Freitag, 19. Juli 2013 von Jasmin Alber

Im Bann der magischen Drei

„Die neue Trilogie“, kündigt das Plakat vor einer Buchhandlung an. Ohne das abgebildete Cover genau anzuschauen, kann sich der Passant, der sich für Belletristik interessiert, denken, dass es sich entweder um ein Fantasy-„Epos“ (dann mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit um Vampire und anderen Kreaturen der Nacht als Protagonisten) oder um erotische Literatur handelt. Was mich verblüfft, ist der aktuelle Boom der Mehr-, meist Dreiteiler, die die Regale der Buchhändler füllen und die Bestsellerlisten anführen. Zugegeben, auch ich habe die herzeiweichend kitschige Geschichte von Edward und Bella gelesen, fieberte bei den Hungerspielen mit den Tributen mit und Christian Grey ist mir ebenfalls ein Begriff; und um Tolkien (okay, dessen Werke sind nicht neu), Rothfuss und Konsorten kommt man in diesem Genre auch nicht herum. Trotz der positiven Dreiteiler-Erfahrungen in jüngster Zeit frage ich mich jedes Mal, wenn ich mit einem „neuen ersten Teil“ beginne: Warum können die Autoren ihre Geschichte nicht in ein Buch packen? Hat dies literaturhistorische Gründe? Oder geht es dabei einfach schon von Anfang an um Gewinnmaximierung? Drei Bücher, die nur im Set Sinn ergeben und die Handlungsstränge auflösen, bringen schließlich mehr Tantiemen als eines. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend, wie so vieles in der Welt der Bücher, wieder legt und sich die Autoren das Motto „Ein Buch reicht für meine Story“ zu Herzen nehmen. Es würde außerdem die Nerven schonen, wenn die Wartezeit bis zum Erscheinen des zweiten und dritten Bandes entfällt. . .

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Mittwoch, 26. Juni 2013 von Jasmin Alber

Haargummis im Nirwana

Ich bin mir ganz sicher, ihn eingepackt zu haben. Schließlich will man ja für alles gerüstet sein. Ist der Bedarfsfall eingetreten, ist das Nebenfach der Handtasche leer. Vom dort verwahrt geglaubten Haargummi keine Spur. Besonders ärgerlich ist das Fehlen des nützlichen Helferleins natürlich bei Hitze oder starkem Wind. „Haargummi“ lässt sich in diesem Szenario eines dringenden Bedarfs beliebig durch viele weitere Gegenstände im handlichen Taschenformat ersetzen. Denn außer den praktischen Accessoires zum Bändigen des Haares verschwinden gerne auch Schreibutensilien, Kaugummipackungen oder anderer wichtiger „Kleingruscht“ irgendwo im Nirwana. Der Aufenthaltsort ist unbekannt, die Chance, sie im Ernstfall wieder zu finden, liegt annähernd bei Null. Und die Frage bleibt: Wer oder was ist für das Verschwinden verantwortlich und wohin sind Haargummi, Kugelschreiber und Co. gebracht worden? Eine Antwort werde ich wohl nicht bekommen. Bis dahin nehme ich die ärgerlichen Verluste mit Humor und stelle mir vor, dass alles Kleinzeug, was mir je abhanden gekommen ist, jetzt irgendwo – übrigens zusammen mit allen Socken, die die Waschmaschine „gefressen“ hat – an einem besseren Ort ist, jenseits der finsteren Tiefen einer Damenhandtasche. Und von dort tauchen die Helferlein erst wieder auf, wenn man etwas komplett anderes ganz dringend sucht . . .

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Freitag, 14. Juni 2013 von Jasmin Alber

