Mittwoch, 22. November 2017 von Pascal Tonnemacher

Wo ist das Vertrauen?

Als die FDP am Montag die Jamaika-Koalition platzen ließ, hatte sie gleich auf allen Kanälen die passende Grafik zur Hand: „Lieber nicht regieren als falsch.“ Damit wurden sie schnell zum Gespött des Internets. Lindnern, angelehnt an FDP-Chef Christian Lindner, wurde zur Wortneuschöpfung für „das Zurückziehen von einer gemeinsam geplanten Gruppenaktivität zum spätest möglichsten Zeitpunkt“. Dazu kam, dass die Grafik bereits viele Tage vor dem Abbruch der Gespräche erzeugt worden sein soll. Der Dateiname beinhaltete das Datum „171118“, den Donnerstag vor dem Abbruch. Witzig, kurios – Schweinerei? Der Dateiname kann beliebig geändert werden, die Datei kann aber auch einfach vorab angelegt worden sein. Die FDP, bekannt für ihre professionelle Social-Media-Strategie, wird eine Agentur für die Grafiken beschäftigt haben. Und die wird – wie andere Parteien sicher auch – für alle Fälle vorgesorgt haben: Denn am Tag nach dem mutmaßlichen Erstellen der Datei sollte die Sondierung beendet sein. Nun präsentierte die FDP zwei weitere Grafiken, die zeitgleich erzeugt worden sein sollen – mit positiver Nachricht. Sind die nun wirklich parallel entstanden? Oder hat die FDP die Gespräche absichtlich platzen lassen, nie Interesse an einer Regierungsbeteiligung und wollte Merkel stürzen? Argumente und Grund zur Kritik an der FDP gibt es sicher, ein Dateiname ist aber kein Skandal.

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Samstag, 18. November 2017 von Pascal Tonnemacher

Die Jugend vong heute

Serwus, i bims, liebe Leser. Ne, der Tonnemacher, der hat sich gerade nicht vertippt. Das nennt sich Jugendsprache und ist im Internet auch bei Menschen jenseits der 18 beliebt oder zumindest bekannt. Ach, die Jugend von heute, werden Sie jetzt sicher denken. Nene, vong heute, bitte. Vong Korrektigkeit her ist das besser. Denn das „von“ zum „vong“ zu machen ist genau so Trend wie I bims zu sagen. Vielleicht nicht, wenn der Chef anruft.

Diese Art des Schreibens hat definitiv Einzug in den Alltag gehalten – und I bims ist vom Langenscheidt-Verlag zum Jugendwort des Jahres 2017 gekürt worden (auch wenn es genau genommen zwei Wörter sind - Hi, i bims 1 Schlaumayer). Auch eine große Bank reagierte schon vor einem Jahr auf diesen Trend und postete auf ihren Kanälen: „Gönn Dir ist einfach. Wenn man 1 gute Bank hat vong Vorsorge her.“

Angefangen hat das Phänomen übrigens beim österreichischen Rapper Money Boy, der „vong ... her“-Konstruktionen und die „1“ für „ein/eine/einer“ benutzte. Massentauglich wurde das Ganze durch eine Facebook-Seite, die hässliche Bilder mit „nachdenklichen Sprüchen“ und jeder Menge „Rechtschreibfehler“ verzierte.

Kompliziert, doch wenn Sie sich unsicher fühlen und trotzdem artgerecht mit Nachfahren kommunizieren wollen: Unter vong-generator.com werden Ihre Texte in Vong-Texte übersetzt. „Räums d1 Zimer auf!“ steigert die Wahrscheinlichkeit, dass das Zimmer schlussendlich wirklich sauber ist, exorbitant.

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Donnerstag, 21. September 2017 von Pascal Tonnemacher

Mitbestimmen lassen?

