Freitag, 23. September 2016 von Volker Bitzer

Ein bisschen Rechnen, bitte

Die Deutschen werden, auf gut deutsch, augenscheinlich zunehmend dümmer. Immer weniger junge Leute können korrekt schreiben. Geschweige denn gut lesen. Das offenbarte eine jüngst veröffentlichte Studie über das gegenwärtige Bildungsniveau in Relation zu früheren Analysen. Was einst also allenfalls „Mittlere Reife“-Prüfung war, ist heute schon Abitur premium?

In diese Schublade passt auch eine Beobachtung, die ich unlängst in einem Einzelhandelsgeschäft machte: „Aushilfe für den Verkauf gesucht“steht auf dem Schild, das an der Auslagentheke hängt. Unter diesem Jobangebot wird aufgeführt, welche Qualitäten ein möglicher Interessent bitteschön auch mitbringen möge. Ins Auge sticht in der Aufzählung, fett mit dem „Edding“ hervorgehoben: „einfache Rechenkenntnisse!“. Aha. Zählen bis zehn? Kleines Einmaleins? Tadelloses addieren oder subtrahieren bis in den mittleren zweistelligen Bereich? Beinahe hätte ich laut hinaus gelacht, als ich diese außergewöhnlich harte Anforderung an Bewerber las. Dabei ist lachen gar nicht angebracht. Hält das Plakat doch in erschreckender Weise der Generation Pisa den Spiegel vor. Wo es offenbar schon eine Leistung sein muss, bei einem Zahlbetrag von sechs Euro fuffzig korrekt auf einen Zwanziger heraus zu geben.

Einfache Rechenkünste eben.

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Samstag, 10. September 2016 von Volker Bitzer

Genesen ist wie Schlittenfahren

Unser Tagebuch an dieser Stelle erfreut sich gemeinhin großer Beliebtheit bei unseren Lesern. Gerade die Meinungsvielfalt der Kollegen gibt dieser Rubrik ihre jeweils sehr persönliche Note. Von mir haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle schon sehr lange nichts mehr entdeckt. Der ein oder andere mag sich darob vielleicht sogar gewundert haben. Der Grund ist ein simpler: eine krankheitsbedingte Auszeit. Deutlich länger als vorgesehen dauerte (und dauert noch) die Genesung nach einem orthopädischem Eingriff. Allen ärztlichen Prophezeiungen zum Trotz offenbarte sich mir sehr nachdrücklich, dass die Dauer einer Reha-Phase kaum planbar ist. Nicht im Traum hätte ich an eine so lange Absenz vom Redaktionsalltag gedacht. Aber nicht Terminkalender oder „Götter in Weiß“ geben den Rhythmus vor, sondern der eigene Körper. Dies direkt zu spüren ist – ob all der einher gehenden Einschränkungen im Nachklang der OP – auch eine wertvolle Erfahrung. Und es erinnert mich an ein Sinnbild, das mir einst ein Lehrer mit auf den Weg gegeben hat und in vielfältiger Weise im Leben anwendbar ist: Ruckzuck ist man mit dem Schlitten den Berg hinab gefahren. Um mit eigener Kraft aber wieder nach oben zu kommen, bedarf es großer Anstrengungen und Geduld.

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Mittwoch, 25. Mai 2016 von Volker Bitzer

Abstellgleis spart Geld

Die Straße entlasten, die Schiene belasten – Das ist grundsätzlich der richtige Gedanke. Zuvorderst beim Güterverkehr, um die Armada an schleichenden Lastwagen zu stutzen. Auch der Personenverkehr kann aufs Gleis; an Orten, wo es sich anbietet. Vor allem aber echter Bedarf gegeben ist. Nicht im so genannten vordringlichen Bedarf ist laut Bundesverkehrswegeplan 2030 nun die Zollernbahn. Gemeint ist damit in aller Regel die Hauptverbindung zwischen Tübingen und Aulendorf. Nicht der kleine Abzweiger Talgangbahn. Auch wenn eine aktive Gruppe diesen Wurmfortsatz immer wieder gerne hoch lobt. Argumentiert wird meist mit einem besonders günstigen Kosten-Nutzen-Saldo. Laut gutachterlicher Betrachtung. Dabei weiß jeder, dass das Papier von Gutachten sehr geduldig ist.

