Samstag, 6. Februar 2010 von Volker Bitzer

Im Winter ist David Goliath

Verkehrte Welt, doch so spielt halt das Leben: Im Winter sind die Kleinen die Größten. Das ist jetzt weniger auf kleinwüchsigere Zeitgenossen gemünzt, als vielmehr auf unsere vierrädrigen Begleiter. Dank Schnee, Matsch und Eisglätte (und obendrein kommunalem Salzmangel) können Kleinwagen-Fahrer derzeit so richtig auftrumpfen. Während viele Sportwagen und große Karossen – vornehmlich noch jene mit drehfreudigem und im Sommer unschlagbaren Hinterradantrieb – nur mühsam die Straßen auf die Höhenlagen erklimmen, grinsen einem die Automobilisten von Polo & Co. bisweilen fast schon schelmisch entgegen. Dann, wenn sie mit anscheinender Genugtuung und ihren 60 Pferdestärken zügig an den turbogetriebenen und/oder PS-protzenden Boliden vorbei fahren als wäre es Sommer. Bei extremen Straßenverhältnissen nutzen den bemitleidenswerten Stark-Motorisierten oftmals weder beste Winterreifen oder der obligate Sandsack im Kofferraum, noch DTC, ESP und andere elektronischen Helferlein. Und nein, es liegt bestimmt auch nicht an mangelndem fahrerischen Können. Schuld ist einzig und allein das Wetter.

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Donnerstag, 21. Januar 2010 von Volker Bitzer

Gute Vorsätze antizyklisch

Sie wollen endlich auch mehr Sport treiben? Weniger Schokolade während des abendlichen Fernsehvergnügens naschen? Sich vielleicht endlich das lästige Rauchen abgewöhnen? Oder was sonst sind Ihre persönlichen guten Vorsätze für das neue Jahr? Und wie sieht es nun aus nach den ersten verstrichenen Wochen 2010 – noch im Spiel oder sind die hehren Vorhaben schon wieder bei den Akten? Ein Großteil der Deutschen soll, so kam mir neulich zu Ohren, bereits nach weniger als einem Monat einknicken. Überhaupt nicht schlimm wäre dies, wenn man es handhabt wie ein besonders pfiffiger Zeitgenosse aus meinem Bekanntenkreis. Seine guten Vorsätze für 2010 lauten: „Bewusst keine guten Vorsätze!“. Also nicht im Sinne von „sich einfach nichts vornehmen“, sondern im Sinne von „gezielt keinerlei Vorsätze umsetzen“. Klingt jetzt vielleicht etwas verwirrend, beim genauen Drübernachdenken ist es aber stimmig und obendrein ein für den Betroffenen sehr schmeichelhaftes Procedere. Auf diese Weise durchzuhalten ist recht einfach. Und breche ich trotzdem mit meinen Vorsätzen, muss ich nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben. Ganz im Gegenteil.

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Mittwoch, 9. Dezember 2009 von Volker Bitzer

Knigge à la Fernost

Händeschütteln ist ungesund. Gerade in der kalten Jahreszeit, wenn Viren und Bakterien bei ihrer aggressiven Ausbreitung noch leichteres Spiel haben. Längst ist bekannt, dass viele Infektionen – von echter Grippe wollen wir jetzt gar nicht erst reden – häufig per Handschlag weiter gereicht werden. Im wahrsten Sinne im Hand-Umdrehen sind wir somit Kompagnions der winzigen Übeltäter. Aber sollen wir deswegen unseren Mitmenschen gegenüber unhöflich sein? Verzichten auf das Shake-Hands, gleich ob auf geschäftlicher oder privat-freundschaftlicher Ebene? Eine Lösung, sowohl die Etikette zu wahren und sich und andere dennoch vor ungewollten Viren zu schützen, könnte die asiatische Variante sein. So ist es in Fernost – nach originärer Ländersitte zumindest – eher unüblich, sich die Hand zu schütteln. Stattdessen faltet man die eigenen Hände und nickt sich freundlich zu. Und dass dieser Asia-Stil noch weitere unnahbare Vorteile mit sich bringt... ebenfalls nicht von der Hand zu weisen!

