Donnerstag, 5. Oktober 2017 von Lydia Wania-Dreher

Die Stadt der Zukunft im Ohr

Eigentlich bin ich kein Fan von Baustellen. Sie bescheren Umleitungen, Lärm und Dreck. Doch die aktuellen in der Innenstadt haben mir die Augen geöffnet. Oder besser gesagt die Ohren. Sie geben mir ein Gefühl von der Stadt der Zukunft. Wie das? Samstags, sonntags und wenn die Bauarbeiter Feierabend haben, ist die Innenstadt hier ein Ort der Ruhe. Ein Ort der Menschen und nicht der Autos. Denn diese bleiben dank der Sperrung draußen. Da kann man ohne Gefahr über die Straße laufen, sich hinsetzen, miteinander ins Gespräch kommen. So stelle ich mir die Innenstädte der Zukunft vor: Orte der Begegnung und nicht des Autolärms.

Bereits vor eineinhalb Jahren hat mich bei einem einem Besuch von Kopenhagen die Ruhe dieser Großstadt begeistert. Für Autos mit Verbrennungsmotoren muss man hier hohe Abgaben zahlen, daher fahren viele mit Elektroautos, dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Es geht, man kommt trotzdem von A nach B. Und: Das Wohnen und der Aufenthalt in der Innenstadt ist so viel angenehmer.

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Donnerstag, 14. September 2017 von Lydia Wania-Dreher

Wenn Oma vergesslich ist

Heute Abend kann man bei der ZAK-Telefonaktion Experten zum Thema Demenz erreichen. Mich berührt das Thema immer wieder, denn ich erlebte als Kind, was es heißt, wenn die Oma immer weniger kann und weiß. Erst war sie nur alt und vergaß ab und zu etwas. Dann kochte sie nicht mehr, ein Pflegedienst musste kommen. Und irgendwann brauchte sie bei allem Hilfe und musste in einem Pflegeheim betreut werden. Doch als Kind oder Heranwachsende fand ich das, was das passierte gar nicht so schlimm. Ich nahm es einfach hin, dass Oma immer älter wurde und immer weniger alleine konnte. Vielleicht auch, weil sie bis zum Schluss eine liebende Oma war. Sie freute sich immer über den Besuch der Enkel. Auch als sie nicht mehr wusste, wer genau vor ihr stand. Sie fragte stets: „Wie geht es der Familie?“ Und beim Verabschieden sagte sie immer: „Komm aber bald wieder.“ Ich erinnere mich noch gut daran, dass es mein Vater da schwerer hatte, wenn seine Mutter mal wieder irgendetwas nicht wollte oder konnte. Da wurde er sogar das ein oder andere Mal richtig laut. Immer ruhig geblieben ist hingegen ein Pfleger, er heißt Martin. Er war der Liebling meiner Oma. Ihm ging nie die Geduld aus.

Und kürzlich, drei Jahre nach dem Tod meiner Oma, traf ich Pfleger Martin zufällig auf der Straße wieder. Freudig begrüßte er mich und erzählte, dass er immer noch als Pfleger im selben Unternehmen tätig ist. Es freute mich richtig, dass er seine verständnisvolle Art seit Jahren für Menschen wie meine Oma einsetzt.

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Freitag, 25. August 2017 von Lydia Wania-Dreher

Jedes Jahr die selbe Bluse

Darf man jahrelang zum Wandern die selben Klamotten anziehen? Ich finde ja. Und ich finde: Man sollte sogar. Kürzlich amüsierte sich die Boulevardpresse, dass Angela Merkel in Südtirol seit fünf Jahren die selbe Bluse an hat. Viel schlimmer ist für mich, wenn man fünf Tage im Jahr wandern geht und sich jedes Jahr dafür komplett neu einkleidet. Das ist für mich eine maßlose Verschwendung. Warum kann man denn zum Beispiel eine Wanderhose nicht mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte anziehen? Wenn sie noch passt und auch sonst keine Mängel hat, gibt es für mich keinen Grund sie auszumustern. Klar, wenn das Ding wirklich völlig daneben aussieht, können daraus auch irgendwann Putzlappen werden. Aber gerade beim Wandern geht es doch nicht darum, möglichst adrett daherzukommen. Nach zwei Stunden Aufstieg tue zumindest ich das nicht mehr – egal in welcher Klamotte.

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Donnerstag, 17. August 2017 von Lydia Wania-Dreher

Außenseiter im Freibad

Noch einmal die heißen Tage nutzen: Also bin ich kürzlich in der Mittagspause ins Freibad. Doch als ich da nach einer leckeren Portion Pommes auf der Wiese lag, kam ich mir vor wie ein Außenseiter. Warum? Nahezu alle Menschen die über 18 Jahre alt waren und an mit vorbeikamen, hatten irgendwo ein Tattoo. Egal, ob Arschgeweih aus den 1990er Jahren, asiatische Schriftzeichen oder gerade aktuelle geometrische Formen – am Beckenrand waren die Körperschmucktrends der vergangene 20 Jahre aufgereiht. Abgesehen von den zahlreichen Kindern und Jugendlichen gehörte ich zu den wenigen Erwachsenen, die keine Farbe unter der Haut hatten. Dabei sollen laut Studien doch nur 15 Prozent der Deutschen tätowiert sein. Aber unter Freibadbesuchern scheint der Prozentsatz wesentlich höher zu liegen. Vielleicht, weil man hier seinen teuren Dauerschmuck am besten zur Schau stellen kann. Trotz der gefühlten Außenseiterrolle im Schwimmbad werde ich aber bis auf weiteres trotzdem ohne Tattoo bleiben. Denn: Ich finde meine Haut auch ohne ganz schön.

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Freitag, 11. August 2017 von Lydia Wania-Dreher

Schauspiel am Morgen

Wann haben Sie das letzte Mal einen Sonnenaufgang beobachtet? Ich muss gestehen, dass das bei mir schon ziemlich lang her ist. Entweder verschlafe ich den Zeitpunkt oder, wenn ich schon mal wach bin, verpasse ich ihn, weil ich mit anderen Dingen wie Frühstücken oder Zähneputzen beschäftigt bin. Im Urlaub konnte ich mir jedoch mal wieder bewusst Zeit dafür nehmen. An einem schönen Ort im Allgäu beobachtete ich um kurz vor sechs Uhr wie es am Horizont immer heller wurde. Innerhalb von wenigen Minuten veränderte sich das Licht so sehr und damit auch der Anblick der Umgebung. Die mystische, neblige Stimmung wich nach und nach und der herrliche Sommertag kündigte sich an. Wie bestellt, fingen gerade die Glocken der Kirchen in der Umgebung an den Tag einzuläuten, als die ersten Sonnenstrahlen über die weit entfernte Bergkuppe kamen. Ein erhabenes Gefühl und ein wirklich beeindruckendes Schauspiel der Natur.

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