Samstag, 9. Mai 2015 von Volker Bitzer

Kein Muttertag für Kühe

Milch gehört in Deutschland mit zu den beliebtesten Getränken. Ob pur und gut gekühlt im Glas, im Frühstücksmüsli, beim Kochen oder selbst im Kaffee. Obendrein trägt Milch in den Köpfen der Menschen das Siegel „besonders wertvoll“. Was dran ist, darüber streiten sich mittlerweile die Geister. Erstaunlicher ist, dass noch immer viele Menschen glauben, eine Kuh würde einfach so Milch geben. Ein naturgegebener Automatismus also, fast so, wie es täglich Nacht und Tag wird. Das ist natürlich Unsinn. Eine Kuh gibt nur dann Milch, wenn sie Nachwuchs hat. Es muss also ständig ein Kalb geboren werden, damit die Euter des Muttertieres Milch produzieren. Damit dieser Milchfluss eines mittlerweile gigantischen Industriezweiges nicht versiegt, wird eine solche „Wirtschafts-Kuh“ jedes Jahr befruchtet. Vielfach künstlich. Kaum hat dann nach etwa neun Monaten Tragezeit ihr Kalb das Licht der Welt erblickt, wird es noch am selben Tag von seiner Mutter getrennt. Was für ein schreckliches Vorgehen durch den rücksichtslosen Menschen. Alles nur, damit Milch in gewaltigen Mengen produziert, fremdverwertet (statt fürs Kälble, wie es die Natur vorsieht) und für ein paar läppische Cent verkauft werden kann. Einmal mehr zeigt sich, wohin fabrikmäßige Tierausbeutung führt. Mit der glücklichen Alpenkuh aus der Werbung hat das nix zu tun. Wenigstens morgen am Muttertag sollten wir uns darüber mal Gedanken machen, wenn wir gedankenlos zur Milchflasche im Kühlschrank greifen.

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Donnerstag, 16. April 2015 von Volker Bitzer

Dünn, dünner, Kuchen

Zu einem gelungenen Sonntagsnachmittag gehört für viele untrennbar das gemütliche Kaffeekränzle oder die besinnliche Teestunde. Dabei wiederum darf Gebäck oder ein leckeres Stück Kuchen freilich nicht fehlen. Wer nun nicht selbst zuvor Stunden mit Backen zugebracht hat, der fährt mal flugs zum Konditor und besorgt sich Schwarzwälder, Bienenstich oder Erdbeertorte. Im manchem Laden kann einen dann aber schnell mal der Ärger überkommen. Teilen doch tatsächlich nicht wenige Verkäuferinnen einen schönen runden Kuchen in 16, ja, mitunter sogar 20 Stück auf. Das geht gar nicht. Klassisch ist die Zwölferteilung. So macht es jede gute Hausfrau. Schließlich will man ein ordentliches Kuchenstück und keine halbes. Oft sind Kuchenstücke bei manchen Bäckern und Konditoren so dünn, dass man fast schon hindurch schauen kann. Geschweige denn, dass ein einzelnes Stück von sich aus auf dem Pappteller stehen bliebe. Ist dieses knickrige Verhalten Werbung fürs Konditorenhandwerk? Lieber ein paar Cent mehr bezahlen, dafür aber bitteschön einen Sonntagskuchen nach der gewohnten Uhr-Einteilung. So wie bei Muttern oder in einzelnen Läden noch üblich.

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Donnerstag, 26. März 2015 von Volker Bitzer

Warum nicht gleich 30-Zone?

Auf der Bundesstraße 27 zwischen Balingen und Bisingen müssen sich die Autofahrer künftig auf Tempo 120 einstellen. Das auf einer bestens ausgebauten, vierspurigen Straße, obendrein an vielen Stellen schnurgerade und mit optimalem Weitblick. Diese Tempodrosselung ist Unsinn hoch zehn. Zumal die B 27 auf diesem Teilabschnitt absolut keinen Unfallschwerpunkt markiert. Vertretbar ist diese Geschwindigkeitsbegrenzung von Bisingen, weiter Richtung Hechingen; mit der gefährlichen und doch etwas unübersichtliche Senke. Aber was, bitteschön, soll dieser Schabernack auf dem anderen Teilstück?

Nein, es geht nicht ums Rasen, aber ums zügige Überholen. Wenn schon langsamer, dann wenigstens 140 Stundenkilometer, aber doch nicht 120. Vier von fünf Bürgern – so zeigt das Stimmungsbarometer – ärgern sich über dieses Vorgehen. Aber im stillen Kämmerlein will offenbar wieder ein Polit-Schreibtischtäter vermeintlich Gutes tun. Das Gegenteil ist der Fall. Denn mit nur 120 Sachen ist es heutzutage sogar beschwerlich, einen durchzugsstarken Lkw zu überholen. Vielmehr könnte die Tempominderung dazu führen, dass künftig unsägliche Brummi-Wettkämpfe auf beiden Fahrspuren zwischen Balingen und Bisingen (und umgekehrt natürlich) ausgetragen werden. Das freut dann die Autofahrer, vielfach Pendler, ungemein.

