Donnerstag, 8. September 2016 von Lydia Wania-Dreher

Ein herzliches Hallo

Wildfremde Leute grüße ich nicht. Jedenfalls fast immer. Es gibt nämlich eine große Ausnahme: beim Wandern. Wenn ich auf Wiesen, in Wäldern und auf Bergen unterwegs bin, rufe ich jedem ganz selbstverständlich ein freundliches „Hallo“ zu. Je abgelegener die Wege und je steiler die Passagen sind, desto herzlicher wird mein Gruß zum Gegenüber. Da werden so manches Mal auch nach einem „Grüß Gott“ noch ein paar Sätze gewechselt. Wo geht ihr denn hin? Wie weit ist es bis zum Gipfel oder gibt es auf der nächsten Hütte noch Kuchen? Beim normalen Spazierengehen im „Flachland“ ist das anders. Da wird der Gruß nicht von jedem erwidert. Je beliebter die Strecke, desto kleiner das Widerwort. Es sei denn, man ist zu ungewöhnlichen Zeiten unterwegs. Früh morgens beim Joggen grüßen der Vogelbeobachter und die Hundemami noch ganz freundlich. Ergo: Es muss wohl an der Frequenz der Leute liegen, ob man seinem Gegenüber „Hallo“ sagt. Ab einer bestimmten Anzahl an Menschen, kann Grüßen auch ganz schön anstrengend und unpraktisch werden. Aber wie wäre es dann mit einem freundlichen Lächeln? Das heitert auf und man wird nicht schief angeschaut, weil gerade ein herzliches „Hallo“ nicht angepasst ist.

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Freitag, 19. August 2016 von Lydia Wania-Dreher

Armut ganz wissenschaftlich

Was heißt eigentlich arm? Vor Kurzem habe ich auf der Internetseite eines Wissensportals gelesen, dass es verschiedene Methoden gibt, Armut zu messen. Bei der ersten wurde nur auf das Gehalt und die Personen, die mit im Haushalt leben, geschaut. Wer weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat, gilt als arm. In Deutschland heißt das zum Beispiel: ein Alleinstehender, der weniger als 900 Euro im Monat verdient. Bei der zweiten Methode wurde die materielle Entbehrung mitberücksichtigt. Sprich: Könnte ich zum Beispiel eine unerwartete Ausgabe von 925 Euro aus eigenen finanziellen Mitteln bezahlen? Die dritte Methode, die sogenannte Multi-Dimensionale-Armutsmessung, beleuchtet auch das Wohlbefinden und das soziale Umfeld. Die Annahmen basieren darauf, dass arm sein sehr komplex ist. Es wird auch die soziale Teilhabe, wie ein Konzertbesuch, das Treffen mit Freunden und Bekannten oder ehrenamtliches Engagement, untersucht. Wer gut gebildet ist, sich gerne mit anderen Menschen umgibt und sich für eine Sache einsetzt, ist bei dieser Messung trotz weniger Geld nicht unbedingt arm. Schön, dass bei nüchternen Analysen der Naturwissenschaftler nicht immer nur Zahlen im Vordergrund stehen. Und arm nicht gleich arm ist – auch wenn alle Arten nicht erstrebenswert sind.

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Samstag, 16. Juli 2016 von Lydia Wania-Dreher

Nicht nur die Gene sind's

Kürzlich veröffentlichten Forscher im Magazin Nature Genetics, dass sie Gene entdeckt hätten, die für die Zufriedenheit im Leben verantwortlich sind. Wer sie hat, kann sich also glücklich schätzen? Ganz so scheint es nicht zu sein. Die gefundenen Sequenzen sind winzig klein, sie spiegeln nur einen Bruchteil des gesamten Erbguts wider. Selbst im Zusammenspiel mit anderen Genen gehen neuste Schätzungen davon aus, dass maximal ein Viertel der individuellen Lebenszufriedenheit durch Unterschiede in den Mustern der Gene bestimmt werden. Viel entscheidender sind die Lebensumstände. Nicht nur das Geld, sondern vor allem die Beziehungen und Freundschaften. Der Kontakt zu anderen Menschen macht uns glücklich und zufrieden. Wie oft vergessen wir das? Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass das Zwischenmenschliche so nebenbei läuft. Mal spüle ich während dem Telefonat mit meiner Schwester dreckige Töpfe ab; mal blättere ich in einer Zeitschrift wenn mir meine Mutter von ihrem Tag erzählt. Man sollte sich immer wieder bewusst machen, wie wichtig andere Menschen für unser eigenes Wohlbefinden sind. Gene sind Glücksache, aber echte Zufriedenheit ist anscheinend Arbeit an sich selbst.

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Freitag, 20. Mai 2016 von Lydia Wania-Dreher

Unverhofft kommt oft

Gestern Morgen trottete ich mit meinen abgezählten 25 Cent zum Kaffeeautomaten. Doch das Gerät spuckte die letzte kleine rote Münze wieder aus. Auch ein erneuter Versuch half nichts. Das kann ja nicht sein, dachte ich und probierte es noch einmal. Irgendwann wird der Automat sie schon schlucken. Beim vierten Mal fiel mir auf, dass die Münze etwas dreckig war. Also rieb ich mit den Fingern darüber, um sie zu säubern. Und was entdeckte ich da? Es war gar kein Fünf-Cent-Stück, es waren 50 Öre. Da ging ein Strahlen durch mein Gesicht. Sofort erinnerte ich mich an unseren wunderschönen Kurztrip nach Kopenhagen. Sonne, frische Meeresluft und alte Freunde. Ein tolles Wochenende, bei dem wir uns am Ende gefreut hatten, dass wir keine einzige Dänische Krone übrig und so genau gerechnet hatten. Und jetzt, Monate später, entdeckt der Kaffeeautomat die fremde Münze, die sich in meinem Geldbeutel versteckte, und schenkt mir damit einen wunderbaren Moment voller Erinnerungen.

Oft sind es die kleinen Dinge, die glücklich machen. Ein Gedanke, eine Gefühl. Und noch schöner sind sie, wenn sie so unverhofft kommen wie gestern Vormittag.

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Dienstag, 3. Mai 2016 von Lydia Wania-Dreher

Fa–moos zu frischer Luft

Im Mai werden die ersten sogenannten City-Trees in Hongkong aufgestellt. Die quadratischen Flächen aus Moos sollen laut der Dresdner Entwickler die Luft von Schadstoffen befreien und so den Smog in den Städten reduzieren. Ein rund drei Quadratmeter großes Feld mit den speziellen Pflanzen filtert so viel Luft wie 275 Bäume und amortisiert die Abgase von rund 420 Autos. Die Luft um die künstlichen Bäume herum soll in einem Umkreis von 50 Metern frisch und sauber sein. Eine schöne Idee: eine gesunde Oase in der Stadt. Wenn man die Idee weiterspinnt, so könnten doch viel mehr Flächen von solch einer Moosschicht überzogen sein. Fassaden, Dächer, ja sogar Autos. Die Abgase, die hinten raus kommen, werden gleich wieder in frische Luft verwandelt. Ich finde das einen tollen Gedanken. Grün statt tristem Grau. Leider hat die Sache einen Hacken. Bisher kostet ein Moosbaum 25 000 Euro. Dafür kann man viele Pflanzen kaufen. Vielleicht ist aber auch das ein Ansatz für mehr saubere Luft. Ein üppig bepflanzter Balkon, ein Bäumchen mehr im Vorgarten und viel Grün statt versiegelter Betonoberfläche. Dafür braucht man kein Hightechmoos und schön aussehen tut es auch.

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