Freitag, 31. August 2012 von Hannes Mohr

Kamikaze auf der Spitze

Einmal den höchsten Berg Deutschlands, die Zugspitze, besteigen – diesen Traum habe ich mir jüngst erfüllt. Von Garmisch aus gestartet galt es, zu Fuß 2300 Höhenmeter zu überwinden. Eine unglaublich schöne Landschaft rechtfertigte all die Mühen. Nach zwei Tagen oben angekommen, kam dann die Ernüchterung: Während unterwegs noch Ruhe und Idyll herrschten, war auf Deutschlands höchstem Punkt die Hölle los. Zu Tausenden karrten die Seilbahnen Touristen auf die Aussichtsplattform – hauptsächlich asiatischer Herkunft. Der letzte Teil bis zum Gipfelkreuz ist ein Klettersteig, gesichert mit Stahlseilen. Da wollten sie dann alle hoch. Mit Sandalen oder Turnschuhen rutschten die bequemen „Gipfelstürmer“ über den glattgetretenen Fels neben einem über 100 Meter tiefen Abgrund. Vor Angst fast gelähmt, klammerten sie sich an das Stahlseil. Nach der langen Reise wollte ich natürlich auch zum Gipfelkreuz. Doch habe ich auch genügend Respekt vor dem Berg, kenne die alpinen Gefahren und weiß, wie man sich am Fels verhält – anders als meine japanischen Touri-Kollegen. Entsprechend hatte ich keine Angst vor der Besteigung, sondern vor den schlecht ausgestatteten Ausflüglern, die bei Unachtsamkeit zu Kamikazefliegern werden. Diese waren, trotz der Absturzgefahr und ihrer schlechten Ausrüstung, ganz schön flott unterwegs. Vermutlich mussten sie schnell wieder zum Bus zurück. Schloss Neuschwanstein wartete sicher schon auf sie.

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Samstag, 11. August 2012 von Hannes Mohr

Politiker im Sommerloch

Über den Sinn von Facebook-Partys lässt sich streiten. Wenn Feste zu einem Massenauflauf mit Ausschreitungen verkommen, ist sicherlich die Frage nach dem oder den Verantwortlichen richtig. Genauso richtig finde ich, dass man diese Leute, die zu so einer Party aufrufen, zur Kasse bittet. Doch was jetzt Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, und Baden Württembergs Innenminister Reinhold Gall jüngst gefordert haben, finde ich lächerlich: Das Unternehmen Facebook soll ebenso für Polizeieinsätze bei solchen Partys blechen. Sie würden schließlich die Plattform dazu bieten. Nun, lieber Herr Gall, werter Herr Wendt – Facebook ist ein soziales Netzwerk und keine Krawallparty-Plattform. Wenn das System ausgenutzt wird, kann sicherlich das Unternehmen nichts dafür. Man kann nahezu alles dazu benutzen, jemanden anderen Schaden zuzufügen. Man kann ein Küchenmesserhersteller nicht in die Verantwortung nehmen, weil ein Räuber mit dessen Klingen jemanden bedroht hat. Mit dieser Form der Argumentation ist der Willkür bei der Gesetzgebung keine Grenzen gesetzt. Ich hoffe, dass die Herren, die sichtlich versuchen, das Sommerloch auszunutzen, um sich zu profilieren, wieder zu Verstand kommen. Mit blanken Populismus ist niemanden geholfen. Am wenigsten den Geschädigten solcher Partys.

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Dienstag, 7. August 2012 von Hannes Mohr

