Freitag, 25. März 2011 von Hannes Mohr

Vierbeiniger Fahrzeuglenker

Als ich kürzlich in der Mittagspause die Bahnhofstraße in Balingen hinauf spazierte, bemerkte ich ein Auto, dass soeben aus der längs zur Straße gelegenen Parkfläche ausparkte. Nichts Ungewöhnliches, das Auto zeigte in Richtung Innenstadt, setzte sich langsam in Bewegung, aber achtete scheinbar nicht auf den herannahenden Verkehr. Dann ein zweiter Blick – ich traute meinen Augen nicht. Am Steuer saß ein Hund. Ich dachte erst, meine Sinne spielen verrückt. Doch es saß auch beim wiederholten Hinsehen noch immer ein Hund auf dem Fahrersitz. Das Auto stoppte wieder und blieb schräg mitten auf der Fahrbahn stehen. Die anderen Autofahrer mussten einen großen Bogen um den tollkühnen Vierbeiner machen. Dann wurde es mir bewusst: Die Handbremse musste sich gelöst haben. Aufgrund der abschüssigen Fahrbahn und der Tatsache, dass die Lenkung nach links eingeschlagen war, bewegte sich das Auto dank der guten alten Physik aus dem Parkplatz auf die Straße. Der Hund, der allein im Auto wartete, konnte die Geschehnisse nicht mehr verhindern – wie auch? So sah es aus, als wäre er der Übeltäter gewesen, der versuchte, heimlich Auto zufahren, wenn das Herrchen gerade nicht hinschaut. Einen Unfall hat der Fahranfänger zum Glück nicht verursacht.

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Mittwoch, 2. März 2011 von Hannes Mohr

Nicht nur die Füße tun weh

Gerade habe ich mit meiner Herzallerliebsten einen Tanzkurs begonnen. Meiner Meinung nach gehört ein Tanzkurs zur Allgemeinbildung. Ich habe es schon zu lange vor mir hergeschoben. Schließlich bekam ich einen Anfängerkurs zum Geburtstag geschenkt. Also versuche ich mich im Moment wöchentlich in neuen rhythmischen Schritten zu unterschiedlichster Musik. Zugegeben, ich ging mit einem etwas unguten Gefühl in dieses Kurs – solch eine Atmosphäre, in der hauptsächlich Paare zusammen lernen, birgt ein hohes Streitpotenzial. Doch solange meine Freundin mir genauso oft auf die Füße tritt wie ich ihr, ist das kosmische Gleichgewicht noch existent und ein Streit nicht in Sicht. Ganz anders sieht es bei manch einem anderen Pärchen aus. Bereits nach der dritten Stunde stehen frustrierte Frauen und genervte Männer am Rand und diskutieren über das, was sie beide falsch machen oder nicht können. Die Folge: Diverse Pärchen nehmen anstatt erlernter Tanzschritte neben schmerzhaften Füßen, auch noch Kopfweh mit nach Hause. Um das zu vermeiden, versuche ich meine Kritik konstruktiv zu halten. Das ist nicht immer einfach. Bisher haben wir es dennoch ohne Zank geschafft. Geheimrezept? Ganz einfach: Seine Fehler mit Humor nehmen. In dem Fall kann man einfach mal über sich selbst lachen. Unsere Tanzlehrerin mahnt mindestens einmal pro Tanzstunde: „Man darf seinen Tanzpartner auch gerne mal anlächeln“. Wenn ich dann mal wieder über das Parkett stolpere und nichts zu klappen scheint, nehme ich mir diese Aufgabe ganz besonders zu Herzen.

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Samstag, 26. Februar 2011 von Hannes Mohr