Natürlich wohnen im Talgang zirka 20 000 Bürger, die entscheidende Frage ist nur, wie viele davon überhaupt bereit wären, in eine künftige Talgangbahn zu steigen. Denn auf Zubringerbusse zum Bahngleis von den weiter entfernen Wohngebieten kann gar nicht verzichtet werden. Ergo können diese Busse auch gleich die paar Minütchen weiterfahren zum Knotenpunkt nach Ebingen. Davon ausgehend, dass also abgesehen von Schülern, nur die wenigsten Talgänger ihr Auto zugunsten des innerörtlichen Bahn-ÖPNV in der Garage stehen lassen würden: Ist es aus diesem Blickwinkel nicht einleuchtend, dass das Gespann Zollernbahn/Talgang-Anhängsel den vordringlichen Bedarf verfehlt?

Interessant wäre folglich ein echtes Meinungsbild der wahlberechtigten Albstädter Bürger zur Talgangbahn. Sehr gut vorstellbar, dass bei einem Bürgerentscheid – sofern er überhaupt das Quorum erreicht – am Ende ein noch größerer Aha-Effekt zu Buche steht als 2011 für die Gegner von Stuttgart 21. Nicht vergessen: ein nachgewiesener Nicht-Bedarf spart immens viel Steuern. Also Geld. Geld, das Bund, Land und Kommunen für viele sinnvolle Dinge ausgeben können.

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Mittwoch, 18. Mai 2016 von Volker Bitzer

Bärendienst für die Hygiene

Viele Keime und Erreger und somit Krankheiten werden sehr häufig durch persönliche Kontakte direkt von Mensch zu Mensch übertragen. So beispielsweise beim Händeschütteln. Nicht von ungefähr ist es in vielen Ländern Asiens Sitte, zum Gruß nur die Hände vor der Brust zu falten, anstatt sie dem Gegenüber zu reichen.

Eine Gefahrenquelle, sich ungewollt anzustecken, ist auch in vielen Lebensmittelgeschäften gegeben. Nehmen wir mal den Bäcker. Die Verkäuferin packt Weckle ab, schneidet Brot, schmiert Brezeln…. und immer zwischendurch nimmt sie Geld an und gibt Wechselgeld raus – das bereits durch unzählige Hände ging. In vielen Bäckerläden, vor allem in Filialen der größeren Backhäuser, trifft man deshalb seit geraumer Zeit auf Verkäuferinnen, die mit Zangen bewaffnet die Waren fassen und eintüten. Oder aber sie tragen spezielle Handschuhe. Saubere Sache.

Dumm nur, wenn in betrieblicher Hektik, einem Laden voll mit Leuten oder gar drängelnden Kunden, die Verkäuferinnen gar nicht dazu kommen, fortwährend die Handschuhe an- und auszuziehen. Dann wechselt das liebe Geld halt per Handschuh den Besitzer. Leider ebenso die bösen Keime.

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Donnerstag, 28. April 2016 von Volker Bitzer

Ein Tag ohne Smartphone...

Geht das überhaupt? Diese Frage beschäftigt mich, als ich dieser Tage am Morgen auf der Fahrt in die Redaktion mit Schrecken feststelle, dass ich das gute Teil zu Hause vergessen habe. Weil fast am Ziel, lohnt sich ein Umkehren nicht mehr. Okay. Also keine Whats-App-Botschaften lesen; keine privaten Emails checken in der Mittagspause; keine aktuellen Nachrichten vom Weltgeschehen empfangen; nicht prüfen, ob und wie sich in wenigen Stunden das Wetter dreht; im Ungewissen bleiben, wo gerade der Sprit am billigsten ist; nicht wissen, welche Flugzeuge gerade über meinem Kopf von wo nach wohin fliegen. Ja, nicht einmal Telefonieren ist möglich, wobei das ja eh zu vernachlässigen ist. Abgeschnitten von der Welt? Und das mitten in der Zivilisation. Undenkbar.

Der Tag vergeht jedoch wie jeder andere. Und abends wieder zu Hause, stelle ich staunend fest: Wichtige Mails kamen nicht, eine SMS wollte mir eh keiner schicken, das Wetter ist ohnehin beständig (schlecht), tanken musste ich nicht, die Weltnachrichten gab es auf dem Computer.

Also doch: Es geht auch ohne Smartphone. Wobei ich allerdings schon gerne gewusst hätte, welchen Flieger ich während des Mittags-Espresso erblickte: Ob der wohl nach Zürich oder ins ferne Johannesburg unterwegs war?

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