Samstag, 16. Juli 2016 von Lydia Wania-Dreher

Nicht nur die Gene sind's

Kürzlich veröffentlichten Forscher im Magazin Nature Genetics, dass sie Gene entdeckt hätten, die für die Zufriedenheit im Leben verantwortlich sind. Wer sie hat, kann sich also glücklich schätzen? Ganz so scheint es nicht zu sein. Die gefundenen Sequenzen sind winzig klein, sie spiegeln nur einen Bruchteil des gesamten Erbguts wider. Selbst im Zusammenspiel mit anderen Genen gehen neuste Schätzungen davon aus, dass maximal ein Viertel der individuellen Lebenszufriedenheit durch Unterschiede in den Mustern der Gene bestimmt werden. Viel entscheidender sind die Lebensumstände. Nicht nur das Geld, sondern vor allem die Beziehungen und Freundschaften. Der Kontakt zu anderen Menschen macht uns glücklich und zufrieden. Wie oft vergessen wir das? Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass das Zwischenmenschliche so nebenbei läuft. Mal spüle ich während dem Telefonat mit meiner Schwester dreckige Töpfe ab; mal blättere ich in einer Zeitschrift wenn mir meine Mutter von ihrem Tag erzählt. Man sollte sich immer wieder bewusst machen, wie wichtig andere Menschen für unser eigenes Wohlbefinden sind. Gene sind Glücksache, aber echte Zufriedenheit ist anscheinend Arbeit an sich selbst.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 20. Mai 2016 von Lydia Wania-Dreher

Unverhofft kommt oft

Gestern Morgen trottete ich mit meinen abgezählten 25 Cent zum Kaffeeautomaten. Doch das Gerät spuckte die letzte kleine rote Münze wieder aus. Auch ein erneuter Versuch half nichts. Das kann ja nicht sein, dachte ich und probierte es noch einmal. Irgendwann wird der Automat sie schon schlucken. Beim vierten Mal fiel mir auf, dass die Münze etwas dreckig war. Also rieb ich mit den Fingern darüber, um sie zu säubern. Und was entdeckte ich da? Es war gar kein Fünf-Cent-Stück, es waren 50 Öre. Da ging ein Strahlen durch mein Gesicht. Sofort erinnerte ich mich an unseren wunderschönen Kurztrip nach Kopenhagen. Sonne, frische Meeresluft und alte Freunde. Ein tolles Wochenende, bei dem wir uns am Ende gefreut hatten, dass wir keine einzige Dänische Krone übrig und so genau gerechnet hatten. Und jetzt, Monate später, entdeckt der Kaffeeautomat die fremde Münze, die sich in meinem Geldbeutel versteckte, und schenkt mir damit einen wunderbaren Moment voller Erinnerungen.

Oft sind es die kleinen Dinge, die glücklich machen. Ein Gedanke, eine Gefühl. Und noch schöner sind sie, wenn sie so unverhofft kommen wie gestern Vormittag.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Dienstag, 3. Mai 2016 von Lydia Wania-Dreher

Fa–moos zu frischer Luft

Im Mai werden die ersten sogenannten City-Trees in Hongkong aufgestellt. Die quadratischen Flächen aus Moos sollen laut der Dresdner Entwickler die Luft von Schadstoffen befreien und so den Smog in den Städten reduzieren. Ein rund drei Quadratmeter großes Feld mit den speziellen Pflanzen filtert so viel Luft wie 275 Bäume und amortisiert die Abgase von rund 420 Autos. Die Luft um die künstlichen Bäume herum soll in einem Umkreis von 50 Metern frisch und sauber sein. Eine schöne Idee: eine gesunde Oase in der Stadt. Wenn man die Idee weiterspinnt, so könnten doch viel mehr Flächen von solch einer Moosschicht überzogen sein. Fassaden, Dächer, ja sogar Autos. Die Abgase, die hinten raus kommen, werden gleich wieder in frische Luft verwandelt. Ich finde das einen tollen Gedanken. Grün statt tristem Grau. Leider hat die Sache einen Hacken. Bisher kostet ein Moosbaum 25 000 Euro. Dafür kann man viele Pflanzen kaufen. Vielleicht ist aber auch das ein Ansatz für mehr saubere Luft. Ein üppig bepflanzter Balkon, ein Bäumchen mehr im Vorgarten und viel Grün statt versiegelter Betonoberfläche. Dafür braucht man kein Hightechmoos und schön aussehen tut es auch.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Samstag, 30. April 2016 von Lydia Wania-Dreher

Om am ersten Mai

Mai ist der Monat der Feiertage: Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam und Vesakh. Kennen Sie letzteren? Mir war das bisher kein Begriff. Erst kürzlich habe ich zum ersten Mal von dem höchsten buddhistischen Fest gehört. Es wird dieses Jahr am 21. Mai von rund 375 Millionen Menschen auf der Erde gefeiert und erinnert an die Geburt, die Erleuchtung sowie das Erlöschen (der Austritt aus dem Kreislauf der Wiedergeburt) des Buddha Siddharta Gautama. Er gilt als der ursprüngliche Lehrer aller buddhistischen Traditionen. Daher wird an dem Fest bewusst nach Gemeinsamkeiten der verschiedenen Strömungen gesucht. Ein schöner Gedanke, finde ich. Das Fest soll außerdem zum Wohl aller Wesen stattfinden. In Nepal darf daher an diesem Tag kein Tier getötet und in vielen Ländern in Südostasien werden Vögel und andere Tiere freigelassen. Auch in Stuttgart feiern die buddhistischen Gruppen gemeinsam das Vesakh Fest. Sie kommen bereits am 1. Mai zusammen und feiern im Linden Museum. In dem Völkerkundemuseum finden an dem Tag öffentliche Vorträgen, Vorführungen, Meditationen und Workshops statt, die die Vielfalt der asiatischen Weltreligion aufzeigen. Vielleicht eine Alternative zu einer verregneten Ersten-Mai-Wanderung.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 23. März 2016 von Lydia Wania-Dreher

Auferstehung à la Qualle

Sachen gibt's, die gibt's gar nicht. Neulich rieb ich mir die Augen, als ich das las: Eine Qualle, die nicht stirbt, sondern sich immer wieder erneuert. Der italienische Biologe Ferdinando Boero hat diese Nesseltiere mit dem Namen Turritopsos Nutricula erforscht und fand heraus, dass sich die Qualle, wenn sie alt wird, auf den Meeresboden sinken lässt. Die Zellen verwandeln sich dann zurück in ihren ursprünglichen Zustand, quasi in den eines Embryos. Das ist wie wenn sich ein Schmetterling wieder verpuppen und noch einmal als Raupe leben würde. Anschließend beginnt das Meerestierchen wieder zu wachsen und lebt noch einmal von vorne. Dieser Vorgang wiederholt sich immer wieder. Faszinierend. Der Traum von der ewigen Jugend, vom Nachleben von Verpasstem, von einem Leben nach dem Tod wird plötzlich ganz greifbar. Bisher kannte ich solche oder ähnliche Vorgänge nur aus Fantasiefilmen oder aus der Bibel.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.