Dienstag, 6. Mai 2014 von Hannes Mohr

Hunger oder reine Esslust?

Habe ich gerade wirklich Hunger? Oder nur Gelüste? Oftmals ist das schwer voneinander zu unterscheiden. Doch ob der Körper wirklich nach Nahrung verlangt, dafür gibt es einen Indikator: Der Blutzucker. Im Moment mache ich ein „Hunger Recognition Training“. Auf deutsch: Hungerwahrnehmungsschulung. Das Programm soll helfen, den echten Appetit von reiner Esslust zu unterscheiden. Darüber hinaus soll man lernen, Hunger zu kontrollieren. Sprich, so vorausschauend zu essen, dass man zu den gewohnten Esszeiten tatsächlich Appetit hat. Dabei kommt es nicht nur auf die Menge, sondern auch auf die Art der Lebensmittel an. Durch die ständigen Blutzuckermessungen weiß ich nun bereits nach einer Woche, wie mein Körper in Sachen Nahrungsaufnahme tickt. Ziel ist es, dass die Messungen irgendwann wegfallen und man wieder intuitiv isst. Das hier ist keine Diät oder keine Ernährungsumstellung im eigentlichen Sinne – sondern eine Schulung der Wahrnehmung. Ich habe mich aus Neugier als Testperson für das Projekt eines jungen Biochemie-Doktors gemeldet – und bin erstaunt was man von seinem Körper so alles lernen kann, wenn man nur bewusst auf ihn hört.

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Freitag, 6. September 2013 von Hannes Mohr

Grinsen auf Knopfdruck

Sie lachen, sie kichern, verdrehen erleichtert die Augen – als ich kürzlich in einem großen, deutschen Freizeitpark die Menschen beobachtete, wie sie aus einer Achterbahn kamen, schaute ich durchweg in grinsende Gesichter. Kaum zu glauben, denn kurz davor in der Schlange wirkten diese noch ziemlich gelangweilt. Verständlich: Kein Mensch wartet gerne. Achterbahnen sind wahre Adrenalinmaschinen. Kaum drückt der Techniker auf den Knopf und startet das Gefährt, stößt der Körper der Insassen einen bunten Hormoncocktail aus, der dafür sorgt, dass sie mit einem breiten Grinsen und einem Kribbeln im Bauch aus der Bahn laufen. Medizinisch gesehen ist Achterbahnfahren eine Stresssituation. Man unterscheidet allerdings zwischen negativen (Disstress) und positiven Stress (Eustress). Wird man nicht gerade gewaltsam gezwungen, in eine Achterbahn zu steigen, endet die Fahrt meist im Eustress und somit mit einem positiven Erlebnis. Ich zumindest liebe den Adrenalinkick auf Knopfdruck. Daher darf der jährliche Ausflug in den Freizeitpark bei mir nicht fehlen. Als sich also kürzlich der Achterbahnwagen samt meiner Wenigkeit darin dem „First drop“ – der ersten Abfahrt – näherte, stieg bereits an dieser Stelle mein Puls auf ungesunde Höhe. Nach der Fahrt lief ich genauso aus der Bahn, wie die vielen Menschen, die ich zuvor beobachtet hatte. Es dauerte eine Weile, bis die Gesichtsmuskeln erschlafft waren; da stand ich schon wieder in der nächsten Schlange.

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Freitag, 22. März 2013 von Hannes Mohr

Ehrlich währt am längsten

Ich hasse es: Kürzlich, als ich auf mein Auto zuging , entdecke ich eine tiefe Delle in der Seitentür. Anhand der hochkantigen Druckspur konnte man den Fall schnell rekonstruieren: Jemand Fremdes muss mit seiner Autotür meine linke Fahrzeugseite malträtiert haben – und ist dann einfach weggefahren. Das nervt. Das Rausdrücken der Dellen kostet bei einem Fachmann je nach Tiefe 50 bis 100 Euro. Nun, ich bin auch nicht perfekt. Als ich vor wenigen Tagen beruflich in Eile war und zu einem Termin hetzte, öffnete ich unsanft meine Seitentüre und stieß sie gegen den Kotflügel eines neben mir stehenden Wagens. Anstatt wegzufahren, habe ich die Besitzerin in der Firma, vor dem das Auto parkte, ausfindig gemacht. Heimlich wegfahren? Das kam für mich nicht in Frage. Schließlich kann ich es selbst nicht leiden. Die junge Frau war verständnisvoll. Sie lachte: „Ach, dieser kleine Kratzer? Das macht doch nichts.“ Tatsächlich war keine Vertiefung erkennbar. Meine schwarzlackierte Tür hat auf dem hellen Untergrund des Kleinwagens lediglich eine Farbspur hinterlassen, die sich durch Reiben mit dem Finger entfernen ließ. Die Frau bedankte sich für meine Ehrlichkeit, stellte aber keine Forderung. Ich war froh und erleichtert: Weder muss ich ein schlechtes Gewissen haben, noch muss ich für einen Schaden aufkommen. Ehrlich währt – nicht nur sprichwörtlich – eben am längsten.

