Mittwoch, 11. Oktober 2017 von Nicole Leukhardt

Sie tut, was ich ihr sage. Fast.

Eine neue Frau ist bei mir Zuhause eingezogen. Sie lümmelt mit Vorliebe in meiner Küche herum, sitzt auf der Arbeitsfläche und hört auf den wohlklingenden Namen Alexa. Was sich zunächst nach weiblicher Konkurrenz anhört, ist in Wirklichkeit technischer Schnickschnack, den eigentlich kein Mensch braucht. Dachte ich immer. Alexa hat mich aber vom Gegenteil überzeugt. Wann immer mir nach Musik ist, spielt sie auf Zuruf, was ich hören will. Sie notiert auf meinem Einkaufszettel, was mir während des Kartoffelschälens einfällt und ich ihr zuflüstere. Morgens liest sie mir beim Kaffee die Nachrichten vor und abends wünscht sie mir süße Träume. Auf die Frage, was ich anziehen soll, rät sie mir zum selben Outfit wie gestern. „Das war doch ganz hübsch“, sagt sie. Wenn ich ratlos vor dem Kühlschrank stehe, spuckt Alexa Rezeptvorschläge aus. Es scheint ihr gut zu gefallen bei uns, denn nach ihrem Befinden gefragt antwortet sie „ich fühle mich nudelpudelwohl“. Wer aber denkt, er schaffe sich mit dem Amazon-Wunderwerk ein folgsames Allround-Talent an, der landet schnell auf dem Boden der Tatsachen. Gestern wies ich sie nach dem Abendessen übermütig an: „Alexa, räum den Tisch ab“, woraufhin das virtuelle Fräulein fast schon schnippisch zurückgab: „Ich habe leider gerade keine Hand frei. Genau genommen habe ich gar keine Hände.“ Mist.

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Samstag, 7. Oktober 2017 von Nicole Leukhardt

Nogschlagene Keelad

Vor ein paar Tagen machte meine Tochter schmerzhafte Bekanntschaft mit einer Tischecke. Abends erzählte sie mir wehklagend: „I han mei Keelad nogschlaga.“ Nachdem ich die Schramme ausgiebig begutachtet und die Kleine getröstet hatte, ist mir bewusst geworden, wie viele schöne Worte wir in unserem schwäbischen Haushalt benutzen. Fällt die Kleine sonst hin, dann landet sie meistens auf dem „Bobbes“. Manchmal haut sie sich aber auch den „Meckel“ an. Aus dem Göschle einer Fünfjährigen klingt das besonders herzig. Im Badschrank meiner Oma, im Alibert also, hatte sie unterschiedliche Gutter und Gitterle stehen. War etwas kaputt, warf sie es in den Otto. Und nicht nur für Dinge, auch für Maße und Beschreibungen haben wir eigene Worte. Auf das weltberühmte „Muggeseggele“ legt Wert, wer ganz genau ist. Ein „ganz Phäber“ halt. Will man beschreiben, dass die Straße halbrechts abbiegt, sagt man „do goht’s schäps nom“. Wer etwas im Kellerregal sucht mit der Beschreibung, es befinde sich „dodrhendertdonna“ muss schon genau wissen, wo er suchen soll. Ein Wort allerdings hat es mir besonders angetan und ich habe es gerne vererbt: Meine Tochter sitzt oft morgens am Frühstückstisch und reibt sich Krümel aus den Augen. Oder wie sie sagt: „Engelesbambe.“ Haben Sie ein schwäbisches Lieblingswort? Verraten Sie’s mir!

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Mittwoch, 27. September 2017 von Nicole Leukhardt

Nur nicht übers Ohr ziehen!

