Samstag, 22. Januar 2011 von Hannes Mohr

Überlegenheit des Vespers

Ja, die Haute Cuisine: Gereicht werden Canapés anstatt Schnitten, Salatdressing ist plötzlich Vinaigrette und Hirschcarpaccio geht ja mal gar nicht ohne Quittenchutney. So toll das alles klingen mag – ich steh auf Vesper! Es gibt einfach nichts Schöneres, als sich ein Vesperbrett zu schnappen und den Tisch mit verschiedenen Käse- und Wurstsorten, sowie mit allerlei Gürkchen, Radieschen, Aufstrichen und vielem mehr, zu bestücken. Dazu eine Portion Butter und Brot. Dabei spielt es im Grundsatz keine Rolle ob Vollkorn- oder Weißbrot – wichtig ist, dass die gerade auf dem Teller befindliche Brotsorte mit dem potenziellen Belag harmoniert. Dazu ein Glas Wein oder Bier. Schon steht dem Vesperspaß nichts mehr im Wege. Und ich bin mir sicher, würden die Herren des Guide Michelin auch häusliche Vesper bewerten, meines würde den ein oder anderen Stern abgreifen können. Als kürzlich die Länge eines Speisenamens in einer Restaurantkarte beinahe eine komplette Seite einnahm, hätte ich den Koch gerne darauf hingewiesen: Das Wort „Vesper“ wäre viel kürzer.

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Mittwoch, 12. Januar 2011 von Hannes Mohr

Nicht schon wieder Raclette

Ich erinnere mich nicht, jemals in der Zeit von Februar bis November Raclette gegessen zu haben. Dennoch komme ich auf einen leicht übertriebenen Durchschnitt von zwei bis drei Racletteabende pro Monat. Diese sammeln sich allesamt über die Zeit von kurz vor Weihnachten bis kurz nach Heilige-Drei-Könige. Diese Zeit ist ein wahres Eldorado für Pfännchen-Fans, die es lieben, alles was ihnen in die Finger kommt unter zart schmelzendem Käse zu brutzeln. An sich eine tolle Sache. Zwar nicht gerade wenig Aufwand mit all den Sößchen, Dips, Gemüsestreifen, Fleischsorten, Käsetellern und vielem mehr. Die Vielfalt der Kombinationsmöglichkeiten macht das Essen so spannend. Zudem ist Raclette sehr gesellschaftlich. Ungewöhnliche Mischungen in dem ein oder anderen Pfännchen können da zu interessanten Gesprächen und Diskussionen führen. Alles schön und gut, wäre da nicht die inflationäre Verwendung des Racletteeisens in den kalten Wintertagen. Dabei würde es auch sehr gut auf den Gartentisch in der Laube im Sommer passen. Leider stehe ich mit der Meinung nicht gerade in der großen Masse da. Und weil es nun mal ein Gesellschaftsessen ist, werde ich kaum alleine an einem warmen Sommerabend das Racletteeisen anwerfen, sondern auf den Winter warten und mich dort für das ganze Jahr mit geschmolzenen Käse vollstopfen.

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Dienstag, 7. Dezember 2010 von Hannes Mohr

Jährlich grüßt Last Christmas

Ich wusste, dass es bald soweit sein würde: Rechtzeitig, kurz vor dem ersten Advent, hörte ich auf dem Weg in die Redaktion im Radio das erste Mal „Last Christmas“ von „Wham!“. Seicht hauchte George Michaels Stimme durch die Lautsprecher meines Autoradios und erzählte mir – wie jedes Jahr von Neuem – von seinen schlimmen Weihnachtserfahrungen. Flucht war zwecklos. Aufgrund der Witterungsbedingungen mit dem vielen Schnee auf der Straße wollte ich nicht am Radio rumspielen. Also ließ ich es über mich ergehen – abgestumpft durch den wohl erfolgreichsten saisonalen Dauerbrenner der Radiostationen in den vergangenen 20 Jahren. Normalerweise bin ich, was Weihnachten angeht, so nannte mich ein Freund vor kurzem, eher der „spießige Typ“: Plätzchen backen, Geschenke packen, Weihnachtsbaum aufstellen. Aber die sogenannten musikalischen „Evergreens“ zu Weihnachten haben meiner Meinung nach, anders als die Nordmanntanne, ausgegrünt. In den USA scheint es noch schlimmer zu sein. Dort spielt manch ein Radiosender in der Weihnachtszeit nur noch Weihnachtslieder. Dennoch gehört es irgendwie zum kitschigen – wohlgemerkt nicht zum klassischen – Weihnachten dazu. In einen sauren (Brat-)Apfel muss man schließlich beißen. Deshalb werde ich auch in Zukunft, wenn „Last Christmas“ gespielt wird, das Radio anlassen und mich an die momentane Besinnlichkeit der Weihnachtszeit erinnern.

