Genau dort, wo ich gerade meiner Wege tuckere und mich jedes Mal zu Tode erschrecke. Ich bin einfach viel zu uncool.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 10. Januar 2018 von Holger Much

Trügerische Hoffnung

Es habe, sagte gestern jemand in der größten Selbstverständlichkeit am Telefon zu mir, zur Zeit ja leider keinen Schnee. Man beachte dabei das unscheinbare aber entscheidende Wörtchen „leider“.

Da musste ich dann doch gleich massiv, wenn auch hoffentlich charmant widersprechen. Ich genieße es in vollen Zügen, dass mich das weiße nasse Zeug momentan verschont. Aber es ist nicht einmal so sehr die Tatsache, dass ich morgens nicht schippen muss, nicht gefühlte Ewigkeiten das eingefrostete Auto frei kratzen oder nicht vorsichtig im Schneckentempo über komplett vereiste Straßen schlittern muss. Es ist die ach so süße doch trügerische Hoffnung, die mir das Herz so sehr wärmt.

Es ist die Hoffnung auf den Frühling, die sich unweigerlich immer mehr Platz macht. Man könnte fast meinen, es wäre April und nicht Januar. Im Garten recken bereits die ersten kleinen Schneeglöckchen schüchtern das Köpfchen. Und die tiefe Winterstille wird plötzlich wieder belebt vom Klopfen des Spechtes oder von den kleinen Kohlmeisen, die leise „Judith“ rufen. Herrlich. Doch wie gesagt: Noch ist Winter. Mit und ohne Schnee.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 21. Dezember 2017 von Holger Much

Der mit dem Luke alt wird

Ich gebe es zu, ich war zutiefst gerührt, als ich den zutiefst traurigen älteren Herrn dort auf seiner kleinen Insel sah. Luke Skywalker war vermutlich der erste strahlende Kinoheld meiner Kindheit, den ich als solchen bewusst wahrnahm. Damals jung und voller Hoffnungen und Visionen, machte er sich auf, das All zu erobern und für das Gute zu kämpfen.

Nun kehrt er nach einer gefühlten Ewigkeit zurück auf die Leinwand. Alt ist er geworden. Das Leben hat Narben in seinem Gesicht und in seiner Seele hinterlassen, und unwillkürlich habe ich mir im Kino an den Bart gefasst, der grau geworden ist, so wie seiner. Und auch wenn Luke Skywalker nur eine erfundene Figur sein mag, so hat er mich doch mein Leben lang begleitet, er war immer irgendwie da. Und nun stellt man fest, dass man zusammen älter geworden ist, grauer und auch müder. Und man fühlt sich plötzlich sehr verbunden mit dem gar nicht mehr so fernen Helden auf der Leinwand – mehr als früher.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Dienstag, 5. Dezember 2017 von Holger Much

Per Facebook nach Ägypten

Wie so viele Dinge sind natürlich auch die sogenannten sozialen Medien eine teils zweischneidige Sache. Vor allem das Phänomen, dass einige Leute in der vermeintlichen Sicherheit hinter dem Computer sämtliche Regeln des Anstands vergessen. So wurde ich jüngst wirklich übelst beschimpft und beleidigt von einem ehemaligen „Freund“ auf Facebook.

Das sind sehr unangenehme Dinge, da bin ich mir sicher, die so im persönlichen Kontakt nie passiert wären.

Doch dann gibt es eben auch die rundum positiven Seiten dieser weltweiten Netzwerke, die einem wunderbare Momente bescheren können. So erreichte mich vor wenigen Tagen die Nachricht eines Freundes, den ich seit gut 20 Jahren nicht mehr gesehen und nach dem ich vergeblich gesucht hatte. Der damals junge Mann war aus Ägypten extra nach Albstadt auf die Hochschule gekommen, um dort Maschinenbau zu studieren. Und als er nach einigen Jahren wieder nach Kairo zurückkehrte, haben wir uns aus den Augen verloren. Und nun wiedergefunden.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 29. November 2017 von Holger Much

Schöne neue Mailwelt

Mails können etwas Schönes sein. Man kann mit einem Fingerdruck Informationen, Texte, Bilder, Musik oder Filme in Sekundenschnelle um den ganzen Erdball schicken und Freude bereiten. Doch genau diese legere Handhabe verleitet offenbar dazu, gute alte Höflichkeitsregeln aus jener Zeit, als man noch Briefe schrieb – schön langsam mit dem Füllfederhalter auf Papier, – außer Acht zu lassen. Eine nette Anrede zum Beispiel freut einen immer, egal ob dienstlich oder privat.

Hilfreich ist natürlich auch ein kurzes Anschreiben, das gleich zu Anfang knapp und verständlich erklärt, worum es dem Mailschreiber geht, was er mitteilen möchte und in welchem Zusammenhang beispielsweise die Texte oder Bilder stehen, die ansonsten gerne für Verwirrung sorgen. Dabei ist es mir persönlich relativ egal, ob man mich mit „Sehr geehrter Herr Much“, „Lieber Herr Much“ oder einfach mit „Hallo Herr Much“ anredet. Doch schätze ich es ungemein, wenn sich der Absender die kleine Mühe macht, in zwei, drei Sätzen sein Anliegen kund zu tun, bevor er mich einfach kommentarlos mit Texten oder Anhängen beglückt. Hoffen wir einfach mal, dass sich diese Dinge in der noch so neuen Kunst des Mailschreibens doch bald einspielen.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.