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Samstag, 21. November 2009 von Volker Bitzer

Unrecht nicht mehr zeitgemäß

Das Leben ist ungerecht. Wie treffend diese Aussage ist, kann sicherlich jeder für sich immer wieder aufs Neue und in seinem ganz persönlichen Bereich feststellen. Eine große gesellschaftliche Ungerechtigkeit ist in der heutigen Zeit aber der Wehr- und Ersatzdienst, zu dem junge Männer einberufen werden. Nicht nur, dass die einseitig männliche Staatspflicht (wo bleibt hier die Emanzipation der Frau?) unerträglich ist, auch kann mittlerweile von Wehrgerechtigkeit keine Rede mehr sein. War es bis vor 20 Jahren noch der Großteil eines Jahrgangs, der einberufen und eines nicht unbeträchtlichen Teil seines Lebens „beraubt“ wurde; so kommen doch heute die meisten „ungeschoren“ davon. Ist das gerecht? Oder verfassungswidrig? Ein weiteres Unding war, dass die Zivis über Jahrzehnte hinweg länger dienen mussten als ihre „Kollegen an der Waffe“. Es war also nicht nur längst überfällig, dass Zivis und Soldaten die gleiche Dienstzeit haben, sondern es wäre nun an der Zeit, die Wehrpflicht abzuschaffen oder auszusetzen. Oder aber gleichberechtigerweise eine allgemeine Dienstpflicht für Mann und Frau zu etablieren. Weil das grundgesetzlich aber schwierig wird und zudem die Zivis als billige Arbeitskräfte angeblich so dringend benötigt werden, wagt sich jeder Politiker nur zaghaft an solche Aufgaben. Dabei kann die Rechnung ganz anders aussehen, wenn man die Zahlen des jüngsten ZDF-Berichts in „Frontal 21“ bewertet: Demnach könnten für die Kosten der aktuell 75 000 Zivis 40 000 regulär Beschäftigte im sozialen Bereich eingestellt werden. Ein Stück Ungerechtigkeit wäre aus der Welt, die Qualität der Versorgung verbessert und die Arbeitslosenquote reduziert.

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Samstag, 17. Oktober 2009 von Volker Bitzer

Städten geht das Geld aus

Nach und nach bekommen die Kommunen die Auswirkungen der Finanzkrise richtig schmerzhaft zu spüren. Schuld sind vor allem die drastischen Einbrüche bei der Gewerbesteuer. Haushaltssperren und Nachtrags-Haushalte fürs laufende Jahr sind an der Tagesordnung. Der Rotstift regiert in den Kämmereien, Projekte werden geschoben oder gleich ganz gestrichen. Als eine der ersten Städte im Kreis legte die Stadt Albstadt gestern ihre gegenwärtige Finanzlage offen und die ist „katastrophal“, um mit einem Wort von Stadtkämmerer Gerd Pannewitz zu sprechen. Die so genannte Steuerkraftsumme der größten Stadt im Landkreis geht um 27 Prozent zurück. Hier zeigt sich einmal mehr die konjunkturabhängige Prägung der Industriestadt Albstadt. Zum Vergleich: Die Nachbarstädte Balingen und Hechingen sollen hier je nur rund zehn Prozent zu verschmerzen haben. Albstadt schlachtet nun sein Sparschwein, kommt aber bei fehlenden 16,2 Mio. im Haushalt 2009 dennoch um immense Neuschulden nicht herum. Mehr oder weniger geht es fast allen Gemeinden gleich. Ihre Bürger dürfen sich also auf karge Jahre einstellen. Es ist ganz simpel: Wo kein Geld ist, kann auch keines ausgegeben werden. Und so manche überzogenen Wünsche aus vielen Bürgerecken gehören aufs Abstellgleis. Sie sind nicht mehr zeitgemäß vor dem Hintergrund, dass sie nur auf Pump und somit auf Kosten künftiger Generationen verwirklicht werden könnten.

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