Donnerstag, 3. März 2016 von Volker Bitzer

Manche Wähler sind gleicher

Tagtäglich neue Umfragewerte, kletternde oder fallende Prozentpunkte, mögliche Koalitionen und unmögliche Konstellationen – die Parteien (und zwar alle) zittern und bangen. Es ist fast förmlich zu spüren, jetzt gut eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl. Tatsächlich dürfte es spannend werden wie selten: Es gibt kein Fukushima und kein S21 als Steigbügelhalter für die Grünen. Es gibt keinen Mappus-Malus für die CDU, dazwischen jedoch allerlei Farben und Themen; vor allem aber eine neue Kraft, die den Etablierten das Fürchten lehrt. Diese nur lapidar als „schlicht rechts“ abzustempeln, ist sicherlich zu kurz gedacht.

Die Parteien setzen also wieder auf Wahlkampf und Wahlwerbung. Denn jede einzelne Stimme zählt. Sollte man zumindest meinen. Während Bekannte und Kollegen mit Hochglanz-Prospekten von Parteien und Broschüren mit schlauen Politikersätzen geradezu bombardiert werden, darbt mein Briefkasten zu Hause. Gähnende Leere in Sachen Wahlpropaganda: Weder etwas von schwarz oder rot, kein grün und kein gelb, lila oder blau sind eh verzichtbar. Nicht jeder Wähler scheint die Gunst der Parteien zu genießen.

Ohne Blendamed-Kandidatenlächeln und großspurige (weil schnell vergessene) Wahlversprechen als Hilfestellung frage ich mich nun ernsthaft: Wo soll ich denn nur mein Kreuzchen machen am 13. März? Habe ja noch Zeit zum Überlegen. Nur eins weiß ich schon sicher: nicht mehr da, wo letztes Mal.

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Dienstag, 23. Februar 2016 von Volker Bitzer

Politiker haben unser Mandat

„Das ist Politik über die Köpfe der Menschen hinweg!“ Oder: „Ohne uns, das Volk, zu fragen, wurde das beschlossen!“ Oder: „Nur ein kleiner Kreis von Bürgern entscheidet über unsere Zukunft!“ Die Sätze ähneln sich. Immer wieder tauchen derlei Unmutsäußerungen in Bezug auf Politiker auf. Egal, ob es nun um große Bundespolitik in Berlin, Landespolitik in Stuttgart oder Kommunalparlamente geht. Unbedeutend ebenso, ob ums Thema Eurozone, Flüchtlinge oder die lokale Klinikdebatte. Politikverdrossenheit bahnt sich so den Weg. Zu Recht?

Mich ärgern Äußerungen, wie einleitend genannt. Völlig losgelöst von einem x-beliebigen Thema oder eines bestimmten politischen Blickwinkels, kann ich sie nicht mehr hören. Denn warum sollen unsere gewählten Politiker die Menschen extra noch befragen? Warum soll nicht ein Gremium mit Mandatsträgern über die Marschrichtung entscheiden?

Unser deutsches Polit-System ist eine repräsentative, parlamentarische Demokratie. Und wie der Name sagt, repräsentieren gewählte Volksvertreter die Bürgerschaft. Entsprechend viele Volksvertreter bilden demnach auch Volkes Willen facettenreich und allumfänglich ab. Im Idealfall. Nämlich dann, wenn jeder gewählte Politiker nur nach seinem eigenen Gutdünken und nach bestem Gewissen entscheidet. Sich nicht aufoktroyierten Fraktionszwängen hingibt und keine Gefälligkeits-Abstimmungen mitmacht.

Setzen wir diese Unvoreingenommenheit voraus, ist es selbstverständlich in Ordnung, dass ein Landesparlament befindet, wohin wie viel Geld fließt. Und genauso, dass ein Kreistag oder ein Gemeinderat darüber entscheidet, wie es mit den Krankenhäusern weiter geht oder welche unrentable Schule geschlossen wird. In allen Fällen handelt es sich um gewählte Vertreter. Sie haben das Mandat der Wähler.

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Dienstag, 9. Februar 2016 von Volker Bitzer

Versüßer der närrischen Tage

Mit Fasnet, Fasching, Karneval und Konsorten ist es im Prinzip nicht anders als mit Winter und Schnee. Die einen können die fünfte Jahreszeit kaum erwarten; die anderen, bis dass die närrischen Tage wieder vorüber sind. Zugegebenermaßen gehöre ich schon immer zur Gattung letzterer.

