Mittwoch, 18. April 2018 von Volker Bitzer

Geht's denn nur ums Geld?

Heute zucken wieder die Blitze. Tausendfach, von Garmisch bis Wilhelmshaven. Nein, nicht das Wetter ist schuld, sondern die Polizei, die quasi Jagd auf Temposünder macht. Machen muss – auf Anordnung der Politik. Allerdings können die Autofahrer im Ländle aufatmen. Baden-Württemberg beteiligt sich nicht an dieser Show, wie Präsident Dr. Michael Haberland vom Automobilclub „Mobil in Deutschland“ den Blitzmarathon 2018 bezeichnet: „Radarkontrollen sind richtig und wichtig. Sie dürfen aber nur einem Ziel dienen, nämlich der Verkehrssicherheit.“ Dazu, so zeigten Auswertungen des Blitzatlas, trage diese bundesweite Aktion nicht bei. Also geht es …, klar um was sonst, … ums liebe Geld. Denn, so heißt es im Wortlaut in einer Pressemitteilung des Vereins: Geblitzt wird vor allem dort, wo nichts passiert; wo viel passiert, wird nicht geblitzt. Das stimmt nachdenklich.

Hatten Sie, werte Leser, nicht auch schon das Gefühl, dass es bei lokalen Radarfallen ähnlich ist. Vielfach lauern die mobilen Blitzer in der Stadt an Stellen, wo man sich wirklich fragen muss, welchen Sicherheitsaspekt das hier nur haben soll. Freilich wird hin und wieder vor Schulen und Kindergärten geblitzt, wo viele junge Menschen die Fahrbahn queren. Interessanterweise, so meine Beobachtungen, treten aber ausgerechnet viele Eltern, die ihren Nachwuchs abholen, oft sehr kräftig aufs Gaspedal. Klar, man muss ja flugs an den Mittagstisch kommen.

Es ist, wie es ist: Die Autofahrer sind zuverlässige Melkkühe der Nation. Auf mannigfache Weise.

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Freitag, 6. April 2018 von Volker Bitzer

Offline in Morpheus Armen

Wo bewahren Sie Ihr Smartphone nachtsüber auf? Am Ladekabel im Arbeitszimmer, auf dem Couchtisch oder neben Ihnen auf dem Nachtschränkle? Letzteres hat freilich Vorteile. Wenn einem vor dem Einschlafen etwas in den Sinn kommt, kann man noch geschwind googeln; am frühen Morgen gleich whatsappen oder die neuen (Spam)-Mails checken; vor allem aber einen Blick aufs Wetter werfen und sich schon mal Gedanken machen, was man aus dem Kleiderschrank nimmt. Nicht zuletzt hat man das Smartphone aber für Notfälle sofort griffbereit. Aber ist das alles gut?

In jüngster Zeit schlafe ich zunehmend schlecht, leicht, wache mehrfach auf und morgens quält mich eine Unruhe, lange bevor der Wecker sich einmischt. Ob es an der modernen Kommunikationstechnik liegt? Den damit verbundenen Strahlen? Oder ist es nur der vermeintlich drängende Griff nach dem Smartphone, um was auch immer zu prüfen, und somit wertvolle Schlafenszeit zu verlieren?

Umdenken! Das Smartphone gehört nicht ins Schlafzimmer; ebenso wenig wie der Fernseher! Wohl jeder Mediziner würde dies unterschreiben. Und früher ging's doch auch. Gönnen wir uns wenigstens nachts eine Smartphone-freie Zeit. Ich probier's. Meinem Wohlbefinden zuliebe.

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Samstag, 10. Februar 2018 von Volker Bitzer

Andere Länder, andere Sitten

Reisen bildet. Nicht nur durchs Erkunden fremder Länder und Kulturen, sondern auch dank spannender Begegnungen mit Touristen selbst. Nachhaltig sind meine jüngsten Erlebnisse mit anderen Reisenden in der sächsischen Landeshauptstadt.

Im Hotelaufzug ein asiatisches Paar und ein Handwerker des Hotels. Nach außen freundlich, wie man in Fernost nun einmal ist, loben die Weitgereisten gegenüber dem Einheimischen: „Dresden ist eine sehr schöne Stadt!“ Ob sie denn schon viel gesehen haben, möchte der Angestellte wissen? Ruckzuck die Antwort, garniert mit einem Lächeln: „Nein, aber wir haben jetzt zwei Stunden Zeit dafür“. Als die Chinesen, Japaner oder Koreaner – was auch immer – den Fahrstuhl verlassen haben, müssen der Handwerker und ich nur lachen und der Hotelmann kommentiert: „Ja, so kennt man sie halt, alles im Schnelldurchlauf“.

