Samstag, 18. Februar 2017 von Lydia Wania-Dreher

Meine kleine Auszeit

Manchmal wird einem einfach alles zu viel. Da würde ich mich dann am liebsten unter einer Decke verstecken und nie mehr rauskommen. Doch helfen tut das in den allermeisten Fällen rein gar nichts. Stattdessen habe ich eine andere Lösung für mich und meine kleinen Alltagskrisen gefunden: Ich gehe spazieren. Das klingt jetzt vielleicht etwas simpel und altmodisch. Erinnert an alte Leute. Aber ich find's klasse. Am liebsten laufe ich auf Wald- oder Feldwegen. Weit weg von Zivilisationslärm und Hektik. Gerne auch in der Mittagspause. Zu Beginn meiner Tour bin ich meist noch in den Gedanken gefangen, was alles gerade so blöd ist. Ein paar Schritte später tritt das alles in den Hintergrund. Mehr und mehr schaue ich mir die Landschaft an, erfreue mich an Kleinigkeiten und lass' mich richtig fallen. Okay, manchmal werde ich von Passanten auch ein bisschen komisch angeschaut. Ganz nach dem Motto, warum läuft die Frau alleine durch den Wald, und wo ist eigentlich ihr Hund? Den habe und brauche ich nicht. Denn ich gehe nur wegen mir selbst spazieren.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 29. September 2016 von Lydia Wania-Dreher

Das Butterbrot auf dem Boden

Kennen Sie die Fünf-Sekunden-Regel? Die besagt, dass man Lebensmittel, die einem runtergefallen sind, wenn man sie innerhalb von fünf Sekunden aufhebt, noch essen kann. Nun fanden allerdings US-amerikanische Forscher der Rutgers University in New Brunswick heraus, dass das so nicht stimmt. Sie ließen Butterbrot, Wassermelone und Fruchtgummi auf verschiedene Oberflächen plumpsen, die sie davor mit einer Bakterienlösung bestrichen hatten. Nach verschiedenen Zeitabständen ermittelten sie die Keimanzahl auf den Lebensmitteln. Und siehe da: Einige Lebensmittel waren schon nach weniger als einer Sekunde mit Bakterien kontaminiert. Gerade die Wassermelone schnitt schlecht ab. Je feuchter ein Lebensmittel ist, desto größer das Kontaminationsrisiko, so die Forscher. Auch die Oberfläche spielte eine Rolle. Vom Teppich wurden deutlich weniger Bakterien übertragen als von Stahl oder Fließen. Laut der Forscher spielt es kaum eine Rolle, nach wie vielen Sekunden man ein heruntergefallenes Lebensmittel aufhebt. Vielmehr sollte der Verzehr davon abhängen, ob man die Oberfläche als hygienisch unbedenklich einstuft. Und die Forscher gaben zu bedenken: Umweltkeime seien überall und in geringer Anzahl ungefährlich. Na dann – nur Mut, das Butterbrot auf dem Küchenboden kann man in den meisten Fällen noch essen.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 16. September 2016 von Lydia Wania-Dreher

Schwarzes Schaf auf gelben Blüten

Unser Wandelröschen auf dem Balkon erfreut mich jeden Tag. Die strahlenden gelb-orangen Blüten locken eine ganze Schar von Insekten an. Es summt und schwirrt. Neulich genoss ich in der Mittagspause wieder das sonnige Plätzchen und hörte plötzlich ein tiefes Brummen. Auf der Suche nach der vermeintlichen Hummel entdeckte ich ein Tierchen, das ich so noch nie gesehen habe: ein riesiges schwarzes Insekt. Ein Käfer auf den Blüten? Nein, der holt doch den Nektar raus. Vielleicht ist das ja auch eine große schwarze Hummel? Quasi das schwarze Schaf unter den fliegenden Schwergewichten. Schnell machte ich ein Foto und recherchierte im Internet. Und siehe da, es muss sich wohl um eine Holzbiene gehandelt haben, genauer gesagt um eine Vertreterin der Großen Blauen Holzbiene. Die werden bis zu 28 Millimeter lang, lieben die Wärme und werden in Baden-Württemberg als stark gefährdet eingestuft. Wahrscheinlich werde ich den großen dunklen Nektarliebhaber aufgrund der nun kühleren Temperaturen erst im nächsten Jahr wieder sehen. Eine schöne letzte Sommer-Natur-Beobachtung.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 8. September 2016 von Lydia Wania-Dreher

Ein herzliches Hallo

Wildfremde Leute grüße ich nicht. Jedenfalls fast immer. Es gibt nämlich eine große Ausnahme: beim Wandern. Wenn ich auf Wiesen, in Wäldern und auf Bergen unterwegs bin, rufe ich jedem ganz selbstverständlich ein freundliches „Hallo“ zu. Je abgelegener die Wege und je steiler die Passagen sind, desto herzlicher wird mein Gruß zum Gegenüber. Da werden so manches Mal auch nach einem „Grüß Gott“ noch ein paar Sätze gewechselt. Wo geht ihr denn hin? Wie weit ist es bis zum Gipfel oder gibt es auf der nächsten Hütte noch Kuchen? Beim normalen Spazierengehen im „Flachland“ ist das anders. Da wird der Gruß nicht von jedem erwidert. Je beliebter die Strecke, desto kleiner das Widerwort. Es sei denn, man ist zu ungewöhnlichen Zeiten unterwegs. Früh morgens beim Joggen grüßen der Vogelbeobachter und die Hundemami noch ganz freundlich. Ergo: Es muss wohl an der Frequenz der Leute liegen, ob man seinem Gegenüber „Hallo“ sagt. Ab einer bestimmten Anzahl an Menschen, kann Grüßen auch ganz schön anstrengend und unpraktisch werden. Aber wie wäre es dann mit einem freundlichen Lächeln? Das heitert auf und man wird nicht schief angeschaut, weil gerade ein herzliches „Hallo“ nicht angepasst ist.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 19. August 2016 von Lydia Wania-Dreher

Armut ganz wissenschaftlich

Was heißt eigentlich arm? Vor Kurzem habe ich auf der Internetseite eines Wissensportals gelesen, dass es verschiedene Methoden gibt, Armut zu messen. Bei der ersten wurde nur auf das Gehalt und die Personen, die mit im Haushalt leben, geschaut. Wer weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat, gilt als arm. In Deutschland heißt das zum Beispiel: ein Alleinstehender, der weniger als 900 Euro im Monat verdient. Bei der zweiten Methode wurde die materielle Entbehrung mitberücksichtigt. Sprich: Könnte ich zum Beispiel eine unerwartete Ausgabe von 925 Euro aus eigenen finanziellen Mitteln bezahlen? Die dritte Methode, die sogenannte Multi-Dimensionale-Armutsmessung, beleuchtet auch das Wohlbefinden und das soziale Umfeld. Die Annahmen basieren darauf, dass arm sein sehr komplex ist. Es wird auch die soziale Teilhabe, wie ein Konzertbesuch, das Treffen mit Freunden und Bekannten oder ehrenamtliches Engagement, untersucht. Wer gut gebildet ist, sich gerne mit anderen Menschen umgibt und sich für eine Sache einsetzt, ist bei dieser Messung trotz weniger Geld nicht unbedingt arm. Schön, dass bei nüchternen Analysen der Naturwissenschaftler nicht immer nur Zahlen im Vordergrund stehen. Und arm nicht gleich arm ist – auch wenn alle Arten nicht erstrebenswert sind.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.