Freitag, 4. Dezember 2009 von Holger Much

Ein Lichtlein glimmt...

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Auch im Hause Much glomm in den vergangenen Tagen so manches Licht. Allerdings nicht nur am Adventskranz. Sondern im heimischen Garten.

Denn was macht ein Gartenbesitzer, der seine paar Quadratmeter Grün rund ums Haus noch dringend winterfest machen möchte, dem die jahreszeitlich bedingte Lichtregie aber bereits kurz nach fünf Uhr die Beleuchtung abdreht?

Er kauf sich eine Helmlampe für Bergwerksleute, spannt sie sich ans Hirn und gräbt und mauert solchermaßen mit goldenem Lichtschein ums Haupt zwischen den Büschen wie ein gigantisches Glühwürmchen. Bei dem Anblick, den dieses abendliche Treiben beispielsweise den Nachbarn bieten muß, darf man sich fragen, warum nicht schon lange die Polizei oder die Herren mit der Zwangsjacke vor der Haustür standen. Doch nun macht der Schneefall dem absonderlichen Treiben ein Ende. Und als ich jüngst nach Hause fuhr, hüpfte mir ein weiteres Lichtlein entgegen, das sich als ebenfalls mit Kopflicht ausgestatteter Jogger entpuppte. Da fühlt man sich doch nicht mehr ganz so allein. Und würden sich alle Kopflichtträger in der Ebinger Innenstadt versammeln, hätte man auch das Problem mit der Adventsbeleuchtung auf malerische Art geregelt.

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Donnerstag, 26. November 2009 von Holger Much

Einfach mal Danke sagen...

Heute möchte ich einfach mal Danke sagen. Danke an all jene, die der schicken Coolness, dem Anspruchs- und Profitdenken, dem Ellenbogensport und der als Selbstbewusstsein maskierten Rücksichtslosigkeit widerstehen.

Danke an die nette Kassiererin im Supermarkt, die auch nachts um halb zehn einen freundlichen Gruß noch mit einem Lächeln quittieren kann. Danke an die Autofahrer, die, lässt man ihnen beim Passieren einer Engstelle den Vortritt, nicht mit versteinerter Mine vorbeirauschen, sondern sich mit einem kurzen, freundlichen Kopfnicken revanchieren. Danke an die am Telefon falsch Verbundenen, die, erklärt man ihnen, dass sie nicht mit der Firma Soundso verbunden sind, nicht einfach auflegen, sondern sich kurz entschuldigen und einem einen schönen Tag wünschen.

Danke einfach an all jene, denen im ganz alltäglichen Miteinander wegen einem kleinen „Dankeschön“ kein Zacken aus der Krone fällt. Denen Freundlichkeit und Menschlichkeit auch in den kleinsten Nebensächlichkeiten ein großes Anliegen ist. Sie machen jeden Tag um so vieles freundlicher und lebenswerter. Dafür einfach einmal ganz ehrlich und von Herzen aufrichtig: „Danke“.

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Donnerstag, 15. Oktober 2009 von Holger Much

Bürgersinn: Alle packen mit an!

Um es gleich zuzugeben: Ich bin kein Spieler. Der ernsthafte oder fröhliche Wettkampf um eine Sache oder den bloßen Sieg hat mich nie gepackt.

Doch hier ist es anders. Es ist schlichtweg faszinierend und zutiefst beeindruckend, mit welcher Freude, welcher Begeisterung und mit welchem Elan hier quer durch alle Schichten der Albstädter Bürger an der SWR-Regionenspiel-Aufgabe gearbeitet wird. Mütter nähen T-Shirts, Kinder bemalen, bestempeln, besprayen den Stoff und verzieren ihn mit Malereien und eigenen Ideen. Nirgends wird nur stur die Aufgabe erledigt, immer ist Engagement und überbordende Kreativität zu spüren.

Vereine treffen sich in Hallen, um Hunderte und Aberhunderte von Shirts an der Wäscheleine zu befestigen – und überall nur frohe, lachende Gesichter. Schulen packen die Aufgabe kurzerhand in den Unterricht und auch Albstädter Firmen – und sogar ein Balinger Unternehmen – sind mit dabei uns spendieren ohne Wenn und Aber den Rohstoff – nämlich T-Shirts – für die kreative Arbeit.

