Dienstag, 23. November 2010 von Holger Much

Vorfreude ist die größte Freude

Eigentlich sollte man sich ja dran gewöhnt haben und auf den unvermeidlichen Einbruch des Winters mit buddhistischer Gelassenheit reagieren. Doch kaum legt uns der Winter – so wie gestern – die erste richtige Ladung Schnee vor die Haustüre, spaltet sich die Bevölkerung in zwei Hälften.

Die eine Hälfte, habe ich mir sagen lassen, freut sich auf weihnachtliches Weiß, auf das Knirschen unter den Schuhsohlen und auf die kindlich-unschuldigen, schlichten Freuden des Schneemannbauens, Einseifens oder Wedelns in Davos oder St. Moritz.

Der anderen Hälfte graut es angesichts der ersten Flocke bereits vor der Sisyphosarbeit des täglich wiederkehrenden, stundenlangen Schippens im Dunkeln, vor nervigem Autoabkratzen mit gefühllosen Fingern samt darauf folgender, schlingernder Fahrt über spiegelglatte, von Matsch bedeckte Straßen, vor monatelangem seelenzermürbendem Weiß-Grau-Schwarz und davor, nur in unzählige, unförmige Kleiderschichten gewickelt auf die Straße zu können und sich trotzdem einen Dauerschnupfen zu holen.

Seltsamerweise treffe ich fast nur Vertreter der zweiten Fraktion, die sich gegenseitig in ihrem Winterblues traurig auf die gebeugten Schultern klopfen. Nur meine Kinder freuen sich wie die Schneekönige über die weiße „Pracht“ von oben. Nun gut, sei es ihnen – noch – gegönnt. Ich jedenfalls freue mich jetzt schon darauf, wenn das ganze Zeig wieder weg ist. Vorfreude ist eben doch die größte Freude.

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Donnerstag, 11. November 2010 von Holger Much

Ernährung von Mathelehrern...

Aus kleinen Nebensächlichkeiten kann man manchmal auf ganz andere, spannende Dinge schließen. Zum Beispiel auf den skurrilen Speisezettel von Mathelehrern. Eine Mutter, so lautete beispielsweise eine jener herrlichen Rechenaufgaben, die meine zwölfjährige Tochter jüngst als Hausaufgabe aufhatte, wollte für ihre Familie Essen einkaufen. Also zog die gute Frau los und kaufte für sechs Euro Süßigkeiten und für vier Euro Gemüse.

Welche spannende Rechnung sich hinter dieser faszinierenden Geschichte verbarg, dahinter bin ich gar nicht mehr gekommen. Denn mich beschäftigten sogleich die offenbar nicht wirklich empfehlenswerten Ernährungsgewohnheiten der heutigen Mathematiklehrer. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass man sich über die pädagogische Wertigkeit und Vorbildfunktion dieser Rechenaufgabe streiten könnte.

Aber vielleicht stecken hinter dem ungehemmten Genuss von Schokoriegeln, Bonbons und Gummibärchen in Kombination mit homöopathischen Dosen von Gemüse ja die neuesten, ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse zur Förderung des logischen Denkens? Ich werde mir in Zukunft – wenn's mal wieder etwas länger dauert mit dem Artikelschreiben – als Selbstversuch eine doppelte Familienpackung Erdnussriegel mit einem halben Röschen Blumenkohl genehmigen und schauen, was passiert.

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Realitätsnähe

Realitätsnähe zumindest kann man der Rechenaufgabe nicht absprechen .... - leider.

Wie verschieden Untersuchungen ja zeigten können heute bereits viele die Gemüsesorten weder erkennen noch wenigstens richtig benennen - bei Süßigkeiten gibt´s dieses Problem sicher nicht.

Also: Wenn 80g Raider 90 Eurocent und 70g Mars 80 Eurocent kosten ................ ;-)

RL am 11.11.2010 12:55:50

Dienstag, 5. Oktober 2010 von Holger Much

Vaterfreuden am Spielfeldrand

Zwischen Sätzen voll tiefer Lebenswahrheit wie „Das Runde muss ins Eckige“ und „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ lässt sich meine Ahnung von Fußball ungefähr einordnen. Richtig: Ansatzweise bei Null. Doch manchmal stürzt sich das Leben mit boshaftem Vergnügen auf jedes Vakuum und füllt auch das letzte bisschen friedvolles Nichts mit Dingen, die man gar nicht wissen will.

