Donnerstag, 3. September 2015 von Hannes Mohr

Passant statt Selfie-Stick

Selfie-Sticks nerven. Während einer Urlaubsreise kürzlich musste ich mich ständig ducken, um nicht von einer dieser Ego-Stangen am Kopf getroffen zu werden. An jeder Ecke wurden sie von Souvenirverkäufern feilgeboten. Ich habe Verständnis, wenn Gruppen von Urlaubern die Metallarme nutzen, um Schnappschüsse fürs Fotoalbum oder für die Freunde daheim zu knipsen. Schließlich hat man das mittels Stativ und Zeitauslöser schon immer gemacht. Was ich befremdlich an den neuen Einhand-Stativen finde, ist die Nutzung zur extremen Selbstdarstellung einzelner Personen: Da wird gepost, geknipst, das Ergebnis gecheckt und das ganze wiederholt – bis zum Gehtnichtmehr. Während meiner Reise beobachtete ich das nicht nur bei jungen Erwachsenen, sondern sogar bei Kindern. Ein höchstens acht oder neun Jahre altes Mädchen setzte ihr Smartphone der Oberklasse gekonnt mit dem Selfie-Stick ein, um sich selbst am Strand in Szene zu setzen. Narzissmus in Aktion – und das in so jungen Jahren.

In vielen Museen und an manchen öffentlichen Orten mit Sehenswürdigkeiten sind Selfie-Sticks mittlerweile verboten. Zu groß sei die Gefahr, dass unvorsichtige Touristen teure Kunstwerke aus Versehen mit ihren Teleskopstöcken umschmeißen.

Mein Selfie-Stick heißt übrigens Passant. Wenn ich ein Bild von mir im Urlaub vor einem Objekt haben möchte, frage ich einfach jemanden, ob er kurz auf den Auslöser drückt. Der Vorteil: kein nervender, an den Bildrand fliehender, steifer Arm auf dem Foto.

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Dienstag, 18. August 2015 von Hannes Mohr

Vom Bandsalat zur Ping-Zeit

Als ich kürzlich den Keller entrümpelte, viel mir mein alter VHS-Rekorder in die Hände. Wieso habe ich diese elektronische „Antiquität“ aufgehoben? Ich besitze doch gar keine VHS-Kassetten mehr? Ein Blick in meinen Medienschrank offenbarte das Gegenteil. Da stand sie: meine letzte VHS-Kassette. Ich hatte sie bestimmt seit 15 Jahren nicht mehr abgespielt. Schon damals hatte mich die schlechte Bildqualität genervt. Ein neuer Test war nicht möglich, da das Gerät mittlerweile den Dienst verweigerte. Endstation Wertstoffzentrum. Früher dagegen war das Gerät ein Hightech-Wunder. War ich außer Haus, habe ich damit nahezu alles im Fernsehen aufgenommen, was ich später noch anschauen wollte. Für mich war es eine Revolution der Unterhaltungselektronik. So ist eine beachtliche Sammlung an VHS-Kassetten zusammengekommen – weit über 100 Stück. Ich hatte sie immer mal wieder überspielt, wenn ein Film oder eine Sendung in meinen Augen keinen Platz im Archiv verdient hatte. Heute ist davon nur noch ein einziges der 1,27 Zentimeter breiten Magnetbänder übrig geblieben. Wenn ich jetzt einen Film sehen möchte, lasse ich ihn mir über das Internet direkt in mein Wohnzimmer liefern. Das spart Platz. Dennoch denke ich gerne an die VHS-Zeit zurück. Vor allem die Spannung, ob der Rekorder auch wirklich aufgenommen hatte, war jedes Mal unübertrefflich. Und ständig betete man dafür, dass der Rekorder nicht das Band frisst. Heute hofft man, dass die Ping-Zeit stimmt.

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Freitag, 7. August 2015 von Hannes Mohr

Training unterwegs

Als ich kürzlich ein Treppenhaus betrat, stand ein junges Paar am Aufzug. Ich brauchte mich nicht anzustellen, da ich nur ein Stockwerk überwinden musste. Als die beiden den Aufzug betraten, fing ich parallel meinen Aufstieg an. Ich war überrascht, als die Kabine bereits im ersten Stock wieder hielt. Das Pärchen hatte für nur ein Stockwerk den Lift benutzt. Das ist in meinen Augen unnötig und ungesund. Gerade das Treppensteigen ist ein tägliches, verstecktes Training – und das ganz nebenbei. Ich bevorzuge stets die Stufen und versuche, Rolltreppen und Lifte zu vermeiden. Nur wenn ich schweres Gepäck mit mir trage oder einen großen Höhenunterschied überwinden muss, möchte ich nicht auf die Annehmlichkeiten eines Aufzuges verzichten. Denn wer will schon im schweißnassen Hemd irgendwo zu einem Termin ankommen. Und auch bei einem Umzug eines Freundes kürzlich war ich froh, die schweren Schrankwände nicht zu Fuß über die Stufen in den dritten Stock transportieren zu müssen. In allen anderen Fällen tue ich etwas für mein Herz-Kreislauf-System, für meine Muskulatur und für meine Mobilität im Gesamten. Um fit zu bleiben muss man nicht gleich zehn Kilometer joggen gehen; bereits kleine, regelmäßige Bewegungsabläufe helfen dabei. Allein Menschen, die Probleme mit ihrem Bewegungsapparat haben, sollten auf technische Hilfsmittel zurückgreifen.

