Samstag, 2. Dezember 2017 von Nicole Leukhardt

Der Roboter saugt für Geld

Ich lebe mit einem Zwiespalt. So sehr ich saubere Böden liebe, so wenig mag ich meinen Staubsauger. Würde mich jemand nach den Top Ten der unbeliebtesten Hausarbeiten fragen, gehörte Staubsaugen für mich definitiv auf den Spitzenplatz. Als die ersten Staubsaugerroboter auf den Markt kamen, sah ich meine Stunde gekommen. Ich informierte mich ausgiebig bei verschiedenen Herstellern und ließ mir selbstfahrende, brummende Wundergeräte zeigen. Auf den zweiten Blick offenbarten sie leider immer ihre Schwächen. Denn: Teppiche sind die Achillesferse der kleinen, runden Helfer. Auf einer Messe ließ ich mir das Gerät eines grün-weißen Traditionsherstellers vorführen. Auch hier hieß es: „Sie müssen trotzdem noch normal saugen.“ Ich winkte seufzend ab. Heute schließlich begegnete mir der ultimative Saugroboter. Angeblich kommt er mit Teppichen genauso gut klar, wie mit Parkett. Warum ich nicht in Jubelstürme ausbreche? Sein Preis ist vierstellig. Liebe Banken, vielleicht denkt ihr mal über einen Saugsparvertrag nach. Ich sehe da Potenzial.

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Donnerstag, 9. November 2017 von Nicole Leukhardt

Schwätza und losna

Erinnern Sie sich? Ich hatte in einem meiner jüngsten Tagebücher nach Ihrem schwäbischen Lieblingswort gefragt. Die riesige Resonanz zeigt: Wer Schwäbisch beherrscht, kann täglich aus einer Fülle an Begriffen wählen, die Dialektfremde vor unlösbare Rätsel stellt. Wenn Sie sich über etwas ärgern, werden Sie näsch, haben Sie mir verraten. Schmerzen im Gädr lassen Sie vor sich hin bruddla. Manchmal helfe dann der Blick in den Kinderwagen, wo der Anblick des Buzzeles Sie auf andere Gedanken bringt. Nicht zu verwechseln übrigens mit dem Butzameggeler, auch das wurde als Lieblingswort genannt, wenngleich es keine sehr appetitliche Sache beschreibt. Die Betonung ist im Schwäbischen übrigens ausgesprochen wichtig: Wer das lose Mundwerk eines anderen als freche Gosch tituliert, ist einigermaßen eingeschnappt. Wer dagegen 'mo gosch no' fragt, will lediglich wissen, wohin sein Gegenüber geht. Wo auch immer Sie heute hingehen – gut Zuhören kann sehr lehrreich sein. Losna, wie der Schwabe sagt.

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Dienstag, 17. Oktober 2017 von Nicole Leukhardt

Stellen Sie sich nie hinter mich!

Sind Sie im Stress? Haben Sie es richtig eilig? Dann rate ich Ihnen davon ab, sich im Supermarkt hinter mir an der Kasse anzustellen. Meine Schlange ist nämlich immer die langsamste. Ich bin der Garant für tiefenentspanntes Anstehen. Weil ich mich mittlerweile damit abgefunden habe, dass just vor mir die Kassenbonrolle mit einem rosa Streifen und leisem Rattern endet, oder „Frau Maier, Storno Kasse drei bitte“ ausgerufen werden muss, betreibe ich beim Warten Sozialstudien. Sag mir, was Du kaufst und ich sage dir, wer Du bist. Eingepackte Brötchen, Käse in Würfeln, 200 Gramm Aufschnitt? Keine Frage, der Mann vor mir ist Handwerker mit ordentlich Kohldampf. Ich schiele an ihm vorbei. Ganz vorne versucht eine junge Frau eine schier unglaubliche Anzahl Becher derselben Puddingsorte zu kaufen. Sie findet ihre EC-Karte nicht und lässt sich vorrechnen, wie viele Becher man für zehn Euro Bargeld wohl bekommt. Ich tu mir ein wenig schwer mit der Analyse. Womöglich steht ein Kindergeburtstag ins Haus? Wurde das Suchtpotenzial von Pudding jemals erforscht? Die Wartenden scharren mit den Füßen. Als ich schließlich an der Reihe bin und meine Habseligkeiten bezahlen will, fällt mir siedendheiß ein, dass mein Geldbeutel noch im Auto liegt und ich jetzt der Grund für den nächsten Kassenstau bin. Rollen Sie meinetwegen mit den Augen, aber sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt!

