Mittwoch, 30. Dezember 2009 von Holger Much

Malle auf der Milchstraße...

Mich schaudert es. Jetzt hat der exzentrische amerikanische Milliardär Richard Branson, der sich vom Plattenboss zum Fluglinienbesitzer mauserte, anscheinend auch noch ein Raumschiff gebaut. Und was für eins! Sozusagen einen interstellaren Touristenkreuzer. Damit, so stellt sich Branson wohl vor, sollen sich gut Betuchte neue, exquisite Feriendomizile erobern: Den Weltraum.

„Space Ship Two“ heißt der Luxusliner für Urlauber, die hoch hinaus wollen und sonst keine anderen Sorgen haben. Anscheinen sollen sich bereits 80 000 Menschen für einen Flug angemeldet haben, der 140 000 Euro kosten soll. Und im Jahr 2011 ist offenbar der Jungfernflug geplant.

Abgesehen davon, dass diese Preisklasse nicht ganz die meine ist und mir die Vorstellung, so hoch oben im luftleeren Raum zu gondeln den puren Angstschweiß auf die Stirn treibt, macht mich diese Nachricht sehr traurig!

Denn konnte man bisher in einer sternenklar-verzauberten Nacht mit Blick auf die Sterne ins Träumen kommen von romantischen Liebesnächten, von unentdeckten Weiten und der unbegreiflichen Unendlichkeit des Seins – so verdirbt mir der Gedanke an ein Super- „Malle“ für Reiche mit zu viel Geld nun auch jene gedankliche Zuflucht mit einem Geschmäckle von Ausverkauf und Banalität den Blick auf die Sterne.

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Mittwoch, 16. Dezember 2009 von Holger Much

Feen sind auch nicht mehr das...

„Mein Zahn wackelt“ verkündete mein Sohn Simon jüngst voll der euphorischsten Begeisterung, die nur ein Fünfjähriger für den zeitweiligen Zerfall des Körpers aufbringen kann.

Nun ist der Zahn ausgefallen und wurde wie eine Trophäe des ersten Zeichens des „Erwachsenwerdens“ herumgezeigt: „Guck! Mit Blut!“ Und nun mußte, wurde uns bestimmt, die Zahnfee kommen. Hierzu müsse der Zahn unter das Kopfkissen gelegt werden. Nachts, berichtete Simon ernst weiter, komme dann die Zahnfee, hole sich den Zahn und lege eine Münze dafür hin.

Natürlich mußte, als besagter Abend dann gekommen war, doch der Stoffhund „Fido“ Wache halten über den Schlaf des Kleinen, den die konkrete Vorstellung einer gespenstischen, durchs dunkle Haus schleichenden Dame nun wohl doch mit leichtem Unbehagen erfüllte.

Kurzum: Es hat funktioniert. Zu unser aller Erstaunen war der Zahn – stellen Sie sich das vor – wirklich weg und an seiner Stelle lag da ein Euro. Simon freute sich, wir Eltern waren baff und ich dachte im Stillen bei mir, dass, während früher Äpfel und Wünsche bevorzugtes Zahlungsmittel der Märchenfiguren waren, heute selbst kleinste Zähnchen mit harter Münze bezahlt werden. Wie materialistisch.

Tja – Feen sind eben auch nicht mehr das, was sie mal waren...

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Freitag, 4. Dezember 2009 von Holger Much

Ein Lichtlein glimmt...

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Auch im Hause Much glomm in den vergangenen Tagen so manches Licht. Allerdings nicht nur am Adventskranz. Sondern im heimischen Garten.

Denn was macht ein Gartenbesitzer, der seine paar Quadratmeter Grün rund ums Haus noch dringend winterfest machen möchte, dem die jahreszeitlich bedingte Lichtregie aber bereits kurz nach fünf Uhr die Beleuchtung abdreht?