Wie hier beseelt und begeistert Hand in Hand im Schulterschluss für die gemeinsame Sache gearbeitet wird, ist ein mitreißendes Beispiel für wahren Bürgersinn. Und dies mitzuerleben fühlt sich gut an. Eine Einstellung, die wir uns alle bewahren sollten – nicht nur wenn es um Spiele geht.

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Donnerstag, 17. September 2009 von Holger Much

Verloren in der Wildnis...

„Seltsam im Nebel zu wandern! Leben ist Einsamsein. Kein Mensch kennt den andern, Jeder ist allein“, drängten sich jüngst mit sanfter, unheilvoller Macht diese Zeilen Hermann Hesses in mein Bewusstsein, als ich – welch Zufall – allein spazieren war. Denn mein Handy ist seit Freitag kaputt.

Was hat nun Hesse mit Handy zu tun, fragen Sie sich? Viel! Denn die schlichte, nüchterne und grauenerregende Tatsache, ohne diesen kleinen, oft nervigen Kommunikationszwerg eben wirklich nicht mehr immer und überall mit fast jedem zu jeder Zeit in Kontakt treten zu können, traf mich mit Wucht im denkbar falschen Moment:

Zuerst ärgerte ich mich darüber, dass das neue Handy schon nach einem halben Jahr den Geist aufgab. Dann verspürte ich – oh Wunder – doch unerwartet ein Gefühl von Freiheit, eben weil ich nicht mehr überall erreicht werden kann. Und weil nun auch ich selbst gar nicht mehr die Möglichkeit habe, mich immer und überall zu melden. Freiheit pur!

Doch plötzlich, mitten im Wald beim Feierabendspaziergang, überfielen mich hinterrücks Horrorvisionen: Was, wenn ich stürze und mir das Bein breche? Oder wenn mich ein ortsfremder Hirsch anfällt? Wenn ich verletzt hilflos in der Wildnis liege, keiner mich findet und ich langsam und qualvoll zu Grunde gehe? Ohne Handy! Ohne Möglichkeit, um Hilfe zu rufen! Und einsam. So wie Hesse es beschreibt. Im Nebel...

Ich kehrte – vorsichtig – um, fuhr schnell heim und werde nie mehr Spazieren gehen ohne funktionierendes Handy.

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Samstag, 12. September 2009 von Holger Much

Hurra, es gibt Euch noch!

Es lebe der Fortschritt. Auch wenn weinerliche Zivilisationskritik immer mal wieder gern ihr hässliches Haupt reckt – durchaus auch im eigenen Hirn –, was täten wir ohne Wasch- und Spülmaschinen, Wäschetrockner, Staubsauger, Fernseher, Telefone, Computer und fettreduziertem Joghurt? Selbst der multifunktionale Haushaltsrobot, den sich Kollegin Stoll so wünscht, wird sicher bald erfunden werden und von uns allen (heimlich) mit Kusshändchen willkommen geheißen werden.

Doch bei manchen Dingen macht sich in mir – ich kann nichts dafür – tiefe Melancholie und Sentimentalität breit, zum Beispiel wenn ich tagtäglich die futuristischen Wesen auf ihren Hightech-Fahrzeugen verbissen durch die Lande sausen sehen. Warum bloß?

Gestern dann wurde mir bewusst, warum. Bei all den schnittigen „Bikern“ (früher übrigens ein Ausdruck für lederbekleidete Motorradfahrer) fällt fast gar nicht auf, dass eine andere, die ursprüngliche Zweiradspezies, am Aussterben ist: Die Fahrradfahrer.

Ganz normale Leute, die statt im engen Dress in Hosen auf dem Sattel sitzen. Die statt auf Sportgeräten, die sie „Bike“ nennen auf gemütlichen Drahteseln, die schlicht „Fahrrad“ genannt werden, unterwegs sind und die statt Trendsport zu betreiben einfach von A nach B wollen, die zum Einkaufen oder zu Tante Else zum Kaffeeklatsch radeln.

Als ich gestern zuerst einen jungen Mann in Jeans mit Einkaufskorb hinten auf dem Gepäckständer sah und dann noch eine ältere Dame auf einem schwarzen Hollandrad, kamen mir fast die Tränen vor Rührung. Also, liebe altmodische Fahrradfahrer, wenn ich demnächst auf offener Straße anhalte, den nächsten Fahrradfahrer vom Radl ziehe und umarme ... nicht krumm nehmen, bitte. Ich bin einfach so froh, dass es Euch noch gibt.

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