So hat sich mein Sohn Simon entschieden, seit der WM nicht nur Fußballfan, sondern auch Fußballspieler zu sein. Also gesucht er seit nun knapp drei Wochen begeistert die Trainigsstunden eines großen Albstädter Fußballvereins und teilt die Welt in Fußballfans und Nicht-Fuballfans.

Und vergangenen Samstag war sein erstes richtiges Spiel. Und während die kleinen Zwerge voller Elan über das Spielfeld wuselten, wuselten mit mindestens ebenso viel Elan die Eltern, bepackt mit Ersatzklamotten, Snacks und Trinkfläschchen um das Spielfeld und feuern, je nach Temperament, ihre kleinen Beckhams zu Höchstleistungen an.

„Ich hätte ja nie gedacht, dass ich so was hier mal mache“ flüsterte mir eine Mutter, ebenso fußballabstinent wie ich, heimlich zu, und andere Eltern nicken grinsend und verständnisvoll. Doch der Blick auf die stolz-geröteten Gesichtchen der Bambinis entschädigt auch für eineinhalb Stunden Stehen im Nieselregen: Der Sohn ist stolz, der Vater schon auch ein bisschen. Ein bisschen sehr.

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Donnerstag, 30. September 2010 von Holger Much

Herzlichkeit und heißes Wasser

„Das Glück wohnt nicht im Besitze und nicht im Golde, das Glücksgefühl ist in der Seele zu Hause“, formulierte einst, wohl im Bewusstsein, oft zitiert zu werden, Demokrit. Und in einem ganz spirituellen Sinne mag der gute Mann ja recht haben.

Doch manchmal liegt das Glück auch in ganz materiellen Dingen. In total lieben Nachbarinnen beispielsweise oder in einer Kanne voll warmem Wasser.

So fand mich der graue Montag Morgen jüngst recht missmutig auf der Straße, beim mühsamen Freikratzen meines vom ersten heftigen Nachtfrost total mit fiesem Eis überzogenen Autos. Ich kämpfte und murmelte – anders als Demokrit – gänzlich unzitierbare Dinge. Doch da eilte das Glück in Form der hilfsbereiten Dame drei Häuser weiter auf mich zu, die nicht nur Trost und Mitgefühl, sondern auch eine Gießkanne mit warmem Wasser brachte, um geschwind meine Scheiben aus dem Klammergriff des Eises zu befreien.

Das, lieber Demokrit, ist auch Glück: Ein fahrbereiter Smart und das wärmende Bewusstsein, dass es Leute gibt, die einem einfach so aus der Patsche helfen. Sogar an einem Montag morgen. Daher nochmals: Dankeschön!

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Donnerstag, 9. September 2010 von Holger Much

Der sieht doch aus wie...

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in koffeinumflorten Musestunden im Café. Denn immer wieder laufen einem Prominente über den Weg. Sozusagen. Und wir können das Spiel spielen: „Der sieht doch aus wie...“.

Welche Stars und Sternchen haben Sie denn schon entdeckt? Also ich kenne in Albstadt eine gut gebaute Version von Stefan Raab. Und Norbert Blüm erblickte ich letztens auch, genauso wie – ja wirklich – Hildegard Knef. Amy Winehouse war ebenfalls unterwegs, und Lemmy Killmister, der Sänger der Hardrock-Gruppe „Motörhead“ wandelte ebenfalls durch Ebingens Gassen. Manchmal frage ich mich, ob die entsprechenden Personen wissen, dass sie einem Prominenten ähneln, war bisher aber schlicht zu feige, die Fast-Promis darauf anzusprechen.

Aber es kann einen gerade auch andersherum treffen. So wie eine Freundin, die während eines München-Urlaubs an den Waschbecken der Toilette einer Edelbar einen Typ traf, ihn offenbar irgendwie seltsam anschaute, so dass dieser sich bemüßigt fühlte zu fragen: „Magst ein Autogramm haben?“ Natürlich wollte sie kein Autogramm von einem „x-beliebigen Dahergelaufenen“, den sie zudem nicht kannte. Als sie später ihrem Mann amüsiert-empört von dem Toilettenvorfall erzählte und dezent auf den Herrn deutete, der mittlerweile auch wieder im Gastraum Platz genommen hatte, lachte der Gatte und erklärte ihr, wem sie da einen Korb gegeben hatte: Es war der erfolgreiche Münchner Comedian Michael Mittermeier gewesen. Das Original.

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