Er kauf sich eine Helmlampe für Bergwerksleute, spannt sie sich ans Hirn und gräbt und mauert solchermaßen mit goldenem Lichtschein ums Haupt zwischen den Büschen wie ein gigantisches Glühwürmchen. Bei dem Anblick, den dieses abendliche Treiben beispielsweise den Nachbarn bieten muß, darf man sich fragen, warum nicht schon lange die Polizei oder die Herren mit der Zwangsjacke vor der Haustür standen. Doch nun macht der Schneefall dem absonderlichen Treiben ein Ende. Und als ich jüngst nach Hause fuhr, hüpfte mir ein weiteres Lichtlein entgegen, das sich als ebenfalls mit Kopflicht ausgestatteter Jogger entpuppte. Da fühlt man sich doch nicht mehr ganz so allein. Und würden sich alle Kopflichtträger in der Ebinger Innenstadt versammeln, hätte man auch das Problem mit der Adventsbeleuchtung auf malerische Art geregelt.

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Donnerstag, 26. November 2009 von Holger Much

Einfach mal Danke sagen...

Heute möchte ich einfach mal Danke sagen. Danke an all jene, die der schicken Coolness, dem Anspruchs- und Profitdenken, dem Ellenbogensport und der als Selbstbewusstsein maskierten Rücksichtslosigkeit widerstehen.

Danke an die nette Kassiererin im Supermarkt, die auch nachts um halb zehn einen freundlichen Gruß noch mit einem Lächeln quittieren kann. Danke an die Autofahrer, die, lässt man ihnen beim Passieren einer Engstelle den Vortritt, nicht mit versteinerter Mine vorbeirauschen, sondern sich mit einem kurzen, freundlichen Kopfnicken revanchieren. Danke an die am Telefon falsch Verbundenen, die, erklärt man ihnen, dass sie nicht mit der Firma Soundso verbunden sind, nicht einfach auflegen, sondern sich kurz entschuldigen und einem einen schönen Tag wünschen.

Danke einfach an all jene, denen im ganz alltäglichen Miteinander wegen einem kleinen „Dankeschön“ kein Zacken aus der Krone fällt. Denen Freundlichkeit und Menschlichkeit auch in den kleinsten Nebensächlichkeiten ein großes Anliegen ist. Sie machen jeden Tag um so vieles freundlicher und lebenswerter. Dafür einfach einmal ganz ehrlich und von Herzen aufrichtig: „Danke“.

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Donnerstag, 15. Oktober 2009 von Holger Much

Bürgersinn: Alle packen mit an!

Um es gleich zuzugeben: Ich bin kein Spieler. Der ernsthafte oder fröhliche Wettkampf um eine Sache oder den bloßen Sieg hat mich nie gepackt.

Doch hier ist es anders. Es ist schlichtweg faszinierend und zutiefst beeindruckend, mit welcher Freude, welcher Begeisterung und mit welchem Elan hier quer durch alle Schichten der Albstädter Bürger an der SWR-Regionenspiel-Aufgabe gearbeitet wird. Mütter nähen T-Shirts, Kinder bemalen, bestempeln, besprayen den Stoff und verzieren ihn mit Malereien und eigenen Ideen. Nirgends wird nur stur die Aufgabe erledigt, immer ist Engagement und überbordende Kreativität zu spüren.

Vereine treffen sich in Hallen, um Hunderte und Aberhunderte von Shirts an der Wäscheleine zu befestigen – und überall nur frohe, lachende Gesichter. Schulen packen die Aufgabe kurzerhand in den Unterricht und auch Albstädter Firmen – und sogar ein Balinger Unternehmen – sind mit dabei uns spendieren ohne Wenn und Aber den Rohstoff – nämlich T-Shirts – für die kreative Arbeit.

Wie hier beseelt und begeistert Hand in Hand im Schulterschluss für die gemeinsame Sache gearbeitet wird, ist ein mitreißendes Beispiel für wahren Bürgersinn. Und dies mitzuerleben fühlt sich gut an. Eine Einstellung, die wir uns alle bewahren sollten – nicht nur wenn es um Spiele geht.

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