Freitag, 8. Juli 2016 von Olga Haug

Verwirrende Gesichter

Jeder, der über die mobile Nachrichten-App WhatsApp Texte versendet, bedient sich nicht selten der sogenannten Emojis – also der Bilchen, die dem Geschrieben mehr Ausdruck verleihen sollen oder das Geschriebene gar ganz ersetzen. Aber kaum einem ist bewusst, dass die meisten Emojis schlicht missverstanden werden.

Da gibt es beispielsweise das eine Gesichtchen, das seine Äuglein geschlossen hält und samt Augenbrauen nach unten senkt. Der Mund ist ein wenig geöffnet und die Mundwinkel hängen runter. Das Entschiedenste ist jedoch der Schnieftropfen, der dem kleinen Männchen aus der Nase tropft.

Jemand aus meinem näheren Bekanntenkreis – der hier nicht weiter beschrieben werden soll –, verwendet das Männchen partout als trauriges, also weinendes Gesicht. Meine immerwiederkehrende, neunmalkluge Erklärung, dass der Tropfen aus der Nase und nicht aus dem Auge kommt, das Männchen also krank und nicht traurig ist, hilft da nur wenig.

Nun muss ich mit Entsetzen feststellen, dass ich ebenfalls die gesamte Zeit über falsch lag! Das Gesichtchen weint weder aus der Nase, noch ist es krank. Es ist müde! Das Schnieftröpfchen steht in Mangas und Animes wohl für Müdigkeit. Ich bin verwirrt. Gut, dass ich an dieser Stelle kein Emoji platzieren kann. Denn das Gesichtchen, das „verwirrt“ darstellen soll, habe ich immer als „enttäuscht“ interpretiert. Würde aber auch passen.

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Samstag, 21. Mai 2016 von Olga Haug

Da müssen die Kollegen durch

Ein leises, monotones Grunzen geht durch die Redaktion. Doch es handelt sich hier keineswegs um eines dieser süßen Hausschweine. Nein, es sind meine Schuhe. Sie quietschen. Und: Sie nerven! Aber warum quietscht das eine Paar und das andere wiederum nicht? Zunächst mal wird zwischen äußerem und innerem Quietschen unterschieden. Beim äußeren Geräusch-Phänomen spricht man von einem Stick-Slip-Effekt oder auch Haft-Gleit-Effekt. Neben der physikalischen Formel, die ich hier keineswegs weiter ausführen möchte, spielen noch weitere Faktoren eine Rolle. Ein dreckiger oder sauberer Boden beispielsweise. Dreckiger Boden bedeutet auch quietschende Schuhe. Zu Staubsauger und Mobb werde ich jetzt aber nicht greifen, denn mein Quietsche-Problem kommt aus dem Inneren. Und hier sagen die Experten – ja, die gibt es auch zu quietschenden Schuhen –, dass die nervigen Geräusche verschiedene Ursachen haben können: Material, Einlegesohlen, Schwitzen oder gar der Fuß selbst. Das sagt beispielsweise Liselotte Vijselaar, die ein Physik-Labor in Lemberg leitet und dort Schuhe testet. Wenn die Schuhe nicht richtig passen, entsehen Hohlräume und die sind für das Grunzen verantwortlich. Und genau hier liegt auch wohl mein Problem, denn ich muss zugeben, dass die Schuhe etwas breit sind. Zusätzliche Sohlen konnten nicht helfen. Aber die Schuhe deshalb daheim zu lassen, kommt überhaupt nicht in Frage! Zu schön sind diese Prachtstücke, die ich vor wenigen Tagen ergattert habe. Da müssen die lieben Kollegen leider durch. Immerhin habe ich schon eine Taktik entwickelt, wie ich die Geräuschkulisse minimieren kann: Ich schwebe neuerdings auf Zehenspitzen durch die Redaktion.

