Samstag, 31. März 2018 von Nicole Leukhardt

Tierisch gruselig!

Haben Sie Lust, sich ein bisschen zu gruseln? Dann erzähle ich Ihnen, was sich neulich spätabends im Hause Leukhardt zugetragen hat. Es war ein Dienstagabend, meine Tochter und ich hatten nach der Gutenachtgeschichte im Kinderzimmer gerade das Licht gelöscht. Ich lauschte dem Ruf des Käuzchens vor dem Fenster und den immer ruhiger werdenden Atemzügen meiner Tochter. Plötzlich wurde die Stille von einem vernehmlichen Rascheln unterbrochen. Wenige Augenblicke später fragte das vermeintlich schlafende Kind „Was war das?“ Weil sie mir hoch und heilig schwor, nicht selbst Verursacherin des Geraschels gewesen zu sein, knipsten wir das Licht an. Wir räumten Kissen und Kuscheltiere zur Seite, fanden aber nichts Verdächtiges. Schließlich legten wir uns alle möglichen Erklärungen zurecht, woher das Geräusch wohl gekommen war. Einigermaßen beruhigt löschten wir das Licht wieder. Sie ahnen es. Keine zwei Minuten später: Raschelraschel. Aber diesmal konnte ich die Quelle des Geräuschs nicht nur besser lokalisieren, ich konnte den Störenfried sogar sehen: Im Schein des kleinen Nachtlichts bewegten sich die acht langen Beine einer großen Winkelspinne über die Reispapierlampe auf dem Nachttisch. Wir haben sie mit Herzklopfen und einem Glas eingefangen und ins Freie befördert. Und sind schließlich nach so viel nächtlicher Action doch noch irgendwann eingeschlafen. Aber mit ein bisschen Gänsehaut.

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Dienstag, 20. März 2018 von Nicole Leukhardt

Bohren und Schrauben halt

Wenn mein Mann im Baumarkt einen Verkäufer sucht, seien die Gänge wie leer gefegt, sagt er. Ich kann das gar nicht verstehen: Kaum betrete ich die heiligen Hallen und flaniere zwischen Baumaterial und Bohrhämmern, eilt ein beflissener Mitarbeiter heran und fragt besorgt, ob er mir helfen könne. „Ich suche ein Geschenk“, sagte ich neulich zu einem. Er guckte mich konsterniert an und fragte mit dem Blick auf den blauen Koffer, nach dem ich gerade gegriffen hatte: „Eine Bohrmaschine?“ Etwas zögernd räumte ich ein, dass ich mir nicht sicher bin. Es ist immerhin schon Wochen her, dass mein Mann just an dieser Stelle des Baumarkts stand und seine Begeisterung über irgendwelches Profiwerkzeug zum Ausdruck gebracht hatte. Jetzt, da ich auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk war, wünschte ich mir, ich hätte besser zugehört, was er genau gemeint hatte. Nach kurzer Überlegung griff ich aber zu. „Brauchen Sie noch Information zu dem Bohrschrauber?“ fragte der Verkäufer. Ich überlegte kurz und betrachtete das Köfferchen. „Der kann schon was, oder?“, wollte ich wissen. „Ja“, sagte der Verkäufer, „bohren und schrauben halt“. Wir lachten herzlich und ich wusste genau, was bei meinem nächsten Baumarktbesuch passieren wird: Bei meiner kompetenten Ausstrahlung lassen die mich keine Sekunde aus den Augen.

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Freitag, 23. Februar 2018 von Nicole Leukhardt