Es geht schon wieder los

Breit grinsen sie mich an, versuchen mich zu haschen, meine Gunst zu gewinnen. Großformatig, 3,5 auf 2,5 Meter, schauen Politiker auf uns herab: Die Wahlwerbung ist wieder da. Sehen tut sie jeder, betrachtet wird sie dennoch kaum. Beim Vorbeifahren verweilen die Blicke laut Werbeforscher keine ganze Sekunde auf dem Plakat. Genau in dieser Zeit müssen es die Parteien schaffen, ihre Nachricht zu übermitteln. Es ist nur logisch, dass dort nicht die Parteiprogramme im Detail präsentiert werden können. Inhaltliche Raffinesse wird runtergebrochen auf drei bis fünf Wörter. Dazu den charismatischen Politiker im Bild oder alte beziehungsweise junge Menschen – am aller besten sind Kinder. Nicht zu vergessen sind Quotenmenschen. Nicht, dass noch einer auf die Idee käme, politische Unkorrektheit zu unterstellen. „Diversity“ nennt sich das jetzt auf neudeutsch. Doch lässt sich politischer Inhalt auf ein paar Augenblicke runterradieren? Wohl kaum. Gerade deshalb lasse ich mich auch nicht von der Werbung verführen. Und obwohl sie wirklich nervig ist, erinnert sie mich jedes Mal daran, dass bald Wahlen sind und wir zum Glück in einer Demokratie leben. Wenn alle paar Jahre lästige Wahlwerbung auf dem Weg zur Arbeit mit der Preis für die Demokratie ist, dann zahle ich diesen gerne. Aus der Werbung ziehe ich übrigens trotzdem meinen Nutzen. Über manch ein Plakat kann man sich köstlich amüsieren. Meine politische Meinung hole ich mir sowieso woanders.

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Freitag, 11. Februar 2011 von Hannes Mohr

„Risiko“ nicht ohne Risiko

Vorab: Ich bin ein Fan von Spielen jeglicher Art. Ich klopfe gern eine Runde Binokel, würfel gerne mal Yatzi oder verbessere meine Backgammon-Fertigkeiten. Doch die Königsdisziplin ist und bleibt das Brettspiel. Denn Brettspiele sind nicht so kurzweilig und werden bewusster gespielt. Die Liste meiner Favoriten ist unzählig lang: „Monopoly“, „Scottland Yard“, „Die Siedler von Catan“, und so weiter. Doch an eines kommt keines ran: „Risiko“. Das strategische Brettspiel, bei dem es gilt, die Welt zu erobern oder zumindest Teile davon. Ein militantes Spiel – zugegeben – und dennoch ausgetragen mit bunten Plastikfigürchen auf bunten Kontinenten. Leider hatte ich eine Weile zu exzessiv dieser Leidenschaft gefrönt und etwas zu viel Ehrgeiz an den Tag gelegt. Nach dem keiner mehr mit mir spielen wollte und ich eine zwei-jährige „Cool-Bleiben-bei-Risiko“-Therapie hinter mir habe, traue ich mich seit kurzem wieder an den Brettspielklassiker. Mit den rote Würfeln greif ich an, aber von welchem Land? Lieber mit einem oder zwei Würfel verteidigen? Wo rüste ich am besten nach? Ziehe ich lieber noch paar Einheiten nach Kamtschatka? Einmal angefixt ist es schwer wieder aufzuhören. Dann will man die ganze Nacht spielen. Helfen tut wenig, höchstens vielleicht eine runde Scrabble, das Methadon für „Risiko“-Spieler.

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Mittwoch, 2. Februar 2011 von Hannes Mohr

„Oh, das ist ja total realistisch“

Ich bin sicher nicht der Einzige, dem es so geht: Man schaut einen schönen Actionstreifen und bei all den Muskelprotzen auf Zelluloid, den Helden auf Leinwand, den Alles-Kaputt-Machern der Cineastik kommt doch bei jedem weiblichen Filmpartner der Spruch: „Oh, das ist ja so realistisch.“ Der blanke Sarkasmus klatscht einem quasi ins Gesicht. Mal ehrlich, das heutige Kino vermittelt, abseits des Genres Fantasy, ein zu sehr neutrales Abbild der Realität – zumindest, wenn es um Superhelden geht. Da stimmen teilweise die Gesetze der Physik, Handlungsstränge haben logische Schlussfolgerungen und am Ende gewinnen mal die Bösen, mal die Guten, streng nach realistisch-statistischem Mittelwert. Aber im Kino möchte ich die Flucht aus der Realität. Reinste Berieselung durch surreales Gedankengut, einem Autoren entsprungen, der sicher genauso viel Spaß an diesen Filmen hat wie ich. Das gute alte Actionkino lohnt noch immer. Umso mehr habe ich mich gefreut, als kürzlich ein Haufen testosteronüberfüllter 80er-Jahre-Actionhelden zusammen vor die Kamera traten. Da muss man sich auch mal die Sprüche des weiblichen Geschlechts gefallen lassen. Doch die Retourkutsche kommt sofort. Denn sie wissen selbst: Im echten Leben gibt es auch keine Szene, in der der Traumprinz seiner Auserwählten in letzter Minute am Flughafen seine Liebe gesteht. Doch das macht nichts. Lassen wir es ruhig unrealistisch. Spätestens nach dem Kinobesuch wartet ja bereits der Ernst des Lebens.

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