Donnerstag, 14. Dezember 2017 von Pascal Tonnemacher

Von Obama bis zu Nuggets

N utzer des Kurznachrichtendienstes Twitter setzen – wie in anderen sozialen Medien auch – auf prägnante, polarisierende und meist emotionalisierende Botschaften. Die beliebtesten und meistverbreitetsten Tweets folgen also dem alten Muster: kurz, knackig und klare Kante. Beispiele gefällig? In drei Worten und bester Nachrichtenmanier fasste Ex-US-Präsident Barack Obama den Tag seiner Wiederwahl Ende 2012 zusammen: „Four more years“ postete er zusammen mit einem Foto, auf dem er seine First Lady innig umarmt – knapp eine Million Menschen teilten den Tweet. Die US-amerikanische Band Linkin Park veröffentlichte im vergangenen Juli kommentarlos ein Bild von ihrem verstorbenen Sänger: Fast 800 000 Nutzer teilten den Tweet. Wohl noch emotionalisierender wurde es im Mai als Ariane Grande nach dem Selbstmordattentat bei ihrem Konzert in Manchester in wenigen Worten ihr Beileid bekundete: Über eine Million Mal wurde der Tweet geteilt, 2,6 Millionen Nutzer markierten dem Tweet der Sängerin mit einem Herz; er gefiel ihnen. Weniger traurig und herzzerreißend war der Tweet des Otto-Normal-US-Bürgers Carter Wilkerson: Er fragte die Fast-Food-Kette Wendy's im vergangenen April, wie oft sein Tweet geteilt werden müsste für ein Jahr Gratis-Chicken-Nuggets. „18 Millionen“ antworteten diese. Geschafft hat er das nicht, Pech gehabt. Doch Wilkerson schrieb mit 3,4 Millionen Retweets den meist geteilten Twitter-Post überhaupt. Es funktioniert also auch ganz ohne Tod, Terroranschlag oder US-Präsident. Denn leckeres Essen vereint die Welt.

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Mittwoch, 22. November 2017 von Pascal Tonnemacher

Wo ist das Vertrauen?

Als die FDP am Montag die Jamaika-Koalition platzen ließ, hatte sie gleich auf allen Kanälen die passende Grafik zur Hand: „Lieber nicht regieren als falsch.“ Damit wurden sie schnell zum Gespött des Internets. Lindnern, angelehnt an FDP-Chef Christian Lindner, wurde zur Wortneuschöpfung für „das Zurückziehen von einer gemeinsam geplanten Gruppenaktivität zum spätest möglichsten Zeitpunkt“. Dazu kam, dass die Grafik bereits viele Tage vor dem Abbruch der Gespräche erzeugt worden sein soll. Der Dateiname beinhaltete das Datum „171118“, den Donnerstag vor dem Abbruch. Witzig, kurios – Schweinerei? Der Dateiname kann beliebig geändert werden, die Datei kann aber auch einfach vorab angelegt worden sein. Die FDP, bekannt für ihre professionelle Social-Media-Strategie, wird eine Agentur für die Grafiken beschäftigt haben. Und die wird – wie andere Parteien sicher auch – für alle Fälle vorgesorgt haben: Denn am Tag nach dem mutmaßlichen Erstellen der Datei sollte die Sondierung beendet sein. Nun präsentierte die FDP zwei weitere Grafiken, die zeitgleich erzeugt worden sein sollen – mit positiver Nachricht. Sind die nun wirklich parallel entstanden? Oder hat die FDP die Gespräche absichtlich platzen lassen, nie Interesse an einer Regierungsbeteiligung und wollte Merkel stürzen? Argumente und Grund zur Kritik an der FDP gibt es sicher, ein Dateiname ist aber kein Skandal.

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Samstag, 18. November 2017 von Pascal Tonnemacher

Die Jugend vong heute

Serwus, i bims, liebe Leser. Ne, der Tonnemacher, der hat sich gerade nicht vertippt. Das nennt sich Jugendsprache und ist im Internet auch bei Menschen jenseits der 18 beliebt oder zumindest bekannt. Ach, die Jugend von heute, werden Sie jetzt sicher denken. Nene, vong heute, bitte. Vong Korrektigkeit her ist das besser. Denn das „von“ zum „vong“ zu machen ist genau so Trend wie I bims zu sagen. Vielleicht nicht, wenn der Chef anruft.

