Dienstag, 9. Februar 2016 von Volker Bitzer

Versüßer der närrischen Tage

Mit Fasnet, Fasching, Karneval und Konsorten ist es im Prinzip nicht anders als mit Winter und Schnee. Die einen können die fünfte Jahreszeit kaum erwarten; die anderen, bis dass die närrischen Tage wieder vorüber sind. Zugegebenermaßen gehöre ich schon immer zur Gattung letzterer.

Zwar machte es noch ein bisschen (!) Spaß, sich als Kind zu verkleiden. Aber schon das unsägliche Tohuwabohu bei der Kinderfasnet, die Knallerei am laufenden Band, aber erst recht die zumeist aufgesetzte Fröhlichkeit auf Kommando waren mir zuwider. Nicht anders war es später mit lärmenden Guggenmusiken, nervigen, wie von der Tarantel gestochenen Hexen und anderen Gestalten, erst recht aber bei Begegnungen mit Zeitgenossen, die meinen, die Fasnet sei der Quasi-Freibrief für ungezügelten Alkoholgenuss. Aber keine Frage: Jedem seinen Spaß. Solange dieser im Rahmen ist und vor allem andere nicht belästigt.

Eine Eigenart der närrischen Tage, das muss ich nun zugeben, habe aber auch ich sehr lieb gewonnen. Fast schon traditionsgemäß am Faschingsdienstag bringt eine Kollegin unschlagbar leckere Fasnetsküchle mit ins Geschäft. Selbst gemachte natürlich, aus Mutters heißem Schmalztopf. Dass dieser ausgerechnet im eher fasnetfremden, protestantischen Onstmettingen steht, sorgt für zusätzlichen Charme. Die vielen Kalorien zählen wir besser nicht. Ohnehin ist ja dann auch gleich Fastenzeit. Und, tief aufatmen: vor allem Aschermittwoch.

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Freitag, 22. Januar 2016 von Volker Bitzer

Dankbarer Asylsuchender

Seit geraumer Zeit bekomme ich regelmäßig Besuch. Ach, was heißt Besuch, eigentlich muss man fast schon von einem neuen Mitbewohner reden. Er sucht offenbar Asyl. Ist rabenschwarz und nutzt die offenen Grenzen. Jene meiner stets geöffneten Katzenklappe. Der Nachbarskater freut sich über einen vollen Napf mit leckerem Futter. Mehr aber noch über ein warmes Schlafplätzle; verständlich bei den derzeit widrig-eisigen Gegebenheiten draußen. Am liebsten legt er sich auf den Sims überm Heizkörper im Arbeitszimmer. Weit weg vom Wohnzimmer, wo meine beiden Katzendamen meist residieren. Trotzdem beäugen die heimischen Mädels den Fremden mit Argwohn. Das nun schon seit Wochen. Das zeigen sie dem „Eindringling“ auch gelegentlich sehr deutlich. Der Futterdieb (aus ihrer Sicht) wird angefaucht und in Schranken verwiesen. So, als gäbe es nicht genügend davon. Nero hingegen, so nenne ich den Kater, ist ein lieber Kerl. Er meckert bei den Damen des Hauses selten zurück, gibt lieber klein bei. Obwohl er größer und kräftiger ist, hat er sich noch nie am Fressnapf vorgedrängt und zu keiner Zeit meine Mädchen angetanzt. Er gehört offensichtlich zur Mehrzahl jener, die wissen, wie man sich benimmt; die einfach nur dankbar sind und helfende Hände zu schätzen wissen.

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Dienstag, 12. Januar 2016 von Volker Bitzer

Botschafter für Deutschland

Erneut wurde ein ganz Großer von der Bühne abberufen: David Bowie. Die Nachricht über seinen plötzlichen Tod – zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag – schockiert die Musikwelt. Auch mich begleiten der Weltstar und seine Lieder seit Jahrzehnten. Noch gut kann ich mich erinnern, als mich zum ersten Mal David Bowies außergewöhnliche Musik erreichte... und sogleich berührte. Im Gymnasium ging es ums Thema Drogen und wir behandelten das Buch „Christiane F. – die Kinder vom Bahnhof Zoo“. Die Lehrerin zeigte den dazu gehörigen, äußerst intensiven Film. In diesem geht es auch um einen Liveauftritt David Bowies in seiner mehrjährigen Wahlheimat Berlin und natürlich untermalte seine Musik den Streifen. Ohnehin liebte Bowie das Deutsche. So war er – ungewollt – auch Botschafter für jene deutsche Musikgruppe, die bislang als einzige einen Grammy für ihr Lebenswerk erhielt. Als großer und bekennender Kraftwerk-Fan war es nämlich der damals ziemlich hippe Blonde, der für die Düsseldorfer Klang-Pioniere in England, dem Land des Pop schlechthin, den Weg ebnete. „Wenn Bowie den lieben langen Tag Kraftwerk hört und sich davon für die eigene Arbeit inspirieren lässt, dann muss das genial sein“ sagten sich britische Radiosender, die fortan die kühl-elektronischen Rhythmen „Made in Germany“ zelebrierten und damit in nicht geringem Maße zum Weltruhm der Elektro-Götter beitrugen. Ja, David Bowie – der mit Queen, den Stones und vielen anderen zusammen Musik machte – ging sogar so weit, dass er Kraftwerk mit „V2 Schneider“ sogar mit einer eigenen Komposition huldigte. Der gebürtige Londoner bleibt unvergessen, seine Musik lebt weiter und unstrittig: David Bowie gebührt ein Ehrenplatz in der Ruhmeshalle der Popmusik. Eben für Heroes.