Gefangen in der gelbblauen Falle

Kürzlich entschieden meine Freundin und ich: Ein neues Regal muss her. Endlich hatte meine bessere Hälfte einen Grund, mich zu Ikea zu schleppen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen das schwedische Einrichtungshaus. Eigentlich war im Vorfeld auch schon alles klar: Wir hatten im Internet recherchiert, welches Regal wir wollen, welche Türchen und Einschübe dazu passen. Eigentlich mussten wir nur schnell rein, das Regal abholen und wieder zurück nach Hause zum Aufbauen. Eigentlich. Doch aus der gelbblauen Falle gibt es so schnell kein Entrinnen. Ich dachte tatsächlich, das mein vorher festgesetztes, kleines Budget reichen würde – die Preise für das Regal und das Zubehör waren mir ja im Vorfeld bekannt. Ach, ich alter Amateur. Da habe ich doch tatsächlich vergessen, noch die Teelichter, die Kleiderbügel, die Zimmerpflanze und den ganzen anderen Krimskrams mit einzurechnen, der unweigerlich in der großen, gelben Einkaufstasche landet. Am Ende spuckte die Scannerkasse Zentimeter für Zentimeter einen nicht enden wollenden Bon aus. Einmal tief einatmen, kurz in das vor Glück strahlende Gesicht der Freundin schauen und schon ist alles wieder vergessen. Am Ende zählt das Einrichtungsergebnis und das kann sich durchaus sehen lassen.

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Samstag, 28. Juli 2012 von Hannes Mohr

Verkannte Kunst

Kürzlich sprühten Kids die B 27-Unterführung bei der Balinger Kreisklinik bunt, Albstadts Busbahnhof wird ebenfalls bald in Farben aus der Dose getränkt und heute machen sich Graffitikünstler aus der ganzen Welt an der Rückwand des Balinger City-Centers zu schaffen. Allesamt legale Kunstprojekte. Dabei ist Graffiti eine urbane Kunstform, Straßenkunst, die eigentlich mit den Normen unserer Gesellschaft brechen will. Für viele Bürger sind Graffitis reiner Vandalismus. Zu einem gewissen Teil mag das stimmen: Geschmiere auf Wänden mit vulgären Sprüchen in Krakelschrift zählen für mich auch nicht zur Kunst. Man muss diese Schmiererei auch deutlich vom „Style-Writing“ abgrenzen. Ich selbst bin von den knallbunten Schriftzügen und Fantasiewelten begeistert. Ich könnte stundenlang mit der S-Bahn durch Vorstädte großer deutscher Metropolen fahren und mir entlang der Bahnlinien die „Pieces“ anschauen. Trotz aller Vorurteile und der Kriminalisierung – die Kunstform gewinnt zunehmend an Respekt in der Bevölkerung. Auch in unserem Landkreis ist das zu spüren. Die Ordnungsmacht beginnt zu begreifen, dass sie die „Sprayer“ nicht an die Kette legen kann. Also schafft sie legale Spielräume, um den Graffitis Achtung zu verschaffen. Manch einem will die Kunst dennoch nicht gefallen. Zumindest kann man dann nicht mehr behaupten, es sei Vandalismus.

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Mittwoch, 18. Juli 2012 von Hannes Mohr

Kaffeefahrt in luftigen Höhen

Was wäre der Deutsche ohne seinen Urlaub. Auch ich verreise gerne in den Sommermonaten. Und als Schwabe suche ich natürlich nach günstigen Reiseangeboten. Eine irische Fluglinie bietet besonders preiswerte Ticketpreise für Flüge in Europa. Doch ich konnte mir nicht vorstellen, dass der günstige Preis alle Kosten der Airline deckt. Die Fluggesellschaft muss irgendwie anders ihr Geld verdienen. Beim Buchen im Internet fängt es dann an: Zusatzreiseversicherung, passender Handgepäckkoffer – alles per Mausklick neben den Tickets bestellbar. Lehnt man die Angebote ab, wird man aufdringlich durch Pop-Up-Meldungen an sie erinnert. Hat man sich erfolgreich an der elektronischen Verkaufsfront gewehrt, geht es im Flugzeug weiter. Der Urlaubsflug mutiert zur Kaffeefahrt. Ununterbrochen bieten die netten Flugbegleiter supertolle Schnäppchen an, angefangen beim Parfüm bis hin zum Lotterielos. Abhauen geht ja schlecht im Flugzeug. Nun gut, ich bin der Angebotsflut entkommen. Nun weiß ich, wie Gesellschaften so günstig Flüge anbieten können. Irgendwann bezahlt man doch den Preis, dann eben anders. Doch mit einer gewissen Resistenz gegen die Verkäufer reist es sich auch mit günstigen Fluglinien durchaus angenehm.

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