Diese Art des Schreibens hat definitiv Einzug in den Alltag gehalten – und I bims ist vom Langenscheidt-Verlag zum Jugendwort des Jahres 2017 gekürt worden (auch wenn es genau genommen zwei Wörter sind - Hi, i bims 1 Schlaumayer). Auch eine große Bank reagierte schon vor einem Jahr auf diesen Trend und postete auf ihren Kanälen: „Gönn Dir ist einfach. Wenn man 1 gute Bank hat vong Vorsorge her.“

Angefangen hat das Phänomen übrigens beim österreichischen Rapper Money Boy, der „vong ... her“-Konstruktionen und die „1“ für „ein/eine/einer“ benutzte. Massentauglich wurde das Ganze durch eine Facebook-Seite, die hässliche Bilder mit „nachdenklichen Sprüchen“ und jeder Menge „Rechtschreibfehler“ verzierte.

Kompliziert, doch wenn Sie sich unsicher fühlen und trotzdem artgerecht mit Nachfahren kommunizieren wollen: Unter vong-generator.com werden Ihre Texte in Vong-Texte übersetzt. „Räums d1 Zimer auf!“ steigert die Wahrscheinlichkeit, dass das Zimmer schlussendlich wirklich sauber ist, exorbitant.

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Donnerstag, 21. September 2017 von Pascal Tonnemacher

Mitbestimmen lassen?

Es ist ein viel- und heißdiskutiertes Thema: das aktive Wahlrecht. Es ist von vielen Ausnahmen und Regelungen geprägt; Kinder und Jugendliche dürfen in den meisten Fällen nicht wählen. Schüler durften jedoch schon des Öfteren in ihren Schulen eine inoffizielle Wahl abhalten. Herausgekommen ist dabei selten eine Kopie des echten Wahlergebnisses. Lohnt sich also das Mitbestimmen lassen? Können sie sich eine fundierte politische Meinung bilden? Sind es doch nicht nur Kopien der Meinungen der Eltern? Auch zuletzt durften Kinder und Jugendliche bei der U18-Bundestagswahl ihre Stimme abgeben. In bundesweit 1651 Wahllokalen nahmen rund 220 000 Kinder und Jugendliche teil. Separate Ergebnisse gibt es für Wahlkreise mit weniger als drei angemeldeten Lokalen jedoch nicht, darunter auch der Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen. Lediglich in Albstadt gab es eines von 161 Lokalen im Bundesland. Ach ja, das Ergebnis: Die CDU bleibt mit 8 Prozentpunkten weniger als in aktuellen Wahlumfragen oben auf. Darauf folgt die SPD, die rund 4 Prozentpunkte verliert. Die große Überraschung: Die Grünen landen mit über 16 Prozent auf Platz drei. Umfragen gehen derzeit von 8 Prozent für die Grünen aus. Die Linke würde es mit gut 8 Prozent, die AfD mit fast 7 Prozent und die FDP mit unter 6 Prozent in den Bundestag schaffen. Sie alle würden junge Stimmen verlieren.

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Freitag, 15. September 2017 von Pascal Tonnemacher

Hinfallen und Neues lernen

Was habe ich in den beiden vergangenen Jahren gelernt? Erst seit ich selbst kleine Menschen tagtäglich dabei beobachten darf, wie sie sich Woche für Woche in Riesenschritten weiterentwickeln, ist mir bewusst geworden: vergleichsweise gar nichts. Nicht nur im Hinblick darauf, bin ich außerordentlich stolz auf den Sprössling: schwierige erste Stunden, Essen gelernt, Operation überstanden, angefangen zu krabbeln, dann bald laufen gelernt, mit dem Kommunizieren klappt es mittlerweile auch so gut, dass man es fast Reden nennen könnte. Von niemand anderem kann man besser lernen, dass es in Ordnung ist auszuprobieren, hinzufallen, (kurz zu heulen,) und wieder aufzustehen. Die Liste könnte ich endlos fortsetzen. Jeder der dich kennt, ist begeistert von dir und wie du dich entwickelst. Und in diesem Jahr klappt das viele Geschenke auspacken bestimmt noch besser. Und das mit dem Lesen von Papas Tagebüchern wird sicher auch bald. In diesem Sinne: Alles Liebe und Gute zum zweiten Geburtstag, Großer!

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