Samstag, 17. Oktober 2009 von Volker Bitzer

Städten geht das Geld aus

Nach und nach bekommen die Kommunen die Auswirkungen der Finanzkrise richtig schmerzhaft zu spüren. Schuld sind vor allem die drastischen Einbrüche bei der Gewerbesteuer. Haushaltssperren und Nachtrags-Haushalte fürs laufende Jahr sind an der Tagesordnung. Der Rotstift regiert in den Kämmereien, Projekte werden geschoben oder gleich ganz gestrichen. Als eine der ersten Städte im Kreis legte die Stadt Albstadt gestern ihre gegenwärtige Finanzlage offen und die ist „katastrophal“, um mit einem Wort von Stadtkämmerer Gerd Pannewitz zu sprechen. Die so genannte Steuerkraftsumme der größten Stadt im Landkreis geht um 27 Prozent zurück. Hier zeigt sich einmal mehr die konjunkturabhängige Prägung der Industriestadt Albstadt. Zum Vergleich: Die Nachbarstädte Balingen und Hechingen sollen hier je nur rund zehn Prozent zu verschmerzen haben. Albstadt schlachtet nun sein Sparschwein, kommt aber bei fehlenden 16,2 Mio. im Haushalt 2009 dennoch um immense Neuschulden nicht herum. Mehr oder weniger geht es fast allen Gemeinden gleich. Ihre Bürger dürfen sich also auf karge Jahre einstellen. Es ist ganz simpel: Wo kein Geld ist, kann auch keines ausgegeben werden. Und so manche überzogenen Wünsche aus vielen Bürgerecken gehören aufs Abstellgleis. Sie sind nicht mehr zeitgemäß vor dem Hintergrund, dass sie nur auf Pump und somit auf Kosten künftiger Generationen verwirklicht werden könnten.

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Freitag, 18. September 2009 von Volker Bitzer

Die Arztpraxis als Wahlbüro

Als ich neulich in einer Facharztpraxis einen Untersuchungs-Termin holte und ein paar Minütchen warten musste, staunte ich nicht schlecht. Die medizinischen Poster an der Wand, die für gewöhnlich in Praxen hängen und über irgendwelche Gefahren aufklären und mögliche Behandlungsmethoden aufzeigen, musste man beinahe suchen. Augenfällig statt dessen genauso große Plakate, die sich mit dem deutschen Gesundheitssystem, dessen Reform, irgendwelcher politischer Ziele und der Ängste vieler Fachärzte, durch die Politik geknebelt zu werden, auseinander setzten. Auch auf dem Tresen lagen schriftlich Hinweise, welche Partei welche schlimmen Dinge den Ärzten und somit auch Patienten antun will. Konkret wurden sogar politische Farbenspiele gezeigt, welche den Patienten (oder den Ärzten?) nur schaden könne. Oder welche Partei-Buchstaben gar die beste Wahl sein könnten. Politische Meinung ist in Deutschland durchaus erwünscht. Aber so dezidiert? Der Arzt als Wahlhelfer? Ärztliche Berufsverbände als Steigbügelhalter bestimmter politische Gruppen? Zumindest ein großes Fragezeichen sei hier erlaubt.

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Mittwoch, 9. September 2009 von Volker Bitzer

