Donnerstag, 15. Februar 2018 von Holger Much

Immer noch Cowboys

Manche Dinge ändern sich scheinbar nie, und das har durchaus auch seine guten Seiten. Das dachte ich jüngst, als ich mich dienstlich in den Fasnetstrubel werfen musste.

Verkleiden ist und war schon immer eine faszinierende Angelegenheit für die Menschheit. Das schlüpfen in ein Kostüm, in eine andere Haut und damit das testen und Ausleben eines anderen, vielleicht mutigeren, heldenhafteren oder vermeintlich schöneren Ichs begeistert natürlich auch vor allem die Kinder. Und hier scheint so ein ganz klein wenig die Welt still zu stehen, ganz im positiven Sinne.

Denn wer sich die Verkleidungen der Kleinen so anschaut, der entdeckt auch heute noch die alten Klassiker, den Cowboy, die Prinzessin, den Ritter oder die Pippi Langstrumpf. Und die Kinder haben ihre helle Freude an diesen Kostümen. Das freut sogar so einen Verkleidungsmuffel wie mich, der ständig nur in seinem schwarzen Trauerflor herum rennt.

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Samstag, 3. Februar 2018 von Holger Much

Mitleid mit der Triefnase

Es ist einfach rührend, wie sich die Leute um einen kümmern. Und ich gestehe, mir tut es gut. Mich hat seit wenigen Tagen mal wieder eine boshafte Erkältung hinterrücks angesprungen. Männerschnupfen halt, wie manch einer meinte. Ich fühle mich trotzdem mies. Doch wenn man dann so vor sich hin schnieft und schnaubt und hustet, dass die Wände wackeln, Teechen trinkt und irgendwelche leckeren Bonbons lutscht, dann zieht man doch das Mitleid vieler Mitmenschen auf sich.

Ein Kollege schenkte mir gleich mehrere seiner Isla-Moos-Lutschpastillen, die andere Kollegin versorgt mich rührend mit Salbeibonbons. Ein anderer Kollege machte sich die Mühe, mir ein aufwendiges Rezept mit Kurkuma, Pfeffer und Leinöl in Tomatensaft aufzuschreiben. Und meine Frau hat mir ein leckeres Lunchpaket mit Meditonsin, Angocin und Orangen bereit gelegt. Von den zahlreichen Besserungswünschen auf Facebook gar nicht zu reden.

Zwar fühlt man sich immer noch schlapp und kaputt. Aber soviel Anteilnahme tut dann doch im Herzen gut.

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Mittwoch, 24. Januar 2018 von Holger Much

Von Helden auf dem Sofa

Kennen Sie das auch? Es gibt diese Menschen, die einem irgendwann im Leben über den Weg laufen und die man ungemein bewundert für das, was sie tun, was sie schaffen und wofür sie stehen? Das können namhafte Musiker sein, die einen mit ihren Kompositionen tief berühren. Es können Künstler sein, große Schriftsteller, deren Werk einem aus dem Herzen spricht, Philosophen oder meinetwegen auch Politiker. Das „über den Weg laufen“ ist hier natürlich vor allem symbolisch zu verstehen. Denn persönlich lernt man diese Leute meist nicht kennen. Man erfährt sie über ihr jeweiliges Werk. Es ist ihre Musik, über die man sich ihnen nähert, es sind ihre Bücher, ihre Filme, einfach die Früchte ihres Geistes.

Je länger man diese Helden zu kennen glaubt, desto näher vermögen sie einem zu werden: Ihre Lieder trösten einen über dunkle Stunden, ihre Bücher erklären einem die Welt. So ist das Leben durchdrungen von diesen Menschen, mancher ganz persönliche Moment ist vielleicht mit ihnen verbunden. All das freilich, ohne dass derjenige all dies weiß. Die Beziehung ist einseitig. Umso befremdlicher und unwirklicher wird es dann, wenn man, so wie ich in den vergangenen zwei Jahren, einigen dieser Leuten plötzlich Aug' in Auge begegnet. Wenn ein Held Deiner jungen Jahre plötzlich bei Dir auf dem Sofa sitzt und Kaffee trinkt – oder Du gar bei ihm. Und umso schöner wird es, wenn man spürt, dass jener Mensch wirklich all das in sich trägt, was man in seinem Werk zu spüren meinte, wenn aus Bewunderung Freundschaft wird.

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Samstag, 13. Januar 2018 von Holger Much

Wenn Coolness Angst macht

Es gibt sie, die absolut coolen Autofahrer und natürlich auch Autofahrerinnen. Jene nonchalanten Zeitgenossen beiderlei Geschlechts, die die unangestrengte Virtuosität ihrer Lebensführung stets und ständig demonstrativ unter Beweis stellen. Und ich bewundere diese selbstbewussten, in sich ruhenden Menschen ungemein, das gebe ich zu.

Nur in manchen Situationen äußert sich diese Coolness auf eine Art, die mir, pardon, auf die Nerven geht und schlichtweg Angst macht. Beispielsweise im Straßenverkehr. Denn hier kann ein kurz vielleicht zu cooles Verhalten nicht nur das eigene Wohlergehen, sondern auch das der Mitmenschen in Mitleidenschaft ziehen.

Das entspannt zur Schau getragene Nichtblinken in Kreisverkehren meine ich heute gar nicht einmal, darüber habe ich mich früher schon ausgelassen. Es geht um eine andere Unsitte. Jene nämlich, mit gefühlt ungebremster Höchstgeschwindigkeit auf eine Querstraße mit Vorfahrt zuzubrettern, um dann direkt an der Einmündung, die Kühlerhaube schon leicht über dem Halte-strich, kräftig in die Eisen zu steigen und mit schaukelnder Karre, aber betont unbeteiligt schauend anzuhalten. Das Ganze hat Ähnlichkeit mit dem Raumschiff Enterprise, das – fupp – plötzlich aus dem Hyperraum auftaucht. Genau dort, wo ich gerade meiner Wege tuckere und mich jedes Mal zu Tode erschrecke. Ich bin einfach viel zu uncool.

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Mittwoch, 10. Januar 2018 von Holger Much

Trügerische Hoffnung

Es habe, sagte gestern jemand in der größten Selbstverständlichkeit am Telefon zu mir, zur Zeit ja leider keinen Schnee. Man beachte dabei das unscheinbare aber entscheidende Wörtchen „leider“.

Da musste ich dann doch gleich massiv, wenn auch hoffentlich charmant widersprechen. Ich genieße es in vollen Zügen, dass mich das weiße nasse Zeug momentan verschont. Aber es ist nicht einmal so sehr die Tatsache, dass ich morgens nicht schippen muss, nicht gefühlte Ewigkeiten das eingefrostete Auto frei kratzen oder nicht vorsichtig im Schneckentempo über komplett vereiste Straßen schlittern muss. Es ist die ach so süße doch trügerische Hoffnung, die mir das Herz so sehr wärmt.

Es ist die Hoffnung auf den Frühling, die sich unweigerlich immer mehr Platz macht. Man könnte fast meinen, es wäre April und nicht Januar. Im Garten recken bereits die ersten kleinen Schneeglöckchen schüchtern das Köpfchen. Und die tiefe Winterstille wird plötzlich wieder belebt vom Klopfen des Spechtes oder von den kleinen Kohlmeisen, die leise „Judith“ rufen. Herrlich. Doch wie gesagt: Noch ist Winter. Mit und ohne Schnee.

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