Samstag, 30. April 2016 von Lydia Wania-Dreher

Om am ersten Mai

Mai ist der Monat der Feiertage: Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam und Vesakh. Kennen Sie letzteren? Mir war das bisher kein Begriff. Erst kürzlich habe ich zum ersten Mal von dem höchsten buddhistischen Fest gehört. Es wird dieses Jahr am 21. Mai von rund 375 Millionen Menschen auf der Erde gefeiert und erinnert an die Geburt, die Erleuchtung sowie das Erlöschen (der Austritt aus dem Kreislauf der Wiedergeburt) des Buddha Siddharta Gautama. Er gilt als der ursprüngliche Lehrer aller buddhistischen Traditionen. Daher wird an dem Fest bewusst nach Gemeinsamkeiten der verschiedenen Strömungen gesucht. Ein schöner Gedanke, finde ich. Das Fest soll außerdem zum Wohl aller Wesen stattfinden. In Nepal darf daher an diesem Tag kein Tier getötet und in vielen Ländern in Südostasien werden Vögel und andere Tiere freigelassen. Auch in Stuttgart feiern die buddhistischen Gruppen gemeinsam das Vesakh Fest. Sie kommen bereits am 1. Mai zusammen und feiern im Linden Museum. In dem Völkerkundemuseum finden an dem Tag öffentliche Vorträgen, Vorführungen, Meditationen und Workshops statt, die die Vielfalt der asiatischen Weltreligion aufzeigen. Vielleicht eine Alternative zu einer verregneten Ersten-Mai-Wanderung.

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Mittwoch, 23. März 2016 von Lydia Wania-Dreher

Auferstehung à la Qualle

Sachen gibt's, die gibt's gar nicht. Neulich rieb ich mir die Augen, als ich das las: Eine Qualle, die nicht stirbt, sondern sich immer wieder erneuert. Der italienische Biologe Ferdinando Boero hat diese Nesseltiere mit dem Namen Turritopsos Nutricula erforscht und fand heraus, dass sich die Qualle, wenn sie alt wird, auf den Meeresboden sinken lässt. Die Zellen verwandeln sich dann zurück in ihren ursprünglichen Zustand, quasi in den eines Embryos. Das ist wie wenn sich ein Schmetterling wieder verpuppen und noch einmal als Raupe leben würde. Anschließend beginnt das Meerestierchen wieder zu wachsen und lebt noch einmal von vorne. Dieser Vorgang wiederholt sich immer wieder. Faszinierend. Der Traum von der ewigen Jugend, vom Nachleben von Verpasstem, von einem Leben nach dem Tod wird plötzlich ganz greifbar. Bisher kannte ich solche oder ähnliche Vorgänge nur aus Fantasiefilmen oder aus der Bibel.

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Donnerstag, 17. März 2016 von Lydia Wania-Dreher

Endspurt in Richtung Ostern

In etwas mehr als einer Woche ist Ostern. Meine Tante, meine Oma und meine Mutter werden dann wieder gemeinsam ein mehrgängiges Festmahl kochen. Schon beim Gedanken daran, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Auch, weil ich seit vielen Jahren in der Fastenzeit auf bestimmte Dinge verzichte. Ganz bewusst gönne ich mir nicht alles. Doch in diesem Jahr war es irgendwie anders. Sonst hatte ich immer wieder Heißhunger auf ein paar knusprige Chips oder einen Keks mit Schokoladenüberzug. Dieses Mal verging meine Fastenzeit wie im Flug. Es gab nur sehr wenige Situationen, in denen ich den Verzicht wirklich spürte. Vielleicht faste ich das Falsche oder bin ich mittlerweile ein richtiger Profi in Sachen Verzicht? Ich weiß es nicht, aber nächstes Jahr möchte ich mal etwas Neues ausprobieren. Vielleicht ähnlich dem Vorschlag der ökumenischen Fastenaktion „Sieben Wochen mit“. Hier wird nichts weggelassen, sondern der eigene Konsum kritisch beäugt.

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Mittwoch, 9. März 2016 von Lydia Wania-Dreher

Studie am laufenden Band

An der Supermarktkasse werde ich zur Soziologin. Mit wachem Verstand wird die Umgebung gescannt. Einer nach dem anderen kommt dran.

Mein hochgewachsener Vordermann hat seine paar Sachen schon aufs Band gelegt. Wenig ergiebig, typisch Mittagspausler: ein Salat to go, Mehrkornbrötchen und Molkedrink mit Erdbeergeschmack. Interessanter ist da doch die junge Frau. Die hat wenigstens mengenmäßig etwas mehr zu bieten: Fünf-Korn-Flocken, Leinsamen und ungeschwefelte, gedörrte Aprikosen. Neben ihr liegt das halbe Naturkostregal. Dazu Bio-Hafermilch, wahrscheinlich hat sie eine Laktoseintoleranz. Natürlich darf das Sprossen-Anzucht-Set nicht fehlen. Meine Fantasie geht mit mir durch: Wahrscheinlich wird die Ökotante jetzt nach Hause gehen und eine ganze Armada an Mungbohnen großziehen. Von der Fensterbank aus werden die bleichen Stängel in Massen die Wände entlangwandern und so innerhalb kürzester Zeit die ganze Wohnung erobern. Das Sprossenimperium kann dann nicht mehr gestoppt werden.

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Samstag, 20. Februar 2016 von Lydia Wania-Dreher

Nachgebrabbelt, nicht gepaukt

Muttersprache – das ist etwas Schönes. Es hat so viel mit Heimat und Geborgenheit zu tun. Es sind die Wörter, die man in der frühen Kindheit ohne Unterricht erlernt. Einfach so durchs Nachbrabbeln. Ohne Grammatikpauken und Vokabeln lernen. Forscher gehen davon aus, dass nach der Pubertät keine andere Sprache mehr diesen Platz im Gehirn einnehmen kann. Die UNESCO findet dieses Gut schützenswert. Sie führte vor 16 Jahren den Internationalen Tag der Muttersprache am 21. Februar ein. Die Organisation möchte damit die sprachliche und kulturelle Vielfalt sowie die Mehrsprachigkeit fördern. Das geschieht vor allem vor dem Hintergrund, dass gut die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht ist. Auch das Schwäbische, das im Wörterbuch jedoch als Dialekt und nicht als Sprache aufgeführt wird, sehen einige Forscher als gefährdet an. Das liege unter anderem daran, dass seit den 1970er- und 1980er-Jahren in Schulen die Mundart nicht mehr gern gehört wurde. Andere meinen wiederum, dass die Sprache schon immer im Wandel ist, und sich das Schwäbische nur verändern wird.

Ich selbst schwätze kein urschwäbisch. Doch jeder außerhalb von Württemberg weiß gleich, wo ich hin gehöre, wenn ich mit ihm ein paar Sätze wechsle. Ich finde es toll, wenn ich in den Gemeinden im Zollernalbkreis unterwegs bin und gleich höre: Ah, der kommt wohl aus Ostdorf oder die muss von Geislingen sein. Schön, wenn man seine Muttersprache und damit seine Heimat pflegt.

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