Dienstag, 31. Juli 2018 von Holger Much

Lust auf saure Katzenfiedla?

Unser wunderbarer, einzigartiger Dialekt ist einfach immer wieder ein Quell der Freude und der Faszination. Schwäbisch mag als sprachliche Ausdrucksform ihre eher groben Momente haben, genauso wie die Sprecher dieses Idioms. Gleichzeitig kann man immer wieder wunderbare Redewendungen entdecken. Wer weiß beispielsweise noch, was ein „Potschamber“ ist? Das Wort hat meine Mutter jüngst ausgegraben, und wer ein wenig des Französischen mächtig ist, der kommt von „pot de chambre“ auf die Bedeutung des Nachttopfs – eine Einrichtung, deren Verschwinden ich nicht wirklich nachtrauere. Das Wort ist dennoch herrlich.

Eine freundliche Leserin hat mir jüngst, eingedenk meiner Liebe für abstruse schwäbische Ausdrücke, einen Brief geschrieben mit netten Begriffen darin. Da finden sich die „Glufen“ (Stecknadeln) , samt dem „Glufenmichel“, der einen einfältigen Menschen bezeichnet, ebenso wie der „Meggl“, eine schwäbisch-charmante Bezeichnung für den Kopf. Wer „spreuzt“, der gießt – zur Zeit sehr aktuell – seinen Garten. Und wer sich danach stärken möchte, der gönnt sich etwas, das ich noch nicht kannte – ein „saures Katzenfiedla“ – nämlich einen Wurstsalat.

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Donnerstag, 26. Juli 2018 von Holger Much

Einfach mal an Schnee denken

Wenn keiner schaut und niemand es hört, dann ächze ich in der letzten Zeit auch schon mal über die Hitze. Aber nur ein ganz klein wenig. Denn im Gegensatz zu vielen Teilen Deutschlands, in denen es gefühlt seit Monaten nur noch warm und vor allem so trocken ist, dass der Rasen gelb wird – von anderen Teilen Europas zur Zeit gar nicht zu reden – haben wir es hier auf der Alb noch gut. Dennoch hört man immer wieder den Klageruf „Ist das warm“. Denn wenn der Schweiß in Strömen rinnt, das Deo versagt und sich temperaturbedingte Mattigkeit in Hirn und Körper ausbreitet, fühlt man sich schon dazu verleitet, ein wenig zu jammern. Auch ich.

Dann denke ich bewusst an den Winter. Ich denke an eisige Kälte, an morgendliches Schneeschippen, an das nervige Kratzen an zugefrosteten Autoscheiben oder an die oft genug gefährliche Fahrt auf total vereisten Straßen, an düstere Monate ohne Grün, ohne Blumen und Pflanzen und an Schnupfen und Halsweh. Und schwupps, genieße ich die Hitze.

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Dienstag, 24. Juli 2018 von Holger Much

Herzensworte aus dem All

Diese wenigen Minuten waren sicher etwas vom Beeindruckendsten, was ich jemals erlebt habe – zumindest im Rahmen eines Konzertes. Denn ich war dabei, als Alexander Gerst zusammen mit den Elektro-Legenden der Gruppe Kraftwerk deren Song „Spacelab“ auf einem Tablet-PC mitspielte – als Liveschaltung aus 400 Kilometern Höhe über dem Atlantik, während er in der ISS mit unglaublichen 28 000 Kilometern pro Stunde im Weltraum um die Erde raste.

„Wir begrüßen nun Alexander Gerst“, sagte Kraftwerk-Gründer und Chef Ralf Hütter plötzlich mitten im Lied, und dann tauchte der sympathische Astronaut auf der rieseigen Leinwand auf dem Stuttgarter Schlossplatz auf und grüßte die 7000 Konzertbesucher. Diese Kombination aus kompletter Überrumpelung , faszinierender Technik und unerwarteter Kreativität begeisterte an sich schon. Doch dann waren da noch die Worte von Alexander Gerst, der erzählte, wie auf der Raumstation für die Forschung mehr als 100 Nationen friedlich nebeneinander und miteinander arbeiten, „um das tägliche Leben auf der Erde besser zu machen“.

Der erhobene Zeigefinger fehlte. Dennoch, oder gerade deshalb, kam diese wunderbare, positive Botschaft des Friedens, unterstützt noch von der universellen Sprache der Musik, so direkt in den Herzen an. Eine Botschaft, die in unseren Zeiten so wichtig ist und deshalb so gut tut.

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Dienstag, 17. Juli 2018 von Holger Much

Knuddeln mit Vizemeistern

So ganz persönlich, ich gebe es zu, kann ich mit Sport im Allgemeinen und mit Fußball im Besonderen nicht viel anfangen. Da fehlt mir ein besonderes Gen, das man benötigt, um in sportlichen Aktivitäten anderer oder im Denken in Mannschaften und Tabellen Faszination zu finden.

Die Freude, die jüngst in Albstadt zu spüren war, kurz nachdem die WM entschieden war, hat mich aber dennoch berührt. Die paar wenigen Autos mit französischen Flaggen, die von Fahrern mit glücklichen Gesichtern durch die Straßen gelenkt wurden, Kroaten, die begeistert ihren zweiten Platz feierten und mich, als ich Fotos für den ZAK machte, einfach mal spontan umarmten, all das fand ich herzerwärmend. Dass Fußball auch anders kann, dass es auch Aggression und Gewalt gibt, weiß ich. Hier jedoch begegneten sich teils wildfremde Menschen, beglückwünschten sich und freuten sich für den anderen.

Es ist schön, so etwas erleben zu dürften – gerade in den heutigen Zeiten.

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Samstag, 14. Juli 2018 von Holger Much

Der Mehltau beschäftigt

Mit so einer großen Resonanz hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Vielen herzlichen Dank. Vor wenigen Tagen hatte ich um Tipps gegen Mehltau gebeten. Das Thema scheint wirklich vielschichtig zu sein.

Eine freundliche Dame hat mir nicht nur am Telefon von der Möglichkeit erzählt, mittels eines aus Ackerschachtelhalmen (Zinnkraut) gekochten Sudes den bösen weißen Belag zu bekämpfen. Sie hat mir freundlicherweise sogar ein Paket mit den wirkkräftigen Halmen in die Redaktion geschickt. Eine andere Dame schwört auf etwas namens „effektive Mikroorganismen“, die am besten präventiv angewendet werden sollten. Auch frische Bio-Kuhmilch soll gegen die Pilze helfen.

Ich lernte zudem, dass es falschen und echten Mehltau gibt, der eine mag Feuchtigkeit, der andere ist ein Schönwetterpilz. Einfach abschneiden, riet mir jemand. Eine ganz Reihe von Leuten gaben an, selbst ratlos zu sein und baten mich, ihnen von den mir zugetragenen Lösungsmöglichkeiten zu berichten, was ich hiermit gern tue.

Eine Bekannte, die in einem Pflegeheim arbeitet, fragte zudem die betagten Bewohner. Die rieten zu Spritzmitteln. Als die Bekannte abwinkte und meinte, man wolle nichts Chemisches, richtete man ihr aus, dann solle ich einfach die Finger vom Anbau von Träuble lassen.

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