Dienstag, 3. Februar 2015 von Hannes Mohr

Einfach weitergefahren

Vergangenen Sonntagmorgen, kurz vor 1.30 Uhr: Auf der Heimfahrt von einem Konzert sahen meine Freundin und ich in der Bisinger Ortsmitte, am Kreisverkehr, einen jungen Mann regungslos auf dem Bürgersteig liegen – gut sichtbar im Schein einer Straßenlaterne. Keine Sekunde zögerten wir: Warnblinker rein, raus aus dem Wagen, sofort hin. Erste Erleichterung: Puls und Atmung waren da. Nur, mit der stabilen Seitenlage wollte es nicht richtig klappen. Während meine Freundin den Rettungsdienst rief, versuchte ich, einen herannahenden Autofahrer anzuhalten und ihn um Hilfe zu bitten. Obwohl ich gestikulierend auf der Straße stand fuhr der Mann weiter. Meinem empörten Blick antwortete er mit einer entschuldigenden Geste durch die Seitenscheibe. Nun gut, man hört immer wieder von fingierten Unfällen von Kriminellen zum Zwecke des Raubs. Doch um zumindest nachzufragen, was los ist, muss man das Auto nicht verlassen.

Schlimmer muss die Situation am vergangenen Wochenende auf der A 2 bei Magdeburg gewesen sein. Dort seien Autofahrer nach einem Unfall um verletzte Personen regelrecht herumgekurvt, wie unsere Zeitung gestern schrieb. Gucken? Ja! helfen? Lieber nicht. Ich möchte nicht wissen, wie viele Autofahrer an diesem Abend an dem jungen Mann in Bisingen ohne zu helfen vorbeigefahren sind. Zum Glück ist nicht jeder so drauf. Eine Gruppe von Guggen-Musikern auf dem Heimweg von einer Fasnetsveranstaltung hielt sofort an. Mit vereinten Kräften war er dann auch schnell auf der Trage der „Helfer vor Ort“ des DRK Bisingen, die kurze Zeit später ankamen. Wie es dem jungen Mann jetzt geht und was ihm fehlte? Das weiß ich nicht. Ich hoffe, es geht ihm besser. Und ich hoffe, dass mehr Leute so reagieren wie die hilfsbereiten Musiker.

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Mittwoch, 14. Januar 2015 von Hannes Mohr

Männer beim Einkaufen

Männer tun sich im Supermarkt ohne weibliche Begleitung schwer. Das weiß ich nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern meine dies auch kürzlich beobachtet zu haben. Während ich den Einkaufswagen hinter meiner Freundin her schob, begann ich mit einer kleinen Feldstudie.

Da gibt es zum Beispiel den Unsicheren. Er steht zirka fünf Minuten vor dem Käseregal. Er weiß einfach nicht, was er nehmen soll. Zweimal hat er schon zugegriffen, kurz überlegt und die Käsepackung doch wieder zurück ins Kühlregal gestellt. Jetzt bloß keinen Fehler machen, sonst gibt es zu Hause Ärger. Der Unsichere geht aber kein Risiko ein. Kurzerhand zückt er sein Handy und klärt seine Wahl per Telefonkonferenz mit seiner besseren Hälfte ab.

Dann gibt es den Sucher. Er sucht alles ab, scheinbar ohne fündig zu werden. Wie ein Raubtier in Gefangenschaft tigert er zwischen Wurst- und Fischtheke hin- und her. Irgendwann erbarmt sich eine Mitarbeiterin und fragt, ob sie helfen kann. Kann sie nicht. Sie schickt ihn in eine Regalreihe, wo das gesuchte Produkt wohl stehen soll. Dort geht die Suche von vorne los.

Und es gibt die Profis. Ausgestattet mit Klemmbrett und Kugelschreiber arbeiten sie ihre kategorisierte, maschinengeschriebene Einkaufsliste ab. Gezielt steuern sie die Regale an. In kürzester Zeit hatten die beiden Männer ihre Einkäufe im Wagen. Fehlkäufe? Nahezu ausgeschlossen.

Zu guter Letzt: der Umsichtige. Dazu gehöre auch ich. Ich gehe gleich gar kein Risiko ein und gehe meist nur mit meiner Freundin einkaufen. Dann kann ich auch nichts vergessen oder falsch aussuchen. Mir unterliegt nur das Warenmanagement im Einkaufswagen. Solange die Wassermelone nicht auf den Eiern liegt, habe ich meine Aufgabe erfüllt.