Liebe Frau Gesangvereinin

Wer kennt ihn nicht, den Witz von den zwei Emanzen am Frühstückstisch? Dort bittet die eine die andere: „Gibst du mir mal bitte die Salzstreuerin?“ Was hier im Spaß abgehandelt wird, könnte bald Realität sein. Zumindest an der Uni Leipzig. Dort wollen Studenten das generische Maskulinum, also die Allgemeinbezeichnung von Gruppen mit dem männlichen Namen, abschaffen. Als große Verfechterin dieser Handhabung – seltsam finde ich vor allem die Schreibweise mit dem großen „I“, also beispielsweise SchülerInnen – bin ich aber trotzdem für „korrekte“ (Berufs-)Bezeichnungen, wenn es um einzelne Personen geht. Dass es außer einem Bundeskanzler auch eine Bundeskanzlerin gibt, finde ich ebenso nachvollziehbar und gerechtfertigt, wie den Titel Ärztin oder die Kauffrau anstelle des früher obligatorischen „Kaufmanns“, egal, ob die Person eine Frau ist oder nicht. Aufsehen erregen die Studenten mit dem Vorschlag, sozusagen ein generisches Femininum einzuführen, auf jeden Fall. Ich bin gespannt, ob diese Handhabe Schule macht und wir bald, zumindest offiziell, nur noch Leserinnen haben.

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Samstag, 4. Mai 2013 von Jasmin Alber

Lachen für den Weltfrieden

Der Puls steigt spontan, Endorphine werden en masse ausgeschüttet, durch Kontraktionen sogar sämtliche Organe und Muskeln prickelnd stimuliert. Was sich anhört wie die Reaktionen des Körpers auf Kokain oder andere Opiate – deren „positive Nebenwirkungen“ übrigens tatsächlich ähnlich sind – sind auch die Auswirkungen eines herzhaften Lachens. Dass Lachen, das laut Lexikondefinition eigentlich ein Reflex wie Niesen oder Blinzeln ist, diese Effekte hat, inspirierte Dr. Madan Kataria, einen eigenen Aktionstag ins Leben zu rufen. Er sah nicht nur die therapeutischen Vorteile, sondern auch die zwischenmenschlichen. Durch das Schaffen eines Bewusstseins für Freundschaft soll die Menschheit dem Weltfrieden einen Schritt näherkommen. Eine Veränderung der Lachkultur finde ich aber etwas bedenklich. Während noch vor 60 Jahren der Durchschnittseuropäer 18 Minuten am Tag lachte, sind es heute nur noch sechs. Auch im Alltag, vor allem bei unbekannten Menschen, die man zufällig trifft, ist ein Phänomen zu beobachten. Wer lacht oder lächelt, bekommt es nicht immer zurück. Vielmehr wird man nicht selten mit fragenden Blicken bedacht. Vielleicht sollten wir den Weltlachtag morgen also zum Anlass nehmen, etwas freundlicher durch die Welt zu gehen, bewusst die Mundwinkel nach oben zu ziehen oder einfach mal herzhaft loszuprusten. Denn, ganz im Gegensatz zu dem weißen Pulver, hat das Lachen nur gute Seiten.

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Donnerstag, 11. April 2013 von Jasmin Alber

Das kleine Gelbe

Noch vor einigen Jahren saß ist selbst mit Dutzenden anderen im Saal, um das Deutsch-Abi zu schreiben. Pflichtlektüren waren damals Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ und Theodor Fontanes „Effi Briest“. Während ersteres bis heute zu einem meiner Lieblingsbücher zählt, fand ich – trotz der verschiedensten verzweifelten Interpretationsversuche meinerseits – die Handlung und die Hauptfiguren um „Backfisch“ Effi einfach nur langweilig. Was mir allerdings erst dieser Tage aufgefallen ist, dass sowohl das „kleine Gelbe“, nämlich das wohl allen Schülern bekannte Reclam-Heft, als auch Duden, Langenscheidt, mehrere Ratgeber und eine Vielzahl der Lektürehilfe ganz in Gelb gehalten sind. Die Farbe des Neids als Aufmachung für die Größen der deutschen Literatur und der Standardwerke korrekter Rechtschreibung? Kaum vorstellbar. Warum sich die Verlage gerade für diese Grundfarbe entschieden haben, konnte ich nicht herausfinden. Wohl aber deren psychologische Bedeutung: „Gelb bedeutet Leichtigkeit und bringt ein Gefühl von Schwerelosigkeit und Heiterkeit“, so die Farbenlehre. Geistig verhilft es offenbar zu Klarheit, Einsicht und Verständnis. Einmal heißt es sogar, dass Gelb die Farbe der Weisheit und Erkenntnis ist. Und das kann ja schon fast kein Zufall mehr sein . . .

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