Donnerstag, 26. November 2015 von Volker Bitzer

Der Mensch als Papagei

Hallo oder servus, grüß Gott oder guten Tag, tschüs oder tschau, auf Wiedersehen oder ade. Grüßen gehört zu den guten Umgangsformen. Keine Frage. Aber ist Ihnen, liebe Leser, schon einmal aufgefallen, welche Gepflogenheiten hier die meisten Menschen an den Tag legen? Also meine Beobachtungen haben nun freilich nicht die Qualität einer repräsentativen Erhebung, aber über den Daumen gepeilt würde ich mal sagen, dass 90 Prozent der Zeitgenossen nachplappern. Verabschiede ich mich mit einem „tschüs“, sagt auch das Gegenüber „tschüs“. Grüße ich mit einem „hey“, sagt auch der andere „hey“. Ich habe mir mal den Spaß gemacht und unmittelbar nacheinander verschiedene Grüße bei verschiedenen Leuten beim Verabschieden angewandt: „ade, bye, auf Wiedersehen“ zum Beispiel. Alle drei Angesprochenen erwiderten, ebenfalls höflich, nacheinander mit: ade, bye, auf Wiedersehen. Ist doch interessant? Es funktioniert sogar in der Gruppe. Neulich im Sport habe ich in der Umkleide „tschüs“ gesagt. Fast alle noch Anwesenden wiederholten mein „tschüs“. Bewusst habe ich eine Woche später, gleiche Umkleide, fast gleiche Leute, aber „tschau“ gesagt. Und, tatsächlich: Alle sagten... Ciao!

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Samstag, 14. November 2015 von Volker Bitzer

Keine Sterne weit und breit

So gut der kosmische November-Sternenhimmel überm Zollernalbkreis in den vergangenen Tagen auch zu sehen ist, so düster ist der astrale Blick, wenn es um hochklassige Restaurants geht. Am Donnerstag veröffentlichte Michelin seine Gourmet-Bibel 2016. Und viele Küchenchefs warteten gespannt und hoffnungsvoll auf die Sterne-Verkündung: Bin ich erstmals dabei? Habe ich ihn gehalten? Oder wird er mir entzogen?

Während die gesamte Schwarzwaldschiene und der erweiterte Ballungsraum Stuttgart wieder viele Auszeichnungen einheimsen kann – und damit Baden-Württemberg erneut zum deutschen Genussland Nummer eins machen – sieht es darüber hinaus sehr mau aus. Erneut Fehlanzeige auch für unseren Landkreis. Das nun schon seit vielen Jahren. Dabei war das nicht immer so. Insider erinnern sich noch bestens an die alte „Linde“ in Ebingen, als zu Paul Hettlers Zeiten sein Feinschmecker-Restaurant als erstes kreisweit mit einem der begehrten Michelin-Sterne dekoriert wurde. Später gesellte sich dann unter „Maitre“ Bernhard Diers der Haigerlocher „Schwanen“ hinzu. Ja, als bislang einziges Restaurant im Kreis, schaffte dieser Genusstempel dank der außergewöhnlich akribischen Kochkunst von Diers einen zweiten (von insgesamt drei möglichen) Michelin-Sternen. Alles aber längst Vergangenheit.

Ein Trost mag nun sein, dass aktuell wenigstens der Gault Millau etliche seiner kulinarischen Punkte über Albstadt und Balingen ausschüttet (siehe dazu Artikel „Feinschmecker aufgepasst...“ unten auf de Seite....). Die echte Adelung – und das sind in Kochkreisen einzig und allein die Michelin-Sterne – bleibt jedoch weiter aus.

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Mittwoch, 28. Oktober 2015 von Volker Bitzer