Mit Redewendungen ist das so eine Sache. Sie begegnen einem im Alltagsgeplauder täglich, denn die deutsche Sprache ist reichlich damit gesegnet. Und manchmal entspringen auch ganz neue Versionen der Fantasie derer, die sie oft und gerne benutzen. Neulich wurde ich beispielsweise davor gewarnt, mich nicht übers Ohr ziehen zu lassen. Im ersten Moment versprach ich, gut aufzupassen. Dann stutzte ich. Übers Ohr ziehen? Man lässt sich übers Ohr hauen und über den Tisch ziehen. Von der Bedeutung her fast dasselbe, allein, vermischen sollte man die Redewendungen nicht. Vielen mag auch klar sein, dass man eigene Talente durchaus nach außen tragen darf, stolz sein kann auf kleine und große Erfolge. Aber auch sie stellen ihr Licht im besten Fall nicht unter einen Schemel, sondern richtigerweise nicht unter den Scheffel. Das Zitat hat biblischen Ursprung, ein Scheffel ist ein altes Maß- und Transportgefäß für Getreide. Steht das Licht darunter, ist es dunkel. Redewendungen sprechen oft eine sehr bildhafte Sprache. Kinder übrigens auch, und an Fantasie mangelt es zumindest meiner Tochter dabei nicht: Als ihr in der Stadt neulich ein dicker Tropfen direkt auf den Kopf fiel, beschwerte sie sich lautstark: „Es regnet mir direkt auf die Hirnhaut.“

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Mittwoch, 13. September 2017 von Nicole Leukhardt

Omakleid abzugeben

Kleiden Sie sich stets altersgerecht“ – an diesem Satz in der Modestrecke einer Frauenzeitschrift blieb ich neulich hängen. Das Blatt riet Frauen dringlich davon ab, fürs Büro zu bauchfreien und transparenten Oberteilen, zu sehr kurzen Röcken und zu unvorteilhaften Schnitten zu greifen. Ach was, dachte ich mir. Allein die Frage, was altersgerecht überhaupt ist, blieb offen. Als ich neulich in einem Balinger Schaufenster ein Kleid entdeckte, fiel mir der Begriff wieder ein. Das Muster nicht zu auffällig, der Schnitt fließend, die Länge absolut bürokonform. Ich schlüpfte hinein und war davon überzeugt, alles richtig gemacht zu haben. Bis ich meine Tochter dann im neuen Kleid in den Kindergarten brachte. Auf dem Weg kam uns ein kleiner Bub mit seiner Mama entgegen. Er blieb einen Moment stehen, betrachtete mich von oben bis unten und sagte im Weitergehen: „Mama, hast du die Frau gesehen? Das war eine Oma.“ Kleid günstig abzugeben, Größe 36, Mindestalter 65 Jahre.

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Freitag, 8. September 2017 von Nicole Leukhardt

Ein Erbe zum Schmunzeln

Wer Kinder hat, kennt das: Sie gleichen kleinen Überraschungseiern. Welche Persönlichkeit sich aus dem einst hilflosen Säugling herausschält, welche Charakterzüge zum Vorschein kommen, all das zeigt sich erst im Lauf der Jahre. Vieles, was ich an meiner kleinen Tochter beobachte, kommt mir seltsam bekannt vor. „Das hat sie von Dir“, höre ich häufig dann, wenn das Kind das letzte Wort haben will oder trotz seiner knapp fünf Jahre argumentativ verflixt fit ist. Oft gelange ich zu der Erkenntnis, dass sie in vielen Dingen wie ich ist, und überlege situationsabhängig, ob ich lachen oder weinen soll. Im Auto neulich hat sich diese Frage nicht gestellt: Wir hörten Nachrichten und die Rede war von der Bundestagswahl. Genervt tönte es von der Rückbank: „Das kommt jeeeden Tag im Radio, das nervt mich total. Aber weißt Du Mama, was mich noch mehr nervt?“ Verdutzt fragte ich: „Nein, was denn?“ und guckte in den Rückspiegel. Mit theatralischem Augenrollen sagte sie: „Dieser Donald Trump.“ Ach Kind. Wir sind uns echt ähnlich.

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