Zwar machte es noch ein bisschen (!) Spaß, sich als Kind zu verkleiden. Aber schon das unsägliche Tohuwabohu bei der Kinderfasnet, die Knallerei am laufenden Band, aber erst recht die zumeist aufgesetzte Fröhlichkeit auf Kommando waren mir zuwider. Nicht anders war es später mit lärmenden Guggenmusiken, nervigen, wie von der Tarantel gestochenen Hexen und anderen Gestalten, erst recht aber bei Begegnungen mit Zeitgenossen, die meinen, die Fasnet sei der Quasi-Freibrief für ungezügelten Alkoholgenuss. Aber keine Frage: Jedem seinen Spaß. Solange dieser im Rahmen ist und vor allem andere nicht belästigt.

Eine Eigenart der närrischen Tage, das muss ich nun zugeben, habe aber auch ich sehr lieb gewonnen. Fast schon traditionsgemäß am Faschingsdienstag bringt eine Kollegin unschlagbar leckere Fasnetsküchle mit ins Geschäft. Selbst gemachte natürlich, aus Mutters heißem Schmalztopf. Dass dieser ausgerechnet im eher fasnetfremden, protestantischen Onstmettingen steht, sorgt für zusätzlichen Charme. Die vielen Kalorien zählen wir besser nicht. Ohnehin ist ja dann auch gleich Fastenzeit. Und, tief aufatmen: vor allem Aschermittwoch.

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Freitag, 22. Januar 2016 von Volker Bitzer

Dankbarer Asylsuchender

Seit geraumer Zeit bekomme ich regelmäßig Besuch. Ach, was heißt Besuch, eigentlich muss man fast schon von einem neuen Mitbewohner reden. Er sucht offenbar Asyl. Ist rabenschwarz und nutzt die offenen Grenzen. Jene meiner stets geöffneten Katzenklappe. Der Nachbarskater freut sich über einen vollen Napf mit leckerem Futter. Mehr aber noch über ein warmes Schlafplätzle; verständlich bei den derzeit widrig-eisigen Gegebenheiten draußen. Am liebsten legt er sich auf den Sims überm Heizkörper im Arbeitszimmer. Weit weg vom Wohnzimmer, wo meine beiden Katzendamen meist residieren. Trotzdem beäugen die heimischen Mädels den Fremden mit Argwohn. Das nun schon seit Wochen. Das zeigen sie dem „Eindringling“ auch gelegentlich sehr deutlich. Der Futterdieb (aus ihrer Sicht) wird angefaucht und in Schranken verwiesen. So, als gäbe es nicht genügend davon. Nero hingegen, so nenne ich den Kater, ist ein lieber Kerl. Er meckert bei den Damen des Hauses selten zurück, gibt lieber klein bei. Obwohl er größer und kräftiger ist, hat er sich noch nie am Fressnapf vorgedrängt und zu keiner Zeit meine Mädchen angetanzt. Er gehört offensichtlich zur Mehrzahl jener, die wissen, wie man sich benimmt; die einfach nur dankbar sind und helfende Hände zu schätzen wissen.

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Dienstag, 12. Januar 2016 von Volker Bitzer

Botschafter für Deutschland

Erneut wurde ein ganz Großer von der Bühne abberufen: David Bowie. Die Nachricht über seinen plötzlichen Tod – zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag – schockiert die Musikwelt. Auch mich begleiten der Weltstar und seine Lieder seit Jahrzehnten. Noch gut kann ich mich erinnern, als mich zum ersten Mal David Bowies außergewöhnliche Musik erreichte... und sogleich berührte. Im Gymnasium ging es ums Thema Drogen und wir behandelten das Buch „Christiane F. – die Kinder vom Bahnhof Zoo“. Die Lehrerin zeigte den dazu gehörigen, äußerst intensiven Film. In diesem geht es auch um einen Liveauftritt David Bowies in seiner mehrjährigen Wahlheimat Berlin und natürlich untermalte seine Musik den Streifen. Ohnehin liebte Bowie das Deutsche. So war er – ungewollt – auch Botschafter für jene deutsche Musikgruppe, die bislang als einzige einen Grammy für ihr Lebenswerk erhielt. Als großer und bekennender Kraftwerk-Fan war es nämlich der damals ziemlich hippe Blonde, der für die Düsseldorfer Klang-Pioniere in England, dem Land des Pop schlechthin, den Weg ebnete. „Wenn Bowie den lieben langen Tag Kraftwerk hört und sich davon für die eigene Arbeit inspirieren lässt, dann muss das genial sein“ sagten sich britische Radiosender, die fortan die kühl-elektronischen Rhythmen „Made in Germany“ zelebrierten und damit in nicht geringem Maße zum Weltruhm der Elektro-Götter beitrugen. Ja, David Bowie – der mit Queen, den Stones und vielen anderen zusammen Musik machte – ging sogar so weit, dass er Kraftwerk mit „V2 Schneider“ sogar mit einer eigenen Komposition huldigte. Der gebürtige Londoner bleibt unvergessen, seine Musik lebt weiter und unstrittig: David Bowie gebührt ein Ehrenplatz in der Ruhmeshalle der Popmusik. Eben für Heroes.

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