Freitag, 17. Juli 2015 von Volker Bitzer

Wer viel fährt, zahlt auch viel

Die Griechenlandkrise drängt momentan viele andere Themen in den Schatten. So auch die Maut-Diskussion. Aber vergessen ist sie deshalb nicht. Wenn ich mit dem Auto die österreichische Staatsgrenze passiere oder mal auf Schnellstraßen in der Schweiz fahren möchte, muss ich Maut zahlen. Gleiches gilt auf „Toll“-Strecken in den USA und vielen weiteren Ländern. Also ist es doch nicht mehr als recht und billig, wenn auch ausländische Autofahrer auf deutschen Straßen ein Ticket lösen? Dennoch sorgt das Mautkonzept von Minister Dobrindt Schlagzeilen für reichlich Kritik. Warum eigentlich? Da ist von Benachteiligung anderer EU-Bürger innerhalb der Staatengemeinschaft die Rede. Und richtig: Durch das Entlasten des deutschen Autofahrers über die Kraftfahrzeugsteuer wäre das tatsächlich der Fall. „Na, und? Dann ist es halt so“ sagen die einen. „Darf nicht sein“ argumentieren viele Kritiker der Maut im eigenen Lande. Dabei ist wohl fraglich, ob es ihnen um dieses partielle Ungleichgewicht geht, oder doch vielmehr ums grundsätzliche Torpedieren eines Regierungsvorschlags.

Eine Lösung könnte ganz simpel sein, zudem wohl noch verwaltungstechnisch leicht zu meistern: Die Kfz-Steuer abschaffen. Dafür den Spritpreis um ein paar Steuercent nach oben. Schon ist das EU-Ungleichgewicht bei der Maut passé. Und gerechter ist das Prozedere obendrein: Wer viel fährt und reichlich das Straßennetz nutzt, der zahlt auch mehr.

Mir geht es nicht in den Kopf, warum diese Ideallösung noch immer auf sich warten lässt. Wichtig ist aber noch eins: Das eingenommene Geld – gleich ob Maut oder Kraftstoffsteuer – muss in die Straßeninfrastruktur zurück fließen. Es ist an der Zeit, dass die Autofahrer nicht länger als potente Melkkühe für allerlei andere Dinge herhalten müssen.

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Mittwoch, 24. Juni 2015 von Volker Bitzer

Griechische Sammlerstücke

Sie nerven, die Griechen. Zeitraubende Verzögerungstaktiken, leere Versprechungen, belanglose Vorschläge – kein Tag, an dem Herr Tsipras und sein hellenistisches Gefolge nicht für neue und oft dreiste Schlagzeilen sorgen. Und, wenn wir mal ganz ehrlich sind, so ist es doch arg verlockend laut gen Athen zu rufen: „Es reicht, raus jetzt aus dem Euro!“ Aber was dann? So recht weiß doch wirklich niemand, was passiert, wenn der Grexit tatsächlich eintritt. Wenn schon Finanzfachleute und Ökonomen uneins sind, wie sollen dann erst die verantwortlichen Politiker die richtige Entscheidung treffen? Was passiert zum Beispiel mit den im Umlauf befindlichen griechischen Euromünzen, sollte das Land nicht mehr in der Währungsunion sein. Verlieren diese dann ihre Gültigkeit? Auch das weiß aktuell keiner so genau. Auf Nachfrage informiert die Sparkasse Zollernalb dazu wörtlich: „Wir können die Frage derzeit leider nicht verbindlich klären. Die Vorgehensweise muss von der EZB, der Bafin als deutsche Finanzaufsicht und der Bundesbank entschieden werden.“

Vielleicht bietet es sich an, die griechischen Münzen zu sammeln. So lange es sie noch gibt. Der Einer mit der Eule – angelehnt an die Vier-Drachmen-Münze des antiken Athen (5. Jahrhundert v. Chr.) – ist ja wirklich einer der schönsten überhaupt. Wer weiß, vielleicht sind in einer paar Jahren die Euromünzen mit historischen Hellas-Bildchen wahre Raritäten. Und vergleichsweise sogar mehr wert als heute. Ich fang schon mal an, welche auf die Seite zu legen.

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Freitag, 5. Juni 2015 von Volker Bitzer

