Donnerstag, 21. Dezember 2017 von Holger Much

Der mit dem Luke alt wird

Ich gebe es zu, ich war zutiefst gerührt, als ich den zutiefst traurigen älteren Herrn dort auf seiner kleinen Insel sah. Luke Skywalker war vermutlich der erste strahlende Kinoheld meiner Kindheit, den ich als solchen bewusst wahrnahm. Damals jung und voller Hoffnungen und Visionen, machte er sich auf, das All zu erobern und für das Gute zu kämpfen.

Nun kehrt er nach einer gefühlten Ewigkeit zurück auf die Leinwand. Alt ist er geworden. Das Leben hat Narben in seinem Gesicht und in seiner Seele hinterlassen, und unwillkürlich habe ich mir im Kino an den Bart gefasst, der grau geworden ist, so wie seiner. Und auch wenn Luke Skywalker nur eine erfundene Figur sein mag, so hat er mich doch mein Leben lang begleitet, er war immer irgendwie da. Und nun stellt man fest, dass man zusammen älter geworden ist, grauer und auch müder. Und man fühlt sich plötzlich sehr verbunden mit dem gar nicht mehr so fernen Helden auf der Leinwand – mehr als früher.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Dienstag, 5. Dezember 2017 von Holger Much

Per Facebook nach Ägypten

Wie so viele Dinge sind natürlich auch die sogenannten sozialen Medien eine teils zweischneidige Sache. Vor allem das Phänomen, dass einige Leute in der vermeintlichen Sicherheit hinter dem Computer sämtliche Regeln des Anstands vergessen. So wurde ich jüngst wirklich übelst beschimpft und beleidigt von einem ehemaligen „Freund“ auf Facebook.

Das sind sehr unangenehme Dinge, da bin ich mir sicher, die so im persönlichen Kontakt nie passiert wären.

Doch dann gibt es eben auch die rundum positiven Seiten dieser weltweiten Netzwerke, die einem wunderbare Momente bescheren können. So erreichte mich vor wenigen Tagen die Nachricht eines Freundes, den ich seit gut 20 Jahren nicht mehr gesehen und nach dem ich vergeblich gesucht hatte. Der damals junge Mann war aus Ägypten extra nach Albstadt auf die Hochschule gekommen, um dort Maschinenbau zu studieren. Und als er nach einigen Jahren wieder nach Kairo zurückkehrte, haben wir uns aus den Augen verloren. Und nun wiedergefunden.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 29. November 2017 von Holger Much

Schöne neue Mailwelt

Mails können etwas Schönes sein. Man kann mit einem Fingerdruck Informationen, Texte, Bilder, Musik oder Filme in Sekundenschnelle um den ganzen Erdball schicken und Freude bereiten. Doch genau diese legere Handhabe verleitet offenbar dazu, gute alte Höflichkeitsregeln aus jener Zeit, als man noch Briefe schrieb – schön langsam mit dem Füllfederhalter auf Papier, – außer Acht zu lassen. Eine nette Anrede zum Beispiel freut einen immer, egal ob dienstlich oder privat.

Hilfreich ist natürlich auch ein kurzes Anschreiben, das gleich zu Anfang knapp und verständlich erklärt, worum es dem Mailschreiber geht, was er mitteilen möchte und in welchem Zusammenhang beispielsweise die Texte oder Bilder stehen, die ansonsten gerne für Verwirrung sorgen. Dabei ist es mir persönlich relativ egal, ob man mich mit „Sehr geehrter Herr Much“, „Lieber Herr Much“ oder einfach mit „Hallo Herr Much“ anredet. Doch schätze ich es ungemein, wenn sich der Absender die kleine Mühe macht, in zwei, drei Sätzen sein Anliegen kund zu tun, bevor er mich einfach kommentarlos mit Texten oder Anhängen beglückt. Hoffen wir einfach mal, dass sich diese Dinge in der noch so neuen Kunst des Mailschreibens doch bald einspielen.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 24. November 2017 von Holger Much

Horst ist ganz schön sauer

Er ist ein unregelmäßiger, aber stets gern gesehener Gast bei uns im Garten: Horst, das Eichhörnchen. Vermutlich gibt es Horst gar nicht im Singular. Denn vermutlich handelt es sich bei Horst um mehrere Horste, wir vermuten drei. Dennoch freuen wir uns immer, wenn er oder sie – vielleicht ist Horst ja ein Mädchen – in der Birke im Garten herumturnt: „Horst ist da!“

Nicht ganz so beliebt wie bei meiner Frau und mir ist Horst allerdings bei Amsel, Fink und Star und Co. Denn das Kerlchen mit dem buschigen Schwanz liebt Vogelfutter über alles. Es ist erstaunlich, welche Mengen an Sonnenblumenkernen und gehackten Nüssen Horst in kurzer Zeit in sich hineinstopfen kann. Man kann richtig zusehen, wie sein weißbeflaumtes Bäuchlein beim hektischen Futtern rund und prall wird.

Doch in den letzten Tagen hatten wir Besuch, eine Lesung bei den Literaturtagen, noch mehr Besuch und allerlei angenehme, doch zeitraubende Dinge um die Ohren. Keine Zeit, den Futtervorrat zu befüllen. Und so kam es, wie es kommen musste: Gestern besuchte Horst seine gewohnten Nuts-to-go-Vogelhäuschen. Und er fand – nichts. Wütend machte das enttäuschte Eichhorn seinem Unmut schnatternd Luft und verschwand schimpfend durch die Hecke. Wir hoffen nun, ihn nicht gänzlich verloren zu haben. Denn Liebe geht eben auch bei Eichhörnchen durch den Magen.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Dienstag, 14. November 2017 von Holger Much

Ein bisschen Knigge im Alltag

Manchmal könnte es so einfach sein: Ein kleines Lächeln, ein angedeutetes „Danke“ für Gefälligkeiten im Alltag, und die Welt sähe viel freundlicher aus. So wie jüngst der Herr, dem ich, als wir beide gleichzeitig auf den Eingang einer Apotheke zueilten, freundlich den Vortritt ließ und sogar die Türe aufhielt. Statt einer freundlichen Reaktion erntete ich nur einen ausdruckslosen Blick. Genauso jüngst im Supermarkt: Ein kleines „Dankeschön“, ein Nicken wenigstens, wenn man vorgelassen wird, weil man etwas weniger Waren im Wagen hat? Von wegen.

Am schlimmsten ist es im Straßenverkehr. Hier äußert sich Gedankenlosigkeit und Ichbezogenheit nicht nur im Rasen, sondern auch darin, dass immer weniger Leute blinken. Es wird erwartet, dass die anderen Verkehrsteilnehmer für einen mit aufpassen. So ein kleines bisschen altmodischer Knigge aus Überzeugung – ach wie schön wäre das.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.