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Samstag, 16. April 2016 von Olga Haug

Was die Stimme kann

Seine eigene Stimme zu hören ist oft sehr merkwürdig und man würde sich am liebsten schnell Ohrstöpsel in die Hörorgane pressen, beim Anhören des Gesagten, das – in welcher Form auch immer – aufgenommen wurde. Dabei sollte man seine Stimme lieben. Das sagen zumindest Stimmexperten, die den internationalen „Tag der Stimme“ initiiert haben („World Voice Day“). Heute, am 16. April, ist der Tag, an dem auf unser mächtigstes Kommunikationsmittel aufmerksam gemacht werden soll. Denn unsere Stimme ist nicht nur ein anatomisches Werkzeug, das uns dazu dient, Laute zu bilden. Nein, sie dient uns vordergründig dazu, seine Meinung kund zu tun, unsere Gedanken und Gefühle auszudrücken und sie sollte erhoben werden, wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen. Stimme ist also Kommunikation. Doch Kommunikation funktioniert in der heutigen Gesellschaft auf verschiedene Weise: E-Mail, Chat, Twitter, Kurznachrichten via Smartphone, usw. Aber die Gefahr, missverstanden zu werden, ist groß. Denn heißt es nicht auch: „Der Ton macht die Musik“? Und genau hier liegt die Kraft des Kommunikationsmittels Stimme: Sie verleiht dem Gesagten mit der richtigen Intonation den richtigen Zungenschlag. Wenn es also via Mail und Co. mal wieder zu Meinungsverschiedenheiten kommen sollte, greifen Sie lieber mal zum Hörer und sprechen Sie sich aus – im wahrsten Sinne des Wortes.

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Samstag, 30. Januar 2016 von Olga Haug

Sammeltaxi auf Kubanisch

Was passiert mit einem dünnen Österreicher, zwei zierlichen Asiatinnen, einer schlanken Deutschen und zwei durchschnittlich gebauten Deutschen auf Kuba? Sie werden allesamt in ein Taxi gesteckt – auch Taxi collectivo genannt – und drei Stunden lang quer übers Land gefahren. Plus Fahrer ergibt das sieben Personen in einem zusammengeflickten amerikanischen Wagen aus den 1950er Jahren. War das unbequem? Ja, das war es. Und war es unangenehm? Oh ja. Immerhin saß ich dem Fahrer nahezu auf dem Schoß mit der Gangschaltung in den Rippen. Und als plötzlich Starkregen einsetzte, plätscherte das Wasser durch die dreckige Rinne an der Frontscheibe auf mein Shirt. Gleichzeitig musste ich stets ein Auge auf den Rückspiegel richten, in der Hoffnung, dass keines der sechs Gepäckstücke aus dem Kofferraum fällt. Dieser konnte aus Platzgründen nicht richtig geschlossen werden und musste mit einer Kette zusammengehalten werden. Aber eines war die Fahrt ganz gewiss auch: Ein Abenteuer, an das wir uns noch lange erinnern werden, genauso wie an all die netten Menschen und tollen Begegnungen auf dieser Insel. Kuba ist ein eindrucksvolles und einzigartiges Land, das sich seinen Charme noch so lange wie möglich bewahren soll.

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Freitag, 27. November 2015 von Olga Haug

Die einsame Banane

Als damals die ersten Ladengeschäfte ihre Öffnungszeiten bis 22 Uhr verlängerten, dachte ich mir: „Muss das sein?“ Immerhin stand ich neben Schule und Uni selbst sieben Jahre lang als Verkäuferin hinter der Kasse. Ich war stets überglücklich, als es 20 Uhr schlug und wir die Pforten schlossen.

Mittlerweile – da ich vermutlich selbst nicht mehr betroffen bin – finde ich die Öffnungszeiten ganz angenehm. Nach Feierabend noch gemütlich etwas einkaufen. So spazierte ich vor einigen Tagen – wie schon so oft – voller Einkaufsdrang in ein Geschäft, die Einkaufstasche weit offen mit reichlich Platz für allerlei Lebensmittel. Zielstrebig peilte ich die Obstabteilung an, das Wasser lief mir schon im Mund zusammen beim Gedanken an saftiges, frisches Obst – Bananen, Trauben, Mandarinen und alles, was das bunte Angebot an saftigem Fruchtfleisch bereit hält. Und da war sie: eine Banane. Eine einzige Banane. Eine einzige, braune Banane – und sonst nichts. Ich schaute auf die Uhr: 19.30 Uhr. Noch zweieinhalb Stunden bis Ladenschluss. Ich fragte eine Mitarbeiterin, ob die Bananen heute noch aufgefüllt werden. „Leider nein“, erwiderte sie freundlich. Also ging ich zurück und starrte die einsame, braune Banane noch eine Weile an. Das gleiche traurige Spiel bei den Trauben. Mein Enthusiasmus war dahin. Und da stand ich – bei weitem nicht zum ersten Mal –, zweieinhalb Stunden vor Ladenschluss mit meiner leeren Einkaufstasche und dachte mir: „Muss das sein?“

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