Einige Minuten später im Frühstücksraum: Am Tisch neben mir sitzt ein älteres, amerikanisches Paar. Sie versucht sich an einem Mohnweckle. Von zu Hause offenbar nur das schaumstoffweiche Einheitsgummibrot gewohnt, scheint der Dame die gute deutsche Semmel mit den bläulich-anthrazitfarbenen Körnern nicht geheuer zu sein. Während sie nach dem Aufschneiden den unteren (körnerlosen) Teil noch verspeist, grubelt sie von der anderen Hälfte das Innere heraus, formt es zu kleinen Teig-Bäuschchen und schmiert Butter und Marmelade drauf.

Guten Appetit!

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Dienstag, 30. Januar 2018 von Volker Bitzer

Solidarität auf andere Weise

Es ist ein uraltes Gesetz: Wer mehr bezahlt, bekommt mehr. Meistens jedenfalls. Und so sollte es auch sein.

Wer für seinen Flug mehr berappt, der sitzt im bequemeren Business-Bereich anstatt in der engen Holzklasse. Ähnlich ist es auch bei unserem Gesundheitssystem. Wenn ein Privatversicherter seinem Arzt fast das Doppelte oder teilweise auch dreieinhalbfache für die exakt gleiche Behandlung bezahlen muss wie für einen gesetzlich Versicherten abgerechnet wird, dann sollte er doch auch einen gewissen Vorteil erwarten dürfen. Oder nicht? Dieser liegt im ambulanten Bereich – und fokussieren wir mal nur auf diesen – bisweilen bei schnelleren Terminen. Aber auch nur vielleicht. Und vor allem nicht bei allen Ärzten. Das Notfälle Vorrang haben müssen, versteht sich von selbst – gleich welche Kasse.

Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass nicht wenige Ärzte oder Krankenhäuser generell keinen Unterschied machen, wenn es um Standardtermine geht. Hingegen das höhere Honorar von den Privaten, das nehmen alle trotzdem gerne. Gleiches gilt übrigens für Physio-Behandlungen. Zweiklassen-Medizin – ein Streitthema für eine mögliche neue Groko – also mal aus anderem Blickwinkel.

Der SPD-Vorschlag, das Arzthonorar zu vereinheitlichen, kann also auch jeder Private nur begrüßen. Er zahlt dann für die gleiche Behandlung nicht das mehrfache. Übrigens nicht selten aus eigener Tasche. Wie sich eine Vereinheitlichung aber auf das gesamte Gesundheitssystem auswirkt, wird sich zeigen. Ein befreundeter Orthopäde sagte mir mal: „Ohne das höhere Honorar der Privatversicherten können in Praxen viele sehr teure medizinische Apparate gar nicht gekauft werden. Diese kommen aber allen Versicherten zu Gute!“ Solidarität vor Ort also!

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Freitag, 23. September 2016 von Volker Bitzer

Ein bisschen Rechnen, bitte

Die Deutschen werden, auf gut deutsch, augenscheinlich zunehmend dümmer. Immer weniger junge Leute können korrekt schreiben. Geschweige denn gut lesen. Das offenbarte eine jüngst veröffentlichte Studie über das gegenwärtige Bildungsniveau in Relation zu früheren Analysen. Was einst also allenfalls „Mittlere Reife“-Prüfung war, ist heute schon Abitur premium?

In diese Schublade passt auch eine Beobachtung, die ich unlängst in einem Einzelhandelsgeschäft machte: „Aushilfe für den Verkauf gesucht“steht auf dem Schild, das an der Auslagentheke hängt. Unter diesem Jobangebot wird aufgeführt, welche Qualitäten ein möglicher Interessent bitteschön auch mitbringen möge. Ins Auge sticht in der Aufzählung, fett mit dem „Edding“ hervorgehoben: „einfache Rechenkenntnisse!“. Aha. Zählen bis zehn? Kleines Einmaleins? Tadelloses addieren oder subtrahieren bis in den mittleren zweistelligen Bereich? Beinahe hätte ich laut hinaus gelacht, als ich diese außergewöhnlich harte Anforderung an Bewerber las. Dabei ist lachen gar nicht angebracht. Hält das Plakat doch in erschreckender Weise der Generation Pisa den Spiegel vor. Wo es offenbar schon eine Leistung sein muss, bei einem Zahlbetrag von sechs Euro fuffzig korrekt auf einen Zwanziger heraus zu geben.

Einfache Rechenkünste eben.

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