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Freitag, 10. Juli 2015 von Hannes Mohr

Einbrecher!

Ein lautes, dumpfes Geräusch holte mich kürzlich früh morgens gegen halb fünf aus dem Schlaf. Wehe dir, Krähe, du klopfst wieder an meine Scheibe, dachte ich mir. Doch die Krähe war es diesmal nicht. Es war viel lauter als ein bloßes Klopfen an die Scheibe. Pochend und mechanisch schossen die Schallwellen durch die Hauswände. Das kann nur eines sein: Einbrecher! Ich lese es ja bald wöchentlich in unserer Tageszeitung. Jemand musste versuchen, ein Fenster oder die Terrassentür aufzuhebeln. Plötzlich war ich hellwach. Erst kam die Angst, dann schoss die Panik in mir hoch. Doch das Adrenalin ließ mich das alles in nur einem Wimpernschlag vergessen. Ohne nachzudenken, was passieren könnte, wenn ich tatsächlich vor einem Eindringling stehe, checkte ich in Windeseile alle Fenster und Türen. Erste Erleichterung: Hier war nichts. Doch das Geräusch hörte nicht auf. Die Quelle war eindeutig in der Nähe. Ich trat hinaus auf den Balkon. Der Morgen graute schon. Da entdeckte ich im Zwielicht den pelzigen Einbrecher. Ein Marder versuchte mit scheinbar unbändiger Kraft die Dachziegel abzuräumen. Das Ziel: der Dachboden. Zum Glück hatte er keinen Erfolg. Als er mich entdeckte, schaute er mich unschuldig an, als wollte er sagen: „Ich hab' nichts gemacht.“ Dann verschwand er im grauen Morgenlicht. In diesem Moment war mir der flauschige Gast zwar lieber als ein menschlicher Einbrecher. Herberge möchte ich ihm dennoch nicht bieten.

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Donnerstag, 25. Juni 2015 von Hannes Mohr

Alles dunkel

Erst ein kurzes Flackern in den Leuchten – dann ist plötzlich alles dunkel. Stromausfall. Auch bei den Nachbarn brennt kein Licht. Ich greife zum Hörer, um die Störungsstelle des Energieversorgers anzurufen. Mist: Das schnurlose Telefon ist an eine Basisstation gebunden. Die funktioniert nicht ohne Strom. Ich zücke mein Mobiltelefon. Wie war noch mal die Nummer zum Melden von Störfällen? Schnell im Internet nachschauen. Mist: Der Router funktioniert ja auch nicht. Wieder soll das Smartphone helfen. Und noch einmal Mist: Kein Verbindungsaufbau beim mobilen Internet. Vermutlich haben die Funkmasten in der Nähe ebenfalls keinen Strom. Der Kühlschrank und die Heizung sind auch aus. Und die Pumpen der Hebeanlage für das Abwasser haben ebenfalls ihren Dienst quittiert. Schlagartig wird mir bewusst, wie aufgeschmissen man ohne Strom ist. Zum Glück dauerte dieser Stromausfall vor kurzem in Bisingen nur 20 Minuten. Er vermittelte nicht wirklich einen Eindruck davon, wie das Leben ohne Strom sein würde. Dennoch kann man sich das Szenario vorstellen. Unsere Gesellschaft hat sich von der unsichtbaren Energie abhängig gemacht. Ohne Strom läuft nichts. Wollen wir hoffen, dass unsere Energieversorger sich dessen bewusst sind und für die Sicherheit unserer Netze sorgen. Denn glaubt man Sebastian Schreiber, Gründer und Geschäftsführer einer IT-Sicherheitsfirma aus Tübingen, haben diese ein Sicherheitsproblem. Gegenüber den Stuttgarter Nachrichten sagte er kürzlich: „Es steht für mich außer Frage, dass Hacker in Süddeutschland ein Stromnetz lahmlegen werden. Die Frage ist nur, wann.“

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