Samstag, 24. Februar 2018 von Holger Much

Krank sein bildet ungemein

Was man nicht alles lernt, wenn man krank ist, oder zumindest nicht ganz gesund, habe ich in den letzten Tagen gemerkt. Seit über vier Wochen laboriere ich an diesem Höllenhusten herum, den gerade irgendwie jeder Zweite mit sich herumzuschleppen scheint. Das ist natürlich weniger angenehm, vor allem, wenn das Gerassele in der Brust so gar nicht aufhören mag. Doch wie gesagt, kann Krankheit auch unglaublich zur Bildung beitragen und hat damit überaschenderweise auch unbestreitbar positive Seiten.

So habe ich außer unzähligen abenteuerlichen Rezepten mit Ingwer und Safran und Knoblauch oder Chili auch erfahren, dass es Manukahonig gibt. Und der soll wahre Wunder wirken bei allerlei Wehwehchen, bei Erkältungen und sogar äußerlich angewendet bei Verletzungen. Denn bei direktem Kontakt macht der Wunderhonig aus Neuseeland und Australien Keimen so richtig den Garaus.

Honigbienen machen das Wundergelee aus dem Blütennektar der Südseemyrte oder eben Manuka. Wichtigster Wirkstoff des sündhaft teuren Honigs ist das Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal, kurz MGO, das wohl auch in normalen Honigsorten vorkommt, im Manukahonig aber in extrem hoher Konzentration. Ich habe den Wunderstoff zu Hause, nehme jeden Morgen ein Löffelchen und siehe da – der Husten wird besser. Dumm nur, dass ich gelesen habe, dass der Honig die Bronchien gar nicht erreicht und daher gegen Husten nur bedingt wirkt. Egal. Manukahonig hilft. Der Glaube manchmal auch. . .

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Samstag, 17. Februar 2018 von Holger Much

Beherrschung fällt schwer

Die Sehnsucht wird übermächtig. Und es wird von Tag zu Tag schwerer, die Beherrschung zu bewahren. Die Beherrschung, die dazugehört, nicht jedes Primelchen zu kaufen, das irgendwo in der Auslage steht. Es zieht mich mit unwiderstehlicher Kraft in den Garten. Ich möchte graben und buddeln. Ich möchte das alte graue Laub wegrechen, das zarte Grün darunter endlich vom Schmutz und der eisigen Umarmung des Winters befreien und mit jedem Blümchen, das ich in die Erde pflanze, den milden Frühling ein kleines Stückchen mehr heraufbeschwören.

All das nicht zu tun kostet große Überwindung, ich gestehe es. Doch jeder Tag, der vergeht, nimmt mir etwas mehr von der Kraft, der Blumensucht zu widerstehen und endlich wieder Farben und Düfte im Garten zu genießen. Aber immerhin befinden wir uns im Endspurt. Dienstag, 20. März, ist Frühlingsanfang. Bis dahin schaffe ich es gerade noch.

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Donnerstag, 15. Februar 2018 von Holger Much

Immer noch Cowboys

Manche Dinge ändern sich scheinbar nie, und das har durchaus auch seine guten Seiten. Das dachte ich jüngst, als ich mich dienstlich in den Fasnetstrubel werfen musste.

Verkleiden ist und war schon immer eine faszinierende Angelegenheit für die Menschheit. Das schlüpfen in ein Kostüm, in eine andere Haut und damit das testen und Ausleben eines anderen, vielleicht mutigeren, heldenhafteren oder vermeintlich schöneren Ichs begeistert natürlich auch vor allem die Kinder. Und hier scheint so ein ganz klein wenig die Welt still zu stehen, ganz im positiven Sinne.

Denn wer sich die Verkleidungen der Kleinen so anschaut, der entdeckt auch heute noch die alten Klassiker, den Cowboy, die Prinzessin, den Ritter oder die Pippi Langstrumpf. Und die Kinder haben ihre helle Freude an diesen Kostümen. Das freut sogar so einen Verkleidungsmuffel wie mich, der ständig nur in seinem schwarzen Trauerflor herum rennt.

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Samstag, 3. Februar 2018 von Holger Much

Mitleid mit der Triefnase

Es ist einfach rührend, wie sich die Leute um einen kümmern. Und ich gestehe, mir tut es gut. Mich hat seit wenigen Tagen mal wieder eine boshafte Erkältung hinterrücks angesprungen. Männerschnupfen halt, wie manch einer meinte. Ich fühle mich trotzdem mies. Doch wenn man dann so vor sich hin schnieft und schnaubt und hustet, dass die Wände wackeln, Teechen trinkt und irgendwelche leckeren Bonbons lutscht, dann zieht man doch das Mitleid vieler Mitmenschen auf sich.

Ein Kollege schenkte mir gleich mehrere seiner Isla-Moos-Lutschpastillen, die andere Kollegin versorgt mich rührend mit Salbeibonbons. Ein anderer Kollege machte sich die Mühe, mir ein aufwendiges Rezept mit Kurkuma, Pfeffer und Leinöl in Tomatensaft aufzuschreiben. Und meine Frau hat mir ein leckeres Lunchpaket mit Meditonsin, Angocin und Orangen bereit gelegt. Von den zahlreichen Besserungswünschen auf Facebook gar nicht zu reden.

Zwar fühlt man sich immer noch schlapp und kaputt. Aber soviel Anteilnahme tut dann doch im Herzen gut.

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Mittwoch, 24. Januar 2018 von Holger Much

Von Helden auf dem Sofa

Kennen Sie das auch? Es gibt diese Menschen, die einem irgendwann im Leben über den Weg laufen und die man ungemein bewundert für das, was sie tun, was sie schaffen und wofür sie stehen? Das können namhafte Musiker sein, die einen mit ihren Kompositionen tief berühren. Es können Künstler sein, große Schriftsteller, deren Werk einem aus dem Herzen spricht, Philosophen oder meinetwegen auch Politiker. Das „über den Weg laufen“ ist hier natürlich vor allem symbolisch zu verstehen. Denn persönlich lernt man diese Leute meist nicht kennen. Man erfährt sie über ihr jeweiliges Werk. Es ist ihre Musik, über die man sich ihnen nähert, es sind ihre Bücher, ihre Filme, einfach die Früchte ihres Geistes.

Je länger man diese Helden zu kennen glaubt, desto näher vermögen sie einem zu werden: Ihre Lieder trösten einen über dunkle Stunden, ihre Bücher erklären einem die Welt. So ist das Leben durchdrungen von diesen Menschen, mancher ganz persönliche Moment ist vielleicht mit ihnen verbunden. All das freilich, ohne dass derjenige all dies weiß. Die Beziehung ist einseitig. Umso befremdlicher und unwirklicher wird es dann, wenn man, so wie ich in den vergangenen zwei Jahren, einigen dieser Leuten plötzlich Aug' in Auge begegnet. Wenn ein Held Deiner jungen Jahre plötzlich bei Dir auf dem Sofa sitzt und Kaffee trinkt – oder Du gar bei ihm. Und umso schöner wird es, wenn man spürt, dass jener Mensch wirklich all das in sich trägt, was man in seinem Werk zu spüren meinte, wenn aus Bewunderung Freundschaft wird.

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