Freitag, 25. November 2011 von Ralph Conzelmann

Richtigraucher ziehen häufiger

Gut, dass es die EU gibt. Wegen ihr dürfen ab sofort nur noch Zigaretten verkauft werden, die ausgehen, sobald der Raucher nicht mehr daran zieht. Anders ausgedrückt: Ein Gesetz nötigt Raucher zum Schnellrauchen. Ich geb's gerne zu: Diese Vorschrift fasziniert mich. Zigaretten, die nicht brennen dürfen! Die Fluppen wollen verhindern, dass Menschen sterben, weil sie oder andere ihre Kippe achtlos wegwerfen oder gar mit dem Glimmstängel einschlafen. Ein hehres Ziel, keine Frage. Da waren echte Freunde am Werk. 1000 Europäer, so die Statistik, kommen Jahr für Jahr ums Leben, weil glimmende Kippen Wohnungsbrände auslösen. Für die Raucher bedeutet die Neuregelung allerdings nicht zwangsläufig, dass sie länger leben. Schließlich ziehen sie nun häufiger an ihrer Zigarette – um zu verhindern, dass die Glut erlischt. Ergo: Wer richtig raucht, raucht mehr. Und stirbt früher. Somit ist ausgeschlossen, dass die weitsichtige Kippenindustrie ihre Finger im Spiel gehabt hat. Vielmehr fällt der Verdacht auf die Möbelbauer. Man hört, sie arbeiten mit Hochdruck an Betten, in welchen Zigarettenanzünder integriert werden. Wer ein Nichtraucherpaket bucht, erhält eine 12 Volt-Ladebuchse, die das Handy mit Strom versorgt. Wie schön, dass es die EU gibt.

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Freitag, 30. September 2011 von Ralph Conzelmann

Frauen sind etwas gleicher

Zu widerspenstiges Haar, zu viel Geschwätz, zu hohe Ansprüche, ein zu lockerer Geldbeutel – ist es das, weshalb Frauen für einen Haarschnitt beim Friseur üblicherweise mehr bezahlen als Männer? Eine Expertin widersprach dieser Tage energisch. Erwähntes sei nicht annähernd ein plausibler Grund. Sachdienliches zur Aufklärung konnte sie jedoch nicht beitragen. Wir tappen also im Dunkeln, schneiden quasi ins Nichts. Wer oder was erklärt dafür, wieso weibliche Fans auf den meisten Fußballplätzen weniger als Männer berappen müssen? Oder das Spiel sogar umsonst verfolgen dürfen? Keine Ahnung vom Fußball? Gemach, gemach. D i e waren 2003 und 2007 schließlich Weltmeisterinnen. Und es darf ja auch wählen, wer nichts von alledem versteht, was seine Auserwählten künftig tun oder lassen. Also auch hier: Ein glatter Interpretations-Fehlschuss. So bleibt nur der Verweis auf Paragraf 2 des Artikels 3 im Grundgesetz. Was dort tatsächlich geschrieben steht: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Von einer Gleichbehandlung ist nicht die Rede. Das ist schön für den Friseur. Und schade für den Fußball.

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Freitag, 23. September 2011 von Ralph Conzelmann

Vom Regen in die Traufe

Nehmen wir mal an, Sie könnten Ihr Brauchwasser künftig von einem anderen Versorger beziehen. Sie informieren sich, wägen ab, und entscheiden sich für einen Wechsel. Sie unterschreiben einen Vertrag, vereinbaren einen Übergabetermin und kündigen dem alten Lieferanten. Sie lassen sich zusichern, dass am Tage X von jetzt auf gleich alles wie gewohnt funktioniert. Eben an jenem Tag passiert nichts – im wortwörtlichen Sinn ein Satz mit X. Kein Wasser mehr, nicht einmal ein verschämtes Gluck. Sie erhalten den Ratschlag, man möge den Wasserhahn des alten Versorgers abklemmen und stattdessen jenen des neuen Lieferanten anschließen. Und? Wieder nichts. Kein Tropfen. Es vergehen Stunden. Tage. Mehr als eine Woche. Zwischendurch wird die Leitung geprüft, alter und neuer Lieferant schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Und endlich: Nachdem man an die Trockenheit fast schon gewohnt ist, kommt's: Wasser! Ist Ihnen noch nie passiert? Dann sind Sie ein Glückspilz. Oder Sie haben noch nie den Telefonanbieter gewechselt.

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Mittwoch, 24. August 2011 von Ralph Conzelmann

Die Schweiz – Ende einer Idee

Die Idee der Schweiz – an ihr zweifelte der Schriftsteller Max Frisch schon bei der Generalmobilmachung der Eidgenossen im 1. Weltkrieg. Werte wie Eigenständigkeit und Standhaftigkeit sah er ernsthaft gefährdet, er prangerte die Entfremdung jener Heimat an, in der er eine große Polarisierung anstieß und die er später auch verließ. Die Diskussion ist, 20 Jahre nach Frischs Tod, abgeschlossen. Ohne laute Töne zwar, aber deutlich sichtbar. Heutzutage kehren die Schweizer ungeniert dem eigenen Land den Rücken zu, decken sich kofferraumweise mit Lebensmitteln ein – im benachbarten Deutschland und in Österreich. Vorbei die Zeiten, als die Blechlawinen auf die andere Seite der Grenze rollten; um Benzin, Nudeln oder Schoki zu hamstern. Und die Schweizer gerne tiefer in die Tasche griffen, um die eigene Landwirtschaft zu subventionieren. Wilhelm Tells Erben strömen nun ihrerseits aus. Der Wechselkurs ist der eine Grund dafür, die gestorbene Vision der andere. Die Schweiz ist nur noch ein Land. Und keine Idee mehr.

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Mittwoch, 27. Juli 2011 von Ralph Conzelmann

Mit Vollgas wider die Natur

Es sind bohrende Fragen, auf die wir heute nicht antworten wollen. Und in 100 Jahren nicht mehr können. Mit Vollgas fahren wir an die Wand, was unsere Nachfahren substanziell benötigen. Aus Ignoranz, aus Dummheit, aus purem Egoismus. Freilich: Schuld daran tragen stets die anderen.

Ein Drei-Liter-Auto wäre längst machbar, hätte die Industrie ein Interesse daran. Die Windkraft spielt hierzulande eine rudimentäre Rolle, das ist Politik. Das Ungeheuerliche daran ist, dass die Gegner keine Ernst zu nehmenden Argumente liefern. Weder beim Treibstoff, noch beim Wind. Sie faseln von einer Verschandelung der Landschaft, von Vögeln, die in den Rotoren ihr Leben verlieren könnten. Molière sagte, dass wir nicht nur für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun verantwortlich sind. Wohl deshalb bauen wir für gut eine Million 800 Meter den Stich aus.

Mein Erdkundelehrer, heute im Landtag, fragte einst im Unterricht: Der Mensch ist abhängig von der Natur. Und die Natur? Ich antwortete als Pennäler: Die Natur ist auch abhängig vom Menschen. Falsch, sagte er. Wir müssen die Natur schützen, sie wahren. Heute weiß ich: Es geht nicht darum, wer Recht hat, sondern darum, wer die Nahrungskette begreift.

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