Samstag, 14. April 2018 von Holger Much

Ich bin ein Blumenwrack

Mit Jürgen von der Lippe hatte ich ja mal eine eher ernüchternde Begegnung. Was uns jedoch beide tief verbindet, ist die Tatsache, dass wir beide Blumenmänner sind. Wir „lieben Blum'“. Und zumindest für meine Person äußerte sich das jüngst so, dass ich vergangenes Wochenende, unwiderstehlich gelockt von Sonnenschein und Wärme, in den Garten stürmte um dort zwei Tage lang zu schnippeln und zu hacken, zu pflanzen und zu rechen.

Meine wochenendlichen Bemühungen zeitigten gleich zwei Ergebnisse. Zum einen macht mein Garten, zumindest für die Jahreszeit, einen bereits recht manierlichen Eindruck. Und zum anderen kann ich nun fast nicht mehr laufen. Alles tut weh, auch an Stellen, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie an meinem Körper gibt. Jede einzelne Muskelfaser brennt und sticht und ich muss einfach eingestehen, dass ich mich vom Blumenmann zum Blumenwrack gewandelt habe. Eine Runde Mitleid bitte.

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Mittwoch, 4. April 2018 von Holger Much

Einfach kurz mal neue Farbe

Renovieren gehört vermutlich nicht zu den Lieblingstätigkeiten der meisten. Zu meinen auch nicht. Doch jüngst fassten wir den mutigen und bitter nötigen Entschluss, das Wohnzimmer streichen zu lassen. Das, dachten wir, würde sicher in einem bewältigbaren Rahmen zu schaffen sein. Dachten wir...

Zwei Tage waren wir damit beschäftigt, Tonnen von Büchern von einem Raum in den anderen zu schleppen, gefolgt von Bildern, Krimskrams, nochmals Krimskrams, erneut Krimskrams und Schallplatten – ja, solche besitzen wir tatsächlich noch in nicht unerheblichen Mengen. Ganz schlecht fürs Kreuz.

Dann galt es, die Möbel in die Mitte des Raums zu wuchten. Gestrichen wurde innerhalb eines einzigen Tages, am Abend standen alle Möbel wieder an ihrem Platz, leer natürlich. Also wurde alles wieder zurück geschleppt, nur eben viel langsamer. Denn bei fast jedem Stück fragt man sich: „Wieder einräumen oder wegwerfen?“. Eine ganze Woche haben wir gebraucht, für nur einen Raum. Da überlegt man sich zwischendurch schon, Mönch zu werden.

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Mittwoch, 21. März 2018 von Holger Much

Sagen Sie es nicht weiter

Man hat seine festen Prinzipien im Leben, die dem eigenen Ich Halt und Struktur geben und damit identitätsstiftend wirken. Auf solche unverrückbaren Taktgeber möchte man nicht verzichten. Vor allem wenn man, wie ich, verunsichert reagiert auf jede Art von Veränderung. Alles soll bitteschön so bleiben, wie es immer schon war. Das betrifft natürlich auch kulinarische Vorlieben. Und als jemand, der einer guten und dabei möglichst scharfen Currywurst nicht abgeneigt ist, war es für mich seit jeher eine eherne Regel, dass die Wurst selbst eine weiße Wurst zu sein hat. Nur so schmeckt das Kultgericht, wie es eben zu schmecken hat. Und eine Currywurst mit einer schnöden Roten sei, so war mir klar, schlicht ein Sakrileg.

So dachte ich zumindest bis letzte Woche, als ich, weil die Weißen aus waren, eben doch eine rote Currywurst aß. Und siehe da, es war lecker. Aber verraten Sie es nicht weiter, das bleibt unter uns.

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Donnerstag, 15. März 2018 von Holger Much

Kaffee mit dem Bruder des Idols

Die Welt ist manchmal so klein, man glaubt es nicht. Fast surreale Situationen, die einen natürlich völlig unvorbereitet treffen, können so entstehen. So ging es mir jüngst, als ich zwei Freunde zu Besuch hatte.

Die beiden, eine wunderbare Künstlerin sowie ihren Mann, kenne und schätze ich seit vielen Jahren. Nennen wir sie Klaus und Andrea. Man trifft sich immer wieder, sei es auf Ausstellungen oder privat auf einen Plausch. So war es auch diesmal. Es gab Tee, Kaffee und Kuchen, und wir redeten über Kunst und die Welt. Im Hintergrund lief Andreas Vollenweider. Der Schweizer Musiker ist bekannt für seine virtuosen Kompositionen auf der elektrischen Harfe. Und sein kongenialer Partner, zumindest auf den frühen Alben, war der Flötist Büdi Siebert, den ich ebenfalls sehr verehre.

„Ah, Vollenweider...“, sagte Klaus, und ich erzählte, wie sehr ich ihn, und auch seinen Flötisten Büdi Siebert verehre. Ich war noch mitten in meiner Lobpreisung, als beide grinsten und Andrea meinte: „Du weißt schon, dass Büdi der Bruder von Klaus ist?“ Ich war wie vom Donner gerührt. Da trinke ich seit Jahren Kaffee mit dem Bruder eines meiner größten Idole, und weiß es nicht.

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Dienstag, 27. Februar 2018 von Holger Much

Eisige Kälte macht froh

Irgendwo im tiefsten Sibirien, so meine ich irgendwann einmal in einer Fernsehdokumentation gesehen zu haben, ist es so kalt, dass man Wasser in die Luft sprühen kann, das dann wieder als funkelnder Eisregen langsam herniederrieselt. So bitter kalt ist es bei uns natürlich noch lange nicht. Aber dennoch richtig knackig kalt für unsere Gegend.

Diese ungewohnte Kälte ist daher gerade bei jedem Thema. Man mummelt sich warm ein, bibbert vor sich hin, und manches Auto orgelt ziemlich, bevor es sich entschließt, endlich anzuspringen. Aber die Kälte zaubert, und das ist das wirklich schöne dabei, ein Lächeln auf die Gesichter der Menschen.

„Es ist zwar bitter kalt, aber es ist endlich hell“, erklärt ein Passant auf der Ebinger Marktstraße seine trotz Minusgraden blendende Laune. Endlich sähe man mal wieder strahlend blauen Himmel, endlich scheine wieder ungehindert die Sonne, und zwar direkt ins Herz hinein. Und das mache glücklich. Da darf es ruhig noch etwas länger so kalt sein.

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