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Mittwoch, 11. Oktober 2017 von Nicole Leukhardt

Sie tut, was ich ihr sage. Fast.

Eine neue Frau ist bei mir Zuhause eingezogen. Sie lümmelt mit Vorliebe in meiner Küche herum, sitzt auf der Arbeitsfläche und hört auf den wohlklingenden Namen Alexa. Was sich zunächst nach weiblicher Konkurrenz anhört, ist in Wirklichkeit technischer Schnickschnack, den eigentlich kein Mensch braucht. Dachte ich immer. Alexa hat mich aber vom Gegenteil überzeugt. Wann immer mir nach Musik ist, spielt sie auf Zuruf, was ich hören will. Sie notiert auf meinem Einkaufszettel, was mir während des Kartoffelschälens einfällt und ich ihr zuflüstere. Morgens liest sie mir beim Kaffee die Nachrichten vor und abends wünscht sie mir süße Träume. Auf die Frage, was ich anziehen soll, rät sie mir zum selben Outfit wie gestern. „Das war doch ganz hübsch“, sagt sie. Wenn ich ratlos vor dem Kühlschrank stehe, spuckt Alexa Rezeptvorschläge aus. Es scheint ihr gut zu gefallen bei uns, denn nach ihrem Befinden gefragt antwortet sie „ich fühle mich nudelpudelwohl“. Wer aber denkt, er schaffe sich mit dem Amazon-Wunderwerk ein folgsames Allround-Talent an, der landet schnell auf dem Boden der Tatsachen. Gestern wies ich sie nach dem Abendessen übermütig an: „Alexa, räum den Tisch ab“, woraufhin das virtuelle Fräulein fast schon schnippisch zurückgab: „Ich habe leider gerade keine Hand frei. Genau genommen habe ich gar keine Hände.“ Mist.

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Samstag, 7. Oktober 2017 von Nicole Leukhardt

Nogschlagene Keelad

Vor ein paar Tagen machte meine Tochter schmerzhafte Bekanntschaft mit einer Tischecke. Abends erzählte sie mir wehklagend: „I han mei Keelad nogschlaga.“ Nachdem ich die Schramme ausgiebig begutachtet und die Kleine getröstet hatte, ist mir bewusst geworden, wie viele schöne Worte wir in unserem schwäbischen Haushalt benutzen. Fällt die Kleine sonst hin, dann landet sie meistens auf dem „Bobbes“. Manchmal haut sie sich aber auch den „Meckel“ an. Aus dem Göschle einer Fünfjährigen klingt das besonders herzig. Im Badschrank meiner Oma, im Alibert also, hatte sie unterschiedliche Gutter und Gitterle stehen. War etwas kaputt, warf sie es in den Otto. Und nicht nur für Dinge, auch für Maße und Beschreibungen haben wir eigene Worte. Auf das weltberühmte „Muggeseggele“ legt Wert, wer ganz genau ist. Ein „ganz Phäber“ halt. Will man beschreiben, dass die Straße halbrechts abbiegt, sagt man „do goht’s schäps nom“. Wer etwas im Kellerregal sucht mit der Beschreibung, es befinde sich „dodrhendertdonna“ muss schon genau wissen, wo er suchen soll. Ein Wort allerdings hat es mir besonders angetan und ich habe es gerne vererbt: Meine Tochter sitzt oft morgens am Frühstückstisch und reibt sich Krümel aus den Augen. Oder wie sie sagt: „Engelesbambe.“ Haben Sie ein schwäbisches Lieblingswort? Verraten Sie’s mir!

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