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Genau!

Käseregal ist das richtige Stichwort für einen Zeitungsschreiber. Er hat die Wahl zwischen Hart-, Weich- oder Frischkäse. Sometimes however, the result is simply bullshit.

Lisa Witsch am 14.01.2015 20:18:25

Antwort auf Genau!

aber, aber Lisa,
hast Du denn kein bisschen Mitleid mit diesem armen Menschen,
schließlich ist die Auswahl ja gerade am Käsregal immens...

Helmut Loechel am 15.01.2015 16:01:13

Dienstag, 5. August 2014 von Hannes Mohr

Na? Geschnallt?

Bislang dürfen Taxifahrer gurtlos durch die Gegend düsen. Diese alte Ausnahmeregelung soll es den Betreibern von Fahrdiensten ermöglichen, schnell zu flüchten, falls sie überfallen werden. Dass das Quatsch ist, hat jetzt auch das Verkehrsministerium eingesehen. Deshalb soll die Gurtpflicht laut Medienberichten in Zukunft auch für Taxifahrer gelten. Als ich für eine Weile in Stuttgart wohnte, war ich ab und zu mit dem Taxi unterwegs. Angeschnallt hatte sich von den Fahrern keiner. Daher entscheidet das Ministerium in meinen Augen richtig – Selbstverantwortung hin oder her.

Ein ähnlich schlechte Anschnallmoral beobachte ich im Reisebus. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sich viele Menschen zwar im Pkw sichern, auf Busreisen aber nicht. Dabei wirken bei einem Unfall im Bus dieselben Kräfte, wie im Auto. Immer wieder liest man in Polizeiberichten über tödliche Unfälle: „Die Insassen waren nicht angeschnallt.“ Das sollte doch zum Nachdenken anregen.

Ähnlich ist es bei Flugreisen. Vor nicht all zu langer Zeit kam ich mit dem Flieger am Flughafen in Stuttgart an. Die Durchsage des Kapitäns, so lange angeschnallt sitzen zu bleiben, bis die Anschnallzeichen erloschen sind, wurde von einigen Mitreisenden ignoriert. Als die Maschine sich dem Gate näherte, sprangen die ersten auf. Just in diesem Moment musste das Flugzeug eine Vollbremsung machen. Mit voller Wucht flogen die stehenden Passagiere auf den Boden des Ganges. Auf ihren Köpfen landete das Handgepäck aus den von ihnen bereits geöffneten Stauräumen über den Sitzen. Verletzt wurde zum Glück niemand. Bleibt zu hoffen, dass sie es für die nächste Reise geschnallt haben.

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Europäische Probleme hätten andere sehr gerne!


Schon mal in Afrika gewesen? Ein ausgeleiertes „Auto“ als Mietwagen gehabt? Die Vorderreifen zeigen kein Profil mehr auf, die Reifengrößen sind eh alle unterschiedlich, an jedem Rad fehlt mindestens eine Radmutter, die Blattfedern der Hinterachse sind arg durchgebogen und zur Verstärkung mit Riemen umwickelt, und die Scheinwerfer hängen an Drähten aus der Karosserie heraus.
Scheibenwischer gibt es auch keine, doch spielt das in der Wüste keine Rolle. Ein bemitleidenswerter Auto-Zustand. Aber: Es fuhr von A nach Z und zurück!

Lothar Gerstenecker am 05.08.2014 14:39:36

Antwort auf Europäische Probleme hätten andere sehr gerne!

guter Kommentar, denn wenn´s passieren soll, passierts eh

ronald kinastowski am 12.08.2014 02:09:53

Antwort auf Antwort auf Europäische Probleme hätten andere sehr gerne!

Vielen Dank.

Zur Ergänzung: Einen Verschlussdeckel für den Benzintank gibt es nicht .In die Tanköffnung werden Tücher gedrückt. Ein Deckel stellt einen überflüssigen Luxus dar, den nur Europäer benötigen. Reifenventile werden normalerweise ab Fabrik mit einer Verschlusskappe geliefert, doch funktionieren sie auch ohne Kappe.

Die Fenster lassen sich nur mit dem Schraubenschlüssel herunterkurbeln. Das offene Fenster ist empfehlenswert, denn an der Rückspiegelhalterung (ohne Rückspiegel versteht sich) hängt der Schwanz eines Wüstenfuchses.
Kein betörender Duft – mehr ein betäubender Geruch.