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Freitag, 28. Dezember 2012 von Hannes Mohr

Links, links – rechts, rechts

Ja, ich stricke. Warum? Es entspannt. Wie ich dazu kam? Über meine bessere Hälfte. Lange suchte sie nach einem gestrickten Kissenbezug im Fachhandel. Erfolglos beschloss sie sich selbst einen zu stricken. Das Wissen eignete sie sich über ältere Generationen – Oma und Mama – an. Anfangs belächelte ich sie, wie sie das dicke Garn Masche um Masche von einer Stricknadel auf die andere und wieder zurück transportierte. Dann kam mein männlicher Ehrgeiz: „Was meine Freundin kann, kann ich schon lang.“ Kurzerhand ließ ich mir die Kunst des Strickens von ihr erklären – und war fasziniert. Am Ende ist da dieses Gefühl, etwas selbst gemacht zu haben, etwas Nützliches geschaffen zu haben. Natürlich bekommt der cremefarbene Kissenbezug einen Ehrenplatz auf unserem Sofa. Mittlerweile arbeite ich an einem Schal. Für Anfänger bestens geeignet: das Rippen- oder auch Bündchenmuster. Immer der selbe Vorgang: links, links – rechts, rechts. Da kann man kaum etwas falsch machen. Die Konzentration auf die Maschen lässt das Drumherum vergessen, Entspannung setzt ein. Nicht umsonst, so habe ich kürzlich gelesen, wird in manchen US-amerikanischen Gefängnissen den Insassen das Stricken beigebracht. Das wirkt therapeutisch, hilft Aggressionen abzubauen und schult die Handfertigkeit. Beste Voraussetzungen also für die Resozialisierung der Sträflinge.

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Freitag, 26. Oktober 2012 von Hannes Mohr

Realistisches Agentenleben?

Ich kann es kaum noch erwarten. Am 1. November macht James Bond endlich wieder die Kinoleinwand unsicher. Mittlerweile bin ich so hippelig, wie ein kleines Kind einen Tag vor seinem Geburtstag. Seitdem mein Vater mich in junge Jahren meinen ersten James-Bond-Film hat sehen lassen, war es um mich geschehen. Ich war hin und weg von dem charmanten Geheimagenten, der nahezu alles mit einer unvergleichbaren Lässigkeit fertigbringt. Ich habe bislang jeden der 22 Filme mehrere Male gesehen. Da tun sich viele Fragen auf. Die wohl umstrittenste Frage der James-Bond-Geschichte muss aber jeder für sich beantworten: Wer ist der beste Bond-Darsteller. Für mich gibt es da nichts zu überlegen: Sean Connery natürlich. Obwohl ich zugeben muss, dass – trotz anfänglicher Zweifel – der neue Bond, Daniel Craig, seinen Job mehr als gut macht. Schmunzeln musste ich, als ich kürzlich eine Kritik gelesen habe, in der der Autor den neuen Bondfilm „Skyfall“ als „realistisch“ betitelte. Nun, ich denke, dass das Agentenleben wohl etwas anders aussieht und wenig mit der Bond-Romantik zu tun hat. Das meiste der Agentenarbeit findet immer noch hinter dem Schreibtisch statt. Doch wer will schon James Bond zuzusehen, wie er sich 120 Filmminuten lang durch Papierkram wälzt. Das will man nun wirklich keinem antun. Also, lassen wir das Wort „Realismus“ doch einfach mal außen vor und freuen uns darauf, wie James Bond – mal wieder – stilvoll die Welt rettet.

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