Eheglück ohne Schnapszahl

Heute ist wieder ein markantes Datum: 09-09-09! Eigentlich doch wieder ein idealer Tag für ein außergewöhnliches Vorhaben? Heiraten zum Beispiel. Auf diese Idee kamen in Albstadt drei vermählungswillige Pärchen. Eines heiratet im Ebinger, zwei im Tailfinger Standesamt. Nur drei? Haben solche Schnapszahl-Tage ihren Reiz verloren? Sieht jedenfalls ganz danach aus. Waren es am 9.9.99 – zugegeben ein noch prägnanteres Datum – allein in Tailfingen 14 Trauungen. Der große Ansturm auf solche Tage bleibt in Albstadt zunehmend aus, das zeigte sich schon im vergangenen Jahr, am 08.08.08. Eine Ursache dafür, so sagt die Standesbeamtin, ist, dass der Termin unter der Woche liegt. Hoch im Kurs fürs Eheglück stünden in Albstadt die Samstags-Trauungen. Naja – dafür also verzichten die jungen Leute auf ein schönes Datum in ihrer Heiratsurkunde. Dabei hätte die Schnapszahl doch auch den nicht zu unterschätzenden Vorteil einer Gedankenstütze: Selbst vergessliche Ehemänner würden – auch nach noch soviel Jahren an der Seite ihrer Liebsten – den obligaten Blumenstrauß für den Hochzeitstag bestimmt nicht mehr vergessen.

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Mittwoch, 12. August 2009 von Volker Bitzer

Aalglatte Politiker

Jetzt strahlen sie uns bald wieder entgegen, lachen einem auf der Straße von überdimensionierten Plakaten aus zu: All die Politikerinnen und Politiker. Fast faltenlos und knitterfrei werben sie um die Programme ihrer Partei. Wie frisch aus dem Ei gepellt und mit einer Haut wie ein Baby-Popo buhlen sie um unsere Wählerstimme. Keine Frage: Schminken und Verschönern ist erlaubt. Bei dem ein oder anderen plakatierten Konterfei kommt man allerdings nicht nur ins Staunen über die Fähigkeiten einer offenbar begnadet guten Visagistin, sondern fühlt sich beinahe schon verschaukelt. Und zwar von den fotografischen „Schminkern“ am PC-Bildschirm. Dank „Photoshop“ wird da selbst ein Guido Westerwelle – von dokumentarischen Tagesbildern kennen wir seine etwas kraterhafte Gesichtshaut – per Mausklicks problemlos glatt gebügelt. Und eine puppig dargestellte Frau Bundeskanzlerin ohne Sorgenfalten im Gesicht vermittelt doch fast schon einen weltfremden Eindruck? Wir als Wähler dürfen derweil ganz ungeschminkt der Frage nachgehen, wie vertrauenswürdig Personen sind, die nicht mal auf Bildern ihr reales Gesicht zeigen.

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Donnerstag, 6. August 2009 von Volker Bitzer

So klein ist die Welt

Die Unglücks-Kette scheint nicht abzureißen: Schon wieder sorgt ein Flugzeugunfall für Schlagzeilen. Dieses Mal in Thailand, auf der Urlaubsinsel Ko Samui. Unweigerlich werde ich hellhörig, als ich diese Neuigkeit vernehme. Sofort werden Erinnerungen wach an die eigene Südostasien-Reise vor einigen Jahren. Denn im Rahmen dieser Tour führte auch mein Weg zum Baden und Ausspannen auf das beliebte Eiland im Golf von Thailand. Mit ihrem herzigen kleinen Flugplatz. Wo die Abfertigung in einem ringsum offenen Holz-Haus mit mechanischen Kofferwagen von statten geht. Wo nur kleinste Düsenjets, meist aber die wunderschönen, bunt-bemalten Turbo-Prop-Flieger von Bangkok Airways landen können. Ein solches – mit der Registrierung HS-PGL – schlidderte jetzt in den still gelegten Kontrollturm; wie durch ein Wunder kam nur der Pilot ums Leben. Spontan krame ich abends in meinen Urlaubsfotos von damals. Finde natürlich ein Bild des Propeller-Flugzeugs. Bevor ich in einen Flieger steige, mach ich immer gerne ein Foto davon. So auch damals in Thailand. Es stockt kurz mein Atem, als mir plötzlich die Kennung „meines Fliegers“ ins Auge sticht: HS-PGL. Tatsächlich bin ich einst nicht nur mit der gleichen Maschine, sondern derselben geflogen. Das Unglück macht nun doppelt betroffen.

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