Reif für die Insel

Eines der luxuriösesten Hotels Bayerns und Deutschlands ist ab Sonntag Tagungsort für das G 7-Treffen. Schloss Elmau – weg vom Schuss, tief verborgen in einem ruhigen Tal am Fuße der Wettersteinspitzen; unweit von König Ludwigs orientalischem Alpenrefugium, dem Schachenhaus. Wer es kennt: Elmau ist ein traumhafter Ort, der nur von einer Seite aus automobil – und das auch erst nach rund sechs Kilometern Fahrt durch Wald und Flur – erreichbar ist. Ideal also, um politische Großgewichte abzuschirmen und in Sicherheit zu wiegen. Denn dass Terroristen und mögliche Störenfriede zu Fuß eine Alpenkamm-Überquerung in Kauf nehmen und dann Sicherheitskräften von weitem schon in die offenen Arme laufen, damit ist kaum zu rechnen. Trotzdem gibt es Ängste und Probleme. Vor allem bei den Menschen, die in den beiden benachbarten Städten Mittenwald (zwölf Kilometer entfernt) und Garmisch-Partenkirchen (18 Kilometer entfernt) leben. Schließlich gibt es bei solchen Gipfeltreffen nicht nur friedlich protestierende Gegner, sondern leider auch Chaoten, deren vermeintlich politisches Verständnis sich allein auf Randale und Zerstörungswut beschränkt. Dafür herhalten müssen die Menschen rund um Elmau mit ihrem Hab und Gut. Wer zum Beispiel bezahlt ihnen mögliche Schäden durch aggressive Autonome? Was, wenn wieder Autos brennen?

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum solche brisanten Treffen nicht noch abgelegener als in Alpentälern über die Bühne gehen. Abgeschirmt von Mutter Natur. Zum Beispiel auf einer Insel, die lediglich aus der Luft oder per Schiff zu erreichen ist. Für Deutschland würde sich dessen einzige Hochseeinsel, Helgoland, anbieten – j.w.d.. Würde das eine Kontrolle nicht viel einfacher machen, mit weniger Polizeieinsatz und somit vor allem für den Steuerzahler um einiges günstiger? Und sage mal einer, manche Politiker wären nicht reif für die Insel.

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Samstag, 9. Mai 2015 von Volker Bitzer

Kein Muttertag für Kühe

Milch gehört in Deutschland mit zu den beliebtesten Getränken. Ob pur und gut gekühlt im Glas, im Frühstücksmüsli, beim Kochen oder selbst im Kaffee. Obendrein trägt Milch in den Köpfen der Menschen das Siegel „besonders wertvoll“. Was dran ist, darüber streiten sich mittlerweile die Geister. Erstaunlicher ist, dass noch immer viele Menschen glauben, eine Kuh würde einfach so Milch geben. Ein naturgegebener Automatismus also, fast so, wie es täglich Nacht und Tag wird. Das ist natürlich Unsinn. Eine Kuh gibt nur dann Milch, wenn sie Nachwuchs hat. Es muss also ständig ein Kalb geboren werden, damit die Euter des Muttertieres Milch produzieren. Damit dieser Milchfluss eines mittlerweile gigantischen Industriezweiges nicht versiegt, wird eine solche „Wirtschafts-Kuh“ jedes Jahr befruchtet. Vielfach künstlich. Kaum hat dann nach etwa neun Monaten Tragezeit ihr Kalb das Licht der Welt erblickt, wird es noch am selben Tag von seiner Mutter getrennt. Was für ein schreckliches Vorgehen durch den rücksichtslosen Menschen. Alles nur, damit Milch in gewaltigen Mengen produziert, fremdverwertet (statt fürs Kälble, wie es die Natur vorsieht) und für ein paar läppische Cent verkauft werden kann. Einmal mehr zeigt sich, wohin fabrikmäßige Tierausbeutung führt. Mit der glücklichen Alpenkuh aus der Werbung hat das nix zu tun. Wenigstens morgen am Muttertag sollten wir uns darüber mal Gedanken machen, wenn wir gedankenlos zur Milchflasche im Kühlschrank greifen.

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Donnerstag, 16. April 2015 von Volker Bitzer

Dünn, dünner, Kuchen

Zu einem gelungenen Sonntagsnachmittag gehört für viele untrennbar das gemütliche Kaffeekränzle oder die besinnliche Teestunde. Dabei wiederum darf Gebäck oder ein leckeres Stück Kuchen freilich nicht fehlen. Wer nun nicht selbst zuvor Stunden mit Backen zugebracht hat, der fährt mal flugs zum Konditor und besorgt sich Schwarzwälder, Bienenstich oder Erdbeertorte. Im manchem Laden kann einen dann aber schnell mal der Ärger überkommen. Teilen doch tatsächlich nicht wenige Verkäuferinnen einen schönen runden Kuchen in 16, ja, mitunter sogar 20 Stück auf. Das geht gar nicht. Klassisch ist die Zwölferteilung. So macht es jede gute Hausfrau. Schließlich will man ein ordentliches Kuchenstück und keine halbes. Oft sind Kuchenstücke bei manchen Bäckern und Konditoren so dünn, dass man fast schon hindurch schauen kann. Geschweige denn, dass ein einzelnes Stück von sich aus auf dem Pappteller stehen bliebe. Ist dieses knickrige Verhalten Werbung fürs Konditorenhandwerk? Lieber ein paar Cent mehr bezahlen, dafür aber bitteschön einen Sonntagskuchen nach der gewohnten Uhr-Einteilung. So wie bei Muttern oder in einzelnen Läden noch üblich.

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