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Mittwoch, 16. Dezember 2015 von Volker Bitzer

Altershürden für die Klugheit

Mit dem Alter und dem Älterwerden haben ja nicht wenige Menschen – und beileibe nicht nur Frauen – so ihre Probleme. Und wie es sich für die Südwestdeutschen mit ihrer knitzen Art gehört, haben sie auch für den Lebensabschnitt zwischen „gerade noch jung“ und „noch nicht wirklich alt“ eine recht originelle Umschreibung: Das Schwabenalter. Jeder kennt den Spruch: Mit 40 Jahren kommt man ins Schwabenalter. Woher aber kommt diese niedliche (?) Alters-Kennzeichnung? Hierzu liefern Brockhaus, Wikipedia, Google und Konsorten natürlich vielerlei Erklärungen. Eine der gängigsten wohl, dass der Schwabe halt mit 40 g'scheit wird. Ließe andererseits aber rückschließen, dass er zuvor „geistig etwas eingeschränkt“ gewesen ist, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber das – da werden Sie mir, liebe Leser, natürlich uneingeschränkt Recht geben – kann im Land der „Käpsele“ freilich gar nicht der Fall sein. Äußerst interessant und gefällig scheint hierbei ausgerechnet die Feststellung eines Berliners; das sind übrigens jene Schwaben-Freunde aus einer größeren Stadt im Nordosten Deutschlands. Friedrich Nicolai meinte 1781, dass der Spruch keine späte Entwicklung der Verstandeskräfte bei den Schwaben dokumentiere, sondern nur, dass sie den Verstand erst spät zum eigenen Vorteil nutzten. Na, das lässt sich doch schon viel besser hören.

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Samstag, 28. November 2015 von Volker Bitzer

Augen auf im Straßenverkehr

Immer vorausschauend fahren! Sagte schon mein Fahrlehrer vor zig Jahren. Und die heutigen tun’s bestimmt noch immer. Diesen weisen Satz zu befolgen ist ja auch angeraten. Nicht nur der Verkehrssicherheit Willen, sondern auch um das eigene Portemonnaie zu schonen. Das gleich in mehrfacher Hinsicht. Kavaliersstart sowie regelmäßiges Wechselspiel zwischen Gasgeben und abruptem Abbremsen kostet reichlich Sprit und geht ins Geld. Gerade im Stadtverkehr.

Sparen kann auch, wer aufmerksam unterwegs ist und den Blick nicht nur nach vorne auf die Straße, sondern auch aufs Geschehen daneben richtet. Denn hier tummeln sich bisweilen jene uniformierten Zeitgenossen, die – bewaffnet mit Radarpistolen, Kameras und roten Blitzen – auf „Beute“ warten. Nicht nur rund um Kindergärten, Schulen oder sonstigen Straßen, wo freilich besondere Vorsicht geboten ist. Häufig lauern die – natürlich amtlich beauftragten – „Jäger“ jedoch an ganz anderen Plätzen. Solchen, wo zwar kaum andere gefährdet sind, die jedoch finanziell besonders einträglich sind und die klammen kommunalen Kassen füllen.

Vorausschauendes Fahren hilft, Strafzettel zu verhindern. Denn mobile „Starenkästen“ in Schienbeinhöhe sind gut zu erkennen. „Achtung Blitz!“ gilt oft auch bei auffällig geparkten Kombis mit nicht-örtlichem Kennzeichen, z.B. „KA“. Und dann gibt es ja noch die lieben Mitmenschen, die gestikulierend oder mit Lichthupe auf entdeckte Radar-Fotografen hinweisen. Es braucht ein wenig Übung, aber man kann das eigene Auge schulen, um nicht ins Visier von manch‘ übereifrigem Auge des Gesetzes zu kommen.

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