Dienstag, 28. April 2015 von Michael Würz

Zensur!

Es ist der wohl häufigste Vorwurf, der uns in der Onlineredaktion erreicht: Zensur. Wenn wir, etwa auf der Facebookseite unserer Zeitung, Kommentare löschen, weil sie rassistisch sind oder einfach plump beleidigend, schimpfen die Verfasser oftmals sehr mit uns. Dabei gibt es gute Gründe, wieso wir immer wieder eingreifen. „Wo Meinungsfreiheit in Menschenfeindlichkeit umschlägt, muss es einen Konsens geben, dass derjenige, der diese Meinungsfreiheit für sich in Anspruch nimmt, auch mit einer entsprechenden Gegenreaktion konfrontiert wird“, sagte der Berliner Sprachforscher und Blogger Anatol Stefanowitsch jüngst im Deutschlandradio. Dazu gehöre auch, dass Verlage und Zeitungshäuser bestimmte Arten von Debatten einfach unterbänden. „Einfach“, sagt der Mann.

Wir seien nicht kritikfähig, hören wir dann häufig. Und überhaupt: Lügenpresse! Kollege Udo Stiehl, Nachrichtenmann beim WDR, empfahl im Januar: Zeigt den Lügenpresse-Rufern doch mal den Redaktionsalltag. Mir gefiel die Idee. Seither habe ich jene, die uns Zensur vorgeworfen, als Lügenpresse beschimpft oder mangelnde Kritikfähigkeit unterstellt haben, konsequent auf einen Kaffee eingeladen. Wie viele dieses Angebot annahmen, um sich selbst ein Bild von uns und unserer Arbeit zu machen, wollen Sie wissen? Bis heute nicht ein Einziger.

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Sonntag, 26. April 2015 von Michael Würz

Zensur!

Es ist der wohl häufigste Vorwurf, der uns in der Onlineredaktion erreicht: Zensur. Wenn wir, etwa auf der Facebookseite unserer Zeitung, Kommentare löschen, weil sie rassistisch sind oder einfach plump beleidigend, schimpfen die Verfasser oftmals sehr mit uns. Dabei gibt es gute Gründe, wieso wir immer wieder eingreifen. „Wo Meinungsfreiheit in Menschenfeindlichkeit umschlägt, muss es einen Konsens geben, dass derjenige, der diese Meinungsfreiheit für sich in Anspruch nimmt, auch mit einer entsprechenden Gegenreaktion konfrontiert wird“, sagte der Berliner Sprachforscher und Blogger Anatol Stefanowitsch jüngst im Deutschlandradio. Dazu gehöre auch, dass Verlage und Zeitungshäuser bestimmte Arten von Debatten einfach unterbänden. „Einfach“, sagt der Mann.

Wir seien nicht kritikfähig, hören wir dann häufig. Und überhaupt: Lügenpresse! Kollege Udo Stiehl, Nachrichtenmann beim WDR, empfahl im Januar: Zeigt den Lügenpresse-Rufern doch mal den Redaktionsalltag. Mir gefiel die Idee. Seither habe ich jene, die uns Zensur vorgeworfen, als Lügenpresse beschimpft oder mangelnde Kritikfähigkeit unterstellt haben, konsequent auf einen Kaffee eingeladen. Wie viele dieses Angebot annahmen, um sich selbst ein Bild von uns und unserer Arbeit zu machen, wollen Sie wissen? Bis heute nicht ein Einziger.

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Mittwoch, 11. März 2015 von Michael Würz

Freie Fahrt für freie Bürger?

Ein Aufschrei geht durch's Netz. Wir würden entmündigt, ist auf der Facebookseite ‚Achtung: Blitzer im Zollernalbkreis‘ zu lesen. Und ein weiterer Kommentator fordert ganz traditionell: freie Fahrt für freie Bürger. Auf der Facebookseite unserer Zeitung schimpft ein Leser: „Das Regierungspräsidium nimmt uns einen weiteren Teil unserer Freiheit.“ Nun.

Man kann darüber diskutieren, ob die Unfallstatistik das Tempolimit auf der Bundesstraße 27 hergibt. Dass die lärmgeplagten Anwohner schon lange Tempo 120 fordern, ist hingegen durchaus nachvollziehbar.

Aber unsere Freiheit? Die große Koalition denkt dieser Tage darüber nach, die Vorratsdatenspeicherung einzuführen – ohne die EU-Vorgaben abzuwarten. Sie haben nichts zu verbergen, werden Sie möglicherweise sagen. Und Sicherheitspolitiker werden nicht müde zu betonen, dass dabei ausschließlich Verbindungsdaten und beispielsweise keine Gesprächsinhalte bei Telefonaten aufgezeichnet werden.

