Samstag, 6. März 2010 von Holger Much

Von Rosen und reinen Gewissen

„Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose...“ orakelte die Schriftstellerin Gertrude Stein und bleibt uns die letztendliche Bedeutung ihres gleichwohl oft zitierten Satzes schuldig. Gut so. So bleibt er offen für persönliche Interpretationen. Für mich beispielsweise ist eine schöne tiefrote oder cremeweise Rose ein wunderbares Zeichen der Zuneigung an eine ebenso schöne und wunderbare Frau. Meine Frau, beispielsweise.

Daher war ich auch vergangenen Samstag mit einer großen langstieligen Rose unterwegs. Meine Frau und ich wollten uns auf einen Nach-Markt-Kaffee treffen, dorthin brachte ich ihr die zufällig aufgegabelte Liebesgabe. Und während ich mit besagter Rose im Arm schon das heiße Nass schlürfte, beobachtete mich amüsiert ein älteres Ehepaar vom Tisch gegenüber. „Ist die für Ihre Frau?“ fragte die Dame mich schließlich und fügte, den Schalk im Blick, an: „Haben Sie was ausgefressen?“ ...glauben Sie mir, es wurde eine nette Unterhaltung.

Im Übrigen ging es natürlich darum, ob wir Männer – ja, hört nur her, liebe Geschlechtsgenossen – unseren Frauen und Herzensdamen wirklich nur dann Blumen oder andere hübsche Aufmerksamkeiten schenken, wenn wir etwas auf dem Kerbholz haben. Oder einfach nur mal so, aus reiner Zuneigung? Wie halten Sie das denn so, Hand aufs Herz?

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Mittwoch, 3. Februar 2010 von Holger Much

An den Labello, fertig, los...

Ich bin kein ausgesprochener Freund der kalten Jahreszeit. Das mußte ich bereits des öfteren verschämt einräumen. Die Unannehmlichkeiten, die das weiße Zeug verursacht, wiegen bei mir schwerer als jede Winterfreude.

Ein mitfühlender Leser aus Weilstetten hat mir daher – ein aufrichtiges „Dankeschön“ an ihn daher an dieser Stelle – folgende guten Wintertipps ausrichten lassen, die ich nun mit Ihnen, liebe Leser, teilen möchte. Denn das nächste, schneereiche Tief steht ja bereits vor der Tür:

Eine warme Wärmflasche vor dem Schlafengehen auf das Armaturenbrett über dem Lenkrad gelegt, und die Scheibe bleibe frei bis zum Morgen. Zudem schütze eine Schale oder ein kleiner Eimer voller Holzkohle im Auto die Scheiben vor dem Beschlagen von innen. Und – besonders nett: Das Einschmieren der Gummidichtungen der Autotüren mit „Labello“ verhindere das Festfrieren.

So. Wärmflasche habe ich noch eine Alte von der Urgroßmutter, Holzkohle muß ich mir besorgen und meine Frau soll halt eine andere Creme nehmen – die Labellostifte sind konfisziert.

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Freitag, 22. Januar 2010 von Holger Much

Neben Ihnen auf dem Sofa...

Jetzt mal ganz unter uns: Will man der Untersuchung des Mathematik-Dozenten Peter Backus von der Warwick University in England Glauben schenken, scheint es ziemlich unwahrscheinlich, dass, – schauen Sie mal ganz dezent zur Seite – der Partner, der neben Ihnen auf dem Sofa sitzt, wirklich der absolut perfekte Partner für Sie ist.

Mit Hilfe der „Drake-Formel“, mit der wiederum der Astrophysiker Frank Drake in den 60er Jahren die Anzahl möglicher Außerirdischer im Universum ausrechnen wollte, errechnete der englische Mathematiker die Wahrscheinlichkeit, seinem idealen Partner zu begegnen. Sein ernüchterndes Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 1 zu 185 000.

Zwar mag man in zynischer Stimmung den Vergleich zwischen Außerirdischen und dem Verhalten des jeweils anderen Geschlechts für gar nicht so weit her geholt finden, doch ist Zynismus noch nie ein guter Ratgeber gewesen. Und beim zweiten dezenten Blick auf die Person neben Ihnen auf dem Sofa hoffe ich doch stark, dass auch Sie mir recht geben werden: Liebe und Mathematik passen einfach nicht zueinander.

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Mittwoch, 30. Dezember 2009 von Holger Much

Malle auf der Milchstraße...

Mich schaudert es. Jetzt hat der exzentrische amerikanische Milliardär Richard Branson, der sich vom Plattenboss zum Fluglinienbesitzer mauserte, anscheinend auch noch ein Raumschiff gebaut. Und was für eins! Sozusagen einen interstellaren Touristenkreuzer. Damit, so stellt sich Branson wohl vor, sollen sich gut Betuchte neue, exquisite Feriendomizile erobern: Den Weltraum.

„Space Ship Two“ heißt der Luxusliner für Urlauber, die hoch hinaus wollen und sonst keine anderen Sorgen haben. Anscheinen sollen sich bereits 80 000 Menschen für einen Flug angemeldet haben, der 140 000 Euro kosten soll. Und im Jahr 2011 ist offenbar der Jungfernflug geplant.

Abgesehen davon, dass diese Preisklasse nicht ganz die meine ist und mir die Vorstellung, so hoch oben im luftleeren Raum zu gondeln den puren Angstschweiß auf die Stirn treibt, macht mich diese Nachricht sehr traurig!

Denn konnte man bisher in einer sternenklar-verzauberten Nacht mit Blick auf die Sterne ins Träumen kommen von romantischen Liebesnächten, von unentdeckten Weiten und der unbegreiflichen Unendlichkeit des Seins – so verdirbt mir der Gedanke an ein Super- „Malle“ für Reiche mit zu viel Geld nun auch jene gedankliche Zuflucht mit einem Geschmäckle von Ausverkauf und Banalität den Blick auf die Sterne.

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Mittwoch, 16. Dezember 2009 von Holger Much

Feen sind auch nicht mehr das...

„Mein Zahn wackelt“ verkündete mein Sohn Simon jüngst voll der euphorischsten Begeisterung, die nur ein Fünfjähriger für den zeitweiligen Zerfall des Körpers aufbringen kann.

Nun ist der Zahn ausgefallen und wurde wie eine Trophäe des ersten Zeichens des „Erwachsenwerdens“ herumgezeigt: „Guck! Mit Blut!“ Und nun mußte, wurde uns bestimmt, die Zahnfee kommen. Hierzu müsse der Zahn unter das Kopfkissen gelegt werden. Nachts, berichtete Simon ernst weiter, komme dann die Zahnfee, hole sich den Zahn und lege eine Münze dafür hin.

Natürlich mußte, als besagter Abend dann gekommen war, doch der Stoffhund „Fido“ Wache halten über den Schlaf des Kleinen, den die konkrete Vorstellung einer gespenstischen, durchs dunkle Haus schleichenden Dame nun wohl doch mit leichtem Unbehagen erfüllte.

Kurzum: Es hat funktioniert. Zu unser aller Erstaunen war der Zahn – stellen Sie sich das vor – wirklich weg und an seiner Stelle lag da ein Euro. Simon freute sich, wir Eltern waren baff und ich dachte im Stillen bei mir, dass, während früher Äpfel und Wünsche bevorzugtes Zahlungsmittel der Märchenfiguren waren, heute selbst kleinste Zähnchen mit harter Münze bezahlt werden. Wie materialistisch.

Tja – Feen sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren...

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