Mittwoch, 30. Mai 2018 von Holger Much

Kleines dummes Eichhörnchen

In der Birke in unserem Garten hängt ein Kasten, dessen vordere Wand aus einer Plexiglasscheibe mit eingebautem Türchen besteht. Hinter die Scheibe können Nüsse gefüllt werden. Dieses nette Häuschen habe ich von einem Bekannten geschenkt bekommen, der es selbst in seinem Garten befestigt hatte. Und dort, versichert er mir, hätten sich die Eichhörnchen die Nüsse, gut sichtbar hinter der Plexiglasscheibe, regelmäßig selbst durch das Türchen geholt. Kluge Hörnchen!

Unser Eichhörnchen Horst, das auf Stiegel wohnt, scheint die Mechanik nicht zu begreifen. Keine einzige Nuss fehlt. Vielleicht haben wir ein etwas dummes kleines Eichhörnchen im Garten? Aber das macht nichts. Wir haben es trotzdem lieb. Und die Nüsse legen wir wieder frei zugänglich hin.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Samstag, 26. Mai 2018 von Holger Much

Goldene Pracht mit Tücken

Es glänzt golden, wie der feinste frische Honig. Nur ist es kein richtiger Honig, sondern Löwenzahnhonig. Und den machen keine fleißigen Bienchen, sondern fleißige Menschlein. Meine Frau hat von dem Rezept gehört und ich fand es gleich faszinierend und reizvoll. Also machten wir uns ans Werk. Kurz gesagt, muss man viele vollaufgeblühte Löwenzahnblüten pflücken, was einerseits schon ein Erlebnis ist, weil man die gelbe Farbe nicht mehr von den Fingern bekommt. Dann werden die Blüten kurz aufgekocht und 24 Stunden stehen gelassen. Die Flüssigkeit wird dann durch ein Tuch gegeben, der Saft wird mit Zucker und etwas Zitrone sirupartig eingekocht. Das Ganze hat Ähnlichkeit mit Waldhonig, nur etwas heller.

Allein das so urwüchsig anmutende Procedere, einen Brotaufstrich aus selbst gesammelten Löwenzahnblüten herzustellen, hat mich so angesprochen, dass ich mir von Herzen wünschte, das Ergebnis zu mögen. Leider schmeckt der so entstandene „Honig“ für mich irgendwie zart nach Seife und damit ungenießbar. Schade. Vielleicht können das die Bienlein doch besser.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 23. Mai 2018 von Holger Much

Bücherberg wird unbezwingbar

Da liegt seit langem „Das Labyrinth der Lichter“ von Carlos Ruiz Zafon, der mit diesem Buch die Sage um die Bibliothek der verlorenen Bücher fortsetzte, die er mit „Der Schatten des Windes“ begann. Dann „In Kalabrien“ von Peter S. Beagle, ein Buch, in dem der „Das letzte Einhorn“-Autor seine Liebe für die zarten Fabelwesen neu in Szene setzt, sowie die neu aufgelegte, umfangreiche H.P. Lovecraft-Biographie von S.T.Joshi.

Dann gesellte sich noch das Buch „Seelenübertritte“ von Benjamin Schmidt dazu, eines befreundeten Autors aus Berlin, sowie „Die Ernte des Bösen“ von Robert Galbraith, hinter dem sich eigentlich die schwerreiche Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling verbirgt, die unter dem männlichen Pseudonym aber herrlich altmodische Krimis um den hinkenden Privatdetektiv Cormoran Strike schreibt.

Wo all das liegt? Auf meinem Nachttisch natürlich. Dort bilden die Bücher einen lockenden, Glück verheißenden Stapel an Lesewonnen, an selbstvergessenen Stunden hinter Buchseiten. Nur frage ich mich so langsam, wann ich all das lesen soll. Meistens schaffe ich es abends gerade noch, mich vom Fernsehprogramm kurz berieseln zu lassen, bevor ich ins Bett falle. Ohne zu lesen. Dennoch tut allein der Anblick all der noch ungelesenen Schätze gut. Man könnte ja, wenn man wollte. Irgendwann einmal...

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 17. Mai 2018 von Holger Much

Ich will lesen, nicht hören

Das Schöne an einem gedruckten Text ist, dass man ihn lesen kann. Wann man möchte, so schnell oder so langsam man möchte. Und vor allem kann man das tun in absoluter Stille, so dass die Gedanken Platz haben, sich auszubreiten und das eben Gelesene aufzunehmen.

Dabei ist es mir zunächst mal egal, ob ich den Text in Form eines Buches, einer Zeitschrift oder online auf einer Webseite lese. Doch letzteres scheint immer mehr aus der Mode zu kommen. Denn immer öfter passiert es mir, dass ich nach einem bestimmten Thema im Netz suche, dann auch fündig werde, mich schon aufs Lesen freue und dann merke, dass da gar kein Text ist, sondern ein Video. Das gilt dann wohl als besonders hip und außergewöhnlich, dem Informationssuchenden bunte bewegte Bildchen samt Ton anzubieten. Doch das möchte ich nicht. Ich möchte weder Filmchen schauen noch irgendjemand zuhören müssen – ich will still und in Frieden vor mich hin lesen dürfen. Doch da bin ich wohl altmodisch.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Samstag, 12. Mai 2018 von Holger Much

Vom Grend zum Bräschdleng

Ich muss ja durchaus gestehen, dass ich, wenn es nur um das rein ästhetische Klangempfinden geht, den schwäbischen Dialekt nicht unbedingt als den Schönsten empfinde, obwohl ich selbst, in Albstadt geboren, aufgewachsen und hier bis heute hängengeblieben, schwäbisch „schwätze“. Was ich am Schwäbischen aber von Herzen liebe, sind die wunderbaren Worte und Begriffe, die sich immer wieder im Schatzkästlein unseres Dialektes finden lassen.

Erst jüngst stolperte ich im übertragenen Sinne über den „Grend“, womit der Schwabe, die meisten Leser werden es wissen, den Kopf meint. In dem Zusammenhang fällt gleich der „Riasl“ ein, ein Begriff, der ebenfalls den Kopf bezeichnet, aber wohl auch ein Begriff für einen schmutzigen Mund ist. Bei genauem Hinhören mag man in diesem Wort gar den „Rüssel“ entdecken. Ein wunderbares Wort ist „Bräschdling“, mein momentanes schwäbisches Lieblingswort, nicht nur, weil das damit bezeichnete Ding so lecker schmeckt. Haben Sie auch ein schwäbisches Lieblingswort?

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.