Freitag, 25. August 2017 von Lydia Wania-Dreher

Jedes Jahr die selbe Bluse

Darf man jahrelang zum Wandern die selben Klamotten anziehen? Ich finde ja. Und ich finde: Man sollte sogar. Kürzlich amüsierte sich die Boulevardpresse, dass Angela Merkel in Südtirol seit fünf Jahren die selbe Bluse an hat. Viel schlimmer ist für mich, wenn man fünf Tage im Jahr wandern geht und sich jedes Jahr dafür komplett neu einkleidet. Das ist für mich eine maßlose Verschwendung. Warum kann man denn zum Beispiel eine Wanderhose nicht mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte anziehen? Wenn sie noch passt und auch sonst keine Mängel hat, gibt es für mich keinen Grund sie auszumustern. Klar, wenn das Ding wirklich völlig daneben aussieht, können daraus auch irgendwann Putzlappen werden. Aber gerade beim Wandern geht es doch nicht darum, möglichst adrett daherzukommen. Nach zwei Stunden Aufstieg tue zumindest ich das nicht mehr – egal in welcher Klamotte.

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Donnerstag, 17. August 2017 von Lydia Wania-Dreher

Außenseiter im Freibad

Noch einmal die heißen Tage nutzen: Also bin ich kürzlich in der Mittagspause ins Freibad. Doch als ich da nach einer leckeren Portion Pommes auf der Wiese lag, kam ich mir vor wie ein Außenseiter. Warum? Nahezu alle Menschen die über 18 Jahre alt waren und an mit vorbeikamen, hatten irgendwo ein Tattoo. Egal, ob Arschgeweih aus den 1990er Jahren, asiatische Schriftzeichen oder gerade aktuelle geometrische Formen – am Beckenrand waren die Körperschmucktrends der vergangene 20 Jahre aufgereiht. Abgesehen von den zahlreichen Kindern und Jugendlichen gehörte ich zu den wenigen Erwachsenen, die keine Farbe unter der Haut hatten. Dabei sollen laut Studien doch nur 15 Prozent der Deutschen tätowiert sein. Aber unter Freibadbesuchern scheint der Prozentsatz wesentlich höher zu liegen. Vielleicht, weil man hier seinen teuren Dauerschmuck am besten zur Schau stellen kann. Trotz der gefühlten Außenseiterrolle im Schwimmbad werde ich aber bis auf weiteres trotzdem ohne Tattoo bleiben. Denn: Ich finde meine Haut auch ohne ganz schön.

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Freitag, 11. August 2017 von Lydia Wania-Dreher

Schauspiel am Morgen

Wann haben Sie das letzte Mal einen Sonnenaufgang beobachtet? Ich muss gestehen, dass das bei mir schon ziemlich lang her ist. Entweder verschlafe ich den Zeitpunkt oder, wenn ich schon mal wach bin, verpasse ich ihn, weil ich mit anderen Dingen wie Frühstücken oder Zähneputzen beschäftigt bin. Im Urlaub konnte ich mir jedoch mal wieder bewusst Zeit dafür nehmen. An einem schönen Ort im Allgäu beobachtete ich um kurz vor sechs Uhr wie es am Horizont immer heller wurde. Innerhalb von wenigen Minuten veränderte sich das Licht so sehr und damit auch der Anblick der Umgebung. Die mystische, neblige Stimmung wich nach und nach und der herrliche Sommertag kündigte sich an. Wie bestellt, fingen gerade die Glocken der Kirchen in der Umgebung an den Tag einzuläuten, als die ersten Sonnenstrahlen über die weit entfernte Bergkuppe kamen. Ein erhabenes Gefühl und ein wirklich beeindruckendes Schauspiel der Natur.

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Donnerstag, 20. Juli 2017 von Lydia Wania-Dreher

Hitze oder Herbstwind

Gestern stöhnte die ganze Redaktion unter der drückenden Hitze. Kaum auszuhalten die Temperaturen im Großraumbüro. Und jeder dachte insgeheim, hoffentlich wird es morgen wieder kühler. Doch wenn es jetzt schon Herbst würde, dann wäre es auch nicht recht. Erschreckenderweise stellte ich jedoch bereits die ersten Anzeichen für die kommende Jahreszeit fest. Auf dem Kleinen Heuberg bei Balingen verfärben sich die Blätter der Kastanien bereits seit ein paar Wochen und gestern Morgen sah ich, dass die ersten Getreidefelder abgeerntet wurden. Das fiel auch einer anderen Passantin auf. „Jetzt ist der Sommer vorbei“, sagte sie zu mir im Vorübergehen und zeigte auf den Acker. Da fiel mir das alte Volkslied ein „Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder und der Herbst beginnt“. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke: Also ich könnte schon noch ein bisschen Sommerhitze ertragen.

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Freitag, 7. Juli 2017 von Lydia Wania-Dreher

Zurecht geruckelt

Mein Auto wird langsam etwas altersschwach. Immer wieder scheint der 13 Jahre alte Smart keine Lust auf Fahren zu haben. Dann tut er beim Anlassen keinen Zucker mehr. Das heißt für mich: Schnell ein Ersatzauto aus der Verwandtschaft besorgen, abends mal wieder Überbrücken und dann eine ganze Weile auf der B 27 Strecke machen. Um das zukünftig zu verhindern, ließ ich eine neue Batterie einbauen. Doch der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Gestern ging wieder nichts. Nach der Mittagspause wollte das Auto nicht mehr starten. Ich stellte mich schon auf eine längere Prozedur am Abend ein. Später dann kam mein Vater vorbei und meinte: „Ruckel doch einfach mal ein bisschen.“ Nachdem das Auto kräftig durchgeschüttelt war, sprang es wie von Geisterhand wieder an – ganz ohne Überbrücken. Wahrscheinlich hat mein Smart einen Wackelkontakt oder muss manchmal im wahrsten Sinne des Wortes einfach wachgerüttelt werden.

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