Als ob es keine Aussage wäre, wenn Sie, sagen wir, die Telefonseelsorge anrufen oder uns, Ihre Zeitung, um uns einen Missstand bei Ihrem Arbeitgeber zu melden. Dann nämlich genießen Sie Informantenschutz. Das heißt: Wir dürfen unsere Quellen schützen, und als seriöse Journalisten tun wir das natürlich auch. Weil Sie in diesem Moment eben doch etwas zu verbergen haben – ganz ohne etwas verbrochen zu haben.

Politiker beschneiden seit geraumer Zeit unsere Bürgerrechte. Sie führen elektronische Personalausweise ein und pochen auf das Freihandelsabkommen TTIP; die Polizei fordert immer häufiger unter Juristen höchst umstrittene Rasterfahndungen und die meisten Menschen halten Massengentests offenbar für völlig unbedenklich. Doch wehe, jemand will so etwas Verrücktes einführen wie ein Tempolimit.

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Mittwoch, 11. Februar 2015 von Michael Würz

Ein schlechtes Stück Fernsehen

Ich habe eine Essstörung. Das jedenfalls habe ich am Sonntagabend gelernt, als Spiegel TV ausführlich über die angeblich essgestörte Republik berichtete. Der Reporter, dessen Arbeit die Kollegen aus Hamburg nun als irgendwie legitime Polemik verteidigen, hat sich ausgiebig über Vegetarier und Veganer lustig gemacht. So ein Veganer, daran ließ der Beitrag kaum Zweifel, ist schließlich eine Mischung aus esoterischem Guru und Hitler. Die Nazis etwa hätten im KZ Dachau an besonderen Kräutern experimentiert. Und Hitler, das weiß man ja, habe auch kaum Fleisch gegessen. Nun ist das erstens längst widerlegt (Hitler verzichtete höchstens aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch) und zweitens völlig belanglos. Macht aber nichts, zumindest nicht dem Spiegel-TV-Mann, der in seiner Reportage durch die „essgestörte Republik“ krampfhaft versucht, sich nur keine Gedanken über Ernährungsalternativen zu machen, wie ein Medienjournalist bei Twitter kritisch anmerkte.

Nicht dass wir uns falsch verstehen – ich kann als Veganer herzlich über Veganerwitze lachen, umarme üblicherweise keine Bäume, und Menschen in meinem Umfeld versichern mir regelmäßig, dass ich weit entfernt bin vom Körner fressenden Klischeeveganer. Warum ich trotzdem so verschnupft auf dieses Stück Fernsehen reagiere? Weil ich als Onlineredakteur seit Monaten unseren Berufsstand gegenüber Menschen verteidige, die Medien als System- oder Lügenpresse beschimpfen und glauben, dass Medien Meinungen manipulieren wollen. Das ist natürlich Unsinn. Aber eine vetrauensbildende Maßnahme war dieser Beitrag nicht. Ich kann die Aufregung darüber gut verstehen.

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Montag, 9. Februar 2015 von Michael Würz

Ein schlechtes Stück Fernsehen

Ich habe eine Essstörung. Das jedenfalls habe ich am Sonntagabend gelernt, als Spiegel TV ausführlich über die angeblich essgestörte Republik berichtete. Der Reporter, dessen Arbeit die Kollegen aus Hamburg nun als irgendwie legitime Polemik verteidigen, hat sich ausgiebig über Vegetarier und Veganer lustig gemacht. So ein Veganer, daran ließ der Beitrag kaum Zweifel, ist schließlich eine Mischung aus esoterischem Guru und Hitler. Die Nazis etwa hätten im KZ Dachau an besonderen Kräutern experimentiert. Und Hitler, das weiß man ja, habe auch kaum Fleisch gegessen. Nun ist das erstens längst widerlegt (Hitler verzichtete höchstens aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch) und zweitens völlig belanglos. Macht aber nichts, zumindest nicht dem Spiegel-TV-Mann, der in seiner Reportage durch die „essgestörte Republik“ krampfhaft versucht, sich nur keine Gedanken über Ernährungsalternativen zu machen, wie ein Medienjournalist bei Twitter kritisch anmerkte.

Nicht dass wir uns falsch verstehen – ich kann als Veganer herzlich über Veganerwitze lachen, umarme üblicherweise keine Bäume, und Menschen in meinem Umfeld versichern mir regelmäßig, dass ich weit entfernt bin vom Körner fressenden Klischeeveganer. Warum ich trotzdem so verschnupft auf dieses Stück Fernsehen reagiere? Weil ich als Onlineredakteur seit Monaten unseren Berufsstand gegenüber Menschen verteidige, die Medien als System- oder Lügenpresse beschimpfen und glauben, dass Medien Meinungen manipulieren wollen. Das ist natürlich Unsinn. Aber eine vetrauensbildende Maßnahme war dieser Beitrag nicht. Ich kann die Aufregung darüber gut verstehen.

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