Karma als Einparkhilfe

Ich halte mich für einen gelassenen Autofahrer. Überholt mich jemand unnötig, gurkt im Schneckentempo vor mir her oder verschläft die Grünphase der Ampel, besinne ich mich aufs Karma. Früher oder später holt es jeden ein. Was ich allerdings ganz schwer ertragen kann, ist Dreistigkeit. So blieb mir neulich nichts anderes übrig, als fluchend einen Parkplatz aufzugeben, weil es Blechschaden gegeben hätte, hätte ich auf mein Recht bestanden. Denn bei Parklücken gilt: Wer zuerst seine Parkabsicht signalisiert, dem gehört die Lücke. Ich hatte einen Abendtermin, erspähte einen Platz für mein Auto auf der linken Seite, stellte mich parkbereit auf die Fahrbahn und blinkte links. Den Gegenverkehr, den ich heranfahren sah, wollte ich noch vorbeilassen. Womit ich nicht gerechnet hatte: Diese Fahrerin hatte die Lücke dann auch entdeckt und als die ihre auserkoren. Sie bremste ab, blinkte rechts und zack, stand das Auto in der Bucht, die ich geduldig angeblinkt hatte. In der Straßenverkehrsordnung heißt es: An einer Parklücke hat Vorrang, wer sie zuerst unmittelbar erreicht. Das war ich. Aber weil alles Ärgern nichts hilft, vertraue ich jetzt einfach wieder aufs Karma.

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Dienstag, 6. Februar 2018 von Nicole Leukhardt

Telefonieren im Wurstbrotstyle

Haben Sie ein Handy? Halten Sie es sich zum Telefonieren ans Ohr? Ja? Sie sind so was von out. Wer hip sein will, stellt die Lautsprecher an, um allen Umstehenden das angestrengte Lauschen zu ersparen. Dann hält er sich das Smartphone quer vor das Gesicht, als handle es sich um ein reichlich belegtes Wurstbrot inklusive Gürkchen und spricht nuschelnd ins untere Ende. Jedes mal, wenn mir in der Stadt ein Teenie derart horizontal telefonierend begegnet, warte ich darauf, dass er herzhaft ins Plastik beißt. Vielleicht steige ich hinter die Vorzüge dieser Art der Kommunikation, wenn ich es nur einmal ausprobiere? Bei einem anderen Trend ist mir dies nämlich gänzlich versagt. Ich frage daher Sie: Was hat es mit den Schuhen auf sich, die Jugendliche so lange in Bäume werfen, bis sie an einem Ast hängen bleiben und ihren Lebensabend in luftiger Höhe fristen? In Balingen wächst so ein Schuhbaum bei der Bizerba-Arena. An Brücken, die ihr Eigengewicht dank zahlloser Vorhängeschlösser voll kitschiger Liebesschwüre annähernd verdoppelt haben, habe ich mich ja gewöhnt. Aber Schuhe, die von Bäumen baumeln? Bevor Sie mir auch hier zum Ausprobieren raten – keine Chance. Pumps haben keine Schnürsenkel. Ich bin sowas von out.

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Samstag, 20. Januar 2018 von Nicole Leukhardt

Mehr Pfeffer im Alter

Ich bin jetzt offiziell alt. Ich mache das nicht an grauen Haaren fest, sondern an meinen Bedürfnissen die Kücheneinrichtung betreffend. Letzten Donnerstag verbrachte ich einen halben Tag mit meinem Mann im Designeroutlet. Ich flanierte zwischen Gucci und Prada umher, bestaunte die Auslage bei Jimmy Choo und bei Michael Kors. In meiner Tüte landete allerdings kein edles Stöffchen und schon gar keine Highheels.Während ich früher heimgefahren bin und glücksselig das glatte Leder meiner neuen Handtasche gestreichelt hatte, strich ich am Donnerstag hingerissen über die Anti-Haft-Beschichtung meiner beiden neuen Bratpfannen. Schon da hatte ich den Eindruck, dass früher irgendwie mehr Lametta war. Seit ich dann aber in Balingen ein Gewürzregal kaufen wollte, weiß ich sicher, dass ich nicht mehr zu den jungen Frauen zähle. In zwei Geschäften traf ich ratlose Verkäuferinnen, die mir mit Achselzucken erklärten, heutzutage würde sich kein Mensch mehr Gewürzregale in die Küche hängen. Im dritten Geschäft schließlich wurde ich fündig und bekam mit dem Kassenbon auch gleich noch eine Lektion in Sachen Alter: „Junge Frauen brauchen kein Gewürzregal, die kochen mit Maggifix.“

Prost Mahlzeit.

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