Samstag, 7. Oktober 2017 von Nicole Leukhardt

Nogschlagene Keelad

Vor ein paar Tagen machte meine Tochter schmerzhafte Bekanntschaft mit einer Tischecke. Abends erzählte sie mir wehklagend: „I han mei Keelad nogschlaga.“ Nachdem ich die Schramme ausgiebig begutachtet und die Kleine getröstet hatte, ist mir bewusst geworden, wie viele schöne Worte wir in unserem schwäbischen Haushalt benutzen. Fällt die Kleine sonst hin, dann landet sie meistens auf dem „Bobbes“. Manchmal haut sie sich aber auch den „Meckel“ an. Aus dem Göschle einer Fünfjährigen klingt das besonders herzig. Im Badschrank meiner Oma, im Alibert also, hatte sie unterschiedliche Gutter und Gitterle stehen. War etwas kaputt, warf sie es in den Otto. Und nicht nur für Dinge, auch für Maße und Beschreibungen haben wir eigene Worte. Auf das weltberühmte „Muggeseggele“ legt Wert, wer ganz genau ist. Ein „ganz Phäber“ halt. Will man beschreiben, dass die Straße halbrechts abbiegt, sagt man „do goht’s schäps nom“. Wer etwas im Kellerregal sucht mit der Beschreibung, es befinde sich „dodrhendertdonna“ muss schon genau wissen, wo er suchen soll. Ein Wort allerdings hat es mir besonders angetan und ich habe es gerne vererbt: Meine Tochter sitzt oft morgens am Frühstückstisch und reibt sich Krümel aus den Augen. Oder wie sie sagt: „Engelesbambe.“ Haben Sie ein schwäbisches Lieblingswort? Verraten Sie’s mir!

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Mittwoch, 27. September 2017 von Nicole Leukhardt

Nur nicht übers Ohr ziehen!

Mit Redewendungen ist das so eine Sache. Sie begegnen einem im Alltagsgeplauder täglich, denn die deutsche Sprache ist reichlich damit gesegnet. Und manchmal entspringen auch ganz neue Versionen der Fantasie derer, die sie oft und gerne benutzen. Neulich wurde ich beispielsweise davor gewarnt, mich nicht übers Ohr ziehen zu lassen. Im ersten Moment versprach ich, gut aufzupassen. Dann stutzte ich. Übers Ohr ziehen? Man lässt sich übers Ohr hauen und über den Tisch ziehen. Von der Bedeutung her fast dasselbe, allein, vermischen sollte man die Redewendungen nicht. Vielen mag auch klar sein, dass man eigene Talente durchaus nach außen tragen darf, stolz sein kann auf kleine und große Erfolge. Aber auch sie stellen ihr Licht im besten Fall nicht unter einen Schemel, sondern richtigerweise nicht unter den Scheffel. Das Zitat hat biblischen Ursprung, ein Scheffel ist ein altes Maß- und Transportgefäß für Getreide. Steht das Licht darunter, ist es dunkel. Redewendungen sprechen oft eine sehr bildhafte Sprache. Kinder übrigens auch, und an Fantasie mangelt es zumindest meiner Tochter dabei nicht: Als ihr in der Stadt neulich ein dicker Tropfen direkt auf den Kopf fiel, beschwerte sie sich lautstark: „Es regnet mir direkt auf die Hirnhaut.“

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Mittwoch, 13. September 2017 von Nicole Leukhardt

Omakleid abzugeben

Kleiden Sie sich stets altersgerecht“ – an diesem Satz in der Modestrecke einer Frauenzeitschrift blieb ich neulich hängen. Das Blatt riet Frauen dringlich davon ab, fürs Büro zu bauchfreien und transparenten Oberteilen, zu sehr kurzen Röcken und zu unvorteilhaften Schnitten zu greifen. Ach was, dachte ich mir. Allein die Frage, was altersgerecht überhaupt ist, blieb offen. Als ich neulich in einem Balinger Schaufenster ein Kleid entdeckte, fiel mir der Begriff wieder ein. Das Muster nicht zu auffällig, der Schnitt fließend, die Länge absolut bürokonform. Ich schlüpfte hinein und war davon überzeugt, alles richtig gemacht zu haben. Bis ich meine Tochter dann im neuen Kleid in den Kindergarten brachte. Auf dem Weg kam uns ein kleiner Bub mit seiner Mama entgegen. Er blieb einen Moment stehen, betrachtete mich von oben bis unten und sagte im Weitergehen: „Mama, hast du die Frau gesehen? Das war eine Oma.“ Kleid günstig abzugeben, Größe 36, Mindestalter 65 Jahre.

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Freitag, 8. September 2017 von Nicole Leukhardt

Ein Erbe zum Schmunzeln

Wer Kinder hat, kennt das: Sie gleichen kleinen Überraschungseiern. Welche Persönlichkeit sich aus dem einst hilflosen Säugling herausschält, welche Charakterzüge zum Vorschein kommen, all das zeigt sich erst im Lauf der Jahre. Vieles, was ich an meiner kleinen Tochter beobachte, kommt mir seltsam bekannt vor. „Das hat sie von Dir“, höre ich häufig dann, wenn das Kind das letzte Wort haben will oder trotz seiner knapp fünf Jahre argumentativ verflixt fit ist. Oft gelange ich zu der Erkenntnis, dass sie in vielen Dingen wie ich ist, und überlege situationsabhängig, ob ich lachen oder weinen soll. Im Auto neulich hat sich diese Frage nicht gestellt: Wir hörten Nachrichten und die Rede war von der Bundestagswahl. Genervt tönte es von der Rückbank: „Das kommt jeeeden Tag im Radio, das nervt mich total. Aber weißt Du Mama, was mich noch mehr nervt?“ Verdutzt fragte ich: „Nein, was denn?“ und guckte in den Rückspiegel. Mit theatralischem Augenrollen sagte sie: „Dieser Donald Trump.“ Ach Kind. Wir sind uns echt ähnlich.

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Donnerstag, 3. August 2017 von Nicole Leukhardt

Flatterhafte Begleiter

Es ist gelb, es ist niedlich und es fällt auf wie ein bunter Hund - keine Frage, ich liebe mein Cabrio sehr. Wenn Spötter den Flitzer als fahrenden Briefkasten titulieren, tätschle ich meiner treuen Karosse die Motorhaube und freue mich auf die ersten Sonnenstrahlen im April. Dann gibt es kaum etwas Schöneres als das sonore Brummen, wenn sich das Faltdach öffnet und Spötter zu Neidern macht. Die Befürchtung, dass mir üble Zeitgenossen Müll, Laub oder gar Schlimmeres ins offene Auto werfen hat sich übrigens noch nie bestätigt. Ich sollte mir – das hat mich die Erfahrung erst gestern gelehrt – sowieso eher Gedanken um Dinge machen, die mein Auto verlassen. Ich war unterwegs in die Redaktion und hatte nicht nur das Dach, sondern auch die Fenster offen. Ich genoss den angenehmen Durchzug, bis mich ein merkwürdiges Rascheln in der kleinen Ablage hinter mir irritierte. Als ich mit der Hand nach der Quelle des Geräuschs tastete, konnte ich im Augenwinkel gerade noch sehen, wie sich meine Kontoauszüge Hochzeitstauben gleich mit flatterndem Geräusch in den blauen Sommerhimmel über der Bundesstraße erhoben. Auf Nimmerwiedersehen. Ab sofort heißt es wohl auch fürs Inventar „Anschnallen bitte“.

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