Der Vorstoß aus dem Landratsamt Zollernalb (in Ansprache mit Regierungspräsidium und Polizei) nimmt in diesem Falle grotesk-tübingerische Züge mit Palmer'scher Anti-Autogesinnung an. Aber gut ist: Wohin Politik abseits von offensichtlichen Bürger-Mehrheiten führen kann, sieht man zunehmend an so genannten Wahlabenden. Diese kommen immer wieder.

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Freitag, 6. März 2015 von Volker Bitzer

Straße sticht Gleis

Freiheit bedeutet auch Mobilität und das hat für den modernen Menschen mit den höchsten Stellenwert. Egal ob das Pendeln zur Arbeit, die Restaurant-Visite am Abend oder die Urlaubsfahrt. Jeder will immer und jederzeit die Ziele seiner Wahl so schnell wie möglich erreichen. Die meisten in unserer Region sicherlich mit dem eigenen Auto. Auch dann, wenn dieses viele frenetische ÖPNV-Verfechter immer wieder aufs Neue „verteufeln“. Neben den hohen Spritpreisen (welche derzeit ja sogar verträglich sind) ist es meist die Schwarzmalerei von vollen Straßen oder gar Stau. Das mag sicherlich für manche Autobahnen oder Ballungsräume gelten. Wann aber, frage ich mich, war auf Albstadts oder Balingens Straßen letztmals ein richtiger Stau? Vom Umland erst gar nicht zu reden. Die Bus-Bahn-Fraktion übersieht bei ihren Anti-Auto-Appellen aber geflissentlich, dass durch Streiks (mittlerweile ja fast an der Tagesordnung), Unfälle oder technische Defekte vielfach weder Züge noch Straßenbahnen verkehren. Erst jüngst wieder in der grünen Stadt Freiburg, wo der Straßenbahnverkehr über Stunden hinweg total lahm gelegt war. Mit dem Auto wären die Leute aber zur Arbeit oder ans Ziel gekommen.

Ortswechsel: Von verstopften Innenstädten oder echten Blechlawinen zwischen Ortsteilen sind wir hier soweit entfernt wie die Zugspitze von der Ostsee. Und was ist schon dabei, wenn man mal an der ein oder anderen Kreuzung oder Ampel etwas warten muss? Am Bahnsteig wartet man auch auf den Zug und dort hinkommen muss man auch erst noch. In unseren Breiten sticht der Schienenverkehr aus rein zeitlicher Betrachtung den Straßenverkehr in den weitaus meisten Fällen einfach nicht aus. Fraglich ist und bleibt deshalb die hoch subventionierte Regionalbahn-Träumerei. Zumal gerade hier – wenn schon ÖPNV – jeder Omnibus für die Passagiere x Mal geschickter und für Betreiber viel effizienter ist.

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Samstag, 14. Februar 2015 von Volker Bitzer

Der Adelsweg gegen Viren

Regelmäßig überfallen uns Erkältungsviren in der kalten Jahreszeit. Auch wenn wir noch so sehr aufpassen und uns alle Mühe geben, die Bösewichte fernzuhalten, so erwischt es einen immer wieder im Handumdrehen. Ärzte und Wissenschaftler raten ja stets zu extrem penibler Handpflege. Auf der Toilette die Hände waschen ist ja ohnehin eine absolute Selbstverständlichkeit. Aber gerade in den Monaten, in welchen die Erreger besonders angriffslustig sind, sollte diese Hygiene noch ausgiebiger sein. Empfehlen die Fachleute. Allerdings stellt sich hier die Frage: Was nutzt es mir, wenn ich noch so reinlich und sorgsam bin, mein Vorgänger auf dem stillen Örtchen es mit der Sauberkeit nicht sonderlich genau nimmt? Denn kaum habe ich meine Hände intensiv mit Seife gewaschen, greife ich eventuell zum Lichtschalter, auf alle Fälle aber an die Türklinke, um die Toilette zu verlassen. Auch der Unreinliche, der vor mir sein Geschäft erledigte, hat es nicht anders gemacht. Und somit seine Krankheitserreger zielsicher und fast unausweichlich für andere platziert. Was also tun? Wie wäre es mit Handschuhen? So wie einst der gute alte Adel mit seinen in weiß oder schwarz gewandeten Fingern. Zugegeben, man würde wohl auffallen; aber wenigstens lassen sich so die virulenten Keime von nicht stubenreinen Mitmenschen auf Distanz halten.

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