Nachdenkenswert: In Deutschland lag die Zahl der Verkehrstoten bei 3606. Die Selbstmordrate lt. Stat. Bundesamt aber bei 9890.

Lothar Gerstenecker am 12.08.2014 19:00:18

Freitag, 25. Juli 2014 von Hannes Mohr

Herzlichen Glückwunsch

Kennen Sie das? Weißes Hemd, Mittagspause, Pasta mit Tomatensoße – muss ich weiter ausholen? So ist es mir kürzlich ergangen. Eigentlich sollte ich gewarnt sein und keine Nudeln mit roter Soße bestellen. Ich war nicht mal Schuld; der Parmesanlöffel war's. Er glitt aus der Dose und flog in den Teller. Just im Moment des Aufschlags verdrängte das rund geformte Metall mit hoher Kraft den fluiden Tomaten-Gewürz-Mix, der als Reaktion mit hoher Geschwindigkeit in Richtung meines weißen Polo-Hemdes flog. Schwups, schon bekleckert. Was nun? Auswaschen auf der Restauranttoilette? Wird nur schlimmer. Fleck-Weg-Stift? Sonst eigentlich ständiger Begleiter in der Handtasche meiner Freundin. Heute aber Fehlanzeige. Schnell auf die Uhr geschaut: Das reicht noch, um heimzufahren und sich umzuziehen. Zum Glück habe ich mehrere weiße Polo-Hemden im Schrank. Meinen Kollegen ist der Wechsel zumindest nicht aufgefallen. Und ich konnte wieder beruhigt zu Terminen ohne peinliche Erklärungen gehen. Lustig wurde es erst ein paar Tage später, als ich mal wieder beim Mittagessen ein weißes Hemd trug. Nach dem Essen stand meine Freundin auf, stellte sich demonstrativ vor mich, streckte mir die Hand zum Gruß hin und sagte breit grinsend: „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben sich heute mal nicht bekleckert.“ Na vielen Dank auch. Fehlt nur noch die Urkunde – am besten in Latz-Form.

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Hallo Herr Mohr,

Die Ursachen dieses „Trialens“ lassen sich psychologisch erklären. Lassen wir jetzt besser.

Mein Tipp: Bei Joop und Kenzo gibt es Hemden und Shirts mit Blumenprints. Und dazu Hosen mit Druckmotiven die an David Hockneys faszinierende Landschaftsmalerei erinnern.

Dann können Sie auch unbekümmert eine Crème brûlée mit Pfirsich-Lavendel-Kompott genießen!

Guten Appetit.

Lothar Gerstenecker am 25.07.2014 18:56:48

Freitag, 18. Juli 2014 von Hannes Mohr

Erwischt!

Als ich neulich im Urlaub durch das apulische Bari schlenderte, traf ich auf eine Gruppe junger Studenten. Die circa 15-köpfige Gruppe bat mich um meine Zeit für eine Frage. Na klar, antwortete ich. „Wer, denkst du, ist homosexuell von uns – und warum?“, fragte der Sprecher der Gruppe. Im ersten Moment war ich perplex. Mir erschloss sich der Sinn nicht. „Das kann man unmöglich sagen, das sieht man einem Menschen allein am Äußeren nicht an“, antwortete ich. Puh, noch mal geschickt aus der Affäre gezogen. Dachte ich. Doch die Studenten pochten auf meine Antwort. Nun war mir klar, was sie versuchten zu erreichen. Sie wollten erfahren, welche Vorurteile oder Klischees die Passanten beim Thema Homosexualität im Kopf haben. Bevor ich eine Antwort gab, unterhielt ich mich ein wenig mit ihnen; sie stellten sich alle kurz vor. Dann überlegte ich kurz und benannte schließlich drei der Studenten. Dabei erwischte ich mich selbst in Gedanken beim Zeichnen von Klischees. Natürlich lag ich voll daneben. Meine Vorurteile – wie zum Beispiel gepflegtes äußeres, Körpersprache und so weiter – waren alle falsch. Mit meiner Nominierung widerlegte ich sie selbst. Die Studenten haben mit ihrer Aktion sicherlich nicht nur mich zum Nachdenken gebracht. Solche Aktionen können helfen, Grenzen abzubauen. Allein dem Thema muss man sich selbst öffnen.

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