Es ist ein viel- und heißdiskutiertes Thema: das aktive Wahlrecht. Es ist von vielen Ausnahmen und Regelungen geprägt; Kinder und Jugendliche dürfen in den meisten Fällen nicht wählen. Schüler durften jedoch schon des Öfteren in ihren Schulen eine inoffizielle Wahl abhalten. Herausgekommen ist dabei selten eine Kopie des echten Wahlergebnisses. Lohnt sich also das Mitbestimmen lassen? Können sie sich eine fundierte politische Meinung bilden? Sind es doch nicht nur Kopien der Meinungen der Eltern? Auch zuletzt durften Kinder und Jugendliche bei der U18-Bundestagswahl ihre Stimme abgeben. In bundesweit 1651 Wahllokalen nahmen rund 220 000 Kinder und Jugendliche teil. Separate Ergebnisse gibt es für Wahlkreise mit weniger als drei angemeldeten Lokalen jedoch nicht, darunter auch der Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen. Lediglich in Albstadt gab es eines von 161 Lokalen im Bundesland. Ach ja, das Ergebnis: Die CDU bleibt mit 8 Prozentpunkten weniger als in aktuellen Wahlumfragen oben auf. Darauf folgt die SPD, die rund 4 Prozentpunkte verliert. Die große Überraschung: Die Grünen landen mit über 16 Prozent auf Platz drei. Umfragen gehen derzeit von 8 Prozent für die Grünen aus. Die Linke würde es mit gut 8 Prozent, die AfD mit fast 7 Prozent und die FDP mit unter 6 Prozent in den Bundestag schaffen. Sie alle würden junge Stimmen verlieren.

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Freitag, 15. September 2017 von Pascal Tonnemacher

Hinfallen und Neues lernen

Was habe ich in den beiden vergangenen Jahren gelernt? Erst seit ich selbst kleine Menschen tagtäglich dabei beobachten darf, wie sie sich Woche für Woche in Riesenschritten weiterentwickeln, ist mir bewusst geworden: vergleichsweise gar nichts. Nicht nur im Hinblick darauf, bin ich außerordentlich stolz auf den Sprössling: schwierige erste Stunden, Essen gelernt, Operation überstanden, angefangen zu krabbeln, dann bald laufen gelernt, mit dem Kommunizieren klappt es mittlerweile auch so gut, dass man es fast Reden nennen könnte. Von niemand anderem kann man besser lernen, dass es in Ordnung ist auszuprobieren, hinzufallen, (kurz zu heulen,) und wieder aufzustehen. Die Liste könnte ich endlos fortsetzen. Jeder der dich kennt, ist begeistert von dir und wie du dich entwickelst. Und in diesem Jahr klappt das viele Geschenke auspacken bestimmt noch besser. Und das mit dem Lesen von Papas Tagebüchern wird sicher auch bald. In diesem Sinne: Alles Liebe und Gute zum zweiten Geburtstag, Großer!

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Mittwoch, 6. September 2017 von Pascal Tonnemacher

Achtung, Spinne!

Mit Kindern hat sich das selbstbestimmte Fernsehen für die Erwachsenen im Hause zu großem Teil erledigt. Das Programm wird von Maus, Elefant oder eben Schwein regiert. Eine dieser tierischen Sendungen ist Peppa Wutz. In dieser Kleinkindserie geht es um Peppa und ihre Familie. In einer nun berüchtigten Folge spielt Peppa mit ihrem kleinen Bruder Schorsch und ihrem Puppenhaus. Dann taucht plötzlich eine Spinne auf, die auf Herr Spaghettibein getauft wird. Doch bevor Sie kreischend Ihre Zeitung ins Altpapier werfen: Herr Spaghettibein ist von der lieben Sorte und möchte nur spielen. Papa Wutz beruhigt die kleine Peppa. Moral von der Geschicht': Sich vor Spinnen fürchten, muss man nicht. Da haben die britischen Macher die Rechnung aber ohne Australien gemacht. In Sachen Spinnen verstehen sie dort keinen Spaß, wimmelt es dort ja auch von giftigen und riesigen Exemplaren. Nach einer weiteren Ausstrahlung im australischen Fernsehen häuften sich die Beschwerden. Der Sender nahm die Folge schlussendlich aus dem Programm, verweist aber auf das nicht reale Aussehen der lächelnden Spinne, die mit zwei sprechenden Schweinen spielt. Schwierige Sache, denke ich. Einerseits sollten Kinder keine unbegründeten, möglicherweise anerzogene Ängste haben müssen. Andererseits würde ich die Kinder auch keine extrem giftige Rotrückenspinne zum Tee trinken ins Puppenhaus einladen lassen. Bilden Sie sich selbst Ihre Meinung, ich lausche jetzt einem blauen Elefanten, den muss ich in Deutschland ja nicht fürchten.

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