Altes Wissen für moderne Welt

Fleisch, vor allem verarbeitetes, und Wurst sind krebserregend. Diese Nachricht schockiert die Konsumenten. Aber tut sie das wirklich? Vergeht doch kaum eine Woche, dass nicht neue Erkenntnisse rund ums Essen, Wissenswertes zur Ernährung und Ratschläge über ein gesundes Leben die Runde machen. Auch wenn die meisten Tipps so frisch gar nicht sind. Entsprechend lapidar sind häufig die Reaktionen darauf. „Was darf man denn überhaupt noch essen?“ fragen sich die Leute. Berechtigter Einwand? Teilweise. Klar, wenn sich die Menschen absolut rigoros an alle Empfehlungen, Regeln und Verbote manch selbst ernannter Ernährungspäpste halten, wären die meisten längst verhungert. Trotzdem bergen all die Aussagen ein Körnchen Wahres. Und dass übermäßiger Wurst- und Fleischkonsum so ungesund ist wie die tägliche Flasche Rotwein, ist sicherlich unstrittig. Wie bei vielem im Leben gilt aber: Auf die Menge und Häufigkeit kommt es an. Und eben diese sind bei den Essgewohnheiten – zuvorderst in westlichen Wohlstandsgesellschaften – garantiert aus dem Gleichgewicht. Kam in früheren Tagen einmal pro Woche Fleisch auf den Tisch, geht es heute doch kaum noch ohne täglichen Braten und Salamibrot. Ob all den schlauen Ratschlägen heutiger Wissenschaftler, hat eine goldene Regel schon seit gut 900 Jahren Bestand. So erkannte die mit Weitsicht gesegnete Hildegard von Bingen schon im 12. Jahrhundert: Alles; aber alles in Maßen.

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Donnerstag, 8. Oktober 2015 von Volker Bitzer

Fußball gerät ins Abseits

Wie Volkswagen aus seinem Dieselskandal heraus kommt, das steht noch in den Sternen. Klar ist aber bereits jetzt, dass ihn die Abgas-Trickserei Milliarden kosten wird. Vom Imageschaden einmal ganz abgesehen. So hat nun der neue Konzernchef Müller Kosteneinsparungen ins Spiel gebracht. Jeder weiß, dass bei diesem bösen Wort meist auch die Mitarbeiter betroffen sind. Diese müssen nun möglicherweise jene zähe Suppe mit auslöffeln, welche einige Verantwortliche unverantwortlicherweise und dumm – gleich auf welcher Hierarchieebene des Unternehmens – eingebrockt haben. Aber Müller, so lassen die Nachrichten verlauten, scheut auch nicht davor, eine heilige Kuh anzutasten: den Fußball. Das ist gut so. Es kann nicht sein, dass die Belegschaft Millionen einsparen muss, während man diese andererseits einem Bundesligaclub für seine Rasenspiele in den Rachen wirft. Um beim sportlichen Terminus zu bleiben: Die Mitarbeiter sind die Pflicht, exorbitant teures Sportsponsoring ist Kür. Und in einer solchen angespannten Situation absolut verzichtbarer Luxus. Das gilt freilich nicht nur für VW, sondern für alle Unternehmen, die eine ohnehin überzahlte Spitzensportkultur mit Milliönchen mästen.

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Mittwoch, 23. September 2015 von Volker Bitzer

Falsche Höflichkeit

Entweder wollen die Leute seit einigen Monaten und Jahren ausnehmend vornehm sein. Sie handeln aus Unwissenheit? Oder es ist schlicht eine falsch eingestellte Rechtschreibprüfung der Textverarbeitung schuld. Wieso?

Täglich landen massenweise Texte und E-Mails bei uns im Redaktionspostfach. Dabei fällt seit geraumer Zeit zunehmend eine bestimmte Schreibweise der Worte „ihr“ oder „ihre“ auf. Nämlich groß geschrieben, also „Ihr“ und „Ihre“. Dabei ist in den meisten Fällen nicht die Anrede einer Person gemeint; hier wäre groß geschrieben richtig. Sondern das Possessivpronomen, oder auch besitzanzeigendes Fürwort genannt, also beispielsweise: „Die Kinder haben ihre Bilder gezeigt“. In diesem Falle wird „ihre“ selbstverständlich klein geschrieben. Wir lesen es in eingereichten Texten – übrigens auch von Schulen und Lehrern – vielfach groß, also „Ihre“. Vielleicht glauben viele Menschen, damit eine besondere Höflichkeit auszudrücken. Das ist dann zwar freundlich, aber leider orthografisch trotzdem falsch.

Andererseits gehen die Leute zunehmend auf kumpelhafte Intimität über, sobald es sich um eine Anrede in der Mehrzahl handelt – Beispiele: „Habt Ihr das im Angebot?“ oder „Kann das jemand von Euch machen?“. So kann ich fragen, wenn ich mit dem Gegenüber per Du bin. Ansonsten ist freilich die korrekte Höflichkeitsform Mehrzahl folgende: „Haben Sie das im Angebot?“ oder „Kann das jemand von Ihnen machen“.

Es zeigt: Sprache verändert sich. Meist leider nicht zum Besseren.

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