Donnerstag, 14. Juli 2016 von Benno Schlagenhauf

Politiker im Pokemonfieber

Dr. Andreas Schmidt ist Landtagsabgeordneter und finanzpolitischer Sprecher der SPD. Nicht in einem hiesigen Wahlkreis, sondern im fernen Wahlkreis Halle. Auf Facebook hat er etwas mehr als 600 Fans, und bei seinen Beiträgen wird – wenn es gut läuft – 20 bis 30 mal auf „Gefällt mir“ geklickt. Bundespolitisch trat der 45-Jährige bislang ebenfalls nicht weiter in Erscheinung. Unter normalen Umständen hätte ich wohl nie von diesem Mann gehört. Doch momentan sind die Umstände alles andere als normal. Denn zumindest in den sozialen Netzwerken gibt es gerade nur ein Thema: Pokemon Go.

Selten wurde eine neue Spiele-App für Smartphones so sehr gehyped, wie das neueste Pokemon-Spiel. Da bekommt auch ein kurzer Beitrag eines Lokalpolitikers bundesweite Beachtung. Schmidt hatte nämlich vor der SPD-Geschäftsstelle ein Glurak gefangen. Ein Glurak ist ein drachenähnliches, rotes Feuer-Pokemon. Passt also ganz gut zu den Parteifarben. Dieser Beitrag gefiel dann auch etwas mehr Leuten, als lokalpolitische Beiträge aus Halle: über 1000 Pokemonfans klickten den Like-Button. Doch wenn es rote Feuer-Pokemon bei der SPD gibt, findet man dann Pikachu, ein gelbes Elektro-Pokemon, bei der FDP oder Pflanzen-Pokemon bei den Grünen?

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Dienstag, 21. Juni 2016 von Benno Schlagenhauf

Autokorso aus Liebe

Lautes, wiederholtes Hupen in der Ebinger Innenstadt – ein Geräusch, dass ich an 335 Tagen im Jahr wohl einem Autounfall oder Verkehrschaos zugeordnet hätte. Doch in den 31 Tagen zwischen dem 10. Juni und dem 10. Juli ist das anders, denn da ist die Europameisterschaft und es regiert König Fußball.

Auf das spontane Hupkonzert ist meine Neugier geweckt: Welche Mannschaft feuern die Fans im Autokorso wohl an? Kurze Recherche im EM-Spielplan: An diesem Tag spielen sowohl Italien, als auch die Türkei und Kroatien – gleich drei Teams, die auch im Zollernalbkreis zahlreiche Landsleute und Unterstützer haben.

Doch dann der Blick auf die Uhr: Das erste Spiel des Tages ist noch lange nicht angepfiffen, Grund über einen Sieg zu jubeln gibt's also schon mal gar nicht.

Also womöglich doch ein Unfall? Es hat dann eine peinlich lange Zeit gedauert, bis ich die Hochzeitsgesellschaft, die ich doch erst eine halbe Stunde vorher vor dem Rathaus gesehen hatte, mit dem Hupkonzert in Verbindung gebracht habe. Zu den Symptome von diesem Fußballfieber gehören wohl auch Wahrnehmungsstörungen.

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Donnerstag, 9. Juni 2016 von Benno Schlagenhauf

Schlamassel mit Hymnen

Bei der Nationalhymne kann einiges schief gehen, Sarah Connor kann ein Lied davon singen. Doch auch wenn die Musik vom Band kommt und nicht live gespielt ist man vor manch peinlichem Schlamassel nicht sicher.

Bei der Copa America, die aktuell in den USA stattfindet, gab es gleich zu Turnierbeginn zwei peinliche Pannen beim Abspielen der Nationalhymnen. Als die Uruguayer Kicker vor ihrem Spiel gegen Mexiko erwartungsfroh in einer Reihe aufgestellt ihre Hymne singen wollten, erklang stattdessen die chilenische Hymne. Die Reaktionen der Spieler waren entsprechend irritiert.

Die Chilenen ihrerseits wurden ebenfalls zum Opfer eines Hymnen-Malheurs. Zwar legte der Stadion-DJ diesmal den richtigen Song ein, doch auf einmal fuhren die Beats von Hiphop-Künstler Pitbull dazwischen und übertönten die Hymne. Den Chilenen blieb nichts anderes übrig, als gegen die musikalische Störung anzusingen.