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Dienstag, 9. November 2010 von Hannes Mohr

Auf der Straße trotz Radwegs?

Früher bin ich sehr viel Rad gefahren. Und an eines kann ich mich gut erinnern: Ich habe, wenn es mir möglich war, stets den Radweg benutzt. Denn dafür wurde er gebaut. Umso weniger verstehe ich die Personen, die, trotz angrenzendem Radweg, die Straße befahren. Als ich zwei Rennradfahrer vor einigen Tagen darauf hinwies, verwünschten sie mich und gestikulierten mir noch lange nach, ohne meiner Bitte zu entsprechen. Ich bin dem Phänomen nachgegangen und habe bei meiner Recherche erfahren, dass wegen der hohen Geschwindigkeit, den teuren Reifen und der Unfallgefahr Rennradfahrer Radwege oft meiden. Auf Radwegen hole man sich schneller einen Plattfuß, da öfters kleiner Unrat wie Schrauben und Scherben herumliegt, hieß es bei meiner Nachfrage in einem Sportgeschäft. Zudem sind Passanten unterwegs. Zwar habe ich jetzt etwas mehr Verständnis für die Radfahrer, doch ist die Gefahr, auf Straßen einen Unfall zu bauen nicht höher, als durch einen Plattfuß auf dem Radweg zu stürzen? Oft fahren Autos, trotz Gegenverkehrs, nur knapp und mit hoher Geschwindigkeit an den Radfahrern vorbei. Dadurch werden nicht nur die Radfahrer gefährdet, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Eine Abwägungssache mit einem – für mich – klarem Gewicht. Zumindest: An der Beschaffenheit der Radwege liegt es nicht, denn die ist bei uns im Kreis sehr gut. Manch eine Straße holpert da mehr.

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Wer kontrolliert denn die Radweg-Benutzungspflicht?

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) kennt jedoch keine Ausnahmeregelung von der Radwegebenutzungspflicht, die unmittelbar an bestimmte Fahrradtypen (wie z.B. Rennräder) oder an eine bestimmte Geschwindigkeit geknüpft ist.

Insofern handelt es sich bei der Vermutung, dass Rennradbenutzer oder Mitglieder von Radsportvereinen pauschal von der Radwegbenutzungspflicht befreit sind, lediglich um eine (allerdings scheinbar weit verbreitete) Großstadtlegende, die aber nicht von der StVO gedeckt ist.

Nicht jeder Radweg muss aber benutzt werden:

1) Die Benutzungspflicht ist seit der Novelle der Straßenverkehrsordnung von 1998 nur noch dann gegeben, wenn der Radweg durch ein blaues Schild (Zeichen 237, 240, 241) gekennzeichnet ist.

Wo dies fehlt, darf auch bei vorhandenem Radweg die Fahrbahn benutzt werden (sogenannte "andere Radwege" mit freiwilliger Benutzung gem. § 2, Abs. 4, Satz 3 StVO).

RL am 09.11.2010 12:29:00

Freitag, 29. Oktober 2010 von Hannes Mohr

Ergattert im Morgengrauen

Eigentlich gehöre ich nicht zu den Frühaufstehern, die sich vor den Discountern für ein Schnäppchen die Füße wund warten. Eigentlich. Doch beim jährlichen Überprüfen der Wintersportausrüstung fiel die Thermowäsche durch den Test und es musste neue her. Da kam mir das Angebot eines Discounters gerade Recht. Zeit für ein Experiment, dachte ich mir. Morgens um viertel vor Acht stand ich mit anderen früh Aufgestandenen vor den Toren des Schnäppchenmarktes. Noch war alles friedlich, die Ruhe vor dem Sturm. Nachdem die Türen öffneten, war es damit vorbei. Bei den Massen verwandelte sich die gläserne Schiebetür in ein Nadelöhr. Ich ließ der Menge gerne den Vortritt. Ellenbogen boxten sich zu den Wühltischen vor. Adrenalin schoss hoch auf der Jagd nach den Angeboten. Nach häufigem Auf- und Ablaufen fand ich mit Müh und Not das gesuchte Produkt.

Den schnellenden Händen der Schnäppchenjäger ausweichend, konnte ich eine Packung der Thermowäsche ergattern. Kurz noch die Größe überprüft und raus aus der Menge. Mein Platz in dem Tumult wurde durch nachrückende Kunden in Sekundenbruchteilen ausgefüllt. Während meiner Zeit in der Warteschlange an der Kasse dachte ich an die armen Angestellten, die am Abend den „Kriegsschauplatz“ wieder aufräumen dürfen. 20 Minuten und knapp neun Euro später war ich endlich wieder draußen. Ob ich mir das wieder antun würde? Kommt auf das Angebot an. Aufregend war es allemal, aber zum Hobby mache ich mir das sicherlich nicht.

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