Es war nicht das erste Mal, dass bei einem Fußballspiel Popmusik anstelle von feierlichem Lobgesang ertönte: Bei einem Freundschaftsspiel zwischen der Slowakei und Malta genügten aber immerhin wenige Töne des markanten Intros des Hits Numb der Nu-Metal-Band Linkin Park, um den Fehler zu bemerken und zu korrigieren.

Wollen wir mal hoffen, dass bei der Europameisterschaft alles glatt läuft und keine weiteren musikalischen Missgeschicke passieren. Gleich im Eröffnungsspiel könnte es nämlich eine lustige Verwechslung geben. Schließlich fängt der Beatles-Hit All you need is love mit den Tönen der Marseilles an, der französischen Nationalhymne. Angesichts einer Europameisterschaft, die im Zeichen der Terrorangst steht, darf man die Beatles gerne beim Wort nehmen.

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Freitag, 6. Mai 2016 von Benno Schlagenhauf

Mensch-Maschine

Als unser Praktikant Pascal Tonnemacher mit einem Computerchip unter der Haut vom Pressetermin im Tailfinger Technologiewerkstatt zurückkam (wir berichteten in unserer Mittwochsausgabe), löste das kontroverse Diskussionen in der ZAK-Redaktion und Unverständnis bei manchen Kollegen aus.

Während die meisten Kollegen einen Chip unter der Haut kategorisch ablehnten, könnte ich mir schon vorstellen, so einen Alltagshelfer zu nutzen.

Körpermodifikationen aller Art üben ohnehin eine große Faszination auf mich aus, egal ob es nun Tattoos, Piercings oder ausgefallenere Veränderungen sind.

Cyborgs, also Verbindungen aus Mensch und Technik, sind auch kein reines Science-Fiction-Hirngespinst à la Terminator, sondern längst Alltag – schließlich sind auch Personen mit Prothesen, Herzschrittmachern oder künstlichen Organen bereits Mischwesen aus Mensch und Maschine.

Während die medizinischen Anwendungszwecke dem Menschen verlorengegangene Lebensqualität zurückgeben sollen, gehen die sogenannten Biohacker, die sich Chips, Implantate und Magnete unter die Haut einpflanzen lassen einen Schritt weiter und wollen die naturgegebenen Grenzen ihres Körpers überwinden und neue, ungeahnte Möglichkeiten und Fähigkeiten entwickeln – kurz: den Menschen besser machen. In den kühnen Zukunftsvisionen der Biohacker scheint sogar die Unsterblichkeit möglich. Das klingt zugegeben schon etwas unheimlich – aber auch unheimlich spannend.

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Dienstag, 26. April 2016 von Benno Schlagenhauf

Ehrlicher Parkrempler

„Nach Unfall verschwunden“, „Unfallflucht nach Parkrempler“, „Unfallverursacher fährt davon“ – solche Überschriften haben wir jede Woche, beinahe täglich, unter den Polizeimeldungen in der Zeitung. Oft wird der Unfallverursacher trotz Zeugenaufrufs nicht gefunden und der Geschädigte bleibt auf seinem Schaden sitzen.

Kürzlich wurde mein Auto Opfer eines Parkremplers. Der Schaden war zwar nicht groß aber ärgerlich trotzdem. Zunächst war mir der Makel gar nicht aufgefallen – wann und wo jemand an mein Auto gestoßen sein könnte, wusste ich also nicht und so konnte ich es mir gleich sparen, damit zur Polizei zu gehen. Ich hatte mich also schon darauf eingestellt, dass ich den Schaden wohl selbst berappen musste. Doch ich hatte meine Rechnung ohne den Unfallverursacher gemacht. Der war beim Ausparken auf dem Parkplatz der Sporthalle, wo ich jeden Freitag Fußball spiele, gegen meinen kleinen Flitzer gestoßen. Eine Woche nach dem Parkrempler, am darauffolgenden Freitag, hat er mich vor dem Fußballtraining abgepasst und sein Malheur gestanden. Bei so viel Ehrlichkeit war ich erst mal baff, schließlich wäre er sicher auch ohne sich zu melden davon gekommen. Umso schöner, dass der ehrliche Unfallverursacher auch noch zur viel gescholtenen Jugend gehört – die